wobei ich den Schutz von B. edulis und L. scabrum nicht so recht nachvollziehen kann
Naturschutzfachlich kann das niemand, und es wurde auch nicht von Menschen mit mykologischem Sachverstand beschlossen.
Es ging vermutlich eher darum, eine schärfere juristische Waffe gegen kommerzielle Steinpilz-Plünderer in der Hand zu haben. Weil die das Wild aufschrecken?
Manmal träume ich und stelle mir eine Eingabemaske zur Pilzkartierung auf der Homepage der DGfM vor. Dort (und nur dort) kann der Kartierer Daten nach einheitlichem Standard eingeben, wenn er für die Kartierung zugelassen(!) wurde.
Tatsächlich hat die DGfM davon geträumt, dass es EINE Eingabemaske beim Rote-Liste-Zentrum gibt, die von der DGfM fachlich betreut wird. Denn es ergibt keinen Sinn, wenn für jede Organismengruppe eine eigene Software programmiert und betrieben wird. Nur die zu erfassenden Merkmale und die Kartierer unterscheiden sich.
Eine dazu passende App braucht es aber auch, denn im 21 Jahrhundert muss man von Punktkartierung und Bilddokumentation als Standard ausgehen, und niemand gibt GPS Koordinaten per Hand ein. Messtischquadranten haben ausgedient.
Leider hat das Umweltbundesamt dann jahrelang verzögert, und die Lücke wurde von verschiedenen Anbietern gefüllt. Daher jetzt der Zoo an Tools.
Ein weiterer Aspekt, der mich interessieren würde, ist, ob die Daten irgendwie geprüft werden. es gibt ja sicherlich eine gewisse Fehlerquote.
Das ist ein Problem bei allen Kartierungs-Tools. Überall sind auch massenhaft Fehlbestimmungen dabei.
Bei der DGfM gibt es Landeskoordinatoren, die die Daten ihres Bundeslandes im Blick haben sollen, aber für eine lächerliche Ehrenamtspauschale von 200€/Jahr kann man nur die allergrößten Schnitzer ausbügeln, indem man den Finder einer angeblichen Rarität mal dazu befragt.
Bei Mushpits gibt es immerhin ein Foto dazu, das einen ersten Anhaltspunkt geben könnte.
Man kann nur hoffen, dass die vielen richtigen Fundmeldungen von guten Kartierern für eine korrekte Statistik sorgen, auch wenn die einzelnen Ausreißer dabei sind.
Wenn ich das Kleeblatt und das Moos als Größenvergleich nehme, fällt Daniels Vorschlag raus und es geht um einen Winzling, ein "LBM" (little brown mushroom), was als Synonym für "UMO" (unbestimmbares mykologisches Objekt) gilt.
Solche Pilze wie auf dem Foto gibt es z.B. in der Gattung Galerina (Häublinge), wozu auch der velum-überfaserte Stiel passen würde.
Ohne Mikroskop wird man hier nicht weiterkommen (und mit Mikroskop auch nicht unbedingt).
Dann mit dem silicagelkugeln nochmal einfrieren oder draußen stehen lassen
Hallo Cognacmeister,
Gefriertrocknen heißt, dass der Pilz gefroren bleibt bis er knochentrocken ist. Erst dann darst Du ihn aus der Gefriertruhe rausnehmen.
Das klingt verrückt, aber Eis verdampft schneller als flüssiges Wasser.
Mit Silicagel kannst Du auch ganz ohne Gefrieren Pilze bei Raumtemperatur trocknen, aber wie gut das klappt hängt von der Menge an Pilzen ab, und wieviel Silicagel Du investieren willst.
Ich mache das bei Wiesenkeulen, um gute Exsikkate für DNA-Proben zu gewinnen. Steinpilze würde ich normalerweise immer noch auf den Dörrex legen und nicht gefriertrocknen, aber ich sollte es zumindest mal ausprobieren.
mit Silicagel in der Tiefkühltruhe kann man von seltenen Funden sehr schonend Exsikkate herstellen. Einfach den Pilz in die schon gefrorenen Silicagelkugeln einbetten und luftdicht abschließen, z.B. in einem Schraubglas.
