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letzter Beitrag von Suillus B. am

Anfänger möchte Pilze züchten

  • Hallo an alle!


    Da dies mein erster Post ist möchte ich mich erstmal vorstellen!


    Meine Name ist Michael, 28 Jahre alt und bin gelernter Elektroniker für Betriebstechnik. Im Moment befinde ich mich in einer Weiterbildung zum Techniker mit dem Schwerpunkt Energietechnik und Prozessautomatisierung. Des weiteren bin ich Hobby Bierbrauer mit einigen erfolgreichen Suden hinter mir! (Industriebier kann jeder!)


    Seit geraumer Zeit spiele ich mit dem Gedanken das Bierbrauen zum Beruf zu machen. Werde es aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit lediglich weiterhin als Hobby betreiben da die Konkurrenz zu groß ist. Vor nicht all zu langer Zeit bin ich auf das Thema Pilze gestoßen. Vor allem das Züchten von Pilzen auf nachhaltigem Kaffeesatz interessiert mich! Auch der Versuch Pilze als kleines Nebengewerbe zu züchten könnte ich mir vorstellen.


    Ich würde mir gerne ein paar Substrat-Packungen aus Kaffeesatz kaufen und ein wenig mit dem Züchten experimentieren. Dazu hätte ich allerdings ein paar Fragen und hoffe, dass ihr mir ein wenig helfen könntet!


    1. Die Zucht würde ich im Keller beginnen, hier herrscht das Jahr über eine Temperatur von ca. 12 - 15 °C. Desweiteren steht dort eine Kühltruhe mit externem Thermostat in der ich meine Biere Reifen lasse. Welche Pilzsorten würden sich hierfür eignen? Austernseitlinge (Die Winter Variante ?), was noch?


    2. Nach vielem Recherchieren habe ich gelesen, dass eine Substrat-Packung aus Kaffeesatz ca. 2 Mal geerntet werden kann, danach würde es genügen den alten Kaffeesatz mit frischem zu vermischen. Hierbei könnte ich ja theoretisch aus einer Substrat Packung zwei machen und warten bis sich das Myzel im gesamten Kaffeesatz verbreitet hat.


    3. Was ist bei dem Umgang des Substrates zu beachten? Wie Steril muss ich arbeiten um erfolgreiche Ergebnisse zu erzielen? Ich möchte anfangs versuchen die Kosten so gering wie möglich zu halten, deswegen auch der nachhaltige Kaffeesatz den ich kostenlos bekommen könnte!


    4. Gibt es bessere bewährte Materialien für das Substrat? Stroh?


    5. Ich habe Zugriff auf jede Menge Pferdemist pro Tag. Kann ich diesen irgendwie in die Zucht einbinden?



    Ich hoffe ich habe euch nicht mit meinen Fragen zu sehr bombardiert und freue mich auf eure Antworten!


    Grüße
    Michael

  • Hallo!


    kulturpilz.de ist ein guter Tipp, um sich ein paar Erfahrungsberichte und Zuchtanleitungen zu besorgen. Leider ist dort wirklich schon lange nichts mehr los. Daher bist du mit Fragen hier auf jeden Fall richtig.


    Obwohl sich das mit ein bisschen Recherche auf kulturpilz auch von selbst erklären würde, habe ich aber ein paar schnelle Tipps aus dem Handgelenk für dich:


    - Austernseitling bietet sich für den Einstieg an. Das Myzel wächst im Vgl. zu anderen Pilzen sehr aggressiv.
    - AS auf Kaffeesatz geht und liefert gute Erträge aufgrund eines vorteilhaften Stickstoffgehalts im ggs. zu vielen anderen Substraten. Würde ihn daher auf jeden Fall als Substratzusatz zu Strohsubstraten empfehlen. Bei Holzsubstraten ist er m.E. nicht nötig.
    - Kaffeesatz ist sehrsehr schimmelanfällig! Wer mit Kaffeesatz arbeitet, kommt um Steriltechnik nicht herum. Du benötigst dazu also mindestens einen Schnellkochtopf, Autoklavierbeutel und sterile Brut.
    - Andere Substrate wie Stroh oder Sägemehl verzeihen unsauberes Arbeiten auch nicht immer, aber häufiger.
    - Das Sterilisieren von Substrat ist außerdem recht energieaufwändig.


    Wenn du mit der Pilzzucht Erfolge feiern möchtest, wirst du früher oder später ohnehin einen Schnellkochtopf brauchen. Da kommt es eher darauf an, ob du dir jetzt schon einigermaßen sicher bist, das auch länger machen zu wollen, sodass sich ein paar notwendige Ausgaben auch lohnen. Kauf nicht zu billig, mir ist ein Billigtopf explodiert!


