Unbestimmter Cortinarius (Phlegmacium)

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  • Beim letzten Pilzvereinsabend hatten wir zwei kleine unbestimmte Cortinarien. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht diese Zuhause zu bestimmen. Ich war recht optimitisch bin dann aber bis dato noch zu keinem Ergebnis gekommen. Mir ist jetzt nicht wichtig dem Pilz eine bestimmte Art zuzuordnen, sondern eher was auf was ich hier achten muss und ob alles richtig beurteilt wurde.

    Allgemein: Die Furchtkörper sind beide reicht jung und klein. Hut einmal ~2,5 cm und einmal 3 cm
    Hut: Ockergelb, vermutlich eher schwach schleimig, mit aufällige Hutstruktur. Wird dies Duplex genannt?
    Geruch: Unbedeutend. Ich habe geschnitten, gerieben. Der Geruch kaum feststellbar. Wenn dann eher etwas süß, pilzig.
    Geschmack: Geschmackstest mild.
    KOH 40%: Hut, Knolle, Fleisch ohne Farbumschlag.
    Gesamt + Teilvelum: Rein weiß

    Lamellen: Würde ich als Tonfarben, gräulich beschreiben. Zu jung um eine Zahnung oder ähnliches zu erkennen.
    Stiel: weißlich, mit abgesetzer Stielknolle. Stiel relativ kurz im vergleich zum Hut.
    Trama: Weißlich

    Standort: Ich konnte leider nicht mehr ausfindig machen wer diesen Pilz gefunden hatte. Dies müsste aber im Raum der süd-westlichen Schwäbischen Alb gewesen sein. Vermutlich Mischwald.
    Sporen: Rostbraun, Mandelförmig? Feinwarzig. Über Sporenabwurf und über 89 Sporen (mehrere Images mit Piximetre)


    7.7 [8.5 ; 8.7] 9.5 × 4.9 [5.3 ; 5.4] 5.8 µm

    Q = 1.5 [1.6] 1.8 ; N = 89 ; C = 95%

    Me = 8.6 × 5.3 µm ; Qe = 1.6

    Meine Fragen sind jetzt vor allem..

    Habe ich jetzt alle relevanten Merkmale erfasst? Was sagt mit diese Hutstruktur? Ich habe mal gehört es sei hier bestimmungsrelevant Simplex von Duplex zu unterscheiden. Ich habe in meinen Bestimmungsschlüsseln hier aber nie eine Frage dafür bekommen.

    Ich bin dann bei Cortinarius multiformis, woran ich jetzt nicht so richtig glaube nachdem ich mir hier Vergleichsbilder angesehen habe.

    Vielleicht kann mir irgendjemand noch was wissenswertes zu meiner Untersuchung sagen, weil sonst habe ich gar keine Erkenntnisse gewonnen. ||





    Auffällige Radialfaserung




    Trama Cremfarben bis leicht gelblich


    KOH Reaktion negativ auf Hut und Knollenrand



    KOH Reaktion negativ im Trama

  • Meiner Meinung nach hast du alles gut beschrieben, dokumentiert und auch die richtigen Schlüsse gezogen.
    Alles spricht für eine Art aus dem Multiformis-Aggregat und es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit auf C.multiformis s.str.
    Auf dem ersten Bild sind die Lamellen zu erkennen, diese sind auf jeden Fall schartig was ebenfalls zu C.multiformis passt.
    Was nicht so gut passt ist die stark gerandete Knolle, die ist bei C.multiformis meist nicht so ausgeprägt ist.
    Aber die Art heisst ja nicht umsonst "multiformis" = "vielgestaltig".
    Ohne Kenntnisse der Begleitbäume kommt man da dann auch nicht weiter, ausser man gibt den Pilz zur Gen-Sequenzierung.
    Die stark eingewachsen fasrige Huthaut ist übrigens ein gutes Merkmal für eine Duplex-Huthaut, damit kann man dann auch ausschliessen dass der Pilz in die Calochroi Verwandschaft (Calonarius) gehört.

    beste Grüsse
    Uwe

  • Hallo Askger,

    - es ist definitiv ein Phlegmacium

    - die Lamellenfarbe ist anscheinend tonbeige, jedenfalls nicht deutlich gelb, grün, violett oder blau (blaustichig könnte hingegen sein, erkennt man hier nicht)

    - C. multiformis, vor allem die Nadelwald-Version kenne ich mit glatter Huthaut und eine abgerundete Basisknolle, diese Knolle hier ist dagegen gerandet und die Huthaut ist nicht glatt

    - der Pilz ist überall KOH-negativ, also kein Variicolores

    - ist er Lugol-negativ? dann auch kein Scauri

    - den Farben nach wahrscheinlich auch kein Fulvi oder Caerulescentes

    - da die Lamellen nicht ansatzweise blau sind, auch kein Glaucopode

    - wenn in den Lamellen ein Violettstich ist, (aber nur dann), käme ein Calochroi in Frage, ohne Violettstich wäre es eher ein Multiformes oder ein Phlegmacium s. str.

    - die Farben des Pilzes (Hutfarbe, Fleischfarbe, Lamellenfarbe) lassen sich unter dem Kunstlicht nur schwer erahnen - wie sehen die denn unter Tageslicht aus? Ohne die exakten Pilzfarben geht bei Phlegmacien bestimmungstechnisch wenig bis nichts

    - 40 % KOH? der arme Pilz, das ätzt ja alles zusammen! KOH 10% oder 20 % reicht für Makro-Fabreaktionen aus


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • - Farben benenen tu ich mir schwer. Ich würde die Hutfarbe wie bei einem Ziegelgelben Schleimkopf einordnen, jedoch eben mit dieser auffälligen Huthaut. Das Stielfleisch ist nicht rein weiß, eher von schwab cremfarben im Mittelteil zu Hutende und Stielbasis ins leicht weiß gelbliche. Stiel selbst würde ich als etwas schmuzigeres Kreideweiß bezeichnen.
    - Lamellenfarbe war jetzt relativ Tonfarben, ist jetzt mit der Zeit aber etwas in das gräuliche vielleicht auch blaugraue gewechselt bevor sie dann braun wurden.
    - Lungol Reaktion ebenso auf Hut, Trama und Knollenran anwenden? Das ist mir neu
    - KOH 40% deswegen weil ich nur 3% und 20% hatte man mir aber mal sagte, man soll mit 30% oder 40% testen. Dann ist dem wohl nicht so.

    Habe die Pilze leider gestern entsorgt. Dachte ich frage nun aber dennoch mal nach, damit ich beim nächstem mal evtl. weiter komme. Dieses Jahr gibt es leider so gut wie keine Schleierlinge in meiner Gegend. Wobei im Herbst eigentlich alles damit voll sein sollte. Wollte mich mit dem Thema dieses Jahr eigentlich intensiver beschäftigen.