Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    ich sehe hier nur Milbenbefall und keine Taphrina. Die Asci von T. populina sind 65-70 µm lang, die wären aufgefallen. Die Sporen auf den ersten Mikrobildern sehen zwar wie Taphrina-Sporen aus, aber wenn man da nur ein paar Sporen ohne Asci findet, halte ich das nicht für sehr aussagekräftig. Normalerweise kann man sich bei Taphrinas vor Sporen nicht retten. Die vermeintlichen Makrokonidien werden irgendein anderer anamorpher Pilz auf der Weide sein.

    Ansonsten paßt auch die makroskopische Erscheinung so gar nicht zu T. populina. Da würde man an den Blättern blasige Auftreibungen finden, die dann mit goldgelbem Belag aus Asci voll sind.


    Björn

    Hallo zusammen,


    hier wie versprochen der zweite Teil unserer samstäglichen Tour im deutsch-niederländischen Grenzgebiet.


    1. Als ich die Blattflecken auf Ranunculus repens sah, war mein erster Gedanke eine Entyloma. Erst als wir nach einiger Zeit ein Blatt umgedreht hatten, stellte sich raus, daß es ein Rost ist: Aecidium ranunculi-acris. Dies veranlaßte Hans dann zu dem Bonmot, daß Phytoparasiten wie Frauen sein. Man müsse schon aus der Entfernung erkennen, wie sie von der anderen Seite aussehen :D Im Prinzip kann man hier mikroskopisch anhand des Sporenornaments auch zur genauen Art gelangen, aber da bin ich mangels Erfahrung gescheitert. Außerdem will der Schlüssel wissen, ob der Pilz im Frühjahr (April/Mai) oder im Frühsommer (Mai/Juni) auftritt. Das hilft bei Funden im Mai natürlich viel :D


    2. Am Nachmittag waren Jochen und ich dann alleine unterwegs. So mußte ich dann diesen Täubling dann mitnehmen. Geruch unbedeutend, Geschmack mild, unter Betula, Alnus, Pinus, mit Guajak in Sekunden eine starke Reaktion, mit Eisensulfat schwach rosa, Sporenpulver IIb-c, Sporen (8.8+-0.8) µm x (7.0+-0.9) µm, Huthaut mit SV+ Zystiden, ansonsten sehr zäh, so daß das Präparat in Kongorot nicht sonderlich ansehnlich wurde. Da Jochen und ich dann erstmal keine Idee hatten, haben wir Karl gefragt. Der war sich sicher, daß er diesen Täubling noch nie gesehen hat und hat Felix Hampe gefragt, der unserem Fund den Namen Russula fusconigra verpaßte. Der ist sonst auch schon mal rosaweinrot und wurde linksrheinisch das letzte Mal 1984 gefunden.


    3. Ein paar Meter weiter stand dann unter Birke ein Leccinum. Laut Jochen wachsen die da öfter und bleiben charakteristisch klein. Auch diesen Fund habe ich mitgenommen. Der Stiel färbt in der Basis stellenweise blau, im Stiel gräulich, im Hut bleibt es weiß. Hut und Stiel werden mit Eisensulfat erst gelb-grün, dann grün grau. Sporen (16+-1.6) µm x (4.6+-0.4) µm, Q=3.5+-0.4. Mit diesem Input ist Karl dann letztenendes bei Leccinum palustre M.Korhonen gelandet, der bei den Bakker und Noordeloos mit L. schistophilum synonymisiert wird.

    Röhren

    Caulozystiden

    Huthaut


    4. Ceratiomyxa fruticulosa


    5. Auf einem abgestorbenen Typha-Stängel, der feucht lag, fand sich dieser weiße Belag. Mein erster Gedanke war einer der aquatischen Hyphomyceten, aber im Mikro waren dann Strukturen sichtbar, die zu einer Corticiaceae passen. Schnallen gab es reichlich, reife Basidien waren nicht vorhanden. Interessanterweise war der ganze Fruchtkörper voll mit Sporen, die an Tomentella erinnern.


    6. Auch an Rohrkolben fand sich diese Mollisia, die dann mit Hans' Hilfe den Namen Mollisia mediella bekommen hat. Sporen (22-27) µm x 3 µm, dreifach septiert, Kristalldrusen vorhanden, mit KOH eine gelbe Reaktion der Paraphysen, ein Ascus mit blauer Lugolreaktion, die anderen Asci ohne Reaktion.


