Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    im Rahmen der diesjährigen Kleinpilztagung waren wir in der südlichen Eifel unterwegs. Auf einem Trockenrasen im NSG Römersköpfchen bei Messerich fanden wir dann an einer Stelle große Mengen von Anthracoidea pratensis an Carex flacca, einer RL2-Art. Der Pilz befällt die Fruchtstände der Wirtspflanze und bildet dort kleine, schwarze Kugeln aus Sporenmasse.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo Michael,


    ich habe auch sehr lange warten müssen, bis ich mal die Aecien von Puccinia mirabilissima gefunden habe. Meiner Erfahrung nach findet man die nur im Frühjahr auf den ganz frisch ausgetriebenen, neuen Blättern der Mahonie, die noch ganz hellgrün, glänzend und weich sind. Später im Jahr hat man dann nur Uredien.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am 26.4.2026 war ich in Leutesdorf im Norden von Rheinland-Pfalz unterwegs. Der Ort liegt klimatisch begünstigt rechtsrheinisch und beherbergt zahlreiche Weinberge. Entsprechend finden sich dort auch viele wärmeliebende Pflanzen und zum Teil auch ihre entsprechend wärmeliebenden Phytoparasiten. An einem Felsen wuchs ein nettes Grüppchen von Stachys recta, bei dem auf den basalen Blättern blattoberseits zahlreiche braune Uredien auffielen. Diese gehören zu Puccinia stachydis, einem ziemlich seltenen Rostpilz von dem es insgesamt nur wenige Nachweise aus Deutschland gibt. Am 24.5.2026 war ich dann noch mal am Fundort. Mittlerweile waren die Uredien auf der Blattoberseite komplett verschwunden und ich hätte den Rost wahrscheinlich nicht entdeckt, weil die Blätter alle nicht krank aussahen. Blattunterseits fanden sich aber immer noch Uredien und mittlerweile auch einige Telien.


    Befallene Pflanze am Fundort im April


    Uredien auf der Blattoberseite


    Details der Uredien


    Uredosporen in Wasser


    Befallene Pflanze im Mai


    Uredien und Telien auf der Blattunterseite


    Teliosporen in Wasser


    Björn

    Aber Claudia,


    es ist doch mal festzuhalten, daß bei dir, die du Phytos meidest wie der Teufel das Weihwasser, der falsche Mehltau den Phlox gekillt hat, während z.B. bei Karl, der sich ja intensiver mit Phytos beschäftigt, im Garten alles nur so grünt und blüht. Wenn man Phytos macht, ist das quasi wie eine Impfung, die einen vor Krankheit und Tod schützt ;)


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich bin auch dabei und habe ein buntes Potpurri aus exotischen Tieren, wohlig duftenden Pflanzen, seltenen Pilzen und kommunem Gammel im Angebot.


    Björn

    Hallo Michael,


    wie Stefan schon schrieb, ist das Erysiphe alphitoides. Die schwarzen Kügelchen, d.h. die Chasmothecien, bildet der Mehltau erst deutlich später im Jahr. Jetzt im Frühjahr und Sommer findet man bei den meisten Mehltauarten erstmal nur die Anamorphe mit Hyphen, Konidienträgern und Konidien.


    Zu Tesapräparaten: Da besteht eigentlich keine Notwendigkeit für Deckgläschen. Einfach einen Tropfen Wasser (oder auch BWB) auf den Objektträger geben, Tesa aufkleben und losmikroskopieren. Öltropfen für die Immersion kann auch direkt auf das Tesa gegeben werden. Alternativ kann man den Tesafilm auch mit der klebrigen Seite nach oben auf den Objektträger legen (sofern man ihn irgendwie von den Fingern losbekommt), dann einen Tropfen Wasser auf die Klebeseite geben und mit einem Deckglas abdecken. Das hat im Zweifelsfall minimal bessere optische Eigenschaften, macht aber natürlich im Verhältnis deutlich mehr Aufwand, der meiner Meinung nach durch das Ergebnis nicht gerechtfertig ist.


    Björn

    Hallo Konstantin,


    daß Psathyrella-Sporen hydrophob sind, wäre mir neu. Dunkelsporer mikroskopiere ich standardmäßig eigentlich immer in 3% KOH ohne weitere Beimischungen. Für die Mikroskopie in Wasser gebe ich meistens einen Tropfen Spülmittel in das Glas mit dem Wasser, ich muß aber sagen, daß ich da eigentlich keine Wirkung von bemerke, selbst bei Sporen von Scleroderma, die das Wasser ja wirklich meiden wie der Teufel das Weihwasser.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Sonntag habe ich auf einer Wiese im Hohnbachtal in der Nähe von Kelmis (Belgien) einen Rostpilz auf Ranunculus acris gefunden.Nun gibt es auf Ranunculus acris diverse Rostpilzarten, die dort ihre Aecien bilden und anschließend einen Wirtswechsel zu diversen Gräsern vollziehen. Obwohl diese Rostpilze teilweise sogar zu verschiedenen Gattungen gehören (Uromyces und Puccinia), sind sie im Aecium-Stadium nur schwer bis gar nicht zu unterscheiden, weshalb man sie typischerweise unter Aecidium ranunculu-acris zusammenfaßt.

