Oh wie schön! Den hab ich nur vor Jahren mal bei Würzburg gesehen als ich noch nicht in der Pilzmaterie steckte und gar nicht wußte, was ich da Tolles entdeckt habe.
Björn
Oh wie schön! Den hab ich nur vor Jahren mal bei Würzburg gesehen als ich noch nicht in der Pilzmaterie steckte und gar nicht wußte, was ich da Tolles entdeckt habe.
Björn
Ich habe Karls Kunstwerk ja schon am Montag erleben dürfen und kann nur sagen: Du verpaßt da wirklich etwas!
Björn
Hallo zusammen,
ich bin heute auch mal wieder dabei, werde aber wahrscheinlich erst etwas später dazustoßen, weil vorher noch MAB-Meeting ist.
Björn
Aber daß der Stinkwacholder so heißt wie du, da kann der Birnengitterrost (oder wie wir hier im Ruhrgebiet sagen: Dem Sabine sein Gitterrost) nichts für.
Björn
Hallo zusammen,
nachdem im letzten Jahr der Bahnhofsvorplatz in Duisburg umgebaut wurde, finden sich dort drei große Hochbeete, die mit verschiedenen Pflanzen versehen sind, u.a. auch Vinca major. Bereits seit einigen Wochen fallen die Pflanzen dadurch auf, daß sie vergeilt sind und gelblich verfärbte Blätter besitzen. Auf der Blattunterseite finden sich dann braune, pulverige Uredien und Telien von Puccinia vincae (teilweise mit dem Hyperparasiten Tuberculina sbrozzii befallen). Da dies der einzige Rostpilz auf Vinca major ist, ist er relativ einfach zu bestimmen. Man muß aber aufpassen, daß man den Wirt nicht mit Vinca minor verwechselt (die hat keine Haare auf dem Blattrand), denn dort gibt es mit Puccinia cribrata einen eigenen Rost, der allerdings nur Telien ausbildet. Schließlich gibt es auf Vinca herbacea mit Puccinia anatolica noch einen weiteren Rost, der im deutschsprachigen Raum bislang aber nur aus Österreich bekannt ist.
Befallene Pflanze am Fundort
Uredien/Telien auf der Blattunterseite
Uredosporen und Teliosporen in Wasser
Teliosporen in Wasser
Björn
Da bin ich mal zwei Wochen nicht beim Zoom-Meeting und du fremdelst schon wieder so sehr mit den Phytos? Da muß ich wohl morgen eine Extra-Portion Rost- und Brandpilze zeigen ![]()
Björn
Hallo zusammen,
ich ergänze mal einen Fund, den ich heute morgen im Duisburger Stadtwald in unmittelbarer Nähe der A3 gemacht habe. Dort gibt es eine ganze Reihe von Euonymus europaeus Sträuchern, die im Frühling alle massiv mit Melampsora euonymi-caprearum befallen sind. Hier ist es allerdings auch so, daß die als Wechselwirt dienende Weide direkt daneben wächst. Als ich im letzten Jahr den Rost hier zum ersten Mal gefunden habe, hatte ich deshalb auch die Hoffnung, ihn dann im Sommer und Herbst auf Weide nachweisen zu können. Das ist dann aber daran gescheitert, daß die Weiden alle so beschnitten sind, daß man mindestens 5 Meter groß sein muß, um die ersten Blättern zu gelangen (und im Duisburger Zoo, der direkt um die Ecke ist, wollte man mir keine Giraffe ausleihen).
Befallene Pflanze am Fundort
Aecien vom Caeoma-Typ auf der Blattunterseite
Sporen in Wasser
Björn
Hallo zusammen,
ich würde sogar behaupten, daß Gymnosporangium sabinae wenn überhaupt dann nur den Wacholder umbringt, aber nicht die Birne. Für die Birne ist der Spuk ohne Neuinfektion ja auch nach Abwurf der Blätter vorbei, während das Myzel im Wacholder auch ohne Neuinfektion überdauert.
