Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo Sarah,


    gelbe und rote Saftlinge sind leider meistens mikroskopierpflichtig.


    m.E. passt hier vom Bild H. persistens = acutoconica recht gut. H. konradii = subglobispora ist davon aber nur über die Sporenform sicher unterscheidbar.


    Verwandschaftlich weiter weg, aber vom Bild immer noch nicht ganz ausgeschlossen wäre H. aurantiosplendens, die aber eine Lamellentrama aus kurzen Zellen hätte. Der Stiel passt für mich aber besser zu persistens /konradii.


    Das ist aber alles Wissen auf Basis der nordischen Schlüssel von Boertmann. Im mediterranen Raum mag es noch weitere Arten geben, die ich nicht kenne. Im Candusso (1997): Fungi Europaei 6 deckt sich das aber auf den ersten Blick mit den nordischen Arten, außer dass Candusso auch noch konradii von subglobispora trennt, und als gültigen Namen acutoconica für persistens verwendet.


    Die Zahl der Sporen pro Basidie variiert innerhalb eines Fruchtkörpers von 1-4, und ist daher als Artmerkmal nicht geeignet (siehe Großpilze BaWü 3 unter persistens)


    Grüße,


    Wolfgang



    .

    Hi Oliver,

    Sind das nicht überwiegend mehr oder minder ungefährliche Substanzen

    na, zu Beginn der PCR wird die DNA extrahiert und ausgefällt. Das tun die Substanzen natürlich auch mit der DNA Deiner Zellen, wenn Du es Dir über die Hand schüttest. Also zellgiftig.


    Am Ende der PCR wird das Wachsum der DNA-Kette mit Fluoreszenzfarbstoffen unterbrochen. Das passiert auch bei einer Zellteilung in Deinen Zellen. Also zellgiftig, mutagen und potenziell krebserregend.


    Die freien Basen sind dagegen harmlos, und die Pilz-Primer werden an Deiner DNA wohl auch nicht andocken können ;)


    Ich finde die Gerät von Nanopore trotzdem sehr faszinierend.

    ich auch! In einer halben Stunde ein Virus-Genom komplett sequenzieren mit einer größeren Streichholzschachtel...und das ohne Probenvorbereitung. Mir fehlt nur leider der Anwendungsfall dazu.


    Gruß,


    Wolfgang

    aber eine PCR wird man Zuhause ohne Labor auch hinbekommen.

    Hi Oliver,

    Schon die dafür erforderlichen Chemikalien wirst Du aufgrund der Gefahrstoffverordnung nicht bekommen (gut so! Die gehören auch nicht in einen Kühlschrank, in dem auch Lebensmittel sind, und die Abfälle nicht ins Klo).


    Ergibt auch keinen Sinn, denn wenn Du nur einzelne Loci sequenzieren willst, ist Nanopore die falsche Technologie. Und einen chromatographisch arbeitenden Sequenzer wird sich keiner in den Keller stellen.


    Was ist denn das Problem daran, eine Labordienstleistung in Anspruch zu nehmen? Früher hat man auch seine Diafilme zum Entwickeln gebracht.


    Von der Auswertung der Rohdaten haben wir noch gar nicht gesprochen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich hatte vor ein paar Jahren einen Nanopore-Sequenzer in der Hand, als ich bei Prof. Thines zu Besuch war.


    Damals hatte er glaube ich ein Projekt, damit im Feld landwirtschaftliche Proben auf Rostpilze zu screenen.


    Die Nanopore-Technologie arbeitet anders als klassische Amplifizierung bestimmter Genregionen. Vielmehr werden längere DNA Abschnitte durch eine Pore gesaugt und im Vorbeifließen abgelesen.


    Das erzeugt ganz andere Daten - davon aber genug um ein sehr starkes Labtop auszulasten. Weil das statistische Rauschen die Signale überlagert, muss man jede Probe min. 10x messen.


    Damals waren die Einweg-Probenhalter sehr teuer und die Auflösung zu schlecht, um eng verwandte Arten zu trennen. Wie es aktuell aussieht, weiß ich leider nicht.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich hatte versprochen, nach Quellen für die Wirkung von Birkenporling gegen Helicobacter pyroli zu suchen.


    Tatsächlich findet man auf Heilpilz-Seiten überall diese jeweils etwa gleichlautende Aussage, aber immer ohne seriöse Quelle, z.B. hier (Kap. 6.3 erster Absatz):


    https://www.dgfm-ev.de/jugend-und-nachwuchs/pdf-bereiche/lecker-gesund?name=Der%20Birkenporling-%20Vortrag_Anke%20Umlauf.pdf&reattachment=dcb67ec3343521f5cb635090e5712367


    oder hier (nach "Birkenporling stärkt das Immunsystem)":


    Birkenporling Tee - myko-kitchen
    Die jungen Birkenporlinge sind gut geeignet für einen erfrischenden Tee, Sie haben einen säuerlichen Geschmack und sind antiviral.
    myko-kitchen.de


    Richtig scheint zu sein, dass Ötzi eine Helicobacter-Infektion hatte:

    Ötzi: Im Mageninhalt der Eismumie wurde Helicobacter gefunden - WELT
    Forscher haben den Mageninhalt der Mumie untersucht. Mit ausgefeilter Technik konnten sie das Erbgut eines Magenbakteriums rekonstruieren. Dadurch stellen sich…
    www.welt.de


    Außerdem hatte Ötzi Birkenporling dabei, vermutlich als Medizin, wobei gegen seine Magenschmerzen dann vielleicht eher die entzündungshemmende Wirkung des Birkenporlings geholfen hat als die antibakterielle.

