Servus "OtesOtum",
dass du meine Replik als überheblich und direkt verurteilend empfunden hast, finde ich schade. Ich weiß nicht, ob du schonmal eine Satanspilzvergitfung mit bekommen hast. Ich schon. Der Patient lag auf der Intensivstation und der Arzt hatte Sorge, ihn durch die Nacht zu bringen. Ich hatte den Fall als Pilzberater mit betreut und konnte mit der Pilzbestimmung zum Glück helfen, da es den Arzt beruhigte, dass er "nur" den Elektrolythaushalt in den Griff bekommen musste. Ohne Intensivbetreujgn wäre das tödlich ausgegegangen.
Der Riesenrötling (ich weiß, kein Röhrling) ist auch "nur" Magen-Darm-giftig, aber auch lebensbedrohend.
Unabhängig davon – ich helfe seit vielen vielen Jahren Krankenhäusern bei Vergiftungsfällen. Mir wäre funktionierende Prävention lieber als Hilfe im Nachhinein, zumal es auch für mich anstrengend ist, mitten in der Nacht das Mikroskop anzuwerfen und mit Kliniken zu kommunizieren, wenn ich in der Früh wieder in die Arbeit muss.
Und ja, ich habe "ein Herz für Pilze", sprich: ich empfinde Naturschutz als wichtig. Dass es mir etwas weh tut, wenn jemand einen wirklich sehr seltenen Pilz mitnimmt, um ihn dann einfach zu essen, tut mir nicht leid. Wenn du das als überheblich empfindest, muss ich damit leben. Dass meine Anmerkung, es hätte auch eine Art sein können, die noch nicht durch Verzehr und Beobachtung der Wirkung auf seinen Speisewert "getestet" wurde (wie bei Biletus gabretae, der eben auch völlig gelb ist), so wirkt, verstehe ich nicht.
Es ist doch kein Problem, dass du dir mit der Bestimmung nicht sicher warst und hier nachgefragt hast. Aber dass du einen nicht bestimmten Pilz einfach so probiert hast, ist genau das Verhalten, das mir immer wieder Nächte kostet, wenn die Vergiftung passiert ist. Die Warnung vor Umkehrschlüssel war keine Spitze, sondenr ernst gemeint. Umkehrschluss ist: Satanspilz, manche Purpurröhlinge, Schönfuß und "WuBi" sind (stark bis weniger) giftig. Es war keiner davon, also muss er essbar sein. Korrekt wäre die Aussage "bei anderen Röhrlingen in Deutschland ist keine Giftigkeit bekannt".
Ich weiß, man soll keine Ratschläge erteilen, wenn diese nicht explizit erfragt wurden. Du bist ein mündiger Bürger und du kannst beim Pilzeverzehren Umkehrschlüssen folgen, wie du lustig bist. In einem Pilzforum lesen aber auch andere mit. Und da Pilzberater und auch -beraterinnen u. a. Vergiftungsprävention betreiben wollen, schreibt man dann halt mal eine Warnung. Früher gab es die Regel, dass alle Riesenschrimlinge, also Pilze mit verschiebbarem Ring und freien Lamellen, essbar sind. Heute weiß man mehr, es gibt giftige Arten bei den Safranschirmlingen i.w.S. und ebenso macht der Jungfernschirmling Probleme. Daraus kann man ableiten, man müsse nur Chlorophyllum brunneum (inkl. Chl. venenatum) und Leucoagaricus nympharum kennen, dann stimme sie Regel wieder. Und siehe da, plötzlich taucht Chlorophyllum molybdites auf (es wird halt wärmer) und schon ist es passiert.
Weltweit gesehen gibt es auch tödlich giftige Röhrlinge. Zudem werden auch neue Arten eingeschleppt (wie aktuell der Röhrling Aureoboletus projectellus, der zum Glück nicht giftig ist). Wie auch immer, ich will mich nicht rechtfertigen, dass ich versuche, vor Pilzvergiftungen durch Verzehr unbestimmter Arten zu warnen.
Wie auch immer - ich habe gerne geholfen, den abgebildeten Pilz siweit es geht zu bestimmen. Zu den anderen Punkten, die ich geschrieben habe, stehe ich. Wo ich da abwertend dir gegenüber war, sehe ich immer noch nicht. Und wenn es für dich überheblich rüberkam, habe ich es wohl zu direkt formuliert. In dem Fall sorry, zum Inhalt stehe ich aber wie gesagt.
Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem Hobby und wünsche, dass du das Hobby auch langfristig ohne Probleme und Vergiftung betreiben kannst.
In diesem Sinne ciao,
Christoph