Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Thomas,


    gern geschehen :-).


    Servus PDPAP-Peter, dich meinte ich gar nicht. Sorry!


    Ich meinte den User Peter - ich bin noch Generation Moser-Schlüssel und fand den grandios. Dass manche mit Schlüsseln falsch umgingen (der Moser war eine Bestimmungshilfe, man musste auch damals schon die Ergebnisse dann mit Spezialliteratur abgleichen, wenn man die Bestimmung absichern will - das ist heute auch noch so, ob Funga Nordica oder Gröger...), ist nicht Schuld des Moser-Schlüssels.


    Felderfahrung - also Erfahrung, Pilze im Gelände bestimmen zu können - kann man doch auch nur aufbauen, wenn man lernt, welche Merkmale man im Feld prüfen muss. Mein ganzes Artenwissen, das ich im Lauf der Jahre aufgebaut habe oder meine aufgebaut zu haben beruht auf der Arbeit mit Bestimmungsschlüsseln. Und da hat der Moser extrem geholfen. Ich wusste aber damals schon, dass nicht alle Arten enthalten sind, dass nicht alle Gattungen gehen, weil manche Schlüssel auf mittlerweile überholten Artkonzepten beruhten (die Dickröhrlinge beispielsweise). Aber es ist ein Gesamtwerk gewesen, mit dem man sich überall einarbeiten konnte. Und das war damals sehr wichtig. Aber auch der Moser arbeitete mit Mikromerkmalen. Trotzdem lernte man auch, viele Makormerkmale zu nutzen und zu deuten.


    Deshalb mag ich die Bestimmungsapps oder andere, synoptische Schlüssel nicht. Ich lerne da beim Bestimmungsprozess nichts. Ich mag es, zu lernen, warum man einen Pilz in die oder dieGattung einordnet. Ich will das ja später auch alleine können (im Feld). Und da ist - finde ich - am Anfang weniger mehr. Weniger Arten mitnehmen, dafür eine ganze Kollektion und sich mit der intensiv beschäftigen, sauber die Merkmale analysieren (auch Sporenpulver, Reaktion mit Melzers, Ökologie, Velumverhältnisse, Konsistenz usw.), schlüsseln, im Nirvana landen (merkt man durch Abgleich des Ergebnisses mit anderen Büchern), neu schlüsseln und irgendwann macht es klick, ein Aha-Erlebnis und man versteht, was gemeint ist. Und ist der Schlüssel fehlerhaft, verbessert man ihn eben selbst. Ist er zu fehlerhaft, dass er nicht nachträglich reparierbar ist, nimmt man einen anderen Schlüssel.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    So, nochmal ich - ich möchte das Velum universale von Tubaria zeigen. Man sieht die Velumreste am besten am Hutrand. Auf dem Hut werden sie oft vom Regen abgewaschen. Am Stiel zeigen sich auch Velumflocken bis Velumbänder.


    Regen wäscht den Hut meist ab, am Stiel bleibt aber meist was zu sehen, es sei denn, man nimmt den Stiel unsachgemäß in die Hand (dreht ihn zwischen zwei Fingern, wischt alles ab).


    Tubaria furfuracea - Hier sind die Velumspuren sehr dezent, aber noch vorhanden. Man sieht die Flocken am Stiel (wenige Flocken) und am extremen Hutrand die Reste. Der Rest ist abgewaschen.


    Die gleiche Gruppe von unten betrachtet - am Stiel sind die Velumreste jetzt schon sehr deutlich zu erkennen, finde ich. Der rechte Fruchtkörper zeigt jetzt noch mehr, weiße, sehr feine Velumdupfer auch weiter mittig auf dem Hut, der zweite von links deutlicher (Pfeil), aberfast nur am Hutrand.


    Tubaria hiemalis - Und hier kann man das Velum wirklich nicht übersehen. Es ist wunderschön, weiß auf fuchsbraunem Grund.


    Dass aber alle Tubarien einen Ring haben, stimmt nicht. Der Ring ist aber Velum universale, wenn er vorhanden ist (z. B. Tubaria confragosa).


    Und noch eine Tubaria:

    Tubaria conspersa - deutlicher geht das Velum nicht. Man sieht schön, dass die Flocken den ganzen Stiel hochgehen (Cauloblem). Auf dem Hut ist es richtig fransig-zottig.


    Tubaria cf. romagnesiana - und auch hier sieht man am Stiel sehr deutlich Velumreste, die eine angedeutete Ringzone bilden (keinen häutigen Ring) - auf dem Hut sieht man am linken Exemplar auch noch sehr fein Velumreste am Hutrand. Hier könnte man nicht erkennen, ob es Velum partiale oder Velum universale ist. Die Fruchtkörper wuchsen bei Dauerregen, da wurde fast alles abgewaschen - der Stiel ist da aber immer ein bisserl geschützt.


    Ob Tubaria confragosa, T. hiemalis und T. romagnesiana nun eine Art oder drei Arten darstellen, ist hier irrelevant. Ich will nur zeigen, dass die Gattung Tubaria keine nackten Fruchtkörper bildet, sondern eben typisch ist, dass sie Velumflocken auf dem Hut und am Stiel haben (Velum universale).


    Ich finde es unglaublich spannend, genau hinzusehen und solche Merkmale bewusst zu erkennen und zu deuten. Je mehr man am Fruchtkörper "lesen" kann, umso schneller wird man später Pilzgattungen/-arten erlernen können.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    7 ist ein Weißsporer mit inamyloidem Sporenpulver. Sehr jung dürftest du ein corinaartiges Velum erkennen können. Du kommst aber auch ohne Velum auf die Art. Das Fleisch ist nicht gummiartig, sondern normal faserig. Der Pilz wächst am Boden. Die Gattung müsstest du damit schlüsseln können ;)


    8 hat sicher freie Lamellen - Cystoderma hat keine freien Lamellen und ein körniges Velum - ich sehe hier nur fasern, keine Körner. Dein Pilz hat eine Sollbruchstelle zwischen Hut und Stiel. Das Sporenpulver ist weiß - auch damit müsstest du in die richtige Ecke kommen können.


    9 da brauchst du das Sporenpulver - ich passe nur nach Foto von unten


    10 - da wäre dir aufgefallen, dass die Lamellen als Ganzes ablösbar sind (wenn man weiß, dass man darauf achtet, prüft man das). Der Pilz riecht recht süßlich-aromatisch. Das Sporenpulver ist nicht rein weiß, sondern creme. Das Fleisch aber wie bei Trichterlingen eher gummiartig. Trichterling ist nahe dran, auch verwandtschaftlich.


