Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Ria,


    interessant! Ich hatte noch nie jemanden mit Fliegenpilzen in der Pilzberatung. Und das mit der Panik war nicht wortwörtlich gemeint - ich wollte nur Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) zu Wort bringen. Ich bin halt ein Nerd ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus "Pilz_Neuling2020",


    es gibt bei uns eigentlich nur eine Gallerträne, die so groß wird, dass sie mit Tremella s.l. verwechselt werden kann: die Riesengallertträne, Dacrymyces chrysospermus. Diese Art wächst aber nur an Nadelholz. Wie Björn schon schreibt, ist Tremella mesenterica an Nadelholz was sehr seltenes. Habe ich auch noch nicht selber gesehen und wenn, dann würde ich immer mal reinmikroskopieren, ob es nicht doch eine Riesengallertträne ist. In den Bergen ist diese Art wirklichhäufig.


    Und ich kann nur unterstreichen, was Björn schreibt - der Wirt muss nicht zeitgleich fruktifizieren. Und bei Naematelia kann es wirklich sein, dass nur bei zeitgleichem Fruktifizieren des Wirts die Kollektion besonders angeschaut wird. Man kann die beiden aberim Mikroskop gut unterscheiden (sind ja in unterschiedlichen Familien mittlerweile - Naemateliaceae und Tremellaceae). Hier ein Link für Interessierte: https://www.mdpi.com/2309-608X/10/12/845 (Phylogenie und Taxonomie der Gattung Naematelia). Naematelia aurantia hat u. a. gestielte Basidien, was für die Familie typisch ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Das ist wahr. Nur einige nehmen den BiPo monatelang jeden Tag und die anderen Speisepilze werden meist nur gelegentlich gegessen, wenn die gerade wachsen. Ich sehe da einen gefährlichen Unterschied.

    Servus Uwe,


    der Steinpilz wurde schon von sehr sehr vielen Menschen in großen und kleinen Mengen verzehrt. Sicherlich in Biomasse häufiger als der Birkenporling, behaupte ich mal. Und trotzdem kam erst vor relativ kurzer Zeit im Tierversuch heraus, dass Boletus edulis Rhabdomylolyse auslösen kann. Danach gab es dann schon die ersten (aber wenigen) Fälle.


    Mir geht es nicht darum, was öfter oder weniger oft verzehrt wird. Ohne entsprechende Analysen (und aktuell leider noch immer Tierversuchen) wissen wir weder vom BiPo noch von anderen Pilzen wirklich, was da alles noch so drin steckt. Pilze sind teils sehr gute Chemiker. Und wer täglich über Jahre seinen Tee aufbrüht, der wird eventuell dennoch geringere Dosen aufnehmen als die Personen, die in der Speisepilzzeit durchdrehen und "zentnerweise" Schwammerl futtern. Bei Speisepilzen sage ich immer (auch in der Pilzberatung), dass Pilze wenn, dann Beilage sind. Lieber weniger verzehren, sich dafür bei der Zubereitung mehr Mühe geben, dann genießen. Und eben nur ab und zu. Bei Pilzteetrinkern sieht das ein bisserl anders aus, klar. Man nimmt da aber zumindest nur die wasserlöslichen Inhaltsstoffe auf und die Konzentration ist wohl oft auch übersichtlich. Dennoch sollte man eben kritisch bleiben und sich bewusst sein, dass auch hier, egal ob irgendwo schon seit 2000 Jahren der Organismus genutzt wird, vielleicht Inhaltsstoffe noch unbekannt sind, die später die Anwendung vielleicht kontrainduzieren.


    Als Beispiel bei Pflanzen wie gesagt der Beinwell - soll nicht mehr innerlich angewendet werden. Oder Farnwedel. (usw.)


    Es gibt eine große Szene, in der massives Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem mit Verschwörungserzählungen kombiniert wird. Das Thema Heilpilze ist ein aktuell großes Thema in der naturromantischen Rechten „Die da oben wissen, wie heilkräftig dieser Pilz ist, wollen aber nicht, dass wir das wissen.“ Solche Narrative sind in Telegram-Gruppen inzwischen Alltag. Besonders Kombiniert mit den Themen Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde. Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde.

    Servus Ria,


    da können aber die Pilze nichts dafür. Zum Glück diskutieren wir hier ja nicht in Form entsprechendenr Verschwörungserzählungen. Aber ich denke, ich weiß, was du meinst. Und das ist ja nicht nur auf die Pilze bezogen. Wenn Shamanismus als Schlagwort kommt, dann denke ich auch an sowas wie "Signaturenlehre" oder "Anthropomorphie" als Nutzungsbedingung (Beispiel Ginseng). Esoterik und Aberglaube ist immer auch Teil unserer Gesellschaft und war es auch früher schon.


    Ich finde es wichtig, dass das Thema in Expertenforen emotional ruhig und ausführlich besprochen wird. Für mich in der Pilzberatung in einer Großstadt ist das Thema Heilpilze definitiv eine Herausforderung. Es reicht halt nicht als PSV da auf die Liste der Speisepilze zu verweisen. Die Leute nehmen die "rohköstlichen" Pilzpülverchen halt trotzdem und ich sehe da einen großen Aufklärungsbedarf. Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten. Und meine Augen zu verschließen vor diesem Thema gelingt mir auch nicht.

    Ich finde es auch gut und wichtig, dass wir solche Themen emotional ruhig diskutieren. In der Pilzberatung ist das vermutlich überall irgendwie Thema (mittlerweile). Herausforderung ist, finde ich, relativ. Denn es geht ja meist um wenige Klassiker wie Chaga, Schmetterlingstramete, Birkenporling und Ganoderma.Vielleicht noch Judasohr, leider auch Stachelbärte (auf TikTok wurde das Wildsammeln von einem PSV der DGfM beworben)... Die Artenkenntnis hat ein PSV sicher. Die Expertise, ökologisch zu beraten, auch (Naturschutz, deshalb Stachelbärte nur aus der Zucht verwenden). Was die Beratung über mögliche Heilwirkungen angeht – was soll ein Verein wie die DGfM dazu sagen? Ich helfe wenn, dann bei der Bestimmung. Die Entscheidung, ob jemand Tees nun nutzen will oder nicht, muss jede Person für sich entscheiden. Da muss der PSV doch nicht helfen?