Um Steinpilze zum Essen gefrierzutrocknen, würde ich persönlich das nicht so machen, weil ich keinen Staub von Silicagel auf meinen Lebensmitteln haben wollte. Silicagel und Pilz müssen aber nur über Luftaustausch verbunden sein, ein direkter Kontakt ist nicht erforderlich. Insofern könnte man auf das Silicagel ein Tuch breiten, und darauf die Pilz-Stücke verteilen. Das sollte funktionieren, habe ich aber noch nicht ausprobiert. Das Silicagel und die Pilze müssen aber luftdicht vom Rest der Truhe getrennt sein, weil das Silicagel sonst dem ganzen Inhalt Wasser entzieht, und dann sehr schnell verbraucht ist und selbst wieder getrocknet werden muss.
könnte es auch der Schlehen-Rötling sein ? Gehören die Mirabellen nicht zu den Pflaumengewächsen ?
Hallo,
In der Literatur wird nicht wirklich versucht, beide Arten an der Wirtspflanze zu unterscheiden. Beide wachsen an Rosaceen, gerade E. clypeatum an vielen verschiedenen. Ich habe ihn öfter an Weißdorn gefunden, aber auch an Kirsche.
Bei einem "Aprimira" aus der Baumschule weiß man auch nicht genau, auf welche Unterlage der gepfropft wurde. Für den Pilz dürfte die Identität des Wurzelstocks wichtiger sein als die Identität der Fruchtreiser.
Und wer weiß, was im Umkreis von 20m noch so im Garten steht. Wenn der Fruchtkörper neben einem Stamm herauskommt, muss das ja nicht der Wirt sein - öfter kommen die Fruchtkörper in der Nähe der Wurzel-Zuwachzone.
Gruß,
Wolfgang
(der in der rheinhessischen Steppe von Großpilzen nur träumen kann)
für mich auch eindeutig einer der gilbenden Champignons. Eine Bestimmung auf Art-Ebene ist in der Gattung selbst an frischen Fruchtkörpern und mit Mikroskop teils Glückssache.
m.E. ist der Hut zu dunkel für E. sepium, und sehe auch kein orange-gilbendes Fleisch. Ich würde das daher für E. clypeatum halten (sehr variable Art!), auch wenn der Geruch mal nicht so stark ist. Vielleicht mal ein Stück kauen (und natürlich ausspucken), ob doch Mehlgeschmack kommt?
Sonst kommt nicht viel in Frage. Man müsste wohl öfter Mal zumindest die Sporen mikroskopieren, um nicht eine saundersii bei Rosaceen zu verpassen (die hätte große, kugelig-vieleckige Sporen).
Allerdings steht im Bericht in der ZfM nicht, wieviele Morcheln gegessen wurden?
ich habe die genaue Anzahl Fruchtkörper bzw. Gramm/Person nicht. Der hinzugezogene PSV hat jedoch von einer "kleinen Menge" gesprochen und war auch überrascht von der Heftigkeit der Symptomatik.
So ist das immer bei solchen Berichten: es sind halt keine wissenschaftlich vorbereiteten und dokumentierten Experimente, sondern Menschen haben sich unfreiwillig und unvorbereitet dem Giftigkeitstest unterworfen.
Könnte nicht vlt. auch einer der Gründe für die unterschiedliche Giftigkeit darin liegen, dass (möglicherweise äußerlich noch gut aussehende) ältere und überständige Exemplare oft nicht erkannt werden
Hallo Josef,
eine Vergiftung mit zu alten Pilzen ist eine Lebensmittelvergiftung durch zersetztes Eiweiß.
Bei den Morcheln geht es um ein Nervengift.
Dass so ein Gift bei Zersetzung freigesetzt wird, ist weniger wahrscheinlich.
ja, das Morchella Syndrom ist bei getrockneten Morcheln seltener. Aber das sagt nichts über die Entgiftung aus:
Das Morchella Syndrom tritt meist (aber nicht nur) nach einem übermäßigen Genuss auf. Ich denke, wer sich für 30€/100g getrocknete Morcheln kauft, ist weniger anfällig für Gier und Fresssucht als jemand, der 2 kg Morcheln gefunden hat und dann meist frisch zubereitet.
Da das Toxin nicht bekannt ist, lässt sich über die Stabilität einfach nichts sagen. Ebenso gibt es keine zuverlässigen Kenntnisse über die Giftigkeit einzelner Arten, zumal im Handel und vielen Pilzbüchern immer noch das veraltete Artkonzept von Spitz- und Speisemorcheln verwendet wird.
