Zwei Pilze an Gingko biloba: Bartheletia paradoxa und ein Imperfekter (mit der Bitte um Bestimmungshilfe)

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  • Servus beinand,


    ein Freund von mir hat neulich Bartheletia paradoxa gesammelt und bestimmt und mir das natürlich erzählt. Da ich auch einen kleinen Gingko im Garten habe, musste ich natürlich sofort nachschauen. Und siehe da, dunkle Blattflecken und viele, kleine, dunkle Kügelchen auf den liegenden, überwinterten Blättern. Das musste natürlich unters Mikroskop – und ja, die dickwandigen Zellen, aus denen sich (vermutlich, wenn der Gingko neu austreibt) Basidien entwickeln, sind in Reih und Glied zu sehen:



    Es handelt sich um einen basalen Vertreter der Agaricomycotina und der einzige in seiner Verwandtschaft (Bartheletiomycetes, Bartheletiales, Bartheleciaceae). Ein lebendes Fossil wie der Gingko selbst. Meinen Gingko habe ich erst vor wenigen Jahren gepflanzt und er ist noch ziemlich jung. Der Pilz ist aber schon da (vermutlich an jedem Gingko?).


    Die Bartheletia ist gut zu erkennen und im Dauerstadium gut kenntlich, also gut zu kartieren. Hier im Forum gab es ja schon Threads über sie, so auch diesen: Bartheletia paradoxa G. Arnaud ex Scheuer, R. Bauer, M. Lutz, Stabenth., Melnik & Grube 2008

    Dort sind die Dauerzellen (= Resting Spores) kugelig. Bei mir flaschenförmig (mit ausgezogener Spitze), so wie es im Paper von Koukol O. & Lotz-Winter H (2016) gezeichnet wurde und bei Scheuer et al. (2008) anhand von Mikrofotos dargestellt wird. Diese Flaschenform ist offenbar typisch, wenn die Basidien bald reifen. Die Telien sind also richtig reif, es fehlt nur noch etwas, bis sich die Basidien daraus entwickeln. Im oben genannten Thread sind es jüngere Resting Spores.


    Und wenn man die Blätter schonmal unterm Bino anschaut, dann findet man noch weiteres. Man erkennt oben schon winzige, schwarze Pünktchen. Die habe ich mir nicht angetan. Aber ich fand auf einem Blatt noch was dunkles, filziges:



    Auf dem Foto kommt es nicht so heraus wie im Bino per Auge: ein Filz, der sich mit der Präpariernadel leicht lösen lässt.


    Unter dem Mikro sieht das dann so aus:

    (Sorry, warf ein Zupf-Quetschpräparat, ist ein bisserl zerdrückt)


    Die Ketten aus dickwandigen Zellen sind irgendwie hübsch, finde ich


    noch eine Übersichtsaufnahme (40er Objektiv)



    Jetzt unter Öl (100er Objtkeitv)


    Hier ein Haar mit heller, hyaliner Spitze (davon fand ich mehrere)


    Und hier ein sekundäres Septum (oben, links neben dem Maßstab).


    thorben96 – hast Du (oder jemand Anderes natürlich) eine Idee, um welche Gattung es sich handeln könnte, damit ich nachrecherchieren kann? Es kann natürlich ein Ubiquist sein, der generell an liegenden Blättern/Nadeln vorkommt. Man sieht solchen Filz ja immer wieder mal an Nadeln (Gingko ist ja ein Nadelbaum). Ich schaue sowas nur eben selten an, weil ich da nicht eingearbeitet bin. Vielleicht kann man hier aber eine Richtung nennen.


    Literatur:

    Koukol & Lutz-Winter (2016): Secondary conidia observed in Bartheletia paradoxa. Czech Mycol. 68(1): 79–84.

    Scheuer et al. (2008): Bartheletia paradoxa is a living fossil on Ginkgo leaf litter with a unique septal structure in the Basidiomycota. Mycol. Research 112: 1265–1279


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,


    nach meinen Beobachtungen sind die Teliosporen von Batheletia paradoxa durchaus sehr variabel und ich denke, daß das nichts mit der Reife der Teliosporen zu tun hat. Ich vermute am ehesten, daß die Teliosporen, die einzeln im Blattgewebe gebildet werden, eher rund sind, während die Teliosporen aus den großen Clustern eher eine lange Nase haben. Gegen die Theorie mit der Reife spricht auch, daß die Teliosporen erst im Herbst auskeimen, wenn die neuen Blätter gerade abgefallen sind. Bis dahin ist es ja zum Glück noch etwas hin.


    Björn