    Falls du lieber die Namen genannt haben willst, gib Bescheid.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich habe den Thread jetzt erst entdeckt - ich war zu lange offline, da wurde das Tricholomopsis nicht mehr angezeigt.


    Bei Problemen kann ich immer gerne helfen (wenn ich gerade Zeit habe - wenn nicht, dann etwas später). Das Problem des Eingangspostings hatte ich mit dem Threasderöffner per PN geklärt, da er mir auch geschrieben hatte und mir das beim Wiedereinstieg hier natürlich angezeigt wurde.


    Zur Tubaria - ja, auch Tubaria furfuracea hat ein Velum universale - sogar recht deutlich. Die Flocken am Hutrand, sieht man vor allem bei jungen Exemplaren.


    Deshalb möchte ich hier, unabhängig von den Beispielen des Threads (habe nicht alles gelesen), etwas grundsätzliches erklären:


    Man darf nie glauben, alle Pilze, die man findet, bestimmen zu können. Da hat Peter recht, auch wenn ich seine pessimistische Grundhaltung nicht verstehe. Um eine Chance zu haben, sollte man eine Kollektion vor sich haben, von jung bis alt. Sonst fehlen möglicherweise wichtige Merkmale.


    Wie bei Tubaria - alte Fruchtkörper zeigen oft kein Velum mehr (oder es ist nur mit viel Erfahrung erkennbar - Pilzforensik). Aber wie soll man Gattungen schlüsseln, wenn man auch atypische oder alte Exemplare mit einbeziehen soll? Wie soll man bei einem Artenschlüssel z. B. alte Phlegmacien ohne Wissen über die Lamellenfarbe bei jungen Fruchtkörpern schlüsseln?


    Es geht auch nicht darum, immer Erfolg beim Bestimmen zu haben. Es geht auch darum, durch das Schlüsseln Merkmale zu erlernen, zu wissen, worauf man achten muss. Dass Climby/Stefan nie aufgefallen ist, dass Tubaria furfuracea ein Velum universale hat, zeigt das doch. Er beschäftigt sich viel mit Pilzen - aber warum auf solche Details achten, wenn man nicht auf diese hingestubbst wird?


    Ich würde nie behaupten, dass man mit meinem Schlüssel jetzt makroskopisch alle Gattungen rausbekommt. Aber vielleicht doch einige - und mit mehr Erfahrung noch mehr. Und deshalb erkläre ich auch ausführlich in dem Buch die Bestimmungsmerkmale.


    Natürlich ist ein Schlüssel nur so gut, wie er gemacht wurde. Das ist bei allen Werken so. Das gilt auch für Beschreibungen. Mein Ansatz ist es aber, auch Fortgeschrittene wie Climby dazu zu bringen, genauer hinzusehen. Je mehr Merkmale man beachtet, umso genauer man zu beobachten lernt, umso sicherer wird man später bestimmen können. Felderfahrung bringt dann etwas, wenn es sich um Erfahrung bei den Pilzmerkmalen handelt und nicht um das Wissen über Spazierwege (Felderfahrung ist so abstrakt - manche gehen 10 Jahre ins "Feld" und können wenig bestimmen, andere drei Jahre und sind topfit, was Bestimmung angeht) - das bezieht sich natürlich nicht auf Climby.


    Für Einsteiger ist es schwierig, da die Begriffe einen erschlagen können und man lernen muss, sie zu beobachten. Man muss auch lernen, mit einem Schlüssel umzugehen. Deshalb kann man ja mit einem Fliegenpilz anfangen. Den kennt jeder. Kann man den aber auch anhand des Schlüssels erkennen / herausbekommen? Dann einen Steinpilz. Vielleicht einen Hallimasch... man lernt, zu schlüsseln. Nicht umsonst wird das auch bei Pilzkursen durchaus gelehrt, denn sooo einfach ist das nicht.


    Ich war übrigens froh, dass es den Moserschlüssel gab (mit Mikroskopie aber). Er war ein mehr als wertvolles Hilfsmittel, ich will den nicht schlechtreden oder schlechtgeredet sehen. Man muss aber wissen, wie man mit so einem Hilfsmittel umgeht und auch einschätzen können, wie verlässlich die Ergebnisse sind.


    Kein Gattungsschlüssel ersetzt Spezialliteratur. Kommt man aber über einen Schlüssel z. B. zu Tubaria, dann kann man mit der passenden, tieferen Literatur prüfen, ob das plausibel war. Ein Schlüssel ist nur ein erstes Hilfsmittel dahin.


    Fehler wird man in jedem Schlüssel finden. Wenn man welche findet, kann man die aber auch verbessern (Notizen machen usw.). Es ist ein Hilfs-Tool für das Kennenlernen von Merkmalen, Merkmalskombinationen und Gattungen oder Habitustypen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


    Ich hab e kein Problem damit, wenn kleine Passagen im Originaltext oder als Foto eingestellt werden. Der Verlag sicher auch nicht - wenn es nicht seitenweise passiert, denn der Schlüssel war wirklich sehr viel Arbeit und natürlich mit ein Feature, dass in der Form woanders ohne Mikromerkmale selten zu finden ist. Ich versuche nämlich, durch den Schlüsseltext auch Merkmale zu erklären, Ausnahmen klar zu benennen - man muss auf das Wort "oder" sehr gut achten.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Marcel,


    das ist ja interessant. Ich kenne sie nur fleckend. Auch das folgende Bild zeigt das klare Bräunen auf Druck an den Poren.



    Und gegart verlieren sie m.M.n. die Schärfe (der Geschmacksstoff geth sehr leicht in duie Gasphase über, das ist von Chemikern geklärt worden). Ich esse aber sehr gerne sehr scharf und noch leicht schwarfe Pfefferröhrlinge sind für mich vermutlich mild. ;)

    Vielleicht variiert aber die Menge des Gescheschmacksstoffs von Kollektion zu Kollektion (oder von Taxon zu Taxon)?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Lieber Marcel,


    da bin ich ganz deiner Meinung. Da bekannt ist, dass man auf Erdnüsse stark reagieren kann, sollte eben auf Nahrungsmitteln stehen "kann Spuren von Erdnüssen enthalten" - wenn dem so ist (gleiche Maschine, die auch andere Stoffe zermahlt und schon ist in einem erdnussfreien Essen Erdnuss enthalten.