Fakt ist, dass Morcheln und Verpeln Giftpilze sind, die wohl thermisch entgiftet werden können
Hallo Martin,
Fakt ist, dass die Magen-Darm-Gifte von Morcheln thermisch instabil sind. Die Nervengifte sind es eher nicht, denn neurologische Syndrome treten auch nach gut durchgegarten Mahlzeiten auf. Die Giftkonzentration scheint aber von Kollektion zu Kollektion stark zu schwanken, und/oder es gibt bei den Personen stark unterschiedliche Resilienz.
Gyromitrin-haltige Pilzarten wie Lorcheln oder Verpeln lassen sich dagegen gut durch sorgfältiges Trocknen entgiften, und teilweise auch durch langes Erhitzen.
Matthias hat einen netten Artikel gepostet, aber um die Wahrheit hinter der journalistischen Sensationsjagd zu finden, muss man die zitierten Originalartikel lesen.
So wie ich das verstanden habe, gibt es derzeit drei Todesfälle im Zusammenhang mit Morcheln:
In USA wurden rohe ! Morcheln zu Sushi verarbeitet, was bei den Restaurantgästen zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen geführt hat. Zwei medizinisch vorbelastete Personen haben den Flüssigkeitsverlust durch den Durchfall nicht überlebt. Gyromitrin ist in Morcheln aber nicht enthalten.
In Spanien gab es einen Fall von neurologischem und gastrointestinalen Morchella Syndrom, bei dem der Patient am Erbrochenen erstickt ist.
So tragisch wie solche Fälle sind, würde ich Morcheln nicht als tödliche Giftpilze bezeichnen.
beim Zapfenrübling halte ich die weiße Stielspitze für ein Indiz für tenacellus, den bitteren Z.. Den milden, S. stephanocystis, habe ich bisher immer mit fast gleichmäßig durchgefärbtem Stiel gefunden.
Die "Pfahlwurzel" geht immer bis zum vergrabenen Zapfen - liegt dieser an der Oberfläche, fehlt die Wurzel.Das ist ein Merkmal aller Zapfenbewohner.
Ich dachte eher an Arten die in Sumpf- und Moorlandschaften zu finden sind.
Hallo Rainer,
in richtigen Sphagneten steigt die Artenzahl wieder stark an. Dazu solltest Du Laber (2009): Die Funga der Moore des Hochschwarzwaldes, Beih. Z. Mykol 11 lesen.
In Sümpfen hast Du vor allem mit Mycena und Galerina, sowie kleinen Ascos an Krautstängeln zu tun.
Niemand sollte sich daher anmaßen, von einem menschengemachten Klimawandel zu reden.
Hallo Steffen,
hier habe ich ganz deutlich eine andere Meinung: ich vertraue der modernen Naturwissenschaft.
Alle Faktoren, die das Klima beeinflussen, sind recht gut verstanden - auch die, die in der Vergangenheit Klimaänderungen verursacht haben. Und das im Übrigen im Grundsatz schon seit 150 Jahren. Unter den Klimawissenschaftlern gibt es weltweit keinen Zweifel am menschengemachten Klimawandel.
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Da wäre noch das Ozonloch. Falls es noch jemand kennt. Was war das damals für ein Geschrei mit dem Ozonloch...
Das ist tatsächlich ein gutes Beispiel dafür, wie man durch internationales Handeln Umweltprobleme auch wieder lösen kann - hier durch ein Verbot von FCKW in Sprühdosen.
Hoffentlich gelingt das der Menschheit auch dieses Mal wieder - das wird deutlich schwieriger weil es um viel mehr Geld geht.
ich bin leider nicht schlauer als die Literatur bei mir im Schrank. P. cerifera habe ich noch nicht selbst gesehen (Weiden sind bei mir eher selten).
"Cheilozystiden als Chrysozystiden ausgebildet"? Das sollte nicht sein. Die Chrysozystiden sind Pleuros.
"Cheilozystiden keulig" ist leider zu ungenau. P. cerifera soll breit keulige, schon fast globose Cheilos haben, im Gegensatz zu schmal keuligen bis flaschenförmigen bei anderen Arten.
P. cerifera soll aber auch eine weniger schleimige Huthaut haben, das passt bei diesem Bild nicht.
Zusammen mit dem Substrat, das jedenfalls nicht wie Weide aussieht, und den breiten Sporen, käme man mit der Funga nordica recht glatt zu adiposa
Wolfgang
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