    7. Melampsorella symphyti ex Symphytum officinale


    8. Unterwegs hat Hans mir dann auch noch eine Orbilia in die Hand gedrückt. Die habe ich dann mikroskopiert und Hans hat sie auf Orbilia xanthostigma getauft.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag hatte Jochen zu einer Tour in den Sumpf an der deutsch-niederländischen Grenze eingeladen. Mit von der Partie waren außerdem auch Karl und Hans, den ich zu meiner Freude zum ersten Mal persönlich kennenlernen durfte. Und weil es im Sumpf schön feucht ist, selbst wenn es draußen schon seit Wochen nicht mehr geregnet hat, gab es auch einige Großpilze zu bestaunen.


    1. Alleine hätte ich hier keinen Namen vergeben können, aber mit Hans' Unterstützung ist es dann Phaeohelotium imberbe geworden. Sporengröße (9.1±1.0) µm x (3.5±0.2) µm, Q=2.6±0.3


    2. Es gab natürlich auch Phytoparasiten. Hier tendiere ich aktuell zu Puccinia iridis ex Urtica dioica. Da ich den noch nie hatte, warte ich da aber auch noch mal auf Jules Feedback.


    3. Den hatte Hans mitgenommen und als Pyrenopeziza dilutella bestimmt


    4. Hier hatten wir vor Ort gerätselt, welche Pflanze das sein mag. Senecio jacobaea hatten wir wieder verworfen, aber mittlerweile tendiere ich doch wieder dazu, womit der Mehltau wegen der Fibrosinkörper Podosphaera senecionis wäre


    5. Für die Liebhaber von Anamorphen gab es an diesem feucht liegendem Laubholzast auch etwas. Konidien 4.5-5.5 µm, in verzweigten Ketten


    6. Wer Hans' Webseite aufmerksam verfolgt, kennt diesen Pilz schon als Pilz der 38. Woche 2019: Phaeohelotium fulvidulum


    7. Galerinas sind ja normalerweise so gar nicht meine Sache, aber wenn Karl im Feld sagt, daß das eigentlich nichts anderes als Galerina paludosa sein kann, dann nehme ich auch mal eine mit. Sporen (9.2+-0.6) µm x (6.2+-0.4) µm, Q=1.5+-0.1


    8. Hypholoma elongatum, die Karl mitgenommen hatte


    9. Tephrocybe palustris. Sporen (7.8+-0.6) µm x (4.5+-0.2) µm, Q=1.7+-0.1


    10. Amicodisca svrcekii, Hans' Pilz der 32. Woche 2019


    11. Sarea resinae. Ist im Wirth übrigens als Flechte aufgeführt.


    Teil 2 folgt dann morgen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am späten Freitag Nachmittag habe ich eine kleine Runde in den Ruhrauen in Mülheim an der Ruhr gedreht und dabei nach Phytoparasiten Ausschau gehalten:


    1. Ein Rostpilz auf Gras, vermutlich Holcus. Da muß ich aber noch mal gezielt schauen, ob Paraphysen vorhanden sind.


    2. Phragmidium violaceum ex Rubus fruticosus agg.


    3. Peronospora ranunculi ex Ranunculus repens


    4. Erysiphe aquilegiae var. ranunculi ex Ranunculus repens


    5. Taphrina farlowii ex Prunus serotina


    6. Urocystis sp. an unbestimmtem Gras


    7. Tuberculina sbrozzii ex Puccinia cribrata ex Vinca minor


    Björn

    Hallo Felli,


    beide gleichzeitig habe ich noch nicht an einer Pflanze gefunden (wobei die Melampsorella ja auch wenig Platz für anderes läßt), habe aber schon beide Pilze im gleichen Gebiet an Beinwell gefunden.


    Björn

    Hallo Felli,


    das ist Puccinia symphyti-bromorum. An Beinwell gibt es noch einen zweiten Rost: Melampsorella symphyti, da ist dann die ganze Blattunterseite voll mit orangefarbenen Uredien.


    Björn

    Hallo zusammen,


    und willkommen im Forum. Als Duisburger kann ich bestätigen, daß es im Ruhrgebiet Steinpilze, diverse Hexenröhrlinge und auch Pfifferlinge gibt. Abe es gibt auch noch viel spannendere Pilze wie Bambusroste oder Brandpilze an Lichtnelken, die seit 1952 nicht mehr in NRW nachgewiesen worden waren.