    Nahrungsmittelallergien sind recht gut bekannt, auch die Häufigkeit. Die Betroffenen wissen meist davon, weil dei Symptome von Mal zu Mal stärker werden. Deshalb wissen sie, den warnhinwies zu verstehen.


    Allergien auf Steinpilze sind eher selten, ich kenne das mehr vom Zuchtegerling. Und da scheint (logischerweise) Rohgenuss eher zu Allergien zu führen als gekochte Pilze, denn dann kommt das Immunsystem nicht mit den degenerierten, sondern den kompletten Proteinen (es geht meist um Lektine, die den Verdauungstrakt überstehen) in Kontakt. Steinpilze werden oft nur kurz gegart, was eine Allergieauslösung sicher begünstigt.


    Wieviele Personen intensiv Austernpilzsporen inhalieren, weiß ich nicht. In den kommerziellen Betrieben passiert das nicht mehr, da die Mitarbeiter mit Atemschutzmasken arbeiten. Im Privbatbereich kannte ich Austernpilzzucht nur auf z. B. Strohballen im Garten (geht sehr gut, teils extrem ergiebig, da sind viele Nematoden drin, die die Austernpilze so gerne fressen). Im Garten sind die Sporen kein Problem (viiieeel Luft rundum).

    Dass man als Privatperson Austernpilze in der eigenen Wohnung / im eigenen Haus züchtet, hätte ich nicht gedacht, da ich meinte, dass die damaligen Meldungen aus dern 80er Jahren Warnung genug wären. Mittlerweile wurde das wohl vergessen und man könnte warten, was sich unter Hobbyzüchtern so ergeben wird.


    Dass aber ohne irgendeine Warnung, ohne irgendeinen Hinweis solche Zuchtsets abgeboten werden, hat mich schon sehr gewundert. Zumindest der Hinweis, dass Asthmatiker und Personen, die zu lungenaffinen Allergien neigen eine Atemschutzmaske tragen solltem, würde ich als Beipackzettel erwarten. Vielleicht verkauft sich das Set dann nicht mehr so gut.


    Wie gesagt - mich wunderte nur das "für im Haus, für im Keller". Warum nicht im Garten? Da kann nichts passieren. Und wenn man Pilze im eigenen Haus züchten will, warum dann gerrade die Pilzart, die als die hierbei problematischste bekannt ist?


    Mir könnte es eigentlich wurscht sein, was anderen passiert - ist es aber nicht. Zumal ich als Pilzberater ja beratend tätig sein will. Deshalb hatte ich mir ja von Seiten derer, die hier viel Erfahrung mit Pilzzucht haben (oder der Forenleitung, die Firma vertreibt das Zuchtset ja), handfeste Infos erhofft. Vielleicht gibt es entlastende Gegenstudien? Oder es ist ein steriler Zuchtstamm, der dann natürlich problemlos auch indoors angebaut werden kann (aber auch da sollte man das explizit angeben, damit man nicht auf die Idee kommt, Wildstämme zuhause zu kultivieren).


    Gerade für Pilzberater ist es m.E. wichtig, über Pilze auch zu beraten. Ob es um die Empfehlung geht, Pilze nicht roh zu verzehren oder das Abraten, leicht verwechselbare Arten allein zu sammeln und zu essen oder darum, ob man Lactarius turpis silieren sollte (krebserrgend, daher nein) oder eben, ob man Austernpilze im Zimmer nebenan züchten kann.


    Im Moment würde ich als Pilzberater abraten, diese Zuchtsets in den eigenen vier Wänden zu verwenden - wenn, dann im Garten. Austernpilze sind frosthart. Und gießen kann man da auch. Und wer keinen Garten hat, hat einen Balkon? Und wer auch keinen Balkon hat, der züchtet halt nicht - oder nimmt das Risiko in Kauf. Klar, aber dann sollte man wenigstens von dem Risiko wissen, finde ich. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    ja, Notizen, auch zur Ökologie, sind immer wichtig. Aber man lernt ja immer Stück für Stück dazu. Auch die Sporenpulverfarbe ist sehr wichtig - bei dem Schüppling kann man sie aber am Stiel eh gut sehen.


    Ich gehe einfach mal (mit dir zusammen, virtuell) den Schlüssel durch - ganz von vorne:


    Einstieg:

    1. mit Lamellen, also weiter zu Schlüssel B (die Buchstaben nehme ich mal mit, in den Schlüsseln fängts ja wieder jeweils von vorne an)



    Schlüssel B:


    B1. Fruchtkörper nicht durch Autolyse zerfließend, also weiter zu B7


    B7.Jetzt werden die rausgenommen, die durch Autolyse zerfließen (die aber hell ockerbraunes, nicht dunkelbraun bis schwarzes Sporenpulver haben - ein "oder bei B1"). Da deiner ja nicht zerflossen ist, bleibt es dabei - die Alternative, weiter zu B8


    B8. Hier ist der Text etwas länger - ich trenne die Milchlinge ab (aber lasse die ebenfalls Milchsaft führenden Helmlinge wie den Bluthelmling bei der Alternative - der Schlüsseltext erklärt auch für Einsteiger, was mit Milch gemeint ist). Bei B8* steht u.a., ohne Milchsaft, Fleisch faserig oder brüchig wie ein Apfel - also weiter zu B12


    B12. Jetzt werde die Täublinge abgetrennt (kein Milchsaft, aber Fleisch wie Apfel brechend plus weitere Kombinationen an Merkmalen) - deine hat faseriges Gleisch und zudem braunes Sporenpulver, kann also kein Täubling sein (zudem Vela usw.) - weiter zu B13


    B13. Jetzt werden die Arten mit Sollbruchstelle zwischen Hut und Stiel abgetrennt. Bei denen sind die Lamellen oft frei oder fast frei, müssen es aber nicht sein. Die Alternative besagt, dass es keine Sollbruchstelle gibt. Die Sollbruchstelle kann man gut an Zuchtegerlingen testen/kennenlernen. Den Stiel kann man einfach aus dem Hut herausdrehen, herausbrechen. Dass dein Pilz keine Sollbruchstelle hat, müsstest du jetzt raten, wenn du keine Notizen hast. Du kannst dann beide Wege gehen und wirst feststellen, dass du beim Weg "mit Sollbruchstelle" rausfliegen wirst, weil keine der dort angegebenen Sporenpulverfarben passen wird. Aich sowas kann hilfreich sein, weil man sich jetzt merkt, was noch mit dem Merkmal Sollbruchstelle korreliert. Dass alles nicht sooo einfach ist, sieht man daran, dass es auch Arten ohne Sollbruchstelle mit freien Lamellen gibt (wie den Halsbandschwindling).Deshalb bei B13* das "oder" falls die Lamellen frei sind, dann ist der Fruchtkörper auffallend zäh, gummiartig. Also passt nur B13*, folglich weiter zu B35