    Was aber vielleicht sinnvoll ist, auf Kontraindikationen hinzuweisen – z. B. Chaga und die Oxalsäure. Bei Ganoderma bin ich mittlerweile auch vorsichtig, denn da scheinen Wirkungen vorzuliegen und damit dann auch mögliche Nebenwirkungen. Und wenn ich an die Vergiftungen mit Ganoderma neojaponicum denke (Komplettausfall des Immunsystems), der auch wie ein Reishi i.w.S. ausschaut... Nun gut. Aber was soll ein Verein dazu sagen? Am Ende wird man noch von Händlern verklagt, weil man deren Geschäft schlechtredet. Ganoderma wird ja viel vermarktet.


    Vor dem "rohköstlichen" kann und sollte man aber sicher warnen. Allein schon wegen der Lektine, die in Pilzen sind. Von giftig bis allergieauslösend. Oder das berühmte Agaritin, das im "Mandelegerling" (ehemals Agaricus blazei, jetzt Agaricus subrufescens) enthalten ist (eben vor allem bei rohem Material). Da reicht aber sicher die PSV-Ausbildung, die generell vor rohen Pilzen warnt.


    Mein Tipp: vertraue deiner eigenen Expertise. Und frei nach Douglas Adams: Keine Panik ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich weiß, dass sich Einige am Begriff "Heilpilz" stören. Die "Heilpilze" werden ja (meist? immer?) als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, was bedeutet, dass keine Wirkung nachgewiesen werden muss. Würden sie als Medikamente gelten, müsstenentsprechende Studien im Vorfeld ablaufen, bis sie zugelassen würden.

    Der Begriff "Heil-xyz", also Heilpflanze oder Heilpilz ist für mich persönlich einfach nur ein Sprachgebrauch für Pflanzen und Pilze, die dem "Volksglauben"nach, also überliefert durch Erfahrungsberichte eventuell heilen können. Vitalpilz als Begriff empfinde ich als sprachlich völlig schräg. Ich sage jaauch nicht Vitalpflanze zur Kamille.


    Bei vielen Heilpflanzen kennt man die Inhaltsstoffe ganz gut. Kamillentee wird aber nicht per Rezept verschrieben. Digitalis hingegen schon und da sind Selbstversuche nicht anzuraten. Es gibt also Heilpflanzen, die man nicht anwenden soll, andere scheinen bedenkenlos zu sein. Dass Digitalis auch eine Giftpflanze ist, ist klar, aber die Dosis macht das Gift. Heilend und schädigend ist dosisabhängig. Und das ist eben das Problem... wer weiß, bei welcher Dosis welcher Pilz welche Nebenwirkung hat? Das ist halt ein generelles Problem, denn die Inhaltsstoffe von "Heilpilzen" sind meist schlechter erforscht als die von "Heilpflanzen". Selbst bei so berühmten "Heilpilzen" wie dem Reishi – die Triterpene der harten Kruste sind vermutlich problematisch. Die haben offenbar eine Wirkung und daher dann auch mögliche Nebenwirkungen. Das Krestin der Schmetterlingstramete hat auch klinische Studien (soweit ich weiß) hinter sich und zeigt eine Wirkung auf das Immunsystem. Ob die geringen Mengen im Tee aber ausreichen, scheint unklar zu sein. Ich schreibe das aber etwas schnodderig, denn zu allken Quellen nachzurecherchieren ist sehr aufwändig. Mir geht es da eher ums Prinzip des "genaues weiß man nicht unbedingt".


    Beim Birkenporling wäre ich mir auch nicht sicher, ob alle Inhaltsstoffe ausreichend bekannt sind. Sie sind es aber auch bei vielen Speisepilzen nicht. Und wenn man dann mal nöher "nachschaut", ist es nicht immer positiv, was dabei rauskommt. Seien es Saponaceolide oder sei es Nebularin. Ähnlich bei "Speisepflanzen". Manche Wildpflanzen, die traditionell verzehrt wurden, habens ich später als krebserregend herausgestellt. Und bei Heilpflanzen, meine ich auch. War es nicht der Wurmfarn, der nicht mehr gegen Würmer im Darmtrakt eingesetzt werden soll, weil er krebserregend ist? Oder andere Farne als Wildkräuterspeisen? Ich hatte mal ein Wildkräuterkochbuch, das junge Farnewedel empfohlen hatte. Oder die Knoblauchsrauke, die Alkaloide enthält (ob die Menge jetzt ausreicht, Probleme zu machen, weiß ich nicht). Beim Beinwell soll es ja ähnlich sein, auch da ist die innerliche Anwendung nicht mehr empfohlen, soweit ich weiß.


    Ganz unabhängig davon ist aber, "Wirkung nicht belegt" für mich kein Widerspruch zum Begriff "Heilpflanze" und "Heilpilz". Echinacea als letztes Beispiel. Die Wirkung beim Menschen ist bis heute nicht belegt. Aber im Labor sind Wirkungen der Inhaltsstoffe auf Zellkulturen, Bakterien und Viren belegt. Wer was drüber nachlesen will: https://www.apotheken-umschau.…stem-staerken-733437.html

    Trotzdem oder deshalb ist Echinacea ein Mittel, das Viele gegen Erkältung einnehmen und das auch in Apotheken verkauft wird. Wirkungsnachweis beim Menschen wie gesagt keiner! Trotzdem ist Echinaceaeeie bekannte "Heilpflanze".


