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letzter Beitrag von boccaccio am

Trupbacher Schaf

  • Hallo zusammen,


    nachdem die drei Litauer Dungproben von Bernd durch sind, habe ich bei der APR-Exkursion im NSG Heiden und Magerrasen bei Trupbach Schafdung eingesammelt und in Kultur genommen. Nach ein paar Tagen geht es dort schon munter los, so daß es an der Zeit ist, die ersten Funde vorzustellen.


    1. Coprotus sexdecimsporus


    2. Makroskopisch hatte ich hier beim Auftreten der ersten Fruchtkörper an unreife Ascobolusse gedacht, aber als nach 2 Tagen immer noch kein Violett zu sehen war, wurde ein Fruchtkörper geschlachtet und mit feinwarzigen Sporen von 31 x 15 µm als Thecotheus holmskjoldii identifiziert. Den gab es im letzten Herbst auch schon bei der APR-Tour auf der Wacholderheide in Elspe.


    Björn

  • Hallo Björn,


    endlich zeigst Du mal wieder "richtige" Pilze!:D


    Schönes Portrait von Coprotus sexdecimsporus, der eigentlich in keinem MTB fehlen dürfte.

    Den ebenfalls 16-sporigen C. duplus halte ich für einen unreifen sexdecimsporus, bis man mich vom Gegenteil überzeugt.

    Wie oft schon schien ich ihn zu haben - und ein paar Tage später war es doch "nur" sexdecimsporus.:(

    Die anderen vielsporigen Arten der Gattung sind da schon deutlich seltener (C. niveus, 64-sporig) bis noch seltener (C. winteri, 256-sporig).

    Und nochmals seltener (C. albidus, 32-sporig, den wohl in D nur P. Püwert kennt!;)).

    Siehe auch bei Pilze-Deutschland.de.


    Irgendwie fehlt bei den bisher beschriebenen Arten einer mit 128 Sporen.

    Den hatte ich vor Jahren an Schafdung, allerdings war das Material nicht ausreichend für eine Neubeschreibung.

    Es gibt ihn also, was irgendwie nur logisch ist.


    Also halte weiter die Augen auf - es gibt noch viel zu entdecken!


    Auch das Portrait von Thecotheus holmskjoldii ist äußerst gelungen!

    Ein "Klassiker" an Schafdung.


    LG, Nobi

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  • Hallo Nobi,


    da gibt es ja in der Tat noch einiges zu entdecken. Bis jetzt gab es aber keinere weiteren Coprotus-Arten, dafür aber das folgende Sortiment:


    1. Ascobolus immersus - immer wieder hübsch


    2. Eine Podospora mit einem Büschel Stacheln am Hals. Die Asci sind 4-sporig, die Sporen messen (29.5-35.5) µm x (18.5-21) µm, womit ich dann mit Lundqvist bei Podospora pauciseta/anserina agg. lande.


    3. Eine Sporormiella: Asci mit kurzem Stiel, Sporen von (32-34) µm x (5-6) µm mit Keimspalte, die überwiegend parallel ist, aber auch einen kleinen Knick in der Mitte hat. So richtig paßt da keine Art... ist das vielleicht Sporormiella minima mit zu lang geratenen Sporen? EDIT: Sporen waren falsch gemessen. Mit den richtig ermittelten Größen paßt S. minima anstandslos.


    4. Noch eine Podospora. Keine auffälligen Haare o.ä. an den Perithecien vorhanden. Sporen 26-31 µm x 16.5-18 µm, Pedicel 26 µm x 6 µm. Oben an der Spore sitzen 4 Caudae, unten am Pedicel gibt es auch Caudae, wobei ich aber nicht erkennen konnte, ob es eine oder mehrere sind. Mit den Daten schickt mich Lundqvist dann zu Podospora communis.


    Björn

  • Hallo Björn,

    eine beeindruckende Aufnahme vom Ascobolus immersus mal wieder!:thumbup:

    Ein paar kurze Anmerkungen zu den anderen Arten.

    2. Eine Podospora mit einem Büschel Stacheln am Hals. Die Asci sind 4-sporig, die Sporen messen (34-41) µm x (21.5-24) µm, womit ich dann mit Lundqvist bei Podospora pauciseta/anserina agg. lande.

    Auch wenn Podospora pauciseta der ältere Name ist, sollte der Name Podospora anserina (Ces. ex Rabenh.) Niessl verwendet werden.

    Das wird inzwischen auch von Lundqvist akzeptiert (Yei-Zeng Wang, The genus Podospora in Taiwan, 2000).

    Einen Artenkomplex sehe ich da übrigens nicht sondern eine eindeutig definierte Species, auch wenn Boucher, Nguyen & Silar 2020 aus dieser Art einen Komplex mit 7 Species zauberten, die sich wohl nur durch minimale genetische Abweichungen unterscheiden! Völlig unlogisch wird es dann für mich, dass 2019 X. Wei Wang & Houbraken die Art zu Triangularia stellen (Triangularia pauciseta (Ces.) X. Wei Wang & Houbraken). Leider wird die Art unter diesem Namen aktuell im IndexFungorum geführt!:(

    3. Eine Sporormiella: Asci mit kurzem Stiel, Sporen von (37-39) µm x (6-7) µm mit Keimspalte, die überwiegend parallel ist, aber auch einen kleinen Knick in der Mitte hat. So richtig paßt da keine Art... ist das vielleicht Sporormiella minima mit zu lang geratenen Sporen?