    B35 - ein großer Sprung, da alle lamelligen Amanitaceae, Pluteaceae und Agaricaeae vorher abgetrennt wurde (bei B13). Jetzt wird geprüft, ob du eine Entolomataceae vor dir liegen hast - also Sporenpulver "mykologenrosa", rosabraun und Fruchtkörper völlig nackt, ohne Velumspuren. Da dein Fruchtkörper rostbraunes Sporenpulver hat und eine deutliche Cortinazone (und Velum universale am Hut), ist klar, B35* - weiter zu B40


    B40 - jetzt werden Hell- von Duinkelsporern getrennt - rostbraun ist bei B40* dabei, also weiter zu Schlüssel F



    Schlüssel F - der ist eigentlich für zierliche Braunsporer, die fleischigen werden deshalb sofort abgetrennt...


    F1. - Hut und Stiel fleischig, weiter zu Schlüssel G



    Schlüssel G - später wirst du bei sowas direkt hier einsteigen, denn es ist ein Braunsporer (kein Schwarzsporer ider sowas) und er ist fleischig. Auf dem Weg hierhin lernt man aber direkt die Sollbruchstelle kennen, die Sporenpulverfarben usw.. Deshalb mag ich dichotome Schlüssel so gerne, denn man lernt beim Bestimmungsprozess, auch wenn man immer wieder mal rausfliegen kann oder nicht weiterkommt, wenn ein Merkmal fehlt (dann weiß man aber für die Zukunft, dass das Merkmal wichtig ist und man darauf achten muss).


    G1 - hier geht es um den Lamellenanwuchs. Bei dir ist er ausgebuchtet, also nicht deutlich herablaufend (sieht man gut am Foto), also weiter zu G5, denn sie sind nicht klar herbalufend. Dein Krempling wäre hier bei G2 gelandet und du wärst schnell bei Paxillus rausgekommen...


    G5 - so, und hier wäre quasi Schluss gewesen, denn ich frage hier danach, ob auf Holz oder auf dem Boden... Wenn auf dem Boden, kann ja auch mal Holz drunter sein. Pholiota lenta wächst gern scheinbar auf dem Boden (vergrabenes Holz), weshalb ich diese Art auch bei der Alternative "am Boden" schlüssle. Du wärst da aber nicht hingekommen, da ich da auf die weißen Velumreste im Schleim eingehe (weiter hinten). Jetzt können auch bodenbewohnende Arten mal auf Holz wachsen - bei sowas lohnt es sich also, mal beide Wege zu gehen. Man erhält dann vielleicht zwei Gattungen als Ergebnis und kann dann nachsehen, was besser passt (Internet, Bücher). Ich bin mir aber sicher, dass deiner direkt auf Holz war, also G6


    G6 - der Hut ist schleimig, man sieht es ganz gut. Bei Feuchtigkeit wird das klarer sein. Flocken des Velum universale schwimmen auch im Schleim . Du kommst aber über beide Schlüsselalternativen zu Pholiota (die trockenhütigen bis wenig schleimigen, nur schmierigen Arten werden nach G13 geleitet... ich schlage hier aber mal G7 vor, da auf dem Foto doch ziemlich glänzender Schleim erkennbar ist. Jung gelbe Lamellen passt auch - sieht man am Foto, der Lamellengrund ist immer noch gelb. G7 passt also sehr gut.


    G7 - glatt ist der Hut nicht - ich sehe in der Hutmitte angedrückte Schuppen. Velumflocken sieht man auch im Schleim und der Stiel zeigt ja auch Spuren vom Velum universale - also weiter zu G11 - Funfact - bei G9 beschreibe ich die Ähnlichkeit von Pholiota astragalina zu Hypholoma - nach Drucklegung des Buchs kam eine Publikation raus, die Pholiota neu bewertet und siehe da, Pholiota astragalina ist sehr nah mit Schwefelköpfen verwandt und gehört nicht zu Pholiota, sondern ist nun eine eigene Gattung. Aber egal, wir kommen da ja nicht hin, wir gehen zu G11


    G11 - der Hut ist nicht schön orange bis rot, es ist nicht der Rothütige Träuschling (Sporenpulverfarbe passt ja auch nicht) - weiter zu G12 (ich sehe gerade, vor Lamellen rostbraun bis dunkelbraun hätte ich ein "alt" oder "reif" davor setzen sollen. (werde ich in der Folgeauflage verbessern, wobei es hier nicht stört, es soll die alt grauschwarzen Lamellen von Leraceomyces abtrennen - und da hieß es ja alt)


    G12 - hier sind wir am Ende, es geht um Kuehneromyces mutabilis vs. Pholiota, also müsstest du bei Pholiota rauskommen ;)



    Man kann zur Gattung über mehrere Wege kommen. Es gibt ja auch schuppenlose Schüpplinge wie Pholiota nematoloides (Schweflkopfschüppling) oder die ehenaligen Schüpplinge der Gattung Flammula (usw.).



    Der Weg ist komplex, weil es eben viele Pilzgattungen gibt - und Braunsporer nicht immer einfach sind. Aber bis zum Schlüssel G sollte alles ein Selbstläufer sein. Und je weiter man kommt, umso besser kann man mal beide Wege gehen, wenn man an einem Punkt unsicher ist.


    Ich selber habe durch Schlüsseln viel gelernt. Das finde ich viel leichter, als Einzelarten zu erlernen. Man braucht Gattungsmerkmale bzw. ein Gefühl für Gattungen und/oder Habitustypen. Und durch Schlüsseln bekommt man das, wenn der Schlüssel was taugt. Und da kein Schlüssel fehlerfrei ist (die Autoren sind ja Menschen), kann man jederzeit durch Notizen, Anmerkungen, Korrekturen Schlüssel auch selber verbessern und/oder ausbauen.