    - Deine vorgeschlagene Temperatur ist für die meisten Zuchtpilze zu niedrig. Sie würde sich noch eignen zur Fruktifikation von Austern- oder Kräuterseitlingen. Das Myzelwachstum ist bei so niedrigen Temperaturen aber so sehr gebremst, dass es unter den Bedingungen keinen Sinn mehr macht, Myzel zu züchten. Für Austernseitlinge empfehlen sich etwa 20-24 °C, je größer der Substratbeutel, desto niedriger.


    - Versuch mal, Austernseitlingsmyzel auf Karton zu klonen. Anleitung findest du bei kulturpilz.de. Karton ist nicht sehr Schimmelanfällig. Haarig wird die Angelegenheit meist erst, wenn man anschließend versucht, unsterile Brut daraus zu gewinnen. Soll aber auch schon funktioniert haben.


    - Auf dem Pferdemist kannst du natürlich hervorragend Champignons züchten. Er muß dazu aber speziell kompostiert werden. kulturpilz.de weiß dazu auch mehr.


    Viel Spaß bei deinen ersten Gehversuchen. Nicht verzagen, wenn am Anfang nichts so recht klappen will. Der Erfolg kommt mit der Zeit und Einsicht, dass ein gewisses Zubehör und Steriltechnik eben alternativlos sind ;)


    ....und natürlich gerne auch hier fragen!


    Grüße


  • Ich danke euch für die super schnellen Antworten!


    Gibt es die Austernseitlinge nicht auch als Winter Variante?


    Ich habe mich auf Kulturpilz.de schon ein wenig beschäftigt, Problem ist, da die meisten Beiträge so alt sind, weiß ich nicht ob die dort verwendeten Methoden immer noch aktuell sind, auch sehr viel widersprüchliche aussagen verwirren mich etwas.


    Wo ich im Moment hänge sind die Bedingungen die ich schaffen muss damit der Pilz erfolgreich fruchten kann.


    Da ich von vielen gelesen habe das Kaffeesatz sehr Schimmel anfällig ist, denke ich, dass das auf dauer keine gut Wahl ist, (Aber wie macht das Pilzpaket oder Chido ?).




    Wie fange ich am besten an?


    - Ich könnte mit meiner Brauanlage auf einen Schlag um die 60 Liter Stroh Pasteurisieren.
    - Wäre es sinnvoll die Brut selber herzustellen oder einzukaufen?
    - Mal angenommen ich würde 100% Stroh als Substrat nehmen, wie viele Wellen kann ich daraus ernten?
    - Was geschieht danach? Muss ich von vorne anfangen und neue Substrat Beutel mit Myzel beimpfen?



    Zu den Austern:
    Benötige ich andere Bedingungen für das Myzelwachstum als für die Fruchtung?



    Danke im Voraus!!!

  • Winter-Variante (der heimische pleurotus ostreatus) bedeutet hier keine andere Wachstumstemperatur, sondern andere Fruchtungsbedingungen. Die heimischen Austernseitlinge benötigen einen Frostreiz, um Fruchtkörper zu bilden. Sie wachsen ebenfalls am besten um die 20 °C


    Du kannst es durchaus mit pasteurisiertem Stroh (würde auch hier Strohpellets empfehlen) versuchen. Wichtig ist, dass du genügend Brut verwendest, damit das Substrat vom Pilz durchwachsen werden kann, bevor sich andere Keime darauf ausbreiten können.


    Gekaufte Brut von einem seriösen Edelpilzzuchtbetrieb hat schon vorteile. Du wirst eine gute, ausgewählte Genetik bekommen, die bereits vom Züchte für dich selektiert wurde. Dafür kostet die eben auch etwas.


    Die andere Möglichkeit ist eben, dir Brut aus Fruchtkörpern selbst herzustellen.


    Wie oft und wie viel du ernten wirst, wird dir niemand besonders genau beantworten können.


    Und natürlich. Austernseitlinge sind Saprobionten, die das organische Material, auf dem sie wachsen, abbauen. Ist das Substrat einmal ausgezehrt, wirst du es entsorgen und von vorne beginnen müssen.


    Grüße
    [hr]
    ach die letzte frage hatte ich gerade übersehen....


    Austernseitlinge, wie du sie im Einzelhandel und auch bei Pilzzuchtbetrieben (achte auf die Bezeichnung pleurotus ostreatus var. florida), benötigen keinen Frostreiz, um Fruchtkörper auszubilden. Sie beginnen meist von selbst zu fruchten, sobald das Substrat vollständig durchwachsen ist. Wichtig ist während des Fruchtkörperwachstums eine hohe Luftfeuchtigkeit, ein guter Luftaustausch und etwas Tageslicht.


