Chaenothecopsis sp. "10"

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  • N'abend,


    von dem alten Gutsspeicher in Blockbauweise habe ich noch eine Chaenothecopsis, zu der mir nichts einfällt. Mit bis zu 0,6 mm Höheziemlich niedrig, aber stämmig, Kopffdurchmesser bis 0,4 mm, Stiel unten bis 0,17 mm.

    in jung mit relativ hellem Stiel, in älter mit sehr dickem Stiel, besonders unten.

    dickes Exemplar in Wasser

    der Stiel eines dickeren Exemplars sah ungewohnt aus, ist das vielleicht das, was mitunter als sklerotisiert bezeichnet wird?

    wie auf dem Makrofoto zu sehen ist, wachsen die in Algenpolster bzw. das Algenpolster auf denen - die Reihenfolge ist mir nicht klar. Die Sporen sind deutlich septiert, teils eingeschnürt, bräunlich,

    5-8*2,5-4 µm

    ein schlankes Exemplar in KR

    mit Gartenschlauch, Durchmesser ca. 50 µm - hat jemand eine Idee, was das ist?

    Hier sind die Stielhyphen erwartungsgemäß - die in der Literatur immer wieder genannte Unterscheidung der Hyphen innen und außen vom Stiel sehe ich auch hier nicht

    Asci schwierig zu separieren, 35-45*3,5-5 µm

    hier ist gut die Ascusspitze mit Kanal zu sehen


    Dazu passt nichts in der vorhandenen Literatur, bleibt also ohne Arbeitsname als Nr. 10.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    der "Gartenschlauch" gehört vielleicht zu einem Schleimpilz (Capillitium).

    Den Rest schau ich mir später mal an, jetz muss ich essen und dann in die Heia...


    LG, Martin

  • Hallo Bernd,


    mit den Stecknadeln habe ich mich bisher nur stiefmütterlich beschäftigt.

    Der Gattungsschlüssel (in DFD) führt zu Chaenothecopsis (gestielt, Holz, Sporen 2z und schmal, Mazaedium schwärzlich, Asci lange intakt), da kann ich folgen.


    Im Ch.-Schlüssel gelange ich dann über Rinde/Holz, ohne Cladonia, Sporen 2z, kein Harz zur Frage geleitet, ob der Pilz auf anderen Flechten oder Algen wächst. Wenn ich dich richtig verstanden habe, schließt du einen parasitären Pilz ja selbst nicht aus.

    Dem Pfad folgend wird Ch. pusiola vorgeschlagen. Ich finde die Beschreibung im Schlüssel zum Fund nicht schlecht passend. Die Bände besitzt du ja, ich muss nicht zitieren.

    Du gibst keine Information zur KOH-Reaktion an - wobei diese wohl sehr flüchtig zu sein scheint und damit ev. schwierig zu beobachten. Hast du sie probiert zu beobachten?

    Die Abbildung zum Ch. pusiola (S.359) mit den sehr stämmigen Stielen erinnert mich auch an deinen Fund.

    Könnte das sein?


    LG, Martin

  • Hallo Martin, danke für deinen Vorschlag.


    KOH Farbreaktion hatte ich nicht geprüft, da ich da bisher eh nie was gesehen habe (abgesehen von der Rotfärbung bei Chaenotheca ferruginea) und mit KOH die Asci zerlegt werden. Habe ich aber jetzt mit einem schlanken Exemplar nachgeholt und erwartungsgemäß nichts. Da die Reaktion nur "kurzfristig" sein soll, die Nadel unterm Mikroskop zugegeben - also kaum länger als 10 Sekunden bis zum Anschauen.

    Ch. pusiola käme schon in Frage, aber die relativ breiten, bis 4 µm dicken Sporen passen nicht so recht dazu und eigentlich auch nicht zu allen anderen Arten, zu denen ich Literatur gefunden habe. Und die Septen sind zu stark ausgeprägt. Wobei da ja einen ganze Menge neuer Arten beschrieben wurden.