    Ich habe zwar mit Excel-Dateien gearbeitet, in denen ich mir Merkmalslisten gemacht habe, aber man kann auch immer mal eine Merkmalskombination vergessen oder irgendwo den Überblick selber verlieren. Und wenn es um little brown mushrooms geht, dann ist es eh schwer, Gattungen zu schlüsseln. Mit Mikromerkmalen ist das viel einfacher, man hat mehr Trennmerkmale, aber das bringt dem Einsteiger und nicht mikroskopierenden Fortgeschrittenen nichts.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Ah, o.k., aber genau das meinte ich. Das fängt mit kleinen Einzelpunkten an (was man hier noch erkennen kann - auf "11 Uhr" am größeren der beiden sieht man außen einen Einzelfleck, auf 12 Uhr undeutlicher auch.

    Das kenne ich immer wieder von "alten Gelben" (in weiß und gelb). Das sieht sehr nach Bakterienbefall aus. Das gibt es bei vielen Pilzen - so auch bei Cuphophyllus virgineus (rosa Stielbasis, wurde mal als Varietät beschrieben) - es gibt wohl mehrere Bakterien, die bei Pilzen eine rote Verfärbung auslösen. Ich habe mich aber nie genauer damit beschäftigt. Falls es kein Bakterium, sondern eine Hefe ist (da gibt es auch rote), wäre Bakterium natürlich weit daneben.


    Auf alle Fälle ein Befall. Und kein seltener. Ich krame gerade in meinem Hirn - habe ich das mal bei anderen aus der Phalloides-Verwandtschaft im weitesten Sinn gesehen? Ich meine, bei Amanita virosa auch... War glaube ich im BayerWald.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich habe mal schnell gegoogelt, da ich an das Paper, das Norbert S. verlinkt hat, nicht rankam - und fand auf research gate einen zwar auch alten, aber sehr interessanten Beitrag:


    (PDF) Extrinsic allergic alveolitis caused by spores of the oyster mushroom Pleurotus ostreatus


    Ich zitiere zwei der vier vorgestellten Fälle:


    Subject 3: a 37-yr-old-man, who worked as a nurse and in his spare-time had been cultivatting the mushroom Pleurotus ostreatus for three months. He repeatedly had symptoms of dyspnoea, cough, chills and nausea, starting 6-10 h after contact with the mushroom.


    Subject 4: a friend of subject 3, a 29-yr-old ambulance driver, who had been cult ivating the mushroom Pleurotus ostreatus in his spare-time for three months. Seven hours after contact with the mushroom he repeatedly showed symptoms of fever, cough, wheezing, chills, perspiration a nd sputum production.


    aus: Cox et al. (1988): Extrinsic allergic alveolitis caused by spores of the oyster mushroom pleurotus ostreatus. Eur. Respir. J. 1: 466–468. Das Zitat ist von S. 466


    Interessant daran ist, finde ich, dass die Betroffenen Austernpilz als Hobby züchteten. "Subjekte 3 und 4 - was für eine Ausdrucksweise, heute würde man "Cases No. 3 and 4" schreiben - haben drei Monate lang gezüchtet - ich weiß nicht, wie oft so ein Zuchtset fruktifiziert und wie lange man dann den Sporen ausgesetzt wäre. Jedenfalls sind es zwei Freunde gewesen, die beide jeweils als Hobby daheim Austernpilze züchteten und beide sind erkrankt.


    Noch zwei Zitate aus dem Aufsatz:


    Apparently this type of allergic alveolitis develops after a rather short exposition of only a few months. The exposition must not necessarily be very intensive: growing this mushroom as a hobby is sufficient to create a hypersensitivity.


    und:


    Protective measures, like wearing a face mask (3-M non-toxic particle masks Nos 6985 and 8500 showing an efficiency of 99% for particles with a diameter of IO~t a nd more), are advised when working with this mushroom.


    beide aus Cox et al. (1988: 467)


    Die Autoren sagen zudem, dass "die" Pilzzüchterlunge wohl allein von Pleurotus ostreatus ausgelöst wird, während man vorher nur die Probleme bei Aharicus bisporus in großen Zuchtbetrieben kannte, die von Actinomyzeten am Egerling (Actinomyzeten sind aber Bakterien) ausgelöst wird.


    Wie gesagt - meine Anfrage kam nicht aus Hysterie heraus ( Peter), sondern auf der Grundlage von publizierten Fallstudien. Ich dachte aber, dass seit damals (80er Jahre) klar sei, dass Pleurotus problematisch sei und dass Zuchtbetriebe Atemschutz haben müssen (die Krankheitsquote ist sonst zu hoch). Deshalb war ich so überrascht, dass plötzlich ausgerechnet Austernpilzzuchtsets für zuhause(!) angeboten werden - und ohne Erklärung (z. B. maximale Dauer, die tolerierbar ist). Auch wenn es die Sponsorfirma dieses Forums ist - oder gerade dann. Vielleicht ist sich die Firma dessen nicht bewusst. Ein "to-do" zum Gesundheitsschutz wäre da schon wichtig.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: Wer's nicht glaubt, kann den Artikel nachlesen, ich habe den Link zum Download ja angegeben.

    Lieber Werner,


    ja, denn der Sparrige kann auch Pholiota lundbergii sein (der Pholiota-squarrosa-Komplex ist nicht so leicht, wie man meinen könnte). Der ist auch als Pholiota kodiakensis aus Alaska beschrieben worden (ich weiß gerade nicht, welcher Name Priorität hat) und eben auch aus Schweden. Da ich nicht weiß, woher der abgebildete Schüppling kommt (Alpen, weiter oben? Tiefland?) und ich nicht weiß, ob hier auf die wenig bekannte Ph. lundbergii geachtet wurde, traue ich mir Sparrige nach Foto nicht auf die Art zu bestimmen.

    Im Moment sind in dem Komplex wohl nur vier Arten bekannt:


    Pholiota squarrosa, Ph. lundbergii/kodiakensis, Ph. suqarrosoides, eine Ph. spec. aus China mit Ph-squarrosa-Habitus (und Ph. flammens, die ganz anders aussieht und noch eine Ph. spec., von der ich nicht weiß, wie sie aussieht, kenne das nur aus einem DNA-Stammbaum).


