Hallo Maria, das ist wieder eine so komplex Fragestellung. Theoretisch könnte man sofort ein Importverbot für die EU erlassen und würde damit die Ausbreitung von Seuchen und Verstöße gegen den Artenschutz unterbinden. Das geht aber praktisch nicht, weil es ein Verstoß gegen den rechtlich verbrieften freien Handel wäre. Fair trade steht quasi über allem. Ein Importverbot wäre nur unter ganz außergewöhnlichen Voraussetzungen möglich. Die Vogelgrippe hat es ermöglicht, ein Importverbot für Vögel in die EU zu erlassen. Wenn der Salamanderpilz Menschen befallen würde, wäre das z.B. ein Grund.
Kontrollierbar ist das alles nicht, so wie es heute läuft. Egal wie viele Leute dafür eingesetzt werden, es wird nicht reichen. Der Umfang der Wildtierimporte ist gigantisch und wer sollte die Kompetenz haben geschützte von anderen Arten zu unterscheiden. Dasselbe gilt für die Exotenbörsen. Die paar Amtsvetreinäre sind ohnehin überfordert und Du sprichst es ja selbst an, ihnen fehlt in der Regel die Kompetenz, die Arten zu differenzieren.
Aber der Handel mit Exoten hat noch eine weitere hässliche Seite. Zwar gibt es eine Anzeigepflicht für die Haltung gefährlicher Arten, aber das interessiert die viele Liebhaber dieser Tiere nicht die Bohne. Für diese Tierhalter gibt's nicht einmal die Verpflichtung, sich mit dem Gegengift für die gehaltenen Arten zu bevorraten. Das bedeutet, dass die Allgemeinheit für eventuelle Tierbisse aufkommen muss. Die Giftnotrufzentrale kümmert sich nicht nur um Pilzvergiftungen sondern auch um die Bisse der tierischen Lieblinge. Richtig blöd wird es, wenn Giftschlangen entfleuchen oder ausgesetzt werden, weil kaum jemand von Polizei und Feuerwehr eine harmlose Kornnatter von einer gefährlichen Giftschlange unterscheiden kann. Das hat alle nur denkbaren Folgen für Giftalarm-Einsätze. Und damit nicht genug: Sollte die Puffotter eines Giftschlangenliebhabers entfleuchen und jemanden beißen, gibt es das Gegenserum nicht in Berlin und auch nicht an irgendeinem anderen Ort bundesweit. Das nächste gibt es in der Schweiz. Bis man da hin- und her geflogen ist, braucht man es nicht mehr.
Man könnte die Exotenbörsen wieder von Kommerz- zu Tauschbörsen zurückstufen. Das ließe sich sogar weitgehend durchsetzen. Dann hätten wir aber immer noch das Internet. Aber auch da wäre der Handel einschränkbar. Die Österreicher haben das vor ein paar Jahren getan, mit dem Ergebnis dass sich der Handel über die Grenzgebiete nach Deutschland verlagert hat. Im Grunde würde es eines internationalen Zusammenschlusses bedürfen, um den Exotenhandel zu unterbinden. Aber daran dürften die, die mit den Tieren Geld verdienen, nicht interessiert sein.