    Insofern würde ich empfehlen, bei den Begrifflichkeiten mit Gelassenheit an die Sache zu gehen. Wer Heilpilz sagt, sagt halt Heilpilz. Der Birkenporling ist da ein Paradebeispiel dafür. Ich selber habe auch schon Pilztees probiert (v. a. Schmetterlingstramete). Ich habe mich auch ein Bisserl damit beschäftigt. So darf ich den Chaga nicht konsumieren. Er enthält viel Oxalsäure und das löst bei mir Nierensteine aus. Diese Wirkung von Oxalsäure ist bekannt und belegt und betrifft Menschen mit einer Stoffwechselstörung, die ich leider auch geerbt habe. Es gibt eben immer irgendwo mögliche Nebenwirkungen. Zurück zur Tramete... ich meinte auch, eine positive Bilanz auf meine Erkältungsfrequenz zu spüren. Aber da kann der Plazeboeffekt mitspielen. Zudem war ich damals Freilandbiologe, viel an der frischen Luft unterwegs und hatte wenig Kontakt mit Menschen. Ich meine damit: keine U-Bahn- oder S-Bahn-Fahrten in der Erkältungssaison. Jetzt bin ich Lehrer, habe ständig volle Bakterienbreitseite in der "Saison", werde aber nicht häufiger krank, als ich es früher wurde. Nur häufiger als zur Trametenteezeit, aber da war ich eben im BayerWald weit vom Schuss und kein Lehrer. Rational gehe ich davon aus, dass der Krestingehalt im Tee nicht ausreicht, wirklich gut zu wirken, aber auch das kann jeder anders sehen.


    Beim Birkenporling kommt der (für mich) üble Geschmack dazu, Was so bitter ist, das muss ja wirken (oder so ähnlich). Auch da kann der Plazeboeffekt mit reinspielen. Bzw. er macht es wohl ganz sicher. Ob auch eine echte Wirkung vom Pilz dazu kommt? Keine Ahnung. Aber solange keine Giftigkeit bekannt ist, also keine negativen Wirkungen, ist dieser "Heilpilz" von jedem, der mag, anzuwenden, oder eben auch nicht, wer nicht mag. Nur am Begriff Heilpilz störe ich mich da eben ganz und gar nicht.


    Also bitte nicht streiten, vor allem nicht wegen Semantik, ob heilend oder vitalisierend. Wir wollen das Produkt ja nicht verkaufen. Weder als Heilmittel noch als Nahrungsergänzungsmittel. Und wenn es Einzelmeldungen von positiver Anwendung gibt, warum nicht? Gut so! Ist immer interessant. Das ersetzt aber keine Wirkstudie, denn jeder Einzelfall ist anders und Plazeboeffekt kann immer unabhängig davon wirken. Also auch bei Hundert Meldungen, wie toll der "BiPo" ist, muss das objektiv nicht stimmen, subjektiv aber eben schon. Aber warum sollte man das nicht schreiben dürfen, dass der bittere Tee so gute Wirkung gezeigt hat?


    Ich gönne jedem seinen BiPo-Tee. Ich trinke ihn nicht. Heilpilz, Heilpflanze, völlig wurscht. Medikament oder Arzneimittel ist für mich die klare Abgrenzung zu all den vielleicht oder vielleicht nicht wirkenden Tees, Salben ud Rezepturen.


    Just my two cents...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Oskar,


    wie bereits angemerkt, ist Naematenia aurantia (früher: Tremella aurantia) der Doppelgänger schlechthin. Ohne den Wirt traue ich mir makroskopisch keine Bestimmung zu. Tremella mesenterica aurantiaca parasitiert an Peniophora und Naematelia aurantia – wie schon geschrieben – an Stereum. Auf deinen Fotos ist der Wirt nicht erkennbar, daher fällt es schwer, die Bestimmung zu bestätigen. Rheinhessen ist zudem sehr wärmebegünstigt, was bedeutet, dass Naemateila aurantia bei dir durchaus vorkommen sollte.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thomas,


    ja, damals hatte ich noch lange Haare – wie die Zeit vergeht ;)


    Es wurde ja schon einiges geschrieben – z. B. zu den Schnallen, die bei Armillaria mellea s. str. fehlen.


    Ich bin bei 1. auch bei Armillaria mellea.


    2. Ist halt nur ein Einzelfruchtkörper, aber der sieht schon nach Armillaria borealis aus. Die Art beginnt jedenfalls "bei mir" (Bayerischer Wald, Alpen) als allererste zu fruktifizieren, in den Bergen oft schon im Juli, vor den anderen Hallimascharten (ist bei mir immer der Erste, was bei dem Fund hier nicht hilft, da der vom November stammt). Die Stielbasis ist bei A. gallica und A. cepistipes deutlicher basal verdickt (deshalb schaue ich gerne Büschel statt Einzelfruchtkörpern an) und da sind deutlicher Gelbtöne. Armillaria borealis hat eine (zylindrisch bis etwas verjüngte, eben nicht (oder wenn mal doch, dann nur kaum) verdickte Stielbasis und zeigt nur Nuancen von Gelb. Der Ring ist dünner als bei A. ostoyae (aber eben auch wattig) und hat feinere, heller braune Flocken am Ring. Die Fruchtkörper sind insgesamt blasser als bei typischen A. ostoyae. Ich finde sie an Laub- und Nadelholz.


    Es gibt die Publikation Nierhaus-Wunderwald et al. (2012): Hallimasch – Biologie und forstliche Bedeutung. Merkbl. Prax. 21: 1-8 (ISSN 1422-2876, Veröffentlichung der WSL) – das ist eine schöne Bestimmungstabelle für Hallimasche (und natürlich die Arbeiten von Helga Marxmüller).


