Beiträge von EmilS

    Flammulina velutipes (Curtis) Singer
    Gemeiner Samtfußrübling


    Synonyme (Auswahl):
    Samtfuß
    Winterpilz
    Enoki
    Enokitake


    Agaricus atropes Schumach.
    Agaricus fuscipes Vahl
    Agaricus sphinx Batsch
    Agaricus velutipes Curtis
    Collybia eriocephala Rea
    Collybia veluticeps Rea
    Collybia velutipes (Curtis) P. Kumm.
    Collybidium velutipes (Curtis) Earle
    Gymnopus velutipes (Curtis) Gray
    Myxocollybia velutipes (Curtis) Singer
    Pleurotus velutipes (Curtis) Quél.


    Basidiomycota --> Agaricomycetes --> Agaricales --> Physalacriaceae --> Flammulina --> Flammulina velutipes


    Etymologie (=Übersetzung des wissenschaftlichen Namens):
    "Samtfüßiges Flämmchen"


    Kurzbeschreibung:
    Orangefarbener Lamellenpilz mit schmierigem Hut und schwarzsamtigem Stiel, der im Winter in großen Büscheln an Laubholz wächst.


    Makroskopische Merkmale:
    Hut 2-7 cm breit. Orangegelb bis rostorange, am Rand heller gelb. Schmierig-klebrig, jung halbkugelig, dann abgeflacht, relativ dünnfleischig. Manchmal durchscheinend gerieft. Fleisch elastisch, blass gelblich.
    Stiel zäh, schwarzbraun samtig, besonders an der Basis, oben gelblich. Bis 7 (10) cm lang. Ringlos.
    Lamellen bogig am Stiel angewachsen, untermischt. Blass weißlich bis cremefarben.
    Geruch schwach pilzartig (lt. Literatur "laugenartig").
    Geschmack mild.
    Sporenpulver weiß, inamyloid (nicht mit Melzers Reagenz anfärbbar).


    Mikroskopische Merkmale:
    Sporen elliptisch, länglich, glatt, ohne Keimporus. 6-9,5 x 3-4,5 µm. Länge-Breite-Quotient 2-2,3.
    Cheilozystiden flaschenförmig bis fingerförmig.
    Hyphen mit zahlreichen Schnallen an den Septen.
    Huthaut ein Ixotrichoderm (gelatinös). Hyphidien meist verzweigt.


    Vorkommen:
    Saprobiont oder Schwächeparasit an absterbendem oder totem Laubholz (bevorzugt Weide, Pappel, Buche und Esche), ganz selten auch an Nadelholz. Büschelig in den Wintermonaten. Häufig.


    Speisewert:
    Essbar, recht guter Speisepilz. Wird, besonders in Japan, kommerziell in großen Mengen angebaut.


    Verwechslung:
    Mit (giftigen) Vertretern aus anderen Gattungen ist die Art wegen ihres charakteristischen Erscheinungsbildes und des Vorkommens im Winter kaum zu verwechseln.
    Schwefelköpfe (Hypholoma) unterscheiden sich durch einen trockenen, blasser gelbbräunlichen Hut, einen nicht samtigen, hellen Stiel und gräuliche Lamellen.
    Schüpplinge (Pholiota) haben braune Schuppen auf dem Hut, sind größer und dickfleischiger oder haben andere Farben. Der Stiel ist bei ihnen nicht schwarzsamtig.
    Flämmlinge (Gymnopilus) haben orangefarbene Lamellen, einen trockenen Hut und einen nicht schwarzsamtigen Stiel.
    Das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) hat einen trockenen, weniger intensiv gefärbten Hut und einen braun geschuppten, beringten Stiel.
    Der Gift-Häubling (Galerina marginata) hat einen nicht schwarzsamtigen, sondern silbrig faserigen, beringten Stiel und einen trockenen Hut.
    Außerdem haben alle genannten Gattungen braunes Sporenpulver.


