Tephroderma fuscopallens

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  • Hallo zusammen


    Hier noch ein spannender Fund, von einer Art die kaum jemand kennt: Tephroderma fuscopallens Musumeci & Contu 2014


    Leider war es schon dämmrig, entsprechend ist das Foto eher mies.



    Auffallend sind diese graue Lamellen, ansonsten sieht er eher wie ein beliebiger Trichterling aus.



    Sporen mit auffallendem, kräftigem Apikulus, etwa 6.5-7.5 x 4.5-5 µm


    HDS intrazellulär stellenweise inkrustiert pigmentiert.


    Habitat: Bruchwald bei Pinus, Alnus, Betula im Spätherbst.


    Gruss Raphael

  • ... ansonsten sieht er eher wie ein beliebiger Trichterling aus.

    ... oder wie eine Omphalina-Art.


    Hatte von dieser Art bisher auch nie von gehört. Vielen Dank für die Präsentation, Raphael!


    Für alle Interessierten nachstehend ein paar hard facts aus Fungalpedia.


    Gruss,

    -Marcel.

  • Hallo Raphael, Klasse!

    Laut den verfügbaren Informationen kommt Tephroderma fuscopallens von der Türkei bis nach Spanien vor.

    Ich habe ein paar Fragen. Ich konnte nirgends finden, welche Farben Sporenpulver hat. Weißt du vielleicht?

    Weißt du, ob dieser Pilz einen hohlen oder vollen Stiel hat?

    Handelt es sich bei dem unten verlinkten Link definitiv um T. fuscopallens?

    Fotos von Tephroderma fuscopallens · iNaturalist NZ


    Im Mittelmeerraum (Kroatien) habe ich diese Pilze gefunden, deren Gattung oder Art ich nicht kenne. Je länger ich sie betrachte, desto mehr ähneln sie deinen.


    -

    LG

  • Hallo beli


    Also zunächst zu der Kollektion von iNaturalist.

    Hier sage ich mal "kann sein". Makroskopisch ist diese Kollektion sicher recht ähnlich zu dem, was zum Beispiel Durand et al. 2016 zeigen.

    Schau mal: https://www.smbrc-chambery.fr/…gie/20161119MycoYenne.pdf

    In dem Paper sieht man auch, dass die Art oft fehlbestimmt wird.

    Dort sind zwei Kollektionen erwähnt, die morphologisch als Clitocybe strigosa bzw. Omphalina/Clitocybe barbularum bestimmt wurden.

    Eher ungewöhnlich sind die zweisporigen Basidien der iNaturalist-Kollektion. Das kann zwar jede Art mal haben, aber rein zweisporig ist schon recht ungewöhnlich.

    Da die Kollektion nicht sequenziert wurde, muss man wenigstens ein Fragezeichen dran tun.


    Dann zu deiner Kollektion:

    Vergleich mal meine Fotos mit folgenden gesicherten Funden:

    Aus Frankreich: https://www.smbrc-chambery.fr/…gie/20161119MycoYenne.pdf

    Orignal-Beschreibung: https://www.researchgate.net/p…ma_for_the_Turkish_mycota

    Was vielleicht noch typisch sein könnte, ist die stark vertiefte Hutmitte. Das sieht man bei deiner Kollektion nur angedeutet.

    Aber alle gesicherten Kollektionen haben gemeinsam, dass der Stiel dunkler als die Lamellen ist, mehr oder weniger hutfarben.

    Bei deiner Kollektion ist er weiss, und der Hut ist nur eingedellt, nicht richtig trichterförmig.

    Deshalb vermute ich, dass du da etwas anderes gefunden hast.

    Wie so oft: Ohne frische/feuchte Exemplare und Mikro-Bilder lässt sich da nichts halbwegs sicheres sagen.

    Es gibt noch einige andere trichterlingsartige Pilze mit grauen Lamellen.

    Beispielsweise Clitocybe lituus - ein Name, der für jeden zweisporigen, grauen oder graubraunen Trichterling benutzt wird. Niemand weiss wirklich, was das eigentlich ist.


    Ich kam erst durch eine Sequenzierung darauf, dass meine Kollektion Tephroderma fuscopallens ist.

    Inzwischen habe ich etwa 50 trichterlingsartige, hygrophane Kollektionen sequenzieren lassen, und habe eigentlich nur ein vorläufiges Fazit:

    Diese Gruppe ist im Moment morphologisch nicht bestimmbar, und makroskopisch schon gar nicht.

    Nichts schein verlässlich zu sein. Es gibt Übergänge zu Tephrocybe, die noch nicht wirklich klar sind.

    Ich vermute, dass einige etablierte Clitocybe-Arten synonymisiert werden sollten, und es gleichzeitig noch etwa ein Dutzend namenslose Arten gibt, die dauernd irgendwie fehlbestimmt werden.

    Es braucht mindestens zwei neue Gattungen für Arten, die genetisch weit weg von "normalen" hygrophanen Trichterlingenwie metachroa oder amarescens sind.

    Einige Arten müssten auch umkombiniert werden zu der kürzlich beschriebenen Gattung Clitolyophyllum oder zu Tephroderma.


    Bis sich jemand diesem Gattungskomplex ernsthaft annimmt, bleibt das ein Minenfeld.

    Eine morphologische Bestimmung ist bis dahin eine Lotterie, und rein makroskopische Bestimmung völlige Raterei.


    Ach ja, zu deiner Frage: Der Stiel war bei meiner Kollektion hohl - das halte ich in der Gruppe aber nicht für ein verlässliches Merkmal.


    LG Raphael

  • Hallo Raphael

    Klasse , vielen dank für Erklärung besonderes für deine mühe

    Turkish-mycota Türkische Originalbeschreibung des Pilzes (Lamellen) Übersetzung ins Deutsche

    Code
    Die Lamellen sind orthopadat, dicht, flexibel, dick, von unterschiedlicher Länge, stark herablaufend, jung grau, mit zunehmendem Alter graubraun, und die Ränder sind in der Regel glatt.

    Laut der Beschreibung aus der Türkei erhalten Lamellen neben grauer und brauner Farbe auch ,

    Auf dem von mir gefundenen Pilz sind neben Grautönen auch Brauntöne auf den Lamellen sichtbar. siehe Bild

    -

    Mir fielen diese Brauntöne auf, und deshalb fragte ich nach der Farbe von Sporenpulver, aber ich konnte diese Information nirgends finden.

    Die Türken beschrieben die Sporenpulver Farbe nicht, und die Franzosen versuchten, Sporenabdruck herzustellen, was ihnen jedoch nicht gelang.

    Ich habe diesen Pilz bisher dreimal gefunden. Ich hoffe, ich finde ihn wieder und werde dann den Beleg nehmen.

    LG