    Was die Mikroskopie angeht, ist das letzte Wort noch nicht gesagt. Es wurden z. B. Armillaria ostoyae (europäisch) und Armillaria solidipes (nordamerikanisch, wurde da auch als A. ostoyae bestimmt) offenbar doch Unterschiede, z. B. bezüglich der Zystiden und der HDS-Zellen. Mich würde nicht wundern, wenn auch bei den europäischen Arten Unterschied eherausgearbeitet werden könnten. Heutzutage geht das Korellieren der Merkmale mit Sequenzergebnissen einfacher als früher. Es ist halt aufwändig und für uns Amatuere teuer (die Sequenzierung) und "Profis" brauchen vermutlich keine dezenten Mikromerkmale bei so einer kleinen Gattung, bei der viel makroskopisch geht (und zur Not eben schnell per Sequenz).


    Armillaria borealis ist im Bayerischen Wald und den Alpen sehr häufig, kommt aber sicher auch in tieferen Lagen durchaus vor, aber eben nicht so häufig.


    Soweit in Kurzfassung von meiner Seite. Ich schaue mir gerne Hallimasche an, habe nur immer wieder kleinere Probleme bei Armillaria gallica vs. Armillaria cepistipes, was wohl auch daran liegt, dass A. cepistipes bei mir häufig ist, A. gallica wohl selten (odereben von mir nicht sauber genug erkannt).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus "Grafei",


    ah, jetzt sehe ich es erst, du bist ja von der AMIS. Deinen Fund meinte ich mit "mir ist noch ein weiterer Fundpunkt in Deutschland bekannt" (etwas weiter oben als Replik zu Jörg). Bin ja auch bei der AMIS mit dabei.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich habe in Finnland nicht fermentierte Birkenreizker gegessen. Ich wurde zum Essen eingeladen. Die Birkenreizker wurden frisch verarbeitet: Über Nacht gewässert, dann am Vormittag nach Wegschütten des Wassers nochmal gekocht (recht lange, ich denke so ca. eine Stunde), Wasser wurde wieder weggegossen und dann wurden die Pilze in der Pfanne gebraten und in ein Omlette verarbeitet. Hat gut geschmeckt, die Milchlinge waren nicht bitter oder harzig, sondern angenehm pilzig im Geschmack.


    Silierte Pilze schmecken nicht nach Schwammerl, sondern mehr wie mixed pickles. Ich habe in Sibirien silierte, "große gelbe" Milchlinge gegessen (Lactarius scrobiculatus, wohl auch Lactarius repraesentaneus. Die Konsistenz war gut, der Geschmack für mich auch sehr gut, aber eben nicht pilzig, sondern leicht säuerlich. Nicht so extrem wie saure Gurken, weil die Pilze dann doch zu viel Eigengeschmack dafür haben. Beim Steinpilz kann ich mir vorstellen, dass das dann nur noch nach Essig und Gewürzen schmeckt, zumal der ja auch recht weich und schlabberig ist. Milchlinge sind da viel besser zur Silage geeignet. Ist halt eine Möglichkeit, große Mengen an Nahrug lange haltbar zu machen. In dem Fall schmeckt es zudem auch noch.


    Über Kremplinge (Paxillus), scharfe oder mild schmeckende Pilzverkostungen im Wald bei Milch- und Taeublingen, bis zur Pilzmischpfanne, die schon oft ein bisschen matschig vom Pilzsud her schmeckte..

    Mit Kremplings"genuss" hat das nichts zu tun, weil keine tödlich wirkende autoimmunreaktion droht, wenn man Lactarius torminosus verzehrt. Matschig werden die Milchlinge zudem gar nicht. Deshalb verträgt der Birkenreizker auch die lange Kochzeit und das Einlegen in Wasser über Nacht. Bei Milchlingen (und Täublingen) kann man eben die scharf schmeckenden Giftstoffe entweder durch Baktereien abbauen lassen (Silage) oder sie aus den Pilzen herauskochen (Konzentration verringern, bis die Wirkdosis unterschritten ist). Lactarius turpis ist eine Ausnahme, da die cancerogenen Inhaltsstoffe (hier das olive Pigment selbst) nicht von den Bakterien abgebaut wird.


    Ich rate aber vor leichtsinnigen Eigenversuchen mit unsilierten Birkenreizkern ab, denn wenn das Giftnicht passend herausgekocht wurde, wirkt er doch sehr unangenehm inkl. Bauchkoliken. Ich habe, da mir nur erklärt wurde, wie er zubereitet wird, aber nicht den ganzen Prozess gesehen habe, auch später keine Birkenreizker selbst frisch zubereitet.


    Noch eine Warnung: ich hatte vor langer Zeit mal Lactarius scrobiculatus messen lassen – war ziemlich voll mit Caesium. Inwiefern das Caesium beim Silieren in die Salzlake übergeht und so auch verdünnt wird, weiß ich nicht. Und wie oft isst man den hierzulande? Wer aber einen ganzen Wintervorrat anlegen will und sich an mixed pickles sattessenwill, sollte das vielleicht im Hinterkopf behalten.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jörg,


    Boletus polygonius wurde bereits 1999 beschrieben. Die Umkombination zu Caloboletus erfolgte natürlich später. Es gibt mehr als zwei Fundpunkte in Deutschland. Mir ist z.B. ein weiterer bekannt, aber der wird erst noch veröffentlicht (ist nicht von mir, daher kann/darf ich vor der Veröffentlichung nichts dazu sagen).


    Je bekannter die Art wird, umso mehr Funde werden kartiert. Ist ja oft so, dass Arten übersehen wurden und erst nachträglich klar wird, dass man da was abtrennen kann.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Alex,


    die weiße Ausprägung ist Leccinum cyaneobasileucum s.str. (heißt ja so: an der (Stiel)Basis blau, sonst weiß - leucum heißt weiß). Die braunhütigen sind eine eigene Varietät (wenn man das trenne will): Leccinum cyaneobasileucum var. brunneogriseolum.


    Im gleichen Habitat wie Leccinum scabrum? L. cyaneobasileucum wächst auf sauren Böden, L. scabrum auf basischen bis neutralen, bzw. wenn, dann nur auf leicht sauren Böden. Bei mir gehen sich die beiden Arten deshalb ökologisch aus dem Weg.