Björn
Hallo zusammen,
am letzten Samstag konnte ich am Tiesberg bei Iversheim in der Nähe von Bad Münstereifel Tilletia olida auf Brachypodium pinnatum finden. Der Brandpilz ist auf diesem Wirt alles andere als selten, kann also somit in Kalkgebieten relativ zuverlässig gefunden werden. Prinzipiell befällt er auch Brachypodium sylvaticum, ist auf diesem Wirt aber deutlich seltener (da habe ich ihn selber noch nie drauf gefunden). Hat man den Wirt richtig bestimmt (was mitunter gar nicht so einfach ist, weil befallene Pflanzen oft nicht blühen), kann man den Pilz schon im Feld gut ansprechen, denn er verströmt im frischen Zustand einen deutlichen Heringsgeruch (Trimethylamin). Ein Blick durchs Mikroskop lohnt hier aber trotzdem, denn die relativ großen, dunklen Sporen besitzen ein hübsches netzartiges Sporenornament.
Befallene Pflanze am Fundort
Noch von der Epidermis bedeckte Sori
Sporen in Wasser
Björn
Hallo Uwe,
das ist kein Rostpilz (auf Knoblauchsrauke gibt es auch gar keinen Rost), das dürften Fraßspuren von Tieren sein.
Björn
Hallo zusammen,
Schnallen sehe ich in den Mikrobildern keine, aber ich behaupte auch mal kühn, daß der Pilz keine Schnallen haben wird. Aber nach diesem Spoiler erstmal ein paar grundsätzliche Dinge. Stefan hat zur Sporenmessung ja schon geschrieben, daß man sich ein Rechteck um die Sporen denkt und dieses dann ausmißt. Dabei ist aber darauf zu achten, daß man nur Sporen vermißt, die auch richtig liegen, dergestalt, daß man seitlich auf die Spore schaut und den Apikulus gut erkennen kann. Ansonsten sollte man bei Rötlingen immer folgende Dinge machen: Einen radialen Hutschnitt anfertigen und schauen, wie das Pigment der Huthaut ist (inkrustiert oder intrazellulär, manchmal kommt auch beides zusammen vor). Lamellenschneide mikroskopieren: Gibt es Zystiden? Beim Lamellenpräparat schaut man sich dann junge Basidien an um zu prüfen, ob Schnallen an der Basidienbasis vorhanden sind.
Ansonsten sollte man zur Bestimmung von Rötlingen auf die Fungi Europaei 5B (und in Zukunft dann auch 5C für die restlichen Untergattungen) benutzen.
Björn
Hallo Bernhard,
ja das paßt für Puccinia sessilis.
Björn
Hallo Bernhard,
die Sporen, die du zuletzt gezeigt hast, sind reif und in perfektem Zustand. Die Sporen weiter oben, wo sich das Zellplasma in der Mitte in orangefarbenen Klumpen angesammelt hat, haben ihre beste Zeit schon hinter sich.
Zu den Verkrümmungen: Auf den letzten Bildern ist das so, wie man es sich bei Puccinia urticata vorstellt. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, daß Puccinia urticata ja ein Aggregat von verschiedenen Arten ist, die zu diversen Seggen wirtswechseln. Es kann also gut sein, daß die unterschiedlichen Arten unterschiedlich starke Verkrümmungen hervorrufen (oder aber, daß der Grad der Verkrümmungen von anderen Faktoren abhängt).
Björn
Hallo zusammen,
die Unterscheidung von Puccinia urticata s.l. und Puccinia iridis auf Urtica dioica ist alles andere als einfach. Puccinia urticata kann zwar durchaus starke Verkrümmungen und Anschwellungen verursachen, muß das aber nicht zwangsläufig tun. Sicheres Unterscheidungsmerkmal ist die Größe der abfallenden Plättchen: um die 2 µm bei P. urticata, 4-5 µm groß bei Puccinia iridis.
Auf einigen Mikrobildern meine ich Plättchen erkennen zu können, die eher klein wirken.
Björn
Hallo zusammen,
ich sehe hier die gelbe Form des Mairittlerings.
Björn
Hallo zusammen,
auf dem ersten Bild sieht man deutlich die dunkelbraunen Telien an den Anschwellungen. Puccinia aegopodii paßt also.
Björn
Hallo Uwe,
mit Puccinia lapsanae liegst du hier richtig. Zum einen ist für diese Art die Bildung von Aecien an großen, roten, aufgetriebenen Blattflecken typisch, zum anderen ist es die einzige Rostpilzart auf Lapsana communis, die dort Aecien, Uredien und Telien bildet. Puccinia opizii bildet auf Lapsana nur Aecien und vollzieht dann einen Wirtswechsel zu Carex.