    Der Gartenschlauch ist auch wieder dabei. Die Stränge mancher Trichia Schleimis sehen schon ähnlich aus, aber die sind eher in der Größenordnung <10 µm dick, was heir eher nicht zutrifft.

    zudem sind hier Trentepohlia zu sehen

    Während in der Literatur immer wieder betont wird, dass die Hyphen im Stiel innen anders sind als außen, sehe ich immer nur, dass sie unten anders sind als oben

    unten am/im substrat

    mittig

    oben ins Excipulum übergehend, hier mit Pigemtkörnern (?)

    und zum Vergleich und als Nachweis, dass das KOH funktioniert - die sofortige Rotfärbung des reinrostigen Lagers von extrem kurzstieligen Chaenotheca ferruginea


    LG, Bernd

  • Du gibst Sporengrößen 2,5-4um an.

    Ich weiß natürlich nicht, wo der Schwerpunkt deiner Verteilung liegt, in der Mitte, eher bei 4 um oder mehr bei 2,5 um? Sollte sie mittig liegen, wäre die Mehrzahl der Sporen etwa 3 um groß, bei einer Streuung von knapp 1 um. Wo liegt der Messfehler? Bei 0,5 um (Ablesegenauigkeit)? Oder höher?

    Ich habe nicht in anderen Quellen geschaut, wie groß die Sporen dort angegeben werden. Meiner Erfahrung nach schwanken die Angaben für Flechtensporen erheblich mehr als bei "normalen" Pilzen, wo es oft auf das Mikrometer ankommt und man mit genauen Messungen Arten trennen kann.

    Vielleicht liegt der Unterschied darin begründet, dass bei den nicht lichenisierten Pilzen schon mehr (kryptische) Arten erkannt und voneinander getrennt wurden?

    Die "dicken" Septen sind mir auch aufgefallen, aber eigentlich mehr als dunkler als die übrige Sporenwand. Bei C. pusiola werden auffällige Septen erwähnt und als besonders intensiv pigmentiert beschrieben.


    Naja, war nur so ein Gedanke...


    LG, Martin

  • Hallo Martin,


    italic schreibt zu Ch. pusiola "Ascospores 1-septate, pale brown, ellipsoid, 5.5-7 x 2-2.5 µm, with a poorly pigmented, thin septum and a smooth wall.",

    Ähnlich Wirth et al. "Septum schwach pigmentiert"

    Tibell/Titov 1993 "Spores 1-septate, ellipsoidal, pale brown, 5.4-6.5 x 2.2-2.7, smooth. Septum thin and with less contrast than the wall." - gerade diese beiden Autoren haben wohl die meisten Nadeln in der Hand gehabt. Titov hat, auf Russisch, ein Buch zu Chaenothecopsis verfasst.


    Ca. 4 µm dicke Sporen waren nicht selten, also kein Ausreißer einer fehlentwickelten Einzelspore - solche berücksichtige ich normalerweise gar nicht, oder nur in Klammern als Extremwert. Bei der Sporendicke ist der Schwerpunkt schon irgendwo dazwischen, aber selbst bei 3 µm liegt das über den Werten der oben genannten Autoren. Für eine saubere Statistik müsste man etliche Exemplare verschiedenes Alters vermessen - zunächst erst mal um zu prüfen, ob die in sich kosistent sind. Dann hat man Werte für eine Population. Ich messe ja Sporen grundsätzlich nicht genauer als auf 0,5 µm. Und selbst das ist am Rand der Auflösung. Man kriegt das nicht genauer, selbst wenn man hunderte Sporen vermisst - weil "Fehlerfortpflanzung". Unanhängig davon, dass man nun rein mathematisch einen Durchschnitt berechnen (lassen) kann, mit vielen Stellen hinter dem Komma.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    stimmt, das hatte ich mich schlicht verlesen. Es heißt bei Wirth et al. eindeutig schwach pigmentiert.


    Gruß, Martin