    Ich sehe das auch so. Für Sporormiella minima sprechen zudem die Kurzstieligkeit und Form der Asci und der Fakt, dass die Sporen reif in jeweils zwei Zellen zerfallen.

    In dem überreifen Stadium ist es auch normal, dass die Sporen länger scheinen, da die Zellen bereits beginnen, auseinander zu driften.

    4. Noch eine Podospora. Keine auffälligen Haare o.ä. an den Perithecien vorhanden. Sporen 30-36 µm x 19-21 µm, Pedicel 30 µm x 7 µm. Oben an der Spore sitzen 4 Caudae, unten am Pedicel gibt es auch Caudae, wobei ich aber nicht erkennen konnte, ob es eine oder mehrere sind. Mit den Daten schickt mich Lundqvist dann zu Podospora communis.

    Dahin hätte ich Dich auch geschickt!;)


    LG, Nobi

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  • Hallo Nobi,


    wieder einmal vielen Dank für Deine ausführlichen Rückmeldungen zu meinen Funden und Bestimmungsversuchen. Dank Dir und Lundqvist werde ich ja sogar langsam mit der Gattung Podospora warm - egal wie die einzelnen Arten nun gerade benannt werden. Das ist ja auch das schöne an der botanischen Nomenklatur. Egal welcher der synonymen Namen verwendet wird, man kriegt dank Datenbanken wie Index Fungorum immer leicht raus, was damit gemeint ist. Und DEN gültigen Namen gibt es in diesem Sinne ja sowieso nicht, nur einen mehr oder weniger verbreiteten Konsens, welcher Name gerade am sinnvollsten erscheint.


    Mittlerweile hat Podospora anserina auch noch mal nachgelegt und ich konnte einen halbwegs reifen Fruchtkörper ablichten und schlachten:


    Und dann sind da überall auf meiner Probe noch sehr kleine (~30 µm) große, hyaline Kügelchen. Die sitzen an Fasern im Dung, aber auch an anderen Pilzen und sehen dann im Mikro so aus:

    Irgendeine Idee, was das sein kann?


    Björn

  • Hallo Felli,


    ich habe jetzt mal versucht, die Kugeln in Bewegung zu erwischen. Wenn ich mir den Dung mit der 10fach-Lupe anschaue, erkenne ich keine Bewegung. Da sind die mutmaßlichen Amöben wohl zu langsam. Und nachdem ich sie unters Deckgläschen gequetscht habe, sind sie wohl zu tot zum Bewegen. Irgendwas ist halt immer :-D


    Björn

  • Hallo zusammen,


    nach längerer Zeit gibt es mal wieder ein bißchen Neues vom Schaf zu vermelden.


    1. Schon vor längerer Zeit gab es ein Schizothecium. Die Sporen messen 17-18 µm x 11 µm, das Pedicel ca. 7 µm x 2 µm, so daß ich bei Schizothecium vesticola auskomme.


    2. Heute dann ein einzelner Saccobolus in gelb. Die Sporen messen 19-20 µm x 7-8 µm. Mit van Brummelen lande ich dann direct bei Saccobolus citrinus. Dummerweise hat Doveri noch einen S. succineus mit sehr ähnlichen Sporenmaßen, der im wesentlichen über die Farbe getrennt wird. Für mich ist der Unterschied zwischen zitronengelb und berstein- bis schwefelgelb aber nicht ganz klar....


    3. Noch mal ein Schizothecium. Diesmal 32 Sporen pro Ascus und Sporenmaße von 19-23 µm x 12-14 µm: Schizothecium dakotense


    Björn

  • Hallo Björn,


    die 1 ist klar. Typisch für Schizothecium vesticola sind die uniseriaten Asci.

    Dummerweise hat Doveri noch einen S. succineus mit sehr ähnlichen Sporenmaßen, der im wesentlichen über die Farbe getrennt wird.

    Ob Doveri da wirklich Saccobolus succineus vorstellt??(

    Als van Brummelen den 1969 beschrieb, war er nur von Thailand bekannt.

    Ich füge die Arbeit an, wo er auch auf die Unterschiede zu citrinus eingeht.


    Saccobolus succineus u.a._Van Brummelen, Persoonia, 1969.pdf


    Das, was Du zeigst, ist eindeutig Saccobolus citrinus mit den typischen kompakten, schmalen Sporenbündeln und den trunkaten Sporen.

    3. Noch mal ein Schizothecium. Diesmal 32 Sporen pro Ascus und Sporenmaße von 19-23 µm x 12-14 µm: Schizothecium dakotense

    Ein sehr schöner Fund!:thumbup:

    Zu den 21 Datensätzen bei Pilze-Deutschland kommen noch neun sächsische hinzu.

    Es scheint also eine recht seltene Art zu sein!


    LG, Nobi

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  • Hallo Nobi,


    vielen Dank für den Artikel zu Saccobolus succineus. Dann hoffen wir einfach mal, daß der weiterhin in Thailand die Sonne genießt und uns hier nicht weiter behelligt ;-)


    Daß Schizothecium dakotense recht selten ist, hatte ich schon gesehen. Um so schöner, daß sich der Pilz dann sowohl von außen als auch von innen ablichten ließ. Oft ist es bei den Dungpilzen ja so, daß von den spannenden Arten nur wenige Fruchtkörper wachsen und man dann keine Aufnahme mehr auf/im Substrat hinbekommt.


    Björn

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