Beiträge von boccaccio

    Hallo Heidrun,


    wie sicher bist du dir mit Birke als Substrast? An Alnus gäbe es mit Alnecium auctum einen Pilz, der auf den ersten Blick ganz gut zu deinem Fund paßt. Da müßten die Asci dann apikal mit Kongorot rot reagieren. An den Sporenenden sollten kurze, zylindrische Anhängsel sein, die ich an manchen deiner Bilder auch zu erkennen glaube.


    Björn

    Hallo Sandra,


    da du dich ja nun doch für Fiji entschieden hast: Du wirst ja in der Regel nicht nur eine Spore messen, sondern 20 Stück um dann Mittelwerte und Standardabweichungen oder Minimal- und Maximalwerte zu berechnen. Ich weiß natürlich nicht, wie du das machst - da gibt es im Prinzip ja unendliche viele Möglichkeiten - aber man kann das natürlich bequem in Excel/LibreOffice Calc machen (und das sage ich als jemand, der solche Programme eigentlich nie freiwillig nutzen würde). Da kann man sich eine Tabelle basteln, in die man die Meßergebnisse aus Fiji reinkopiert und die dann die gewünschten Größen berechnet. Und an der Stelle kann man dann natürlich auch direkt die Skalierung einbauen - die ändert sich ja nicht.


    Björn

    Hallo Ralph,


    ich hatte dieses Jahr schon S. austriaca und S. coccinea und bilde mir ein,daß man da mit der Lupe tatsächlich einen gewissen Unterschied in der Behaarung erkennen kann. Aber bevor ich mir da sichere Aussagen zutraue, möchte ich gerne noch viele weitere Funde vor der Lupe gehabt haben.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich hatte letztes Wochenende einen eher untypischen Standoort unter einer Hochspannungsleitung. Da wurden Weiden gehäckselt und diese mundgerechnet Stücke haben der Sarcoscypha austriaca offenbar auch sehr gemundet. Es waren auf jeden Fall hunderte Fruchtkörper da.


    Björn

    Hallo Nobi,


    ich habe mal ein paar Sporen gemessen und komme auf (22-25) µm x (6-7) µm, was sich erstmal nicht groß von deinem Fund unterscheidet. Björn Wergen gibt in seinem Buch aber für R. unicaudata 21,5-28 x 6-7 an. Da scheint keine Unterscheidung möglich zu sein. Zu R. massalongii konnte ich jetzt leider im Internet wenig bis gar nichts finden. Kann es sein, daß man die Arten evtl. über das Substrat trennt? R. unicaudata ist bei Björn und Ellis & Ellis explizit für Clematis angegeben.


    EDIT: Meine Anhängsel sind 10-11 µm lang und damit kürzer als bei deinem Fund.


    Björn

    Hallo zusammen,


    heute war ich mit Wilfried auf einer kleinen Tour im Neandertal unterwegs. Den Neandertaler haben wir zwar nicht getroffen, dafür aber einige Pilze gefunden.


    1. Den Anfang macht aber ein Käfer: Hylesinus fraxini. Dieser Borkenkäfer befällt Eschen und hinterläßt dabei ganz charakteristische Fraßspuren, die an stilisierte Zeichnungen von Möwen erinnern.


    2. Sclerencoelia fraxinicola darf auf toten Eschen natürlich nicht fehlen


    3. Diese Flechte, ebenfalls auf Esche, reagiert mit K zunächst gelb und dann rot und mit P gelb: Phlyctis argena


    4. Daldinia sp. ohne reife Sporen


    5. An Fraxinus gab es noch diese Anamorphe mit zweierlei Konidien. Da lande ich mit Ellis und Ellis bei Diaporthe scobina


    6. Rebentischia unicaudata an Clematis vitalba


    Björn

    Hallo Nobi,


    ich habe gerade die Sporen nachgemessen und komme auf (16.4+-0.8) µm x (10.3+-0.8) µm, Q=1.6+-0.1, bzw. (15.2-18.1) µm x (9.3-12.1) µm, Q=1.4-1.7. Im Vergleich dazu liegt die andere Sordaria mit den deutlich schmaleren Sporen bei (18.2-21.0) µm x (9.5-10.4) µm, Q=1.8-2.2. Das heißt also, daß die Sporen bei dem zweiten Fund nur minimal breiter sind, aber eben auch deutlich kürzer. Das scheint aber irgendwie weder zu S. lappae noch S. fimicola besonders gut zu passen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich gebe Bernd vollkommen Recht, daß die Auswertung der Fläche deutlich genauer ist als die Auswertung entlang einer Strecke.