    Nur als taxonomische Anmerkung.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Ne, das war einfach die Aufregung ... nach so langer Zeit wieder: Der ,klassische Violetten Roetelritterling ist ja schon einigermaßen sicher zu erkennen, noch dazu aus einem ,echten Laubmischwald.

    Du schreibste es ja selber: "einigermaßen sicher zu erkennen", das ist nicht zu 100%. Und warum sollte man aufgeregt sein, wenn man nach langer Zeit mal wieder etwas isst, was essbar ist? Wenn ich nach vielen Jahren mal was sehr ausgefallenes erneut esse, bin ich ja auch nicht im Nachhinein aufgeregt (z. B. Dachsschinken, ahbe ich seit Jahren nicht mehr gegessen). Dann die Aussage mit dem "echten Laubmischwald"...


    Der Pilzberater ist sicher anfänglich und vllt auch prinzipiell eine gute Idee. Es gibt aber auch weniger erfreuliche Erfahrungen im Nachhinein, da hatte dieser alle (eigentlich essbaren) Schleierlinge und Wulstlinge unter großem Mahnauftritt einfach aussortiert. Es sei verziehen.

    Was erwartest du denn? "Großer Mahnauftritt"? Wenn mir ein Anfänger Schleierlinge in die Beratung bringt, dann warne ich ihn auch vor den Gefahren. Und Wulstlinge... welche denn? Graue? Weil "eigentlich essbar".

    Sorry, aber wenn du in der Lage bist, diverse (eigentlich) essbare Schleierlinge zu bestimmen, dann solltest du bei einer Rötelritterlingsbestimmung keinerlei Probleme haben und keine Aufregung verspüren.


    Es ist eben nicht so einfach, Lepista nuda sicher zu erkennen. Es gibt sehr ähnliche Arten, auch Schleierlinge darunter. Aber es ist deine Gesundheit. Wenn du mehr weißt, als der Pilzberater, dann gratuliere ich (sorry für die leichte Ironie). Nur die Aufregung ist dann für mich mehr als unlogisch.


    Ich habe genügend Vergiftungen (auch nachts, trotz Arbeit am nächsten Tag) betreut und habe viel Erfahrung mit "Pilzexperten", die sich ja "so sicher" waren. Ich wünsche dir ein vergiftungsfreies Hobby,

    Christoph

    Meine sehr beschränkten persönlichen Erfahrungen bestätigen das bisher nicht (bin aber daran interessiert, wenn jemand das weiß, vielleicht du): Ich war mit einer russischen Bekannten häufiger Pilze sammeln, die zwar die Gerüchte um die silierten scharfen Milchlinge bestätigt hat, nicht aber das vom Gelben Knollenblätterpilz. Den fand auch sie vom Geruch her unappetitlich und hatte wohl auch niemanden im Verwandten- und Bekanntenkreis, der/die den aß. Aber das ist natürlich nur eine Stichprobe von einer Person (aus dem Raum Moskau).

    Servus Sabine,


    zunaächst zur Verbreitung: hierist ein interessanter Artikel dazu (nicht mehr ganz aktuell): https://www.researchgate.net/p…oides_Vaill_ex_Fr_Fr_Link

    Da ist auch eine Verbreitungskarte enthalten. Im Raum Moskau kommt Amanita phalloides sicherlich vor, auch wenn die Karte etwas westlich die Grenze zieht. In Sibirien hingegen kommt Amanita phalloides nicht mehr vor, die borale Nadelwaldzone ist zwar Heimat von Amanita virosa s.l., aber nicht vom Grünen Knolli.

    Silierte, scharfe Milchlinge (und Täublinge) kenne ich aus Skandinavien und auch aus Sibirien / Russland. Es werden aber regional auch andere Pilze verzehrt. Und oftmals läuft das Erlernen von Pilzen noch traditionell mündlich. Ich kann nicht sagen, wie oft in Russland Amanita citrina gegessen wird. Bei Frischzubereitung sind Rotkappen und Steinpilze beliebter. Es werden aber teils abenteuerliche Mischpilzgerichte gesammelt, wie auch hierzulande, inkl. Amanita spissa s.l. und Amanita citrina. Dass dann nach dem Übersiedeln Grüne Knollis nicht erkannt werden, ist für mich plausibel. Meist aber ist es einfach purer Leichtsinn. Nach dem Motto "da waren Tierfraßspuren dran", "er roch so gut", "es waren so viele da" als Gründe des Verzehrs. Habe ich alle drei schon selbst erlebt bei der nachträglichen Bestimmung, aber da zum Glück nicht in Bezug auf Knollis.


    In der Presse wird aber schnell eine Erklärung gesucht, die plausibel scheint. Mexiko ist das Artenvielfaltszentrum der Gattung Quercus. Dass sich dort Amanita phalloides wohl fühlt, ist verständlich. Und ja, dennoch kann er dort eingeschleppt sein.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Ich musste mich wirklich durch eine schlaflose Nacht quälen und dachte mir am beschwerdefreien, nächsten Tag: ist es das wirklich wert !? Als Sammler und Genießer natürlich ein zögerliches irgendwie doch .. :gnicken:

    Servus Maronisto,


    als "Sammler und Genießer" sollte man die Pilze, die man isst, so gut kennen, dass man nachträglich kein Herzrasen bekommt, weil man sich dann doch unsicher ist. Dann ist man Sammler, aber kaum Genießer. Sammeln kann man alles, genießen nur sicher als Speisepilze erkannte Arten. Wenn man nicht zu 100% sicher ist, dann Finger weg! Und wenn man eine schlaflose Nacht aus Sorge hatte, war man eben nicht zu 100% sicher.

    Man kann nach der Mahlzeit auch wegen zu großer Portion, der Zubereitungsart (zu viel Sahne?) und auch völlig unabhängig davon durch andere Einflüsse eine schlaflose Nacht haben. Da stellt sich aber nicht die Frage, ob das einem das wert war, denn es hatte ja nichts mit den Pilzen zu tun.


