Seass Peter,
der Artikel ist auf deutsch und in der Z. Mykol. erschienen. Insofern ist er für alle (sage ich mal so) lesbar. Und wer (wie ich) nicht Mitglied in der DGfM ist, der kann den Artikel bei Interesse sicher von jemandem bekommen, denn hier sind viele DGfM-Mitglieder im Forum (und auch anderswo). Zugriff sollter also keine Minderheitensache sein.
Gretchenfrage, wollen wir alle künftigen Anfragen mit den neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen zupflastern...
Ich sag's weniger provokant anderherum gedreht: warum soll man neue Erkenntnisse ignorieren? Wissenschaft schafft Wissen. Früher hatte es - sagen wir mal - 20 bis 30 Jahre gedauert, bis neue Erkenntnisse irgendwann mal in populären Büchern auftauchen, teils länger. Heute geht vieles schneller, weil man per Internet direkt kommuniziert. Man bekommt jetzt auch als Laie Informationen, die früher nur den Profis zugänglich waren. Ich finde das gut so und so kann auch jeder Laie heutzutage, wenn er oder sie will, tiefer einsteigen und "mitmischen".
Zupflastern - das klingt, als sollte man schweigen. Dann gäbe es auch nur einen Roten Kelchbecherling. Woher weißt du, dass das Sporenkeimverhalten wichtig ist. Eben von dem, was du hier eher ablehnst. Du wurdest mit Infos rund um Sarcoscypha versorgt, hast die Fachartikel gelesen. Man kann die alle dennoch Sarcoscypha coccinea nennen, wie vor 30 Jahren überall üblich. Geht, ist aber eben fachlich falsch.
Was würdest du tun, wenn jemand hier im Forum einen roten Becherling zeigt und sagt, dass sei Sarcoscypha coccinea, weil der rot ist und im Frühjahr wächst? Abnicken? Glaube ich nicht. Du wirst sagen, dass es ein Aggregat ist und die Art so makroskopisch nicht bestimmbar ist.
Jetzt ist es halt kein roter Becher, sondern ein graubrauner Pilz. Der soll jetzt aber Psathyrella spadiceogrisea sein, weil er im Frühjahr wächst. Und dann komme diesmal ich und merke an, dass es ein Aggregat ist und das Merkmal "im Frühjahr" nicht greift. Warum siehst du das kritisch, bei den Beschern aber nicht?
Es tut keinem weh, ein "agg." hinten dran zu schreiben. Das ist dann ehrlich und gut ist. Ich sage eben, dass ich mir nicht zutraue, Sarcoscypha austriaca rein makroskopisch zu bestimmen. Und ich sage auch, dass ich mir nicht zutraue, Psathyrella spadiceogrisea makroskopisch zu bestimmen.
Wenn, dann Sarcoscypha coccinea agg. oder Psathyrella spadiceogrisea agg. Mir tun die drei Buchstaben jedenfalls nicht weh.
Nebenbei angemerkt, ich fühle mich bei den Psathyrellen makroskopisch dermaßen unsicher, dass ich mir selbst das Aggregat makroskopisch nicht sicher zutraue. Für mich ist das einer von mehreren Faserlingen, die im Frühjahr kommen. Bestimmungsverscuhe mache ich da nur mit vollem Programm. Deshalb bin ich oft erstaunt, wie sicher andere aus der Hüfte geschossen Faserlinge nach Bild bestimmen. Wäre es gesichert, würde ich das bewundern. Das schaffen aber eher die Spezialisten. Und da immer wieder in diversen Foren und offenbar auch auf fb alles mögliche mürblingsartige automatisch als Psathyrella spadiceogrisea oder, wenn mit Velum als Psathyrella condolleana (mittlerweile eine andere Gattung, wenn ich's mir richtig gemerkt habe) "geraten" wird, wollte ich hier eben mal kritisch einwerfen, dass es so einfach nicht geht.
Natürlich kann man dabei bleiben, dass alles graubraune im Frühjahr Ps. spadiceogrisea ist. Dann ist aber auch alles rote Sarcoscypha coccinea, egal wie sich die Haare kräuseln und die Sporen keimen. Steht so in allen (alten) Büchern. Und neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft stören da nur ;-). (Ich sag's eben bewusst provokant)
Ich sehe es eben so: wer die Infos nutzen will, soll sie nutzen, wer sie ignorieren will, soll sie ignorieren. Aber verschweigt man sie, dann kann der Leser nicht selber entscheiden, was er annimmt und was er ignoriert. Ich bin dankbar, wenn ich aktuelle Infos bekomme. Und ich sehe ein Forum auch als etwas an, wo man aktuelle Infos weitergeben sollte.
Liebe Grüße,
Christoph