Beiträge von boccaccio

    Hallo JoBi,


    das, was du als Sporen interpretiert hast, sind die jungen Basidien des Pilzes. Im Alter sind die dann deutlich septiert und haben teilweise sehr lange Sterigmen. Für die Unterscheidung zwischen Exidia und Myxarium muß man sich anschauen, ob die Basidien gestielt sind oder nicht. Das erkennt man auf deinen Bildern nicht wirklich, da wäre es wichtig, die Basidie mit ihrer Basalschnalle zu sehen.


    Björn

    Hallo zusammen


    in diesem Artikel steht folgendes zu C. sexdecimspora:


    Zitat

    The best-known family in the order Chaetothyriales is Herpotrichiellaceae, introduced by Munk (1953) with Herpotrichiella (Petrak 1914) as the type genus. Herpotrichiella moravica was selected as the type species, which is considered to be a synonym of Capronia pilosella (Untereiner 1997). Consequently, the currently accepted name for Herpotrichiella is that of its older synonym Capronia, introduced by Saccardo (1883) with Capronia sexdecimspora (Cooke) Sacc. as type species, characterized by setosa ascomata with asci containing 16 hyaline, 3-4-septate ascospores. As no interpretable type material of this species is available, the identity of this species remains uncertain. As yet, none of the species with 16-spored asci has been sequenced, and thus replacement of C. sexdecimspora by an extant neotype is difficult and the exact position of the reference for Capronia in the Herpotrichiellaceae remains uncertain. We propose to stabilize the nomenclature of Herpotrichiellaceae by selecting Capronia pilosella AFTOL 657 as reference for the family.


    Björn

    Hallo Marco,


    diese Bedeutung von hyalin war mir tatsächlich nicht bekannt und ich hätte bei C. sexdecimspora jetzt farblose Sporen erwartet. Die Frage ist natürlich auch, was der gute Herr Cooke 1871 mit hyalin meinte. Wenn man sich die Originalbeschreibung der Art durchliest, hat man danach übrigens auch keine rechte Vorstellung davon. Mein Rat wäre deshalb, Gernot Friebes direkt zu kontaktieren oder den Fund bei AscoFrance einzustellen, da liest Gernot glaube ich auch mit.


    Björn

    Hallo zusammen,


    es gibt von Gernot Friebes einen sehr detailreichen Schlüssel zur Gattung Capronia, der in Ascomycete.org 4, 55 (2012) erschienen ist. Wenn ich damit schlüssel, ist C. sexdecimspora eigentlich raus, weil die Art hyaline Sporen haben soll. Am ehesten paßt dann wohl C. pleiospora. Ich habe mit der Gattung selber aber wenig Erfahrung, im Zweifelsfall also vielleicht einfach mal Gernot direkt kontaktieren.


    Björn

    Hallo Andy,


    klassischerweise befeuchtet man Apothecien dieser Größe etwas, legt ein Deckglas drauf und beleuchtet das Ganze dann einige Minuten. Die Kombination aus Licht und Wärme regt wohl zum Sporenabwurf an. Alternativ kann man, gerade wenn man eine größere Menge Fruchtkörper nah beieinander hat - wie das etwa bei Byssonectria der Fall ist, auch einfach den Pilz direkt auf dem Objektträger absporen lassen, wie man es auch von Basidiomyceten kennt.


    Björn

    Hallo Lara,


    ich würde den hellen Bereich um die Spore als Sporenwand deuten und entsprechend mitmessen. Wobei ich bei einer Scutellinia aber eh erstmal versuchen würde, einen Sporenabwurf zu bekommen. Wenn das nicht gelingt, kann man das Teil dann auch direkt entsorgen, weil man für die Bestimmung ja später das Sporenornament braucht, was nur bei richtig reifen Sporen ordentlich zu beurteilen ist.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag habe ich mich früh morgens auf den Weg ins Ahrtal gemacht. Ziel waren u.a. die Orchideenwiesen bei Lohrsdorf. Die Bahnfahrt war dann schon das erste Abenteuer, denn offenbar dachte ein Fahrgast, daß die Cannabislegalisierung auch das Kiffen im Zug erlauben würde. Also 20 Minuten Aufenthalt in Bonn, bis die Bundespolizei für Ordnung gesorgt hatte. Zum Glück hatte ich in Sinzig 25 Minuten Umsteigezeit! Und dann ging es auch schon los.


    Vom Bahnhof in Bad Bodendorf erstmal ein bißchen den Berg hinauf zum Trüffellehrpfad. Der war insgesamt sehr enttäuschend, denn außer diesem Schild und einigen kleinen, recht frisch gepflanzten Bäumchen, an denen z.T. noch dranstand um welche Art es sich handelt, gab es dort nichts zu sehen oder gar zu lernen.


    1. Dann der erste Pilz: Ramularia didyma var. didyma ex Ranunculus auricomus agg. Erkennbar an den Konidien in Ketten, die relativ schmal sind.


    2. Beim Bücken nach Helvella acetabulum fielen mir dann kleine schwarze Punkte auf alten Crataegus-Blättern auf: Lophiodermium foliicola. Die Art hatte ich bis jetzt noch nicht.