    Bei der hier gezeigten Kollektion kann ich mir vorstellen, daß es sich konkret um Puccinia perplexans handelt, die einen Wirtswechsel zu Alopecurus vollzieht. Der Wechselwirt war dort jedenfalls vorhanden und die feinwarzig ornamentierten Sporen ohne abfallende Plättchen, die teilweise ellipsoid sind, passen ebenfalls ins Bild.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Aecien auf der Blattunterseite


    Sporen in Wasser


    Pseudoperidienzellen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    aus meiner Erfahrung heraus sollte man (gerade bei Weißsporern) den Sporenabwurf nicht eintrocknen lassen. Dann bilden sich eben gerne mal Klumpen aus, die insbesondere dafür sorgen, daß das Präparat uneben ist, was dann zu starken Strömungen führt. Außerdem sollte man beim Sporenabwurf schauen, daß man die richtige Menge an Sporen hat. Zu wenig ist aus offensichtlichen Gründen schlecht, zu viel Sporenpulver ist aber auch tückisch, weil man dann eben keine Monolage an Sporen im Präparat haben kann und es wieder uneben wird.


    Ich erstelle Sporenpräparate meistens so, daß ich den frischen Abwurf nehme, ein Deckglas auf den Abwurf lege, das Deckglas schon mal sanft hin und her schiebe (da merkt man, wenn man irgendwelche Steinchen oder anderen Dreck mit drunter hat) und dann einen kleinen Wassertropfen neben das Deckglas gebe. Den Tropfen kann man dann mit der Nadel an das Deckglas heranziehen, so daß das Wasser langsam und in der richtigen Menge unter das Deckglas strömt. Dann kann man mal einen ersten Kontrollblick machen: Wie dick ist die Sporenlage? Gibt es Klumpen? Insbesondere wenn es Stellen gibt, wo die Sporen zu dick aufliegen, kann man dann das Deckglas vorsichtig hin und her bewegen. Hat man irgendwann ein hinreichend schönes Präparat, kann man noch einmal ein Stück Toilettenpapier auf das Deckglas legen und vorsichtig (! sehr wichtig, man will ja die Sporen nicht zerquetschen) drücken um überschüssiges Wasser abzusaugen.


    Idealerweise sieht das Ergebnis dann so aus wie bei dieser Mycena renati hier


    Björn


    Nachtrag: Die Tröpfchen in den Bildern oben halte ich auch für Öltröpfchen, vermutlich aus zerdrückten Sporen.

    Hallo zusammen,


    ich bin heute Abend dabei und kann seltene Orchideen und noch seltenere Brandpilze zeigen. Mal schauen, was Euch davon mehr begeistert :D


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Sonntag war ich in Kelmis in Belgien. Dort wurde in der Vergangenheit Schwermetallbergbau betrieben. Die daraus resultierenden schwermetallverseuchten Abraumhalden sind zum Teil noch vorhanden und sind mit Galmeiflora bedeckt, u.a. Galmeiveilchen, Galmei-Schaf-Schwingel, Galmei-Grasnelke und Taubenkropf-Leimkraut. Am dort ebenfalls wachsenden Galmei-Hellerkraut Noccaea caerulescens ssp. calaminaris wird dort seit einigen Jahren Puccinia thlaspeos gefunden. Ich selber habe den Pilz dort zum ersten Mal vor einem Jahr entdeckt und konnte ihn auch dieses Jahr wieder finden (leider wachsen die befallenen Pflanzen dort am zahlreichsten, wo etliche Hundebesitzer ihre Vierbeiner entleeren). Der Befall ist systemisch und befallene Pflanzen sind vergeilt, sind gelblich-grün verfärbt, kommen nicht zur Blüte und haben deutlich breitere Blätter als gesunde Pflanzen. Auf der Unterseite der befallenen Blättern finden sich zahlreiche Telien, die in der Regel unmittelbar auskeimen und deshalb von einem weißlichen Rasen aus Basidien und Basidiosporen bedeckt sind.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Telien auf der Blattunterseite