    Schwieriger ist es, Flammulina velutipes von anderen Arten der Gattung Flammulina zu unterscheiden. Da alle Arten essbar sind, ist dies für Speisepilzsammler weniger von Bedeutung.
    Der Langsporige Samtfußrübling (Flammulina elastica) unterscheidet sich von F. velutipes nur durch die längeren Sporen (allerdings ist auch dieses Merkmal manchmal nicht zuverlässig; hier ist noch Einiges unerforscht). Die Sporen werden 8-11,5 µm lang und haben einen Länge-Breite-Quotient von 2,5-3. Die fast ebenso häufige Art wurde früher nur als Form von F. velutipes angesehen (f. longispora), ist aber nicht mit F. velutipes kreuzbar und muss als eigene Art gelten.


    Weniger leicht zu verwechseln sind folgende Arten:
    Der Blasshütige Samtfußrübling (Flammulina fennae) wächst wurzelnd auf dem Erdboden und hat einen cremeweißlichen Hut. Außerdem hat er etwas kleinere Sporen mit einem Länge-Breite-Quotient von unter 1,8.
    Der Hauhechel-Samtfußrübling (Flammulina ononidis) ist ein kleiner Pilz mit 2 cm großem Hut, der einzeln auf dem Erdboden bei Hauhechel (Ononis) wächst.
    Der Mediterrane Samtfußrübling (Flammulina mediterranea) wächst im Sand bei Strandhafer (Ammophila litoralis).


    Andere Arten der Gattung wie Flammulina populicola (Pappel-Samtfußrübling) und Flammulina rossica (Russischer Samtfußrübling) sollten in Deutschland wohl nicht vorkommen und unterscheiden sich unter Anderem durch eine anders aufgebaute Hutdeckschicht (hymeniform).


    Links zu Portraits von ähnlichen Arten:
    Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis)
    Gift-Häubling (Galerina marginata)


    Weitere nützliche Links
    [url=http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,395.msg4215.html#msg4215]Bestimmungsschlüssel für die Gattung Flammulina[/url]
    The Genus Flammulina
    Kurzer Artikel von Gernot Friebes


    Bilder:


    Die Exemplare auf folenden Bildern wuchsen auf Linde (Tilia) und Weide (Salix):





    Cheilozystiden in Wasser:


    Cheilozystiden in Kongorot:


    Schnallen der Huthauthyphen in Wasser:


    Sporen in Wasser:


    Zum Vergleich Sporen von Flammulina elastica:

    Hallo!


    Zitat von Kleee

    Gibt es denn noch Merkmale, die es ermöglichen den Safranschirmling (ohne Mikroskop) weiter von seinen ungenießbaren/Giftigen Doppelgängern abzugrenzen?


    Von den Safranschirmlingen (das sind die, die rötendes Fleisch und einen ungenatterten Stiel haben) gibt es in Mitteleuropa drei häufigere Arten:


    Olivbrauner Wald-Safranschirmling (Chlorophyllum olivieri): Wächst im Wald, Hutschuppen farblich ähnlich wie der Hut und fransig-wattig. Essbar.
    Rundknolliger Garten-Safranschirmling (Chlorophyllum rachodes): Wächst außerhalb des Waldes, in Parkanlagen und Gärten, an nährstoffreichen Standorten. Knolle keulig, nicht gerandet. Essbar, aber aufgrund von möglichen Unverträglichkeitsreaktionen nicht empfehlenswert.
    Gerandetknolliger Garten-Safranschirmling (Chlorophyllum brunneum), auch Gift-Riesenschirmling genannt: Wächst außerhalb des Waldes, in Parkanlagen und Gärten, an nährstoffreichen Standorten. Knolle dick, gerandet und oft mit Erde paniert. Wirkt aufgrund starker Unverträglichkeitsreaktionen giftig.


    Bei den Riesenschirmlingen (Macrolepiota; Parasol und Verwandte) sind alle Arten essbar, bei den Safranschirmlingen (Chlorophyllum) sollte man vorsichtig sein und nur solche aus dem Wald sammeln.


    Etwas ausführlicher findest du die Thematik >hier< von Pablo und noch ausführlicher [url=http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,794.msg8601.html#msg8601]>hier<[/url].