    Zum rotrandigen Baumschwamm geben Dörfelt und Ruske 6.6 Poren/mm² bzw. 2.7 Poren/mm an.


    Björn

    Hallo Bernd,


    das Buch über pileate Porlinge von Dörfelt und Ruske hat auch Angaben zur Porenzahl pro Fläche. Rivoire und die beiden Bernicchia-Bücher geben jeweils nur die Zahl pro Länge an. Aber wie du ja schon schreibst, ist eine Umrechnung zumindest für annähernd isotrope Poren einfach.


    Björn

    Hallo Philipp,


    das ist wirklich sehr beeindruckend und die 1589 Poren erscheinen plausibel, wenn man mal grob die Poren entlang einer Kante des Quadrats abzählt und quadriert. Ich würde ja fast sagen, daß das nach einem Thread mit praktischen Tipps zur Benutzung von Fiji im Pilzkontext schreit.


    Björn

    Hallo Sandra,


    Sporenmessung am Foto ist aber ja erstmal unabhängig von Mikroskop und Kamera. Da braucht man nur das richtige Programm für - und da scheiden sich bekanntlich die Geister. Ich bin mit Fiji/ImageJ hochzufrieden, andere Leute finden das zu komplex.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich habe am letzten Samstag im NSG Drevenacker Dünen diesen hübschen Schleimpilz gefunden, den ich bei Arcyria verorten möchte. Die Sporen messen (12.7+-0.5) µm, das Capillitium hat zum Teil Stacheln, zum Teil aber auch eher netzartige Ornamente. Es läßt sich leicht, quasi im Ganzen vom Becher lösen, letzterer ist sehr klein und minimal ausgeprägt. Damit lande ich insgesamt bei Arcyria ferruginea. Stimmen die Experten zu?



    Björn

    So, jetzt also wie versprochen die Neuigkeiten.


    1. Ein Saccobolus. Der erste Fruchtkörper hat leider meinem Druck nicht standgehalten und so gab es statt Sporenclustern nur Einzelsporen. Die konnte man dann aber bequem ausmessen: (14.9-15.8) µm x (6.6-7.3) µm. Einen Tag später gab es dann wieder einen Ascobolus (hoffentlich die gleiche Art, aber ich sehe erstmal nichts, was unmittelbar gegen diese Annahme spricht). Diesmal nur liebevoll gedrückt, so daß man auch die Cluster messen konnte: (33-40) µm x (11-16) µm. Die Fruchtkörper selbst habe ich nicht wirklich gesehen mit der 10fach-Lupe, aber da nirgendwo gelbes Material bei den Paraphysen zu sehen ist, tendiere ich zur Sect. Eriobolus und dort mit der Sporengröße zu S. depauperatus.


    2. Ein sehr kleiner und sehr reifer Ascobolus, wo ich erstmal nur Sporen und sonst nichts gefunden habe. Auch hier war der Fruchtkörper wieder sehr klein und Details nicht zu erkennen. Die Sporen messen (12.1+-0.5) µm x (6.5+-0.3) µm, (11.2-13.9) µm x (6.0-7.5) µm. Einen Tag später gab es dann noch einen Fruchtkörper mit gleichen Sporenmaßen, der etwas jünger war und noch Schläuche und Paraphysen zeigte. Meine Tendenz hier geht zu A. crenulatus/constantinii, wobei der letztere für D. nicht nachgewiesen wurde und bei van Brummelen auch nicht als Dungbewohner geführt wird. Deshalb wohl eher A. crenulatus.


    3. Und dann gab es ja noch die relativ großen Ascobolusse, die auf den makroskopischen Fotos letztens zu sehen waren. Davon habe ich jetzt auch mal einen gekillt. Sporen messen (18.4+-0.9) µm x (9.1+-0.3) µm, Q=2.0+-0.1, (16.6-20.4) µm x (8.7-9.8) µm, Q=1.8-2.3, womit ich zu A. sacchariferus tendiere.


    Björn

    Hallo zusammen,


    bevor es nachher mit den neuen Arten weitergeht, hier noch mal schnell ein paar weitere Bilder der Arten, die ich oben schon vorgestellt habe.