    Je mehr man (alle zusammen, die "Welt") weiß, umso mehr weiß man, dass man selber (man alleine) wenig weiß ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Peter,


    kleine, rote Flecken? Meines Wissens Bakterien. Kenne ich am Hut von Amanita citrina.


    es sind von Amanita mehrere Befälle bekannt. Interessant ist ein Befall, durch den das Fleich stark gilbt (an der Luft beim Durchschneiden - das hat schon zur Beschreibung von Taxa geführt, wobei der Befall selbst noch nicht klar ist, also was es auslöst. Tulloss hat das diskutiert...). Es gibt auch Bakterienbefall, der die Lamellen rosa umfärbt, was bei weißen Knollis nicht immer harmlos ist.

    Viren machen eher Wuchsanomalien, kenne mich da aber recht wenig aus.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Lieber Stefan,


    versuche es mal über den Schlüssel ;-).

    Das Buch ist die Neuauflage eines Buchs über 150 Pilzarten. Das war das Konzept des Verlags. Wir haben dann überlegt, welche 150 rein sollten und haben. Damals hatten wir keinen Schüppling gewählt, da weder als Speise- noch als Giftpilz relevant (außer Kuehneromyces mutabilis).


    Ich komme hier auf Schüppling, weil

    1. Sporenpulver rostfarben (sieht man an der Cortina)

    2. Hut schleimig und mit deutlichen Resten des Velum universale im Schleim (die braunen Flocken am Hutrand)

    3. Lamellen mit deutlichem Gelbton


    Das passt alle auch auf Cortinarius. Aber der schlanke Habitus passt nicht zu Schleimköpfen und dann die Art der Velumschuppen/-flocken.


    Daher ist das ein eigentlich ganz typischer Schüppling. Ich hoffe/denke, dass du den über den Schlüssel rausbekommen müsstest (er ist doch auf Holz gewachsen?).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Hallo Christoph, Das konnte ich so, zum Glück, noch nicht beobachten, also dass die Austern Sporen erzeugen in Masse, ja, aber Atmenprobleme bekommt davon nicht jeder.

    Siehst du das wirklich so problematisch? Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten: Als Pilzneuling traute ich mir nicht zu wilde Austern zu erkennen u ernten. Probieren wollte ich trotzdem...Deshalb kaufte ich bei Pilzmännchen ein Zuchtset, welches ich im Keller hegte und pflegte, jedoch ohne Fruchtkörpererfolg.

    Also dachte ich: was für ein Sch...., weg damit - auf dem Dachboden - da steht mein PC und Schreibtisch- stand ein alter Computerstuhl der auch entsorgt werden musste und ich legte den Sack Austernbrut da drauf um beides zu entsorgen.. naja, es wurde kälter und wie es so ist, vergaß ich beides... Wochen später war der Stuhl komplett übersät mit Austernpilzen :grofl: - und deren Sporen. Wir haben die auch geerntet - Erfahrungsbericht hatte ich im Forum schon mal geschrieben- und danach Stuhl u Austernreste entsorgt.

    Obwohl sich die Sporen im ganzen Raum verteilt haben sollten, haben weder Andre, ich noch Hund u Katze bleibende Schäden bemerkt, bzw Atemprobleme bekommen.

    Liebe hilmgridd,


    ich selber kann das nicht wirklich abschätzen. Ich weiß nur, dass Austernpilze besonders große Sporenmengen pro Zeit produzieren und es viele Fälle gibt, bei denen dadurch Probleme ausgelöst wurden.


    ich zitiere mal aus der Quelle, die Norbert S. dankenswerterweise angegeben hat:


    "Untersuchungen mit Hilfe der Geldiffusionstechnik nach Ouchterlony und der Immunelektrophorese ergaben, daß mindestens drei Antigene an den Sporen vorhanden sind. Eine der Komponenten ist für Mensch und Tier in gleicher Weise immunogen. Bei verstärktem industriellem Anbau sowie bei der Heimzucht dieses Speisepilzes besteht die Gefahr, daß weitere Erkrankungsfälle auftreten. Prophylaktisch kommt für besonders exponierte Personen das Tragen von Atemschutzmasken in Betracht."


    Interessant wäre es, wie du bei erneuter Sporenbelastung reagierst. Wobei ich bei deinem Fall sehr wenig Probleme sehe. Wenn du die Zucht "vergessen" hattest, dich nie im Raum bewegt hast und dann einmal geerntet (und den Rest weggeworfen) hast, dann warst du nur kurz (vielleicht aber massiv) den Sporen ausgesetzt. Ob du jetzt auf eins der drei Antigene reagiert hast, wirst du erst bei einer Wiederholung feststellen.


    Insofern ist deine Einzelmeldung wenig aussagekräftig. Ich habe im Moment zu wenig Zeit, aber ich kann gerne mal recherchieren, ob es Zahlen zur Wahrscheinlichkeit gibt (fürchte aber, das wird schwierig).


    Wer aber selber züchtet, macht das vielleicht nicht nur einmal. Wenns geklappt hat, dann wieder, warum nicht. Je öfter und je massiver der Kontakt, umso wahrscheinlicher kommt es zu Reaktionen.


    Eine Austernbrut im Keller, die sich auf 1 Paket bezieht, wo man ja auch nicht stundenlang den Sporen ausgesetzt ist, sondern nur zum wässern oder gegebenenfalls ernten aufhält, seh ich jetzt nicht als potentielle Gefahr. Zumal hier ja nichtmal Fruchtkörper zu sehen sind...

    Wenn keine Fruchtkörper zu sehen sind, dann werden auch keine Sporen gebildet. Das Besuchen und Wässern des Myzels kann da keinerlei Probleme wegen der Sporen auslösen. Es geht nur um die Sporenfreisetzung bei der Fruktifikation.


    Ich selber habe da vor zwei Pilzen Respekt:


    1.) Austernpilz - wegen der bekannten Fälle

    2.) Shii-Take - da er bei Rohgenuss z. B. das Peitschhiebsyndrom auslösen kann. Ich würde da auch nicht zu oft meinen Körper mit Hilfe der großen Oberfläche der Lungenbläschen ständig mit Shii-Take konfrontieren. Dafür esse ich ihn zu gerne (durchgegart). Wenn ich mich recht erinnere, hatte es Walter Pätzold mal betroffen (das werden Personen aus seinem Umfeld bestätigen oder berichtigen können). Wenn ich's mir richtig gemerkt hat (Walter hatte es mir erzählt, ist aber sehr lange her, kann es daher auch falsch gespeichert haben), hatte er einmal wegen des Rohgenusses von Shii-Take einen anaphylaktischen Schock (lebensbedrohend). Er hatte vorher kommerziell in kleinem Rahmen Pilze gezüchtet, darunter auch Shii-Take. Es kann sein, dass er sich so hypersensibilisiert hatte.