    3. Immer wieder am Wegrand: Urocystis anemones ex Anemone nemorosa


    4. Trichopezizella nidulus an alten Stängeln von Polygonatum multiflorum


    5. Auf den Wiesen standen immer wieder größere Mengen von Colchicum autumnale und daran dann regelmäßig Urocystis colchici


    6. Auch die Orchideen fingen an zu blühen: Orchis militaris


    7. Neottia ovata


    8. Orchis mascula


    9. Aecidium euphorbiae ex Euphorbia cyparissias


    10. Ochropsora ariae ex Anemone nemorosa, dazu im Doppelbefall Urocystis anemones


    11. Hyaloperonospora dentariae ex Cardamine bulbifera


    12. Hier wieder Euphorbia cyparissias mit einem Uromyces-Befall, dazu aber auch der graue Rasen von Peronospora cyparissiae


    13. Uromyces scutellatus ex Euphorbia cyparissias, Sporen ohne Kappe auf den Keimporen und mit länglichen Warzen


    14. Wieder etwas Neues für mich: Entyloma corydali ex Corydalis solida


    15. Für Claudia: Auch im Westen gibt es violette Buschwindröschen


    16. Bei der Burgruine Landskrone dann Puccinia hieracii ex Hieracium sp. Auf dem Weg zum Gipfel kam mir übrigens ein junger Mann entgegen, der neugierig fragte, was ich da suche. Als ich "Pilze" antwortete, hub er zur Gegenfrage an - aber nicht, wie erwartet "Pilze um diese Jahreszeit?" sondern: "Auch solche mit Psilocybin". Nachdem ich verneinte und ihm meine gesammelten Phytos zeigte, fragte er dann, ob man den Brand auf Colchicum essen könne....


    17. Auf einem Felsvorsprung der Burg dann poa bulbosa mit einem Rostpilz, den ich aber nicht weiter bestimmen konnte.


    18. Unten im Tal dann Euphorbia lathyris als Gartenflüchtling mit Melampsora euphorbiae-dulcis


    Und zu guter Letzt: Der Grund, warum man auf Weinbergen nicht groß nach Phytos suchen muß...



    Björn

    Hallo Bernd,


    bei Nummer 1 sehe ich Byssonectria fusispora. Die Sporen deines Fundes sind ja schon klar spindelförmig und nicht ellipsoid und die Paraphysen nicht krückstockartig gebogen wie bei Byssonectria terrestris. Cheilymenia granulata hätte echt ellipsoide Sporen, die dann auch bei Reife noch längsstreifig ornamentiert wären, außerdem wären die Paraphysen bei dieser Art apikal noch stärker verdickt.


    Björn

    Hallo Bernd,


    nach Iodophanus (carneus) sieht mir das nicht aus. Da müßten die Ascuswand mit Lugol blau verfärben, die reifen Sporen müßten warzig ornamentiert sein und die Paraphysen wären relativ breit und klar zwischen den etwas keulenförmigen Asci sichtbar:



    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Sonntag ging es bei sommerlichen Temperaturen mit dem mykologischen Arbeitskreis Bergisches Land ins Vogelsangbachtal bei Heiligenhaus. Eine interessante Gegend und dazu noch eine der wenigen Stellen mit Kalk bei uns. Entsprechend zeigten sich viele interessante Pilze:


    1. Spermosporina aricola ex Arum maculatum. Wahrscheinlich nicht selten, aber extrem unterkartiert. Man sollte zur Sicherheit aber immer prüfen, ob derartige Blattflecken auf der Blattunterseite einen Rasen mit Konidien haben.


    2. Disciotis venosa


    3. Milesina vogesiaca ex Polystichum aculeatum


    4. Milesina kriegeriana ex Dryopteris dilatata


    5. Urocystis anemones ex Anemone nemorosa


    6. Anguis fragilis


    Björn

    Auch mich hat diese traurige Nachricht tief getroffen. Nicht nur, daß Nobi ein ausgewiesener Kenner der Dungpilze, ja geradezu ein Dungpilz-Papst war, er hat sein Wissen hier auch immer wieder sehr geduldig mit uns geteilt und es dabei geschafft, seine Leidenschaft für diesen - auf ersten Blick ja doch sehr speziellen - Aspekt der Mykologie weiter zu vermitteln. Bei dem von Karl erwähnten Treffen in der Eifel konnte ich Nobi dann auch persönlich kennenlernen. Zu schade, daß dies unsere einzige gemeinsame Exkursionen bleiben sollte. Seinen Angehörigen wünsche ich viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.


    Nobi, du wirst uns fehlen!


    Björn

    Hallo zusammen,


    beim niederländischen Ascomycetenprojekt gibt es neben den Schlüsseln, die einen zur Gattung bringen auch einige Schlüssel, die dann innerhalb einer Gattung bis zur Art schlüsseln. Besonders interessant ist dabei ein recht umfangreicher Schlüssel zu Leptosphaeria und verwandten Gattungen. Da auch dieser Schlüssel in niederländisch formuliert ist, habe ich ihn übersetzt und hoffe, daß er dem einen oder anderen von Nutzen sein kann.


    Björn

    Hallo zusammen,


    das ist kein Ascomycet, sondern Lachnella alboviolascens, ein Basidiomycet, der so aussieht, als sei er ein kleines Becherchen. Typisch für die Art ist, daß manchmal Haarbüschel nicht nur am Rand, sondern auch mitten in der Fruchtschicht wachsen. Das passiert bei Ascomyceten nie.


    Björn