Servus beinand,
ich bitte euch, ist hier eine Diskussion Schulmedizin vs. "alternative" Heilmethoden wirklich sinnvoll? Es bringt einerseits nichts, gegen die Schulmedizin zu wettern, es bringt aber auch nichts, "alternative" Verfahren hier inhaltlich widerlegen zu wollen. Solche Diskussionen driften zu schnell ab und werden persönlich. Ich stehe auch auf der naturwissenschaftlichen Seite, aber solche Diskussionen driften zu schnell ins dogmatische ab, jedenfalls meiner Meinung nach.
Ging es nicht eigentlich darum, Kommentare zu Kursen wie dem im Eingangspost verlinkten zu geben und das zu diskutieren?
Zur "Qualifikation PSV". Veronika ist PSV und sie ist hier im Forum und auch hier im Thread aktiv dabei. Veronika ist PSV der DGfM. Warum sollte sie das nicht als Zusatzinfo angeben? Ich wüsste nicht, dass man bei uns eine Art Ausbildung zum Vitalpilzexperten machen kann. Insofern gibt es eigentlich keine passende, qualifizierende Angabe.
Das ist jetzt etwas radikal, aber ich finde die DGfM sollte irgendwas machen das ein PSV solche Heilpilzkurse so nicht anbieten darf.
Weil für mich bringt das rüber "ich bin PSV und deswegen kenn' ich mich aus und deswegen stimmt das hier".
Das verstehe ich nicht wirklich. Warum sollt ein PSV keinen solchen Kurs anbieten "dürfen"? Ich lese in dem pdf, den Veronika verlinkt hat, als sie Werbung dafür gemacht hat, nichts, was das aussagen würde (auf den zweiten Satz bezogen, den ich zitiere). Kursteilnehmer sollten im Endeffekt selbst entscheiden, ob ihnen die Expertise der Leiterin ausreicht oder nicht. Würde ich hier einen Namen sehen, der mir unbekannt ist, sodass ich die Qualifikation nicht einschätzen kann, würde ich dann so einen Kurs eben nicht buchen.
Was mich da eher stört...
Die Überschrift mit "Vitalpilze – Können Pilze heilen?" – das suggeriert, als würde dies im Kurs geklärt und beantwortet werden. Die Tiefgründigkeit ist unklar. Können Pflanzen heilen? Ja klar, es gibt Heilpflanzen (komisch, dass da keiner Vitalpflanzen sagt). Und sicherlich können Pilze heilen. Direkt oder indirekt. Penicillin als Arzeimittel hat Viele geheilt und war ein Segen, als es auf den Markt kam. Können aber die gänigen Pilztees heilen? Das ist eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Und die Überschrift suggeriert m. E., dass das beantwortet wird. Und da wird es schnell schwammig.
Schmetterlingstramete habe ich selbst schon als Tee probiert (bin ja neugierig). Damals kam ich gut über die Erkältungszeit hinweg. Sie soll das Immunsystem stimulieren. War das Plazeboeffekt? Lag es daran, dass ich damals eine Tätigkeit hatte, bei der ich als Mykologe im Wald war, tagein, tagaus, und sonst am Mikroskop, also kaum Menschenkontakt hatte? War es Zufall? Bei n = 1 ist das nie zu sagen.
Ich kenne Studien zu Trametes versicolor und das Krestin (ein Polysaccharid). Demnach ist es fraglich, ob Teeanwendung überhaupt die nötige Konzentration für eine erkennbare Wirkung hat.
Kurz gesagt: da wird es medizinisch anspruchsvoll. Traditionelle Medizin gibt Hinweise auf Pflanzen/Pilze/generell Lebensformen, deren Inhaltsstoffe heilend wirken könnten. Die moderne Medizin überprüft das experimentell.
Aber hat das was mit dem Kurs zu tun? Ich weiß es nicht, vermute aber nicht. Primär scheint es um Porlinge zu gehen. Also klassische Gattungs- und Artenkenntnis. Dann um "Fähigkeiten der Pilze" (was damit auch immer konkret als Kursthema gemeint ist. Vermutlich eben die potentielle Heilwirkung.
Und da traue ich einem/r PSV (unabhängig von der Person Veronika Weisheit) zu, sich so eingearbeitet zu haben, dass entsprechende Kurse angeboten werden können.
Zitat
Die Traditionelle Chinesische Medizin hat jahrhundertelange Erfahrungen mit Pilzen zum Zwecke der Gesunderhaltung des menschlichen Körpers und verfügt über ein umfangreiches Wissen. In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren.
Die Sätze finde ich allerdinga auch sehr schwurbelig. Wie gesagt, erstmal nichts gegen TCM an sich oder zu TCM vs. Schulmedizin. TCM hat aber eben Schattenseiten wie das Wildern von Nashörnern, um Keratinpulver aus einem Horn zu gewinnen, das in China als phalloid angesehen wird und daher potenzsteigernd. Das Problem ist der (sorry) Aberglaube, die Form von Etwas zeige die Wirkung. Was phalloid aussieht ist gut für die Potenz (usw.). Dass zufällig über diesen Aberglauben auch wirksame Pflanzen oder Pilze gefunden werden/wurden, ist klar. Zufall eben. Mit der TCM aber für einen Kurs über heimische Porlinge zu werben, finde ich angesichts dessen, dass die TCM mit beiträgt, Nashörner auszurotten (als ein Beispiel) unschön. Das ist sicherlich nicht so gemeint. Ich denke, das pdf soll den Kurs einfach nur allgemein bewerben und halt ein Werbetext sein, der passende Klientel anspricht. Mir gefällt der Inhalt des Werbetextes teilweise nicht, aber das ist halt einfach so.
Aus all dem aber abzuleiten, dass PSV der DGfM solche Kurse generell nicht halten dürfen, ist mir ehrlich gesagt zu extrem. Wer weiß, vielleicht ist es ein ganz toller Kurs, in dem man viele Porlinge kennenlernt und zudem erfährt, welche Arten als Vitalpilze angesehen werden (das kann man wertneutral dazu sagen).
Eine Diskussion Naturwissenschaft / Schulmedizin vs. "Alternativen" empfinde ich in dem Kontext aber überflüssig und zu polarisierend.
Liebe Grüße,
Christoph