    Zitat von Kleee

    Hat hier jemand schonmal den Gartensafranschirmling bzw. Giftsafranschirmling im Wald identifizieren können?
    Ich habe bisher nur sehr geringe Erfahrung wie oft Riesenschirmlinge überhaupt auftreten.
    Wenn die giftigen Brüder des Safranschirmlings auf stark nährstoffreichen Böden wie Kompost wachsen - habe ich die Chance solch einen nährstoffreichen Boden - wodurch auch immer - im Wald erkennen zu können? Wächst an diesen Stellen besonders saftiges frisches Gras/Moos/andere Nährstoffliebende Pilze? =D


    Also ich habe im Wald bisher nur den essbaren Safranschirmling (C. olivieri) gefunden. Wenn du Safranschirmlinge im Wald findest, die außerdem noch einheitlich bräunlich gefärbt sind und fransig-sparrige Hutschuppen haben, solltest du auf der sicheren Seite sein. Du kannst ja zum Vergleich mal das >Portrait vom Gift-Schirmling< ansehen. Der sieht schon ein bisschen anders aus.


    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel. ;)


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Frank!


    Ich gehe mal davon aus, dass im Boden altes Holz war und der Pilz rosa Sporenpulver hat. Dann sage ich: (Rehbrauner) Dachpilz, Pluteus cervinus s. l.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Heidi!


    Vergleich den Ersten mal mit dem Kupferroten Gelbfuß (Chroogomphus rutilus).


    Der Zweite ist ein nicht näher bestimmbarer Schleierling (Cortinarius).


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo!


    Vergleich mal mit der Gattung Wasserfuß (Hydropus). Die häufigste und wahrscheinlichste Art ist der Buchenwald-Wasserfuß (Hydropus subalpinus), passt ja auch vom Substrat her. ;)


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Pablo!


    Ja, trulliformis sieht anders aus.


    Danke für den Tipp mit Fayodia. Ich habe nicht mikroskopiert, aber werde da morgen mal vergleichen.
    Auf den ersten Blick gefällt mir zwar C. ditopa zwar besser (kenne keine Fayodia-Art mit diesem Aussehen), aber wer weiß...


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo ihr drei,


    vielen Dank! Hätte ich nicht erwartet, dass ihr damit was anfangen könnt. :)


    @Pablo: Zuerst hatte ich cf. trulliformis dabeistehen, habe die Art aber wieder verworfen wegen Farben und Hutbeschaffenheit.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo zusammen!


    Bei den unbestimmten Pilzarten ist noch dieser kleine graue Trichterling (?) dabei. Ich mach mir keine großen Hoffnungen, aber vielleicht hat ja jemand eine Idee.


    Geruch stark mehlartig.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Fenrir,
    klasse Bilder! :thumbup:


    Ich habe auch noch zwei ähnliche Bilder ausekramt. Weniger schön als deine und wahrscheinlich der Tropfende Schillerporling (Pseudoinonotus dryadeus).
    Weil es hier gut herpasst:


    Wäre schön, wenn noch jemand die Bestimmung Pseudoinonotus dryadeus bestätigen oder widerlegen würde. ;)


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Chris!


    Eselsohr passt schon, die Art kommt auch in Nadelwäldern vor.
    Unverwechselbar ist die rosa getönte, gelbe Färbung.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo!


    Wenn die Hutgröße knapp über den Angaben liegt, ist das nicht schlimm.


    Die Stielbasis kannst du uns ja vielleicht noch mal zeigen. Auf den Bildern sieht es für mich so aus, dass die dickste Stelle des Stiels die untere Hälfte ist, aber an der Basis wieder schmaler wird.


    Eine Knolle (an der Stielbasis) kann ich nicht erkennen. Das wäre dann eher so wie >hier<.


    Ich bin mir schon sicher mit A. campestris. Bilde dir aber gerne selber noch mal eine Meinung. :)


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Pilzfan!


    Zitat von Pilzfan

    Aber meine Erfahrung hat mir bisher gezeigt, dass Pilze die gut riechen und mild schmecken auch eßbar sind.