    Björn

    Hallo Zorox,


    die erste Pflanze, die zu zeigst, ist Diptam. Nr. 2 ist in der Tat die Hummelragwurz. Nr. 3 ist der Acker-Wachtelweizen und Nr. 4 der violette Dingel.


    Björn

    Hallo zusammen,


    hier ein paar weitere Phytoparasiten vom Wochenende.


    1. Das sollte ein Habichtskraut aus der Untergattung Eu-Hieracium sein, womit der Rost Puccinia hieracii wäre.


    2. Peronospora arborescens agg. ex Papaver sp.


    3. Coleosporium senecionis ex Senecio inaequidens


    4. Uromyces sp. ex Geranium cf. pyrenaicum


    5. Taphrina padi ex Prunus padus


    6. Puccinia phyllostachydis mit Hyperparasit Eudarluca caricis. Die septierten Paraphysen sind charakteristisch für diesen Bambusrost.


    Björn

    Hallo Thorben,


    das ist alles eine Sache der Übung. Anfangs habe ich ja auch nur wenig gefunden. Mit der Erfahrung weiß man dann irgendwann, welche Pflanzen besonders vielversprechend sind. Was auch geholfen hat, war der Phytokurs bei Jule. Wenn man mal ein paar falsche Mehltaue gezeigt bekommt, kann man sich das charakteristische fahle Grün, das sie oft verursachen, gut einprägen. Und ansonsten ist natürlich auch immer etwas Glück dabei.

    Das mit dem Botanischen Garten ist tatsächlich schade, weil ich da eigentlich noch mal Belege vom Bambusrost sammeln wollte.


    Björn

    Hallo zusammen,


    an Auffahrt bin ich morgens früh aufgestanden und habe eine kleine Runde an der Duisburger Regattabahn gedreht. Dabei zeigten sich nicht nur Phytoparasiten wie erwartet, sondern es gab auch echte Großpilze zu bestaunen:


    1. Agaricus bitorquis

    Lamelle

    Basidien

    Cheilozystiden/Basidiolen

    Basidien

    Huthaut

    Sporen (5.2+-0.3) µm x (4.2+-0.3) µm, Q=1.2+-0.1, damit etwas klein geraten


    2. Ein seltener Fund. Der Pilz war Jahrezehnte verschollen, eher er vor ein paar Jahren das erste Mal wiedergefunden wurde. Thecaphora melandrii ex Silene latifolia


    3. Albugo candida s.l. ex Berteroa incana


    Björn

    Hallo Dieter und Matthias,


    wieder mal ein ganz toller Beitrag! Habt ihr euch auch den Rindenpilz unter der Arcyria angeschaut? Der scheint ja riesige Zystiden zu haben, die sogar schon auf dem Makro ins Auge stechen.


    Björn

    Hallo Sandra,


    freut mich, daß dir meine Beiträge gefallen und dich dazu anregen, nach Phytos zu schauen. Bist du auch im Verteiler von Julia Kruses Phyto-Rundbrief? Da gibt es so circa einmal im Monat auch Suchanregungen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    gestern Abend war ich eine kleine Runde im Mülheimer Stadtwald unterwegs und habe ein paar Phytoparasiten eingesackt, die ich euch hier zeigen möchte:


    1. Keine Angst, der Klimawandel hat den Duisburger Stadtwald noch nicht in einen tropischen Bambuswald umgewandelt. Aber in einem Vorgarten und daraus hinaushängend gab es dann doch einen Bambus, der auch noch mit einem Rost befallen ist. Da es einerseits Uredien gibt und andererseits auch Telien, bei denen die Teliosporen eine ausgeprägte Spitze haben, geht das hier wohl in die Richtung Puccinia sasicola oder Puccinia longicornis.


    2. Puccinia cribrata ex Vinca minor. Wenn man genau hinschaut, sieht man auch, daß einige Telien leicht violett sind. Das ist ein Befall mit dem Hyperparasiten Tuberculina sbrozzii, der sich mikroskopisch in Form von runden Konidien zeigt.


    Björn

    Hallo zusammen,


    für den Moment nur ein kurzes, schnelles Update. Felli hatte mir Material zugeschickt, daß ich mir gerade unter dem Mikro angeschaut habe. Die Sporen sind ganz eindeutig nicht glatt, sondern haben eine ganz leicht aufgeraute Oberfläche. Fotografisch ist das leider nur schwer einzufangen, optisch war es aber gut erkennbar. Insbesondere fiel bei einer Spore auf, daß diese Grübchen am Sporenende in Reihe angeordnet sind. Interessanterweise fanden sich auch einige Aeciosporen im Präparat sowie einige seltsam tropfenförmig deformierte Sporen.