    Ich empfehle die Zögerlichkeit dann doch beim Sammeln und Verzehren, ohne vorher einen Pilzberater aufgesucht zu haben.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Michael,


    die Sporenmaße deuten auf N. erytrhopus hin, wie oben diskutiert (ist aber eben nicht eindeutig). Der deutlich filzige Hut ebenso. Das Habitat ist nicht eindeutig pro N. xanthopus. Die feinen Stielschüppchen deuten wiederum auf N. xanthopus hin. Insgesamt würde ich eher auf N. erythropus tippen. Du könntest aber direkt das Paper in der Yesca (oben verklinkt) anwenden und die Pleuro- und Cheilocystiden anschauen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Schupfnudel,


    danke für den Link! Den Artikel kannte ich noch nicht. Er bestätigt aber letzten Endes die Aussage zu den Sporen:


    Im Beschreibungstext steht:

    "Basidiosporas 10,5–16,0 × 4,0–6,0 μm (promedio 12,0–14,3 × 4,8–5,5 μm), Q = 2,0–3,2 (promedio 2,3–2,9)"


    In der Vergleichstabelle steht:

    "Basidiosporas (valores medios) 12.0–14.3 × 4.8–5.5 μm; Q=2.3–2.9; V=154–213"


    Im Durchschnitt aller Kollektionen also kürzere Sporen, aber es gibt auch Kollektionen mit längeren Sporen. Ein einseitiges Merkmal eben. Kurue Sporen bestätigen die Bestimmung, lange Sporen schließen sie nicht aus.


    Was die anderen Merkmale, die Assyolv diskutiert, betrifft, muss ich das Paper erstmal in aller Ruhe studieren. Uns ja, Sequenzierung wäre gut gewesen für den Artikel. Die Fotos, die gezeigt werden, sind allerdings makroskopisch typisch, könnte also alles passen. Könnte ist aber kein optimaler Ausdruck des Vertrauens ;-).



    Servus Suillus,


    rotzfrech finde ich das englische Wiki nicht. Der Ausdruck "invalid" ist da nur fachlich falsch. Im selben Wiki-Artikel steht ja, dass der Name Boletus erythropus legitim publiziert und eben nicht ungültig ist: "though in theory it still has a legitimate meaning as whatever species Persoon originally intended". Sie hätten statt "invalid" sowas wie ambigous oder nomen dubium schreiben sollen, dann wäre es in sich stimmig. Die Sanktionierung durch Fries als den heutigen "Flocki" spielt ja auch noch rein. Ist alles etwas kompliziert, aber es lohnt sich manchmal, da tiefer reinzugehen, um Probleme nachvollziehen zu können. (Off topic Ende meinerseits, hat ja nichts mit der Unterscheidung von N. xanthopus zu tun).


    Liebe Grüße in die Runde,

    Christoph

    Servus beinand,


    laut Klofac, W., & Greilhuber, I. (2020). Revised key for the determination of fresh collections of European species of Boletales with tubulate hymenophore. Überarbeiteter Schlüssel zur Bestimmung von Frischfunden europäischer Arten der Boletales mit röhrigem Hymenophor. Österreichische Zeitschrift für Pilzkunde / Austrian journal of Mycology, 27, 81-303. lassen sich die beiden Arten nicht sicher durch die Sporenmaße trennen. Klofac ist ja Erstautor der Originalbeschreibung (zusammen mit Alexander Urban).


    Im Schlüssel steht u.a.: "Sp. –15,5 × 5,5, Q = 2,7–3,1, Huthauthyphen aufgerichtet." für Neoboletus erythropus bzw. N. praestigiator


    und "Sp. (10–) 13,5–15(–16) × (3,8–)4–5(–5,5) μm, Q = variabel: 2–3,3, Huthauthyphen niederliegend." für Neoboletus xanthopus


    Leider geben die Autoren für N. erythropus nicht die ganzen Sporenmaße an. Ob das "2" 2,0 heißen soll oder da eine Stelle fehlt, ist auch schwer zu sagen. Offenbar sind die Sporenmaße wieder eine einseitige Erkennungsmöglichkeit. Sind die Sporen kürzer und schmaler als bei N. erythropus, kann man N. xanthopus so bestätigen, sind sie aber genauso lang und auch in der Breit entsprechend, können es beide Arten sein. Ist ja makroskopisch auch so. Im Schlüssel wird entsprechend zu N. xanthopus kommentiert: "Es gibt Kollektionen, die in jeder Hinsicht

    (komplett braunhütig, rotporig und mit fein rotflockigem Stiel) makroskopisch kaum von N. praestigiator/luridiformis unterscheidbar sind"


    Entsprechend wird als Hauptmerkmal zur Unterscheidung die Filzigkeit der Huthaut verwendet. Bei N. erythropus filzig, bei N. xanthopus kaum filzig. Die analoge Angabe zu den HDS-Hyphen ist halt schwierig, da die HDS-Hyphen bei jungen N. xanthopus sicherlich auch (noch) aufsteigend sind und bei ziemlich alten N. erythropus nicht mehr aufsteigend sind (ein Trichoderm bricht irgendwann zusammen). Im thermohpilen Laubwald können beide vorkommen, X. xanthopus aber nur dort. Auch da ist es einseitig zur Unterscheidung, nur eben andersherum.


    Ich selber gehe für mich wie folgt vor: wenn makroskopisch typisch für N. xanthopus und Habitat passend, bestimme ich ihn als solchen. Wenn makroskopisch typisch für N. erythropus und im Nadelwald, dann bestimme ich ihn als N. erythropus. Die Sporenmaße nehme ich als Hilfsmerkmal her, um den ersten Fall idealerweise zu bestätigen. Längere Sporen bei N. xanthopus nehme ich aber in Kauf bei der Bestimmung, wenn Makroskopie und Habitat passen.


