Aderblättriger Schwindling?

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  • Hallo

    Der letzte Pilz mit Hut und Stiel im Jahr 2025 war ein Schwindling. Beim Wandern stand der am Wegesrand. Jetzt ist zurzeit nichts mehr. Das war schon mal anders, ja deutlich besser!

    Aber man freut sich auch über Kleinigkeiten. Ob es Marasmius epiphyllus ist oder etwas anderes, das kann man jetzt nicht mehr sagen.

  • Servus Uwe,


    Marasmius epiphyllus hört mittlerweile auf den Namen Owingsia umbellifera (und ist eine Physalacriaceae, keine Marasmiaceae). Hier ein Zitat aus Voitl et al. (2023):

    Lichenomphalia umbellifera: fungible and infungible epithets and species concepts. Mycotaxon 137(4): 629-668.



    Die Gattung stimmt m.E. sicherlich bei deinem Foto. Welche Art aber, ist so nicht zu sagen. Das Paper hat sich ja nur mit dem Epitheton "umbelifera" beschäftigt. Singer hat z.B. einen "Marasmius" tenuiparietalis beschrieben. Hier eine Kollektion, die ich so bestimmt habe:



    An deinem Foto ist aber leider wenig zu erkennen. Wichtig wäre z.B. die Ausprägung der Lamellen. Wenn es Pappelblätter sind, auf denen dein Pilz wächst, wäre die Wahrscheinlichkeit für O. umbellifera größer.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Danke Christoph für den Hinweis auf den Artikel. Offenbar wurde von den Autor:innen dann Lichenomphalia umbellifera, eine der wenigen Flechten mit Basidiomycetenpartner wieder zurück umbenannt in Lichenomphalia ericetorum?

    Edit: Allerdings wurde der Name bei Mykobank, wie ich gerade sehe, nicht anerkannt und L. ericetorum (Voitk, Thorn & I. Saar, 2023) dort nur als Synonym gelistet! Und schon wären wir wieder bei der allseits beliebten Problematik der Taxonomie ==Gnolm9

    VG Ingo


    mein einziger (vermutlicher) Fund aus dem hohen Norden (Värmland)

  • Servus Ingo,


    dass diese Flechte mit Nabelingsfruchtkörpern als Art erkennbar ist, ist klar, nur der Name ist/war unklar. Die Autoren haben in dem Paper m.E. gut begründet, warum Agaricus umbellifer in seiner Originalbeschreibung keine Nabelingsflechte sein kann. Dass die Blattschwindlinge keine Schwindlinge sind, sondern in einer anderen Familie stehen auch. Das Epitheton umbelliferus für einen Blattschwindling ist ungewohnt, aber es wurde ein Typus definiert (etc.). Die Datenbanken können gar nicht alle Paper weltweit verfolgen und sind daher oft nicht up to date. Ich würde daher nie eine Datenbank als Grundlage für die korrekte Benennung heranziehen, sondern aktuelle Arbeiten und diese selber bewerten.


    Es ist keine Problematik der Taxonomie, sondern die Problematik der Manpower von Datenbanken. MycoBank ist extrem wertvoll, da man dort nachsehen kann, welcher Name von wem wo zuerst publiziert wurde und welcher Name nach Nomenklaturregeln gültig und welcher ungültig beschrieben wurde. Die Zusatzangabe von Synonymen, die nicht auf demselben Tyous beruhen, ist hingegen erstmal nur Meinung und hängt davon ab, welche Arbeitr zuletzt diesbezüglich ausgewertet wurde. Überleg mal, wie viele Pilzarten es weltweit gibt und wie viele Personen an den Datenbanken arbeiten. Zehn Leute? Lass den Datenbanken Zeit ;)


    Ich beachte die Synonymiervorschläge meist gar nicht oder nehme sie als Idee, um nachzurecherchieren. Richtigerweise hat MycaBank selber einen Disclaimer gesetzt, dass die Synonymangaben nur Vorschläge sind.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,

    ich als Laie finde die Argumentation der Autoren schlüssig und deren Detektivarbeit sehr spannend!


    Allerdings vermutete ich beim Blick in Mykobank, dass wenn ein Administrator/Kurator dieses Archivs genau diese Arbeit dort einpflegt (siehe Screenshot) und dann den Namen doch nicht ändert, er Gründe dafür haben wird. ZB noch eine neuere Arbeit, die wiederum den anderen Namen begründet und die ich nicht kenne.

    Aber vielleicht läuft das Einpflegen neuer Arbeiten in der Rubrik Synonyme ja auch automatisiert.


    Bzw. ist ganz unten ja auch ein Kontakt angegeben- ich glaube ich frage einfach mal höflich bei der Kuratorin nach. Dann muss ich nicht spekulieren. Ich werde ggf berichten.


    Viele Grüße,

    Ingo