Björn
Ups, hatte mich oben verschrieben, ich meinte natürlich Aquilegium und nicht Thalictrum.
Björn
Hallo Sandra,
der Trick bei den Bäumchen ist, daß man gar kein Tesafilm benutzt, sondern mit der Nadel ein bißchen von dem Pilzrasen abzuppelt und dann in Wasser mikroskopiert. Der Rost auf Thalictrum Aquilegia ist auf Artebene nicht bestimmbar, gehört aber zur Puccinia persistens-Gruppe.
Björn
Hallo zusammen,
beim Pilzfreundetreffen im Sauerland konnten wir am letzten Wochenende an der Almequelle in Alme auch einen Töpfchenpilz finden, genauer gesagt Synchytrium taraxaci auf Taraxacum sect. Ruderalia. Der Pilz ist sicherlich nicht selten, wird aber bestimmt oft übersehen. Er bildet kleine, orangefarbene Gallen auf Blättern und Blattstielen in denen sich dann orangefarbene Dauersporangien befinden. Der Pilz scheint auch standorttreu zu sein, denn bei der Kleinpilztagung konnten wir ihn letztes Jahr schon exakt an der gleichen Stelle finden.
Björn
Hallo zusammen,
ich sehe hier definitiv auch keinen Streit, sondern einen angenehmen und angeregten Austausch (und komme erst jetzt zum Antworten, weil ich am Wochenende beim Pilzfreundetreffen im Sauerland Morcheln jagen mußte).
Mir ist bewußt, daß es ungewohnt erscheinen mag, wenn ein Aggregat als Caeoma bezeichnet wird, was nomenklatorisch also eine Puccinia ist, obwohl nur Melampsora-Arten im Aggregat stecken. Das ist bei den Rostpilz-Aggregaten aber tatsächlich sehr oft der Fall, weil Caeoma, Aecidium und Uredo ja in erster Linie Formgattungen sind, was im Rostpilz-Kontext extrem praktisch ist. Es gibt ja z.B. auch Rostpilz, die nur im Aecien-Stadium bekannt sind, von denen es z.T. abgesehen von Typus auch keine weiteren Aufsammlungen gibt oder die seit Ewigkeiten nicht mehr gefunden wurden und die dann eben ganz bequem z.B. als Aecidium belladonnae bezeichnet werden ohne daß man wüßte, ob es eine Puccinia oder ein Uromyces ist.
Was man bei der ganzen Diskussion ja auch noch im Hinterkopf behalten kann: Bislang ist bei den Rostpilzen nur sehr wenig molekulargenetisch untersucht worden. Wenn das eines Tages geschehen wird, werden insbesondere die Riesengattungen Puccinia und Uromyces ziemlich sicher aufgedröselt werden, womit dann eventuell auch Caeoma gar nicht mehr Synonym zu Puccinia ist.
Björn
Hallo zusammen,
Uromyces rumicis und Uromyces poae sind makroskopisch nicht zu trennen, auch wenn gelegentlich anderes behauptet wird. Zur sicheren Unterscheidung muß man immer mikroskopieren und prüfen, ob abfallende Plättchen auf den Sporen vorhanden sind oder nicht.
Bei Uroycystis ficariae gehe ich mit.
Björn
Hallo zusammen,
zunächst einmal empfinde ich persönlich die Formulierung "Diese Parallelnomenklatur soll aber (seit einigen Jahren) nicht mehr verwendet werden" als sehr stark; das klingt für mich so, als würde der Liebe Gott höchstselbst jedes Mal ein Hundewelpen ertränken, wenn man Caeoma allii-ursini benutzt.