    Die Ausmessung von 25 Sporen ergibt im Mittel eine Größe von (25+-1.5) µm x (19+-2) µm bzw. Sporen im Größenbereich (22-29) µm x (16-25) µm.

    Damit tendiere ich momentan vorsichtig entweder zu U. excavatus oder U. alpestris, die man über die Wirtspflanze gut trennen kann.



    Björn

    Hallo zusammen,


    ich muß noch mal ein dickes Lob für die Bearbeitung der ganzen anamorphen Pilze aussprechen. Jetzt am Wochenende hatte ich auch ein abgestorbendes Weißdornblatt mit weißem Belag darauf, wo mir zunächst einmal jede Idee fehlte. Ein Blick ins Mikroskop zeigte dann runde, hyaline Konidien. Dann hat mein Gehirn sich dunkel an diesen Beitrag erinnert und jetzt hat der Pilz also einen Namen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am Sonntag war ich an der Stadtgrenze Krefeld/Duisburg am Rhein unterwegs. Dort gibt es ein nettes Naturschutzgebiet, wo auch viele Wiesen mit diversen Pflanzen wachsen. Also der perfekte Jagdgrund für Phytoparasiten. Aber den Anfang machen zwei Flechten:


    1. Protoparmeliopsis muralis


    2. Physcia caesia


    3. Puccinia punctiformis ex Cirsium arvense


    4. Beim Gras tippe ich auf Dactylis glomerata. Der Pilz wäre dann Puccinia coronata


    5. Streifenbrand an unbestimmten Gras


    6. Microbotryum lychnidis-dioicae ex Silene latifolia


    7. Pustula obtusata ex Tragopogon pratensis


    8. Puccinia punctiformis ex Galium mollugo agg.


    9. Taphrina pruni ex Prunus spinosa


    10. Erysiphe cruciferarum ex Alliaria petiolata


    11. Entyloma fergussonii ex Myosotis sp.


    12. Ich tippe auf Carex hirta, womit der Rost dann Puccinia urticae-hirtae wäre


    13. Melampsora pulcherrima ex Mercurialis annua


    14. Uromyces fallens ex Trifolium pratense


    Björn

    Hallo zusammen,


    am Samstag war ich nach längerer Zeit mal wieder im Essener Grugapark (der war zwischenzeitlich wegen Corona für einen Montag geschlossen). Pilzmäßig war leider nicht viel los. Großpilze gab es gar keine, dafür war es viel zu trocken. Aber einige Phytos konnte ich dann doch finden.


    1. Neoërysiphe galii ex Galium aparine

    IMG_0413.JPG


    2. Puccinia malvacearum ex Alcea rosea


    3. Ein Bambusrost. Kann hier zufällig jemand Bambusse bestimmen? :D


    4. Lophodermium arundinaceum ex Phragmitex australis


    5. Uromyces rumicis ex Rumex Subgen. Rumex


    6. Peronospora ranunculi ex Ranunculus repens


    7. Lophodermium juniperinum ex Juniperus communis


    8. Pucciniastrum epilobii ex Epilobium sp.


    Björn

    Hallo zusammen,


    die AHO hat für NRW vor kurzem auch "Die Orchideen Nordrhein-Westfalens" herausgegeben. Ansonsten gibt es noch "Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete" (da weiß ich aber nicht, ob das mittlerweile neu aufgelegt wurde) und Orchids of Europe, North Africa and the Middle East.


    Björn

    Hallo Jim,


    NRW ist ja relativ groß, wo genau bist du denn unterwegs? Wir haben hier im Ruhrgebiet den Arbeitskreis Pilzkunde Ruhr, der ein- bis zweimal im Monat auf Exkursion geht, ebenso der Mykologische Arbeitskreis Bergisches Land etwas weiter südlich. Das sind dann zwar keine Einzelexkursionen, aber man lernt trotzdem eine Menge, wenn man da regelmäßig unterwegs ist. Jetzt ist aktuell zwar erstmal keine Exkursion wegen Corona, aber das ändert sich hoffentlich in Zukunft auch wieder.


    Björn