    Teliosporen und ein Basidien/Basidiosporengemisch in Wasser


    Teliosporen in Wasser


    Einige Basidiosporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    nachdem ich kürzlich ja schon Puccinia vincae als Rost auf Vinca major vorgestellt habe, kommt hier noch Puccinia cribrata, der Rost auf Vinca minor, die ich am 15.5.2026 in Ottbergen gefunden habe. Anders als P. vincae bildet P. cribrata nur Telien aus. Befallene Pflanzen sind auch wieder auffallend vergeilt und befallene Blättern haben eine grünlic-gelbe Färbung.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Telien auf der Blattunterseite


    Teliosporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    und hier noch ein weiterer Fund aus Beverungen vom 15.5.2026, wo ebenfalls in einem Pflanzkübel Vinca major mit Befall durch Puccinia vincae zu finden war.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Rostpilzlager auf der Blattunterseite


    Uredosporen in Wasser


    Teliosporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Sonntag war ich in Kelmis, einem Dorf im deutschsprachigen Teil Belgiens direkt hinter der Grenze bei Aachen unterwegs. Neben Galmeiflächen gibt es dort im Hohnbachtal einen schönen Auwald auf Kalk, der im Frühjahr Narzissen und Orchideen sowie jede Menge Bärlauch zu bieten hat. Dort findet sich auch stellenweise in großer Menge Microbotryum silenes-dioicae, ein Rostpilz, der die Blüten von Silene dioica befällt (Silene latifolia hat mit Microbotryum lychnidis-dioicae ihren eigenen Rost). Der Pilz sorgt dafür, daß in den Blüten keine Pollen sondern nur jede Menge Teliosporen gebildet werden. Diese sind kugelförmig und besitzen ein attraktives, netzartiges Muster. Interessant finde ich, daß der Pilz dort im Tal wirklich in großer Menge vorkommt, während er im Duisburger Stadtwald, wo der Wirt auch an jedem Wegrand zu finden ist, vergeblich sucht.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Befallene Blüten im Detail


    Teliosporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Freitag bin ich von Beverungen nach Ottbergen gewandert und kam dabei an einem Feld mit Hordeum vulgare vorbei. Am Rande des Feldes fiel dann eine Ähre direkt ins Auge, denn sie war mit Ustilago nuda befallen. Der Pilz zerstört den Blüten/Fruchtstand komplett und statt Gerstenkörner gibt es nur eine braune Sporenmasse. Laut Julia Kruse ist der Pilz wohl gar nicht so selten und insbesondere im Bio-Landbau ist er regelmäßig zu finden. Letztes Jahr hatte ich ihn zur gleichen Zeit am fast gleichen Ort nur ein Feld weiter bereits gefunden.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Detailaufnahme des Blüten/Fruchtstands


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich ergänze mal einen Fund aus Ottbergen vom 15.5.2026. Die Gruppe wuchs auf Buchenholz und durfte mit mir zusammen nach Duisburg reisen um sich dann einmal unter dem Mikroskop genau untersuchen zu lassen.


    Fruchtkörper am Fundort


    Sporen in Wasser


    Sporen in Melzer: Amyloid


    Stiptipellis


    Pileipellis


    Cheilozystiden


    Basidien


    Björn

    Hallo zusammen,


    letzten Samstag konnte ich in Barmenohl auf Helleborus viridis Ramularia hellebori finden. Der Pilz ist auf seinem Wirt sicherlich nicht selten und fällt durch die von ihm verursachten Blattflecken auch schon aus größerer Entfernung auf. Betrachtet man die Unterseite der Blattflecken, so erkennt man einen weißen Rasen aus Konidienträgern.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Pilzrasen auf der Blattunterseite


    Bei 40x Vergrößerung


    Bei 100x Vergrößerung


    Konidienträger in Wasser mikroskopiert


    Konidien in Wasser mikroskopiert


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag war ich in der Nähe von Finnentrop im Sauerland unterwegs und habe dort Urocystis floccosa auf Helleborus viridis gefunden. Hierbei handelt es sich um einen sehr seltenen Brandpilz, der in der aktuellen Roten Liste der phytoparasitischen Pilze als vom Aussterben bedroht (RL 1) geführt wird. Ich habe den Pilz an gleicher Stelle auch schon im Jahr 2022 gefunden. Tatsächlich ist es aber so, daß es historische Fundangaben von dieser Stelle durch Alfred Ludwig gibt, die aus der Zeit von 1919 bis 1949 stammen. Der Pilz ist also offenbar an dieser Stelle sehr standorttreu.


    Befallene Pflanzen am Wuchsort: Auf den Blättern werden große Blasen gebildet, die im Vergleich zum übrigen Blatt hellgrün bis silbrig erscheinen.


    Detail der Sori: Bei Reife reißt die Epidermis auf und gibt die dunkelbraune Sporenmasse frei


    Sporen in Wasser: Die Sporenballen bestehen aus 1-2 braunen Sporen, die teilweise von hyalinen, sterilen Zellen umgeben sind


    Björn