Anthracobias in Hülle und Fülle

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  • Hallo zusammen,


    wie ich ja hier schon erwähnt habe, war ich am letzten Samstag im Hürtgenwald bei Gey unterwegs und habe mir die Brandstelle dort mal mit Hinblick auf Brandstellenpilze angeschaut. Neben den bereits gezeigten Arten gab es auch jede Menge Anthracobia, die den Boden stellenweise flächig orange färbten. Leider ist die Bestimmung in der Gattung alles andere als einfach. Makroskopisch geht eigentlich gar nichts, so daß man auf gut Glück einfach mal mehrere Kollektionen einsacken kann. Aber auch mikroskopisch ist es nicht einfach, da u.a. die Beschaffenheit der Randhaare relevant ist, die sich für mich oft nur schwer beurteilen läßt.


    Kollektion 1

    Sporen: 17,3-18,6-19,9 x 8,2-9,2-10,3 µm

    Q: 1,78-2,02-2,27


    Kollektion 2: Zunächst die großen, orangefarbenen Fruchtkörper

    Sporen: 16,2-18,7-21,3 x 8,3-9,2-10,1 µm

    Q: 1,74-2,04-2,34


    Kollektion 2: Die kleinen braunen Fruchtkörper, die ich im Feld nicht mal wahrgenommen habe

    Sporen: 13,1-15,2-17,2 x 8,1-9,6-11 µm

    Q: 1,24-1,59-1,95


    Kollektion 3: Hier waren die Fruchtkörper deutlich kleiner und wuchsen an einer Stelle, wo bereits erste Moose auftauchten. Daher hatte ich im Feld auf eine Octospora spekuliert, was sich aber mikroskopisch nicht bestätigt hat.


    Kollektion 4 wuchs in unmittelbarer Nähe zu Kollektion und sollte die gleiche Art darstellen

    Sporen: 16-17,3-18,7 x 7,9-8,8-9,7 µm

    Q: 1,78-1,98-2,18


    Kollektion 5

    Sporen: 14,2-16,8-19,5 x 7,1-8,5-9,8 µm

    Q: 1,78-1,99-2,2


    Kollektion 6 mit braunen Fruchtkörpern

    Sporen: 16,1-18,2-20,3 x 6,8-7,6-8,4 µm

    Q: 2,1-2,41-2,72


    Kollektion 7

    Sporen: 18-20,2-22,4 x 8,4-9,4-10,4 µm

    Q: 1,95-2,15-2,35


    Kollektion 8

    Sporen: 8,6-9,5-10,4 x 5,8-6,7-7,6 µm

    Q: 1,23-1,43-1,62


    Björn

  • Hallo Björn,

    als ich vor ein paar Jahren vor demselben Problem stand wie Du jetzt, ging es mir ähnlich. Inzwischen behaupte ich ein paar Arten relativ gut ansprechen zu können, auch ohne sie selbst mikroskopiert zu haben. Deshalb möchte ich mal kurz was zu Deinen Kollektionen schreiben.


    1.Das sollte A. tristis sein - es sind einige der typischen Sporen zu erkennen. Reife Apos von A. tristis haben oft walzenförmige/zylindrische Sporen im Ascus, und das meine ich auf den Fotos zu erkennen. Keine andere Art hot solche Sporen. Die Art ist sehr häufig aber leider auch recht plastisch.

    2. Das sollte A. larsenii sein. Die Sporen, die Du zeigst, sind nicht korrekt ausgebildet, das habe ich selbst oft bei A. larsenii beobachtet. Sporengröße und kleine braune Apos passen aber gut.

    3-5. Vermutlich auch A. tristis.

    6. Das ist eine noch unbeschriebene Art, die nahe Warcupia terrestris steht. Es gibt zwei auf Brandstellen, beide unbeschrieben. Das Manuskript ist vorbereitet aber Nicolas wartet noch auf ein Sequenzergebnis zu einer "A. uncinata". Ich hoffe das dauert nicht mehr allzu lange. Beide Arten haben +/- spindelige Sporen, eine hat etwas schlankere Sporen und oft gebogene Paraphysenspitzen, die andere selten bis nie gebogene Paraphysen, die dafür apikal breiter kopfig erweitert sind. Die eine hat eher büschelige Wuchsform, die andere wächst solitär,

    7, 8. Das ist A. melaloma. Die breitelliptischen Sporen und dickwandig-pigmentierten "Haare" sind ein eindeutiges Merkmal. Inwiefern die Art in mehere zu unterteilen ist, konnten wir leider nicht gänzlich klären, deshalb haben wir es vorerst bei einer Art belassen.


    Ich hoffe das hilft etwas - und ich liege nicht allzu falsch mit meiner Einschätzung ;)


    LG,

    Alex

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für die Rückmeldung zu meinen Funden, das hilft mir definitiv weiter. Wenn man erstmal weiß, um welche Arten es sich aller Wahrscheinlichkeit handelt und vor allem welche Kollektionen wohl die gleiche Art sind, kann man sich die Funde ja gerade mit Hinblick auf die Sporenform genauer und in Ruhe anschauen. Und es ist irgendwie beruhigend zu hören, daß ich offenbar nicht der Einzige bin, der da erstmal etwas überfordert vor den Anthracobias steht - und gut zu wissen, daß man sich im Laufe der Zeit dann doch in die Gattung reinfuchsen kann.


    Björn

  • Hallo Björn,


    Anthracobias die Brandbecherlinge. Und ich habe mich gefragt, welche Becherlinge ich gefunden habe.

    Diese sehen ebenfalls nach Anthracobias aus. Mikrodetails fehlen natürlich leider.


    lg Rainer