    Dass gut schmeckende Pilze automatisch essbar sind, ist gefährlicher Blödsinn. Ich rate dir dringend, dich nicht auf solche "Erfahrungen" zu verlassen... irgendwann ist dann nämlich doch mal ein Giftiger dabei (wie zum Beispiel dieser wahrscheinlich giftige Schleierling).



    Zitat von Pilzfan

    Und anscheinend habe ich einen eßbaren Schleierling erwischt. Wenn der potentiell giftig sein soll, dann müssen wohl einige Bücher umgeschrieben werden.


    Diese Logik kann ich nicht wirklich nachvollziehen. (?)



    Zitat von Pilzfan

    Ich kenne jetzt ungefähr 30 verschiedene eßbare Pilze und jedesmal wenn ich den Wald gehe, dann nehme ich 2-3 mir unbekannte Pilze mit und versuche sie erstmal zu bestimmen und schaue mir wirklich jedes Detail am Pilz genau an.


    Und bevor ich einen anknappere, versuche ich ihn erstmal der richtigen Familie zuzuordnen, was gar nicht so leicht ist.


    Das ist dagegen richtig und nachvollziehbar.



    Viele Grüße und nichts für ungut,
    Emil

    Hallo!


    Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), stark giftig.


    Viele Grüße,
    Emil


    Zitat

    Die Pächterin sagte mir, sie wäre ziemlich sicher, dass die essbar sind und sehr gut schmecken.


    8|8|8|

    Hallo Pablo,
    danke für die Antwort!


    Die Pilze sind jetzt getrocknet und hart, ob sie besonders leicht sind, kann ich wegen fehlender Vergleichsmöglichkeiten nicht beurteilen. Ich warte dann mal auf einen Fund von (Schmetterlings-) Trameten, damit ich das besser sagen kann.


    Allerdings bin ich irgendwie im Zweifel, ob es nicht doch T. ochracea ist, viele Merkmale deuten schon auch auf die Art hin. Die soll allerdings in unserem Raum auch ziemlich selten sein. ;)


    Hier schreibt F. Dämmrich:


    "3a- Hut bräunlich, gezont, jung samtig dann kahl, Fruchtkörper hart..................................................Trametes ochracea (Zonentramete)
    3b- Hut weißlich, unauffällig gezont, samtig, Fruchtkörper leicht und brüchig, schnell von Insekten zerfressen................................Trametes pubescens (Samtige Tramete)"


    Leider wieder so ein Mischmasch aus beidem, tendenziell eher T. pubescens. Naja, ich warte erst mal auf die Schmetterlings-Tramete.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo Boris!


    Diesmal hast du Recht, es ist ein Stoppelpilz (Hydnum).


    Die genaue Art ist nur mikroskopisch bestimmbar, alle Arten der Gattung sind aber essbar.


    Falls du die Pilze jetzt essen willst:
    Pilzbestimmungen übers Internet sind immer mit Risiko verbunden, deshalb gibt grundsätzlich keiner Freigaben zum Essen, ohne den Pilz selbst in der Hand gehabt zu haben. Wie sicher er sich mit der Bestimmung ist und ob er den Pilz essen will, das ist allein die Verantwortung des Finders.
    Wer Essfreigaben erhalten will, muss sich an einen >Pilzsachverständigen< wenden.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo und Willkommen im Forum! :)


    Das ist recht eindeutig der Ziegelrote. Der rote Hut mit weißlichen Velumresten, die grauen Lamellen und der nicht grüngelbe Stiel sind gute Merkmale.


    Viele Grüße,
    Emil

    Hallo ihr Beiden!


    Danke schön für eure Einschätzungen! Nein Ingo, Lyophyllum connatum war es mit Sicherheit nicht.


    Die Ökologie war Laub-Mischwald mit besonders Buchen und Eichen.


    Tricholoma album sollte jetzt wahrscheinlich passen. Es kann auch sein, dass ich den Geruch einfach angenehmer empfunden habe als andere Leute. Das ist bei mir und Gerüchen öfter mal so. ;)


    Ich hab noch ne Gegenüberstellung der weißen Ritterlinge von Stephan gefunden --> klick.
    Am ehesten T. album.


    Viele Grüße,
    Emil