Lichenisierter Pilz (?) auf/mit gelbgrünen Algen auf Lärche

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  • Hallo,


    folgende Kruste bereitet mir Kopfzerbrechen und ich kann den Fund bislang überhaupt nicht einordnen, nicht will passen.

    Vielleicht hat hier jemand eine Idee?


    Am vergangenen Wochenende im Spessart bemerkte ich an einem Lärchenstamm in bequemer Höhe einen intensiv gelben Thallus mit eingesenkten dunklen Fruchtkörpern. Spontan an Cyphelium denkend, lag ich aber völlig daneben.


    Zum Fund:

    Bild 0: Ein Basaltsteinbruch mit großer Lichtung. Der Waldrand im Hintergrund u.a. mit Rotbuchen und Lärchen.

    Direkt an einer der Lärchen am Waldrand wurde der Fund gemacht.


    Bild 1 Aus größerer Entferung unspektakulär, gelb leprös


    Bild 2 Bei etwas größerer Vergrößerung sind dunkle Punkte erkennbar. Der Thallus erscheint rissig areoliert.


    Bild 3 Im Zentrum der Areolen sitzen eingesenkt schwärzliche Fruchtkörper


    Bild 4 Blick auf den trockenen Thallus.

    Ich vermute, dass Fruchtkörper und gelber Thallus zusammengehören.

    Denn die Fruchtkörper sitzen brav in der Mitte der Areolen und sind ringsum von gelbem, pulvrigem Thallus umgeben.

    Die größten Fruchtkörper sind nicht über 500 µm groß.


    Trocken ist der Thallus spröde, aber angefeuchtet wird er sehr weich, verflüssigt sich fast und die schwarzen Fruchtkörper lassen sich sehr leicht ernten.


    Bild 5 In einem Wassertröpfchen schwimmend erscheinen die Fruchtkörper in Auflicht gelblich.

    Die Größe beträgt 350-450µm.


    Bild 6 Apothecium Querschnitt in Wasser: randlos und gewölbt.

    Das Apothecium sitzt einer Schicht aus Algen auf.

    Im Querschnitt wirkt die äußerste, gelatinöse Schicht (Epihymenium?) auf dem Hymenium grünlich in Durchlicht, in Auflicht ist sie dunkelbraun.

    Die Algenzellen sind gelbgrün und erklären die Thallusfarbe.


    Bild 7 Bei Lugol-Zugabe färben sich die Asci blau


    Bild 8 Gequetscht erkennt man das gelatinöse, bräunliche Epihymenium, in dem die Paraphysen enden.

    Die Paraphysen-Endzellen sind nicht verdickt. Der Durchmesser liegt bei ca. 2 µm.

    Die Asci sind keulig und mit ev. 64 kugeligen Sporen angefüllt.

    Die Ascuswand und die innere Schicht des Tholus reagieren in Lugol tiefblau.

    Paraphysen und Hymenialgallerte sind J-.


    Die Sporengröße liegt bei 3- max. 4µm Durchmesser.


    Bild 9 Ev. ist die Verteilung der amyloiden Strukturen unreifer Asci hilfreich bei der Bestimmung? Sie wirkt etwas eigenwillig...

    Die Paraphysen könnten um die Asci gewickelt sein (linkes Teilbild)


    Bild 10 Thallus in Wasser: er besteht fast ausschließlich aus gelblichen Algenzellen.


    Bild 11 Die Algen haben eine Größe von etwa 10 µm. Zwischen ihnen und an ihnen anhaftend sind längliche, hyaline Strukturen, in denen ich Pilzhyphen erkennen möchte. Diese Hyphenbruchstücke sind dünn (<=1 µm) und ihre Menge gering.


    Bild 12 ... aber Pilzhyphen sind vorhanden und sie koppeln an die Algen an.



    Bild 12


    Hat jemand eine Idee? :gwinken:


    LG, Martin

  • Hallo Martin,


    die hätte ich auf Verdacht auch mitgenommen :D


    Ich habe mal versucht zu schlüsseln und bin unter anderem über Candelariella vitellina gestolpert, die eigentlich gelbe Apothecien hat, aber anscheinend auch ähnlich aussehen kann wie deine

    https://italic.units.it/flora/images/species/images/CandelariellavitellinaHoffmMllArg1677955098.jpg

    wobei die Sporen eher nicht passen. Einfach bei Candellaria angefangen, käme evtl. mit runden Sporen Candelariella boleana in Frage.


    LG, Bernd