    Finde ich einen "typischen" N. erythropus im thermophilen Laubwald, ist das für mich dann nur ein N. cf. xanthopus, weil der eben auch mal wie ein N. erythropus aussehen kann. Da hilft dann ggfls. nur das Sequenzieren.


    Gelbe Formen im thermophilen Laubwald würde ich nicht ohne Sequenzierung bestimmen. Auch N. erythropus kann in unterschiedlichem Ausmaß gelb sein und N. xanthopus wohl auch, würde ich sehr vermuten.


    Kurz gesagt: alles sehr undankbar bei der genauen Bestimmung.


    Und warum ich den Namen N. erythropus verwende? Fries hatte die Interpretation des Persoonschen Namens fixiert (unter Boletus wäre das sanktioniert) und die Benennung war über 150 Jahre stabil. Und wer weiß, ob spätere Synonyme nicht doch N. xanthopus mit einschließen?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Rein optisch hat er ja durchaus Ähnlichkeiten zum Schönfußröhrling. Hat den eigentlich mal jemand hier roh gegessen...? Vielleicht sieht man da die Gnolmen tanzen, während man mit dem Rüssel über der Toilette hängt ^^ .

    Nah verwandt ist Lanmaoa fragrans – kommt auch in Deutschland vor. Lief früher unter Boletus fragrans. Der ist aber bei uns viel zu selten für Kostproben.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Linde,


    die lebhaft orangerote Hutfarbe und der unterhalb des Rings schleimige Stiel sprechen sehr für Suillus glandulosus. Besser wäre es aber, wenn man die Poren besser sehen könnte, ein Schnittbild hätte, den Stiel besser sehen würde wegen möglicher Drüsenpunkte und die Ökologie besser beschrieben wäre (z. B. mögliche Symbiosepartner). Da Suillus glandulosus sowohl mit Larix laricina, Picea mariana als auch Abies balsamea Ektomykorrhizen bildet (und in Sibirien auch mit Larix cajanderi), ist hier der Baumpartner ausnahmsweise aber untergeordnet wichtig. Man könnte aber manch andere Art ausschließen.


    Literatur zu den Symbiosepartnern:

    Perez-Pazos et al. (2011): The slippery nature of ectomycorrhizal host specificity: Suillus fungi associated with novel pinoid (Picea) and abietoid (Abies) hosts. Mycologia 113(5): 891–901. https://doi.org/10.1080/00275514.2021.1921525

    Zvyagina & Sazanova (2022) The foirst record of Suillus glandulosus (Suillaceae) in Russi from Magadan Region. МИКОЛОГИЯ И ФИТОПАТОЛОГИЯ 56(1): 16–21 (Mykologia i Fytopatologia).


    (beide über Research Gate herunterladbar).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Helmut,


    ersetze Albino durch Farbmangelmutante ;). Falls man dafür einen Namen nutzen möchte, wird es etwas komlliziert. Cantharellus cibarius var. albidus ist ein Synonym von Cantharellus pallens (= C. subpruinosus). Der Name Cantharellus pallens wurde auch schon als weiße Form des Echten Pfifferlings fehlinterpretiert, weshalb die Art ja als C. subpruinosus neu beschrieben wurde, bevor die neueste Monographie die beiden zusammenlegte.

    Es gäbe den Namen Cantharellus cibarius f. pallidus, R. Schulz in Michael, Führ. Pilzfr. 1: no. 82, 1923. Farbmangelmutanten verdienen aber keinen eigenen Namen, wie Irmgard richtig feststellt. Falls ich irgendwo var. albus geschrieben habe sollte, war es eine Verwechslung mit f. pallidus meinerseits. Jedenfalls meine ich Farbmangelmutanten von Cantharellus cibarius. Die sind nicht häufig, treten aber ab und an auf, wie die Fotos von Beli schön zeigen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Vitus,


    ich sehe auf deinen Mikorfotos keine Strukturen, die für mich Skeletthyphen sein könnten. Björns Fotos zeigen deutlich dickwandigere Hyphen als ich sie auf deinen Fotos sehe, aber auch da kann ich es nicht wirklich beurteilen, weil man ja nur einen Ausschnitt der Hyphe sieht, der zu kurz ist. Ich bin sicher, dass sich auch bei den Elementen Septen fnden lassen und die Trama nicht dimitisch ist.


    Das ist übrigens nicht trivial. Phellinus gilt klassisch als dimitisch, dabei findet man auch hier in den skelettisierten Elementen Septen (nur da schnallenlos, unauffällig). Also eher pseudodimitisch. Ist aber ein anderes Thema. Ich will nur sagen, dass Stereum nur mit Erfahrug als klar monomotisch erkannt wird.


    Zu den amyloiden Sporen – ich gebe zu, dass ich bei Stereum noch gar nicht Sporenamyloidität im Mikroskop geprüft habe. Schwache Amyloidie kann man leicht übersehen. Sporenpulbe rmakroskopisch, wie Björn schon schrieb, ist klarer. Ich muss unbedingt mal einen Schichtpilz mit Melzers anschauen und Fotos von den Sporen machen... (kommt auf die To Do-Liste).


    Das meiste ja Björn ja schon ausführlich kommentiert. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich bitte euch, ist hier eine Diskussion Schulmedizin vs. "alternative" Heilmethoden wirklich sinnvoll? Es bringt einerseits nichts, gegen die Schulmedizin zu wettern, es bringt aber auch nichts, "alternative" Verfahren hier inhaltlich widerlegen zu wollen. Solche Diskussionen driften zu schnell ab und werden persönlich. Ich stehe auch auf der naturwissenschaftlichen Seite, aber solche Diskussionen driften zu schnell ins dogmatische ab, jedenfalls meiner Meinung nach.


    Ging es nicht eigentlich darum, Kommentare zu Kursen wie dem im Eingangspost verlinkten zu geben und das zu diskutieren?