    Wie gefährlich Austernpilzzucht indoors ohne Schutzvorrichtungen ist, kann ich nicht abschätzen. Ich weiß halt, dass die Sporenmenge sehr beeindruckend ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Grüni,


    typisch ist es sicher nicht. Ich vermute mal einen Befall. Die Flecken auf dem Hut (nicht nur die Lamellen flecken, eigentlich fleckt der ganze Pilzm weshalb Clemencon auch als Namen Gefleckter Flämmling vorgeschagen hat) und die Farben finde ich typisch. Da stören mich die Schneiden dann weniger, vor allem, wenn es so unregelmäßig ist, nicht alle Lamellern betrifft.


    Ich finde es aber auch sehr gut, immer genau hinzuschauen. Daher finde ich das Nachfragen super. Ich sehe darin eine Missbildung (Virus oder anderer Befall?!).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    wie teils schon geschrieben wurde:


    1) Laccaria spec., sieht aber nicht nach Laccaria laccata im engen Sinn aus. Im weiten Sinn klar, einer der fleischfarbenen


    2) Pholiota


    3) Lacrymaria lacrymabunda


    4) Paxillus involutus, für mich im engen Sinn (Sporenpulverfarbe schadet da aber nie)


    5) Pholiota


    6) Gymnopilus penetrans


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Hallo,


    ihr backt doch nicht etwa selbst zu Hause? Wirklich? Mehlstaub kann dabei in Unmengen entstehen und beim Einatmen Probleme verursachen.

    Steht auf der Mehl-Verpackung nichts Erklärendes dazu, dass Bäckerasthma ausgelöst werden kann? Ansonsten würde ich dringend anraten, nicht solche Stoffe im Haus zu verwenden. Die Gesundheit geht vor. =O

    Servus Peter,


    der Vergleich hinkt, da Mehl nicht in der Lunge auskeimt. Und der Mehlstaub entsteht nicht beim Backen, sondern beim Mahlen des Mehls. Der Mehlstaub ist auch - das weiß ich aber nicht so genau - nicht so fein wie Pleurotussporen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass beim Vorbereiten eines Teigs so große Mengen an Mehlpartikeln eingeatmet wieder wie bei einer Indoor-Austernpilzzucht.


    Insofern ist das zwar humoristisch, aber nicht wirklich ein Argument, was du bringst.


    Natürlich sind Pilzsporen Allergene, die unterschiedliche Reaktionen auslösen können. Und wenn man im gewerblichen Intensiv-Anbau tätig ist, sollte man das bedenken und auch Schutzmaßnahmen für die dort Arbeitenden in Betracht ziehen.

    Ja, stimmt, alle körperfremden Proteine und/oder Zuckerketten an Proteinen können Allergien auslösen. Ebenso Pollen. Hier mache ich mal einen Vergleich. Man kann sich einen Strauß Blütenpflanzen pflücken und in sein Zimmer stellen und Freude daran haben. Wäre aber Ambrosia mit dabei, dann würde ich mir durchaus erlauben, davor zu warnen, dass man hier gerade eine der Pflanzen ins Haus nimmt, deren Pollen sehr häufig zu starken Reaktionen führen können.


    Natürlich kann man auch dann mit dem Mehlargument kommen.


    Ich selber würde Ambrosia sofort erkennen, da ich dann kaum mehr sehen kann (Augen tränen) und einen Asthmaanfall bekommen kann. Das betrifft jetzt nur mich, vermutlich, weil ich eh Heuschnupfen habe. Ich hatte aber mit Ambrosia vorher nie wissentlich Kontakt und hatte beim "Erstkontakt" heftige Reaktionen.


    Was ich sagen will: als mykologisch interessierte Person sollte dir klar sein, dass man differenzieren muss, um welche Pilzart es geht. Ein Pauschalvergleich mit Pilzsporen an sich ist da leider doch stark vereinfachend.


    Lassen wir doch die Kirche im Dorf.


    Das Set von Karolin wird - falls es mal fruktifiziert - in erster Linie Freude bereiten, vielleicht sogar kulinarisch. Ich gönne es ihr.

    Natürlich wird es dann auch Sporen produzieren. Daraus dann gleich eine Gefährdung der Gesundheit abzuleiten, halte ich für übertrieben.

    Mag sein. Das sollte aber m.E. bei einer Art, die dafür bekannt ist, potentiell heftige Probleme auszulösen, geklärt sein. Ich habe selber auch eher nachgefragt, als zu behaupten, es wäre gefährlich. Mich wundert es nur, dass gerade Austernpilzzuchtsets für "im Haus", "im Keller" beworben werden. Daher war mein Gedanke, dass das Set vielleicht wie ein Flaschengarten komplett abgeschlossen ist. Oder dass sichergestellt ist, dass nur wenige Sporen entweichen. Ich bin da ja neugierig, denn ich wurde schon als Pilzberater damit konfrontiert (Frage an mich). Ich würde mich da über klarere Argumente als "beim Backen entsteht Mehl" freuen. Daher konkret: warum hältst du es für übertrieben, in Bezug auf Pleurotus eine Gefährdung für die Gesundheit abzuleiten? Also über Bauchgefühl hinausgehend, sondern fachlich begründet.


    PS: Ich überlege gerade, ob man bei Pilztagungen nicht vorsichtshalber auf das Auslegen der zusammen getragenen Pilze in einem geschlossenen Raum verzichten sollte, aus Gesundheitsvorsorge. :saint:

    Irgendwie nehme ich dir nicht ab, dass du das überlegst. Es ist eher ein Schuss Polemik. Ich habe keine Pilztagung erlebt, bei der große Mengen Austernpilze ausliegen. Die Sporenmengen sind zwar oft nicht unerheblich, die die Pilze bei den Indoor-Ausstellungen bilden. Vor allem bei den Braunsporern sieht man das. Ich würde mich aber schon freuen, wenn z. B. keine Apsergillus-niger-Kulturen offen herumstehen oder kein Stachybotrys ausgestellt werden würde.

    Solange es keine als besonders gefährlich bekannten Pilzarten geht, sehe ich da ebenso wie du wenig Anlass zum Eingreifen. Zumal hier die Fruchtkörper nur kurze Zeit sporulieren, da sie ja eintrocknen. Bei einer Pilzzucht sporulieren sie tagelang vor sich hin, wenn man nicht gleich die Babys erntet.