    Aber ich möchte dir generell empfehlen, erstmal in kleinerem Stil Erfahrungen zu sammeln, bevor du direkt 60l Substrat mit gekaufter Brut beimpfst. Praktisch jeder erfährt bei der Pilzzucht als Anfänger zuerst mal Rückschläge. Am besten erstmal ein paar Austern im Supermarkt kaufen, auf Pappe klonen und Versuche anstellen, Brut herzustellen und damit anschließend (falls das alles bis dahin unsteril klappt) 6l Substratbeutel beimpfen.

  • Ok das hört sich schon mal gut an. Ich glaube ich werde wirklich erstmal einen Klon versuch starten. Ich müsste gucken ob ich die benötigten Temperaturen hin bekomme. Wie macht ihr das mit der Luftfeuchtigkeit von ca. 90%?


    EDIT: Wenn ich mir zu beginn AS aus dem Supermarkt hole, woher weiß ich das es pleurotus ostreatus var. florida sind, sollte diese Angabe nicht gemacht sein?

  • Die Luftfeuchtigkeit ist nicht so das Thema. Komm da besser erstmal hin...


    Eine transparente PET-Box erledigt das bei mir. Sobald sich Primordien (Fruchtkörperansätze) zeigen, kommt der Deckel ab. Die Substratblöcke werden dann täglich mit Wasser aus einer Sprühflasche besprüht.


    Feuchter Wäschekeller und tägliches Besprühen sollten aber auch reichen.
    [hr]
    das sind mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit var florida, da diese pflegeleichter sind bzgl. der fruchtungsbedingungen und obendrein noch weniger sporenpulver produzieren. im professionellen zuchtbereich ist dieses sporenpulver ein nicht zu unterschätzendes gesundheitsrisiko für züchter. es ist allergen und löst die sog. pilzzüchterkrankheit aus.


  • Ich glaube dann werde ich einfach mal etwas Roggen bestellen und versuchen den AS zu klonen. Sollte das klappen dann sehen wir weiter :)


    Danke für die Hilfe!

  • Roggen bekommst du auch in der Drogerie, deren Name nach einer ehemaligen Währung klingt.


    Aber wie ich glaube ich schon sagte ist Roggen unbedingt steril zu handhaben. Vielleicht versuchst du es besser mal mit groben Sägespähnen, unsterile Brut herzustellen. Erfahrungen habe ich da allerdings auch nicht. Kann nur sagen: Bei mir hat Roggen unsteril noch nie funktioniert. Entweder Schimmel oder Milchsäuregärung.


  • Roggen bekommst du auch in der Drogerie, deren Name nach einer ehemaligen Währung klingt.


    Aber wie ich glaube ich schon sagte ist Roggen unbedingt steril zu handhaben. Vielleicht versuchst du es besser mal mit groben Sägespähnen, unsterile Brut herzustellen. Erfahrungen habe ich da allerdings auch nicht. Kann nur sagen: Bei mir hat Roggen unsteril noch nie funktioniert. Entweder Schimmel oder Milchsäuregärung.


    Mal sehen ob das was wird.


  • sieht gut aus. wenn die austern frisch waren, wird das so erstmal funktionieren. warte, bis die ganze pappe überwachsen ist, bevor du brutsubstrat dazu gibst. und da das alles unsteril ist, fülle dann jeweils nur um eine dünne schicht auf, damit die zügig durchwachsen werden kann und keine zeit für fremdkeime bleibt. so könnte es funktionieren. schlau, dass du gleich so viele gläser angesetzt hast. das erhöht die wahrscheinlichkeit, dass nicht alle wegen kontis verworfen werden müssen.


    grüße


  • sieht gut aus. wenn die austern frisch waren, wird das so erstmal funktionieren. warte, bis die ganze pappe überwachsen ist, bevor du brutsubstrat dazu gibst. und da das alles unsteril ist, fülle dann jeweils nur um eine dünne schicht auf, damit die zügig durchwachsen werden kann und keine zeit für fremdkeime bleibt. so könnte es funktionieren. schlau, dass du gleich so viele gläser angesetzt hast. das erhöht die wahrscheinlichkeit, dass nicht alle wegen kontis verworfen werden müssen.


    grüße


    Danke :)


    Dachte ich mir auch als ich die Gläser gekauft habe....Lieber ein paar mehr um auf Nummer sicher