    Zur "Qualifikation PSV". Veronika ist PSV und sie ist hier im Forum und auch hier im Thread aktiv dabei. Veronika ist PSV der DGfM. Warum sollte sie das nicht als Zusatzinfo angeben? Ich wüsste nicht, dass man bei uns eine Art Ausbildung zum Vitalpilzexperten machen kann. Insofern gibt es eigentlich keine passende, qualifizierende Angabe.

    Das ist jetzt etwas radikal, aber ich finde die DGfM sollte irgendwas machen das ein PSV solche Heilpilzkurse so nicht anbieten darf.
    Weil für mich bringt das rüber "ich bin PSV und deswegen kenn' ich mich aus und deswegen stimmt das hier".

    Das verstehe ich nicht wirklich. Warum sollt ein PSV keinen solchen Kurs anbieten "dürfen"? Ich lese in dem pdf, den Veronika verlinkt hat, als sie Werbung dafür gemacht hat, nichts, was das aussagen würde (auf den zweiten Satz bezogen, den ich zitiere). Kursteilnehmer sollten im Endeffekt selbst entscheiden, ob ihnen die Expertise der Leiterin ausreicht oder nicht. Würde ich hier einen Namen sehen, der mir unbekannt ist, sodass ich die Qualifikation nicht einschätzen kann, würde ich dann so einen Kurs eben nicht buchen.


    Was mich da eher stört...


    Die Überschrift mit "Vitalpilze – Können Pilze heilen?" – das suggeriert, als würde dies im Kurs geklärt und beantwortet werden. Die Tiefgründigkeit ist unklar. Können Pflanzen heilen? Ja klar, es gibt Heilpflanzen (komisch, dass da keiner Vitalpflanzen sagt). Und sicherlich können Pilze heilen. Direkt oder indirekt. Penicillin als Arzeimittel hat Viele geheilt und war ein Segen, als es auf den Markt kam. Können aber die gänigen Pilztees heilen? Das ist eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Und die Überschrift suggeriert m. E., dass das beantwortet wird. Und da wird es schnell schwammig.


    Schmetterlingstramete habe ich selbst schon als Tee probiert (bin ja neugierig). Damals kam ich gut über die Erkältungszeit hinweg. Sie soll das Immunsystem stimulieren. War das Plazeboeffekt? Lag es daran, dass ich damals eine Tätigkeit hatte, bei der ich als Mykologe im Wald war, tagein, tagaus, und sonst am Mikroskop, also kaum Menschenkontakt hatte? War es Zufall? Bei n = 1 ist das nie zu sagen.

    Ich kenne Studien zu Trametes versicolor und das Krestin (ein Polysaccharid). Demnach ist es fraglich, ob Teeanwendung überhaupt die nötige Konzentration für eine erkennbare Wirkung hat.


    Kurz gesagt: da wird es medizinisch anspruchsvoll. Traditionelle Medizin gibt Hinweise auf Pflanzen/Pilze/generell Lebensformen, deren Inhaltsstoffe heilend wirken könnten. Die moderne Medizin überprüft das experimentell.


    Aber hat das was mit dem Kurs zu tun? Ich weiß es nicht, vermute aber nicht. Primär scheint es um Porlinge zu gehen. Also klassische Gattungs- und Artenkenntnis. Dann um "Fähigkeiten der Pilze" (was damit auch immer konkret als Kursthema gemeint ist. Vermutlich eben die potentielle Heilwirkung.


    Und da traue ich einem/r PSV (unabhängig von der Person Veronika Weisheit) zu, sich so eingearbeitet zu haben, dass entsprechende Kurse angeboten werden können.


    Zitat

    Die Traditionelle Chinesische Medizin hat jahrhundertelange Erfahrungen mit Pilzen zum Zwecke der Gesunderhaltung des menschlichen Körpers und verfügt über ein umfangreiches Wissen. In Europa ging dieses Wissen weitestgehend verloren.


    Die Sätze finde ich allerdinga auch sehr schwurbelig. Wie gesagt, erstmal nichts gegen TCM an sich oder zu TCM vs. Schulmedizin. TCM hat aber eben Schattenseiten wie das Wildern von Nashörnern, um Keratinpulver aus einem Horn zu gewinnen, das in China als phalloid angesehen wird und daher potenzsteigernd. Das Problem ist der (sorry) Aberglaube, die Form von Etwas zeige die Wirkung. Was phalloid aussieht ist gut für die Potenz (usw.). Dass zufällig über diesen Aberglauben auch wirksame Pflanzen oder Pilze gefunden werden/wurden, ist klar. Zufall eben. Mit der TCM aber für einen Kurs über heimische Porlinge zu werben, finde ich angesichts dessen, dass die TCM mit beiträgt, Nashörner auszurotten (als ein Beispiel) unschön. Das ist sicherlich nicht so gemeint. Ich denke, das pdf soll den Kurs einfach nur allgemein bewerben und halt ein Werbetext sein, der passende Klientel anspricht. Mir gefällt der Inhalt des Werbetextes teilweise nicht, aber das ist halt einfach so.


    Aus all dem aber abzuleiten, dass PSV der DGfM solche Kurse generell nicht halten dürfen, ist mir ehrlich gesagt zu extrem. Wer weiß, vielleicht ist es ein ganz toller Kurs, in dem man viele Porlinge kennenlernt und zudem erfährt, welche Arten als Vitalpilze angesehen werden (das kann man wertneutral dazu sagen).


    Eine Diskussion Naturwissenschaft / Schulmedizin vs. "Alternativen" empfinde ich in dem Kontext aber überflüssig und zu polarisierend.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Vitus,


    Skeletthyphen haben keine Septen und sehr stark verdickte Wände. Die Hyohen, die du zeigst, haben Septen, sind also mehrzellig und die Wände sind nicht extrem verdickt. Insofern: monomitisch.


    Liebe Grüße,Christoph