Nun zur Benamsung des Aggregats. Das ursprünglich als Threadtitel gewählte "Caeoma allii-ursini G. Winter 1884" war sicher ungünstig gewählt. Das ist ja ein wohldefinierter Artname, der damit auch ein Synonym zu genau einer der drei Arten darstellt (ob man überhaupt weiß, zu welcher der drei Arten?). Ich habe den Titel deshalb auf Caeoma allii-ursini agg. geändert. Wenn ich es richtig überblicke, dann legt der Code keine Regeln für die Bezeichnung von Aggregaten oder Artenkomplexen fest, sondern befaßt sich nur mit den Regeln für "echte" Arten. Sprich bei den Aggregaten hat man erstmal Narrenfreiheit. Warum bin ich der Meinung, daß die Caeoma-Bezeichnung hier und auch in anderen Fällen die bessere Wahl ist?
Zunächst einmal stellt sich die Frage, welchen der drei Melampsora-Namen man für das Aggregat verwenden sollte (und drei ist ja noch eine übersichtliche Zahl, bei Aecidium euphorbiae reden wir direkt über 30-40 Arten). Die von Christoph ins Spiel gebrachte Häufigkeit ist schwierig. Zum einen weiß man in der Praxis ja gar nicht, welche der Arten am häufigsten ist, weil man sie eben nicht unterscheiden kann, zum anderen kann Häufigkeit sich ja auch räumlich und zeitlich verändern. Und Pilze die 2026 in Bayern anders heißen als Pilze 2018 in Sachsen wären für mich ein schwieriges Konzept. Der älteste Name ist da natürlich brauchbarer (lies: Da fällt mir gerade kein gutes Gegenargument ein ;-)).
Hat man sich für einen der Melampsora-Namen entschieden, sehe ich einen weiteren Nachteil gegenüber dem Caeoma-Namen. In der Praxis zeigt sich ja, daß Menschen schlampig und schluderig sind (wer das nicht glaubt, schaue sich einfach mal diverse Beobachtungen von phytoparasitischen Pilzen bei ObsIdentify und iNaturalist ab). Das heißt, aus Melampsora allii-fragilis agg. würde dann sehr schnell auch mal ein Melampsora allii-fragilis ohne agg., sprich die Fehlerwahrscheinlichkeit nimmt deutlich zu. Außerdem ist es gerade in der Kommunikation mit Leuten, die nicht so tief in der Materia stecken deutlich einfach zu sagen: Das ist ein Aggregat von Arten, die man nicht trennen kann, deshalb kriegt das jetzt einen Caeoma-Namen statt zu kommunizieren, daß es drei Melampsora-Arten gibt, die man nicht trennen kann und das man deshalb ein Aggregat geschaffen hat, das aber den Namen eines der drei Arten geerbt hat.
Schließlich sehe ich den letzten Punkt, den Stefan aufgebracht hat, nämlich daß Caeoma allii-populina eher das Befallsbild beschreibt, als großen Vorteil. Wenn ich Caeoma-allii-populina lese, habe ich direkt ein eindeutiges Bild von Pilz, Wirt, Stadium und sogar vom Fundort vor Augen. Bei Melampsora allii-fragilis ist das nicht der Fall, da muß ich zusätzlich noch mindestens Wirt und Stadium präzisieren.
Last but not least: "Das haben wir schon immer so gemacht". Ich weiß, das ist ein schwieriges Argument, aber in der Praxis ist es ja so, daß die Caeoma/Aecidium-Namen in der Phyto-Community wohletabliert sind. So findet man sie im Klenke & Scholler, in Julia Kruses Buch über Phytoparasiten, in der Roten Liste der phytoparasitischen Kleinpilze und auch bei Pilze-Deutschland. All die Leute, die dort involviert sind, werden sich ja ihre Gedanken gemacht haben, warum sie sich für die Caeoma-Namen entscheiden und dort nicht neue Bezeichnungen für die Artenaggregate einführen.
Björn
Nachtrag: Es gibt ja auch Aggregate wie Aecidium ranunculi-acris, die Roste aus verschiedenen Gattungen beinhalten ( konkret Uromyces und Puccinia). Da fände ich einen Aggregatsnamen, der nur eine der Gattungen widerspiegelt auch schwierig.
Hallo Felli,
der violette Pilz ist Tuberculina persicina, ein Hyperparasit auf Rostpilzen. Meistens sitzt der in normal entwickelten Aecien, bei deinem Fund hat er aber offenbar die Aecienentwicklung so gestört, daß nur violette Blobs entstanden sind. Interessanterweise ist das ganze eine anamorphe Form einer Helicobasidium-Art.
Björn
