Danke Suku, dass du das Planungsrecht ein bisschen eingeordnet hast.
Ich habe übrigens geschmunzelt, weil seinerzeit die Großtrappe der geplanten Transrapidstrecke von Hamburg nach Berlin einen riesigen Umweg beschert hätte, wäre sie denn gebaut worden wäre. Das Projekt ist letztlich von der Bahn eingestellt worden. Manchmal verhindern Feldhamster eine Trasse. Dann sind diejenigen sauer, denen die Straße wichtiger ist als der Artenschutz. Eine Seite verliert immer. Oft, weil sie die schlechtere Lobby hat. Daher mein Plädoyer für rechtzeitige Öffentlichkeitsarbeit.
Die Gemeinde kann nur das schützen was sie kennt und was sie wertschätzt. Saftlinge sind selbst in den Naturschutzbehörden weitgehend unbekannt. Das ändert sich nur, wenn wir den Verantwortungsträgern bewusst machen, welche Schätze es vor ihrer Haustür gibt.
Zu den geschmähten Mandatsträgern ein Gedanke: Die Abgeordneten in Bund und Ländern werden aus der Mitte des Volkes gewählt. Jeder und jede kann kandidieren und sich wählen lassen. Also nur zu!
Allerdings haben die meisten Leute keine Lust darauf. Denn die Gewählten stehen für bestimmte Positionen, von denen sie allenfalls Bruchstücke umsetzen können. Sie regieren nämlich in Koalitionen, die aufgrund des Wählerwillens nach der Wahl zwangsläufig zustande kommen. Und wenn Parteien mit völlig unterschiedlichen Zielen eine Regierung bilden, müssen besonders schmerzhafte Kompromisse geschlossen werden. Die Eiferer sprechen dann von Wählerbetrug. Aber das ist Quatsch. Denn diese Koalitionen auf der Basis von Kompromissen sind die Basis der Parlamentarischen Demokratie, mit der wir bis jetzt ganz gut gelebt haben.
Besonders in Krisenzeiten sind die Kompromisse dann manchmal nicht bis zur nächsten planmäßigen Wahl tragfähig. Dann kommt wie jetzt das Ende mit Schrecken einer Regierung, was aber wohl für alle Beteiligten und auch das Wahlvolk besser ist, als der Schrecken ohne Ende.
Die parlamentarische Demokratie ist anstrengend, nicht perfekt, aber meiner Ansicht nach die beste derzeit bekannte Gesellschaftsform.
Der Sozialismus funktioniert bekanntlich nicht und die Diktatur, egal ob eine des Proletariats oder von Kims Gnaden, gehen über Leichen.
Das ist bei den Bürgermeistern und Gemeinderäten ein bisschen anders. Die arbeiten oft ehrenamtlich, erhalten nur eine Aufwandsentschädigung. Immer mehr Bürgermeistersessel bleiben mittlerweile leer, weil niemand Lust hat, sich der Wut und mittlerweile auch der körperlichen Gewalt derer auszusetzen, die mit einer Entscheidungen nicht einverstanden sind.
Ich denke, dass wir alle verbal abrüsten sollten, dass wir versuchen sollten, den Argumenten der Gegenseite zu folgen und uns sachlich auf den Einzelfall bezogen, auseinanderzusetzen.
Und ja, es gibt Korruption. Aber Entscheidung die mir nicht gefallen, sind doch nicht automatisch auf Korruption zurückzuführen.
Die Solmser Saftlingswiese hätte möglicherweise eine Chance gehabt, wenn die Einwände zu Beginn der Planungen erhoben worden wären, oder besser wenn, noch vor der Idee der Bebauung der Wert dieser Wiese mit ihren wunderbaren Pilzen bekannt gewesen wäre.
Deshalb: Wo auch immer solche Wiesen sind, macht die örtlichen Verantwortungsträger aufmerksam, versucht, sie in die Pflege einzubinden, macht Pressearbeit. Mit guten Taten schmücken sich die örtlichen Mandatsträger gern. Und wer sich einmal für eine Wiese mit seltenen Arten stark gemacht hat, wird nicht zulassen, dass sie bebaut wird.
Mein Kredo: seid rechtzeitig kreativ und sucht euch Verbündete für eure wertvollen Wiesen, statt euch in Wut und Frust hineinzusteigern, weil niemand ihren Wert erkannt hat und sie zerstört werden.

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