    Daher hinkt der Vergleich erneut - einmal wegen der Arten, die sporulieren, dann wegen der Sporulationsdauer und als drittes finden solche Ausstellungen oft in recht großen Räumen (Foyers) statt, wo sich die Sporenmengen stark ausdünnen.


    Bei Gesundheitsthemen sollte man m.E. mit Entwarnungen aufgrund des Bauchgefühls vorsichtig sein. Ich denke auch an Laien, die sich nichts denken, die Pilze nicht kennen, die nichtmal genau wissen, was Sporen sind, aber z. B. Asthmatiker sind. Vielleicht wäre für die zumindest ein Hinweis hilfreich.


    Und als letztes - ich hatte mal einen Pilzkursteilnehmer, der den Kurs deshalb abgebrochen hat, weil wir die Pilze im Kursraum liegen ließen, um auch damit zu arbeiten und um Sporenabdrücke zu bekommen. Der Teilnehmer war immunsuprimiert, also ein Sonderfall. Ihm war nicht bewusst, dass wir nicht nur im Gelände, sondern auch so mit Pilzen hantieren und er in sporenbelasteten Räumen sitzen muss. War alles kein Problem (ich meine, es gab keine Vorwürfe oder Diskussionen, er brach den Kurs ab), aber klar, wir haben hier lebende Organismen, deren Sporen in der Lunge keimen können (z. B. auch Aspergillus oder Schizophyllum). Jetzt wird kaum jemand, der immunsuprimierende Medikamente nimmt, Austernpilze züchten.


    Ich kann mir aber eben gut vorstellen, dass zumindest Asthmatiker aufpassen sollten. Und warum man gerade Austern indoor züchten muss, weiß ich nicht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    oh, die Sequenzen sind noch nicht einsehbar - ja, das sieht sehr danach aus, dass das Paper schnell raus sollte. ;)


    Lucky: Danke für die Info. Den Artikel hatte ich schon überflogen/gelesen. Ich habe ja recht engen Kontakt zu beiden und hätte vermutlich jetzt irgendwann selber nochmal nachgefragt. Ich kenne aber einige Diskussionen zu der neuen Art dank gemeinsamer Exkursionen und verbundenem Small Talk. Ich wusste aber selber noch nicht, dass sie vorab veröffentlicht wird.


    ja, oft zeigt sich dann, wenn man genügend Kollektionen einbezieht und sich die Mühe macht, die alle zu sequenzieren, dass es doch Merkmalskorrelationen gibt. Vielleicht nicht zu 100%, aber oft vielleicht zu 95%... Und wenn es dann ein zweites Merkmal ist (z. B. Ökologie), dann kann man auch wieder klassisch bestimmen.


    Ich freue mich schon auf die Chalciporus-Revision. Ich bin vor allem auch neugierig, wie Ch. hypochryseus interpretiert wird. Ich kann im Moment nur sagen, dass ich eigentlich fast nur auf Druck fleckende Pfefferröhrlinge finde. Nur dachte ich dabei nie an eine unbeschriebene Art. Es wäre ja auch lustig, wenn (wieder mal) eine neu beschriebene Art häufig ist und die klassische Art sich als sehr selten herausstellt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich wollte schon frühe rmal was dazu schreiben (zu dem Zuchtset), kam aber dann nicht mehr dazu.


    Austernpilze im Haus/Keller? Wirklich? Austernpilze produzieren Sporen in Unmengen und die machen beim Einatmen Probleme. In professionellen Austernpilzzuchten muss man mit Atemschutzmaske arbeiten. Wenn ich richtig informiert bin, ist das sogar Vorschrift.

    Freunde von mir haben (nicht mit diesem Set) mal versucht, im Keller (mit Plastikplanen abgetrennt, Eingangsschleuse) indoor Austern zu züchten und hatten abgebrochen (überall die Sporen, in Unmengen).


    Mich wundert es, wie man die Sporenfreisetzung in die Luft komplett unterbinden kann. Hat die Firma dazu etwas in der Anleitung erklärt? Ansonsten würde ich dringend anraten, das Set niemals im Haus oder Keller zu verwenden. Die Gesundheit geht vor.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Sebastian,


    ich kenne Stereum insignitum nur von sehr warmen Ecken - hier in Bayern Mainfranken oder auch am Rhein (nicht in Bayern). Stereum isignitum hat an der Spitze verzweigte, angedeutet koralloide Pseudoacanthophysen (dünne, lange, dickwandige Zellen, die an der Spitze mehrere, sehr kurze Auswüchse zeigen). Ohne dieses Mikromerkmal würde ich mir keine Bestimmung zutrauen.


    Hier sind sie gut gezeichnet:

    PB_Bd_7_8.pdf - auf S. 58


    Der Artikel ist recht alt - der Autor meint, die Art an der Konsistenz zu erkennen, aber ich vermute, er hatte Stereum subtomentosum noch nicht in der Hand. Die Art war früher sehr selten und wurde erst später zum Massenpilz. Ich würde mir das makroskopische Trennen nicht zutrauen. Die Pseudoacanthophysen sind im Mikroskop sehr hübsch. Ich habe sie aber selber erst zweimal gesehen, denn bei mir gibt's die Art (wohl) nicht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    P.S.: Typische A. brunneolus sind sehr kräftig (aber an dem einfachen Ring erkennbar), erinnern teils an Agaricus impudicus (aber gilben, riechen nach Anis und eben der einfache Ring), haben kupferrotbraune Fasern auf dem Hut.

    Aber es gibt auch fast weiße Kollektionen und zarte Kollektionen usw.


    Und selbst typische Kollektionen müssen mikroskopiert werden.


    Anders ausgedrückt: die Kartierungsdaten kann man im Prinzip (nach aktuellem Stand) alle streichen, es sei denn, es stehen Sequenzen dahinter. Keine Verbreitungskarte ist verlässlich, da die Bestimmung meist nicht verlässlich ist.


    So kann dein Fund rein makroskopisch auch Agaricus friesianus sein oder Agaricus huijsmanii oder Agaricus jacobi, Agaricus kerrigani, Agaricus luteofloccosus, Agaricus matrum, Agaricus pallens (usw.) - ich habe mal wenig bekannte Arten aufgezählt.


    Liebe Grüße,

    Christoph