    1. Sporormiella intermedia


    2. Thelebolus dubius var. lagopi


    3. Sordaria fimicola


    4. Ascozonus woolhopensis


    Björn

    Hallo zusammen,


    für Sulfovanillin nimmt man im pilztechnischen Zusammenhang typischerweise 65% Schwefelsäure und eben Vanillinkristalle. Das ganze rührt man jedes Mal frisch an, da SV keine lange Haltbarkeit hat, die Einzelmaterialien aber schon.

    Bei der Frage nach P. pulmonarius vs. P. ostreatus ist SV ein gutes Mittel zur Trennung der beiden Arten, wenn der Fruchtkörper nicht gerade vom Regen durchweicht wurde. Im Gröger wird übrigens noch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal angegeben: Bei P. ostreatus hat das Kulturmyzel orangegelbe Guttationstropfen, bei P. pulmonarius nicht.

    Bei Wildfunden ist das natürlich müßig zu untersuchen, aber wenn man den Pilz eh zu Hause in Kultur nimmt, sollte das ja einfach zu überprüfen sein.


    Björn

    Hallo zusammen,


    Zitat

    Ein Student von uns hatte mal den Fehler gemacht und einen falschen Wert angegeben. Sämtliche Maßangaben waren falsch und er musste alles neu machen.


    Deshalb sollte man ja nach Möglichkeit so wenig wie möglich manuell arbeiten und Skripte benutzen, wann immer es geht. Sporen muß man zwar im Zweifelsfall noch selber erkennen, aber idealerweise sollte danach eben ein Skript die weitere Auswertung übernehmen. Dann ist im Nachhinein auch klar erkenntlich, was an welcher Stelle schief gelaufen ist und es läßt sich in Sekundenbruchteilen korrigieren.


    Zurück zum Ausgangsproblem: Es gibt für Fiji ein Plugin, mit dem man verschiedene Maßstäbe vordefinieren kann. Das ist eben der Vorteil eines quelloffenen Programms, wo eine große Community fleißig dran rumwerkelt. Die Installation und Benutzung wird hier sehr ausführlich diskutiert. Wenn man sich dann noch einen entsprechenden Shortcut für das Aufrufen des Plugins definiert sind Messungen mit Fiji ein Kinderspiel.

    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag war ich mal wieder auf Pilztour. Dies mal ging es in das NSG Drevenacker Dünen in der Nähe von Wesel, einem Binnendünengebiet mit sandigen Böden.


    1. Peronospora ficariae ex Ficaria verna


    2. Ein Rindepilz auf Kiefer. Leider waren keine Sporen zu sehen. Schnallen waren vorhanden, Basidien viersporig mit Basalschnalle. Gewisse Strukturen würde ich als Zystiden interpretieren, die septiert wirkten (allerdings ohne Schnalle). Aber so ohne Sporen fehlt mir da jegliche Idee.


    3. Peronospora vernalis ex Spergula morisonii


    4. Roseodiscus formosus


    5. Ein Botryobasidium mit Sporen von (9.3+-0.7) µm x (4.5+-0.4) µm, Q=2.1+-0.2, (7.9-10.4) µm x (4.0-5.0) µm, Q=1.7-2.5 womit ich bei B. vagum lande.


    6. Stagonospora subseriata ex Molonia caerulea


    7. Auf Kiefernharz hatte ich diese kleinen orangenen und schwarzen Gesellen gefunden und mich schon auf die Harzbecherchen gefunden. Unter dem Mikroskop gab es dann allerdings nur Konidien. Ich vermute nach Recherche im Ellis und Ellis daß es sich hier um die jeweiligen Anamorphen der beiden Sarea-Arten handelt.


    Björn

    Hallo Sandra,


    in Fiji kann man sich aber beliebig Scripte basteln, in denen man dann z.B. auch die Umrechnung von Pixeln in Mikrometer automatisch laufen lassen kann. Das setzt natürlich voraus, daß man immer den gleiche Maßstab hat, aber da man ja in der Praxis fast eh nur mit dem 100er Objektiv mißt, ist das in der Praxis keine große Einschränkung.

    Im Prinzip sollte Fiji sogar in der Lage sein, selber Objekte zu erkennen und zu vermessen, so daß man dann Sporengrößen auf Knopfdruck bekommt.


    Björn