    Über die medizinische Wirkung des Birkenporlings gibt es eine relativ neue Promotion aus Greifswald von ALRESLY (2019):

    OPUS 4 | Chemical and Pharmacological Investigations of Fomitopsis betulina (formerly: Piptoporus betulinus) and Calvatia gigantea


    Dort wurde auch das antibakterielle Spektrum getestet, aber Helicobacter war nicht dabei, auch nicht im Literatur-Review. Auch in GUTHMANN (2017): Heilende Pilze finde ich die Aussage nicht. Ich werde diese offensichtlich nicht belegte Behauptung also nicht länger weiterverbreiten.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Oehrling,


    bei Clavulinopsis luteoalba sind die Spitzen auch nur weiß, wenn der Fruchtkörper Frost abbekommen hat. Das ist auch kein Artmerkmal, sondern passiert bei allen gelben Wiesenkeulen, die ja gerne im Spätherbst kommen, wenn die ersten Nachtfröste nicht bis zum Boden runter durchschlagen.


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo "pilzliebenordsachsen",

    das sind natürlich andere Rahmenbedingungen. Dann war es nicht "ohne Not". Beste Wünsche an Dein Familienmitglied.


    Sebastian_RLP : eine Literaturstelle hab ich nicht parat, es war in Zusammenhang mit dem Fund bei Ötzi. Aber ich mach mich mal schlau. Kann aber etwas dauern, die nächsten Tage stehen unter einem anderen Stern.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    ich frage mich sowieso, weshalb Leute ohne Not Birkenporlingstee trinken wollen. Ja, der enthält ein starkes Antibiotikum, das auch gegen Helicobacter pyroli-Infektion wirkt. Aber wenn ich eine solche Magenschleimhautentzündung hätte, würde ich zum Arzt gehen. Und wenn nicht, würde ich nicht prophylaktisch ein starkes Antibiotikum einnehmen, egal ob aus wildlebenden Pilzen (Birkenporling), aus Kultur (Penicillin etc.) oder aus dem Labor. Und so genau kennt man die Konzentration des Wirkstoffs bei Wildsammlung ja nicht - man kann Glück oder Pech haben - da wäre ein Präparat aus der Apotheke schon weniger riskant. "Gesund" macht das jedenfalls höchstens, wenn man vorher krank war. Aber vielleicht sollten wir diese Diskussion nicht zu sehr vertiefen...


    Der normale PSV vor Ort ist für diese Fragen jedenfalls nicht ausgebildet.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hi Thorben,

    augustus ist das sicher nicht, da es ja ganz offensichtlich ein Karboli ist.


    Wie Boern schreibt, kommen nur moelleri/moelleroides (nur per ITS unterscheidbar) und phaeolepidotus in Frage, die auch mit dem Parra nicht immer leicht zu trennen sind. Entscheidend wäre die Länge der Cheilozystiden, meist über 20 my bei phaeolepidotus und kleiner bei moelleri.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo,

    die DGfM verdient weder an der einen noch an der anderen Qualifizierung einen Cent. Die Anbieter sind jeweils freiberuflich tätig.


    Übrigens sind auch die PSV-Kurse restlos ausgebucht, auch wenn sie keine Prüfungsvoraussetzung darstellen.


    Ansonsten werden hier wieder Äpfel mit Birnen verglichen.


    Gruß,

    Wolfgang

    Was ist ein anderes Wissen? Gibt es zwei Wissen? Soll jemand, mit Halbwissen, Wissen verbreiten?

    Das eine ist ein pädagogisches Wissen, mit welchen Methoden man ein Thema interessant macht.

    Das andere ist Faktenwissen zu Pilzbestimmung. Die Unterscheidungsmerkmale zwischen Perlpilz und Pantherpilz sind wohl nicht das erste, was man einem Vorschulkind dringend vermitteln müsste.


    Natürlich gibt es auch beim Wissen Überschneidungen zwischen PilzCoach und PSV, z.B. die unterschiedlichen Ernährungsweisen von Folgezersetzern und Mykorrhizapilzen.


    Gibt es in Sachsen nicht!

    ... und kann es folglich auch nirgends sonst und auch in der Zukunft nicht geben...

    PilzCoach ist für mich sinnlos. Nicht viel wissen müssen und dann einen Titel tragen?

    Es ist halt ein anderes Wissen und eine andere Zielgruppe.


    Wenn sich ein*e Kindergärtner*in zum PilzCoach weiterbildet, was soll daran sinnlos sein? Genau da muss man die Begeisterung für Natur im Allgemeinen und Pilzen im Besonderen wecken.


    Dass das Ding einen Namen und einen Abschluss haben muss, merkt man schon, wenn man Bildungsurlaub beantragen will.


    Grüße,

    Wolfgang

    Hi Steve,

    what you encircled in the picture is not the germ pore, but the appendix.


    A germ pore should be opposite, if present. Your picture does not show any sign of it, but the condonsor blend was a little bit closed too much - that causes optical artefacts like the colored ring around the spore wall, and makes the spore wall so black that you cannot distinguish inner and outer border of the spore wall. A germ pore could be hidden by these artefacts (which is unlikely).


    Here you can see spores with appendix and germ pores:


    Best regards

    Wolfgang

    Hi Ingo,

    schön, dass Du eine Antwort bekommen hast!


    Da es sich vermutlich um einen Erstfund für Deutschland handelt, sollte man die 20 EUR für eine Sequenzierung in die Hand nehmen, wenn Frau Skrede das nicht will. Wenn eine Notiz in der Z. Mykol dabei 'rausspringt, erstattet die DGfM auch die Kosten. Allerdings sind Helvellen da nicht immer dankbare Objekte - oft klappt bei denen die Routine-PCR nicht. Warum, weiß ich nicht. Die Gattungs-Experten kennen vermutlich die Tricks, aber ob ein Labor wie Alvalab für eine Helvella eine "Sonderbehandlung" durchführt? Außerdem lag der Fruchtkörper eine Weile 'rum vor dem Trocknen - nicht gut für die DNA.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi Ahemi,

    nur vom Bauchgefühl würde ich das eher für eine weiße Form einer Ramaria halten.

    Das würde man beim Mikroskopieren sofort am Sporenornament und an den Basidien erkennen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    der Geruch kann selbst beim Kochen fehlen.


    Hatte ich gerade letzte Woche, da haben 2 Eltern versehentlich ihren Sohn vergiftet. Sie schwören, dass die Pilze beim Braten angenehm gerochen haben. Interessanterweise hatten sie selbst keine Symptome, während sich der Sohn die Seele aus dem Leib gekotzt hat.


    Hatten die Pilze übrigens mit einer App als Wiesenchampignons bestimmt.


    Gruß,

    Wolfgang

    Auf dem Stamm waren auf einem Quadratmeter bestimmt mehrere hundert von diesen Pilzen. Teile des Stammes waren grünlich gefärbt von einem moosähnlichen Gewächs (1-2 mm hoch). Ich habe eine Gruppe ohne Bewuchs fotografiert.

    Hi Timm,


    Du solltest Dir angewöhnen, neben dem künstlerischen Foto auch ein paar dokumentatorische Fotos zu machen.

    In diesem Fall führt das sehr künstlerische Foto bestimmungstechnisch komplett in die Irre.


    Der Vorschlag von Thorwulf ist mit "mehreren Hundert pro Quadratmeter" obsolet. Für Deinen Bestimmungsvorschlag (der dann realistisch ist), hast Du keinen fotografischen Beweis.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Thorwulf,

    auf Seltenheitsangaben würde ich in diesem Fall nichts geben. Ich glaube, alle kleinen weißen Keulchen auf Holz haben nur wenige Fundpunkte. Zum einen sind sie wirklich alle selten, und außerdem werden sie einfach meist nicht beachtet. Und selbst wenn sie beachtet werden, lassen sie sich mit der normalen Literatur nicht bestimmen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Timm,

    ich glaube nicht, dass irgendjemand dem Pilz 1 seriös einen Namen geben kann, ohne ihn zu mikroskopieren.


    Kleine weiße Keulchen auf Holz kommen zumindest in den Gattungen Lentaria, Typhula, Mucronella und Multiclavula vor, vermutlich noch in weiteren, die mir jetzt nicht einfallen. Multiclavula bildet eine Lebensgemeinschaft mit Algen - davon ist auf Deinem Bild nichts zu sehen.


    Du schreibst "gesellig" - zeigst aber 3 büschelige Fruchtkörper. Waren da noch weitere Exemplare an dem Holz?


    Schade, das Bild ist wirklich so schön, dass der Pilz einen Namen verdient hätte.


    Grüße,


    Wolfgang

    Helvella fuscolacunosa paßt zumindest von der Sporengröße her ganz gut. Aber irgendwie werde ich mit den Helvellas nicht so richtig warm...

    Hallo,

    Ingos und Dein Fund wären Erstfunde für Deutschland. Vielleicht ist die Art gar nicht selten, sondern einfach nur verkannt?


    Ich fänd's gut wenn Frau Skrede die bestätigen kann, dann sollten sie auch für die Kartierung gemeldet werden.


    Ingos Fruchtkörper lag jetzt wohl 'ne Weile rum, für eine Sequenzierung wäre rasches Trocknen nach der Ernte besser.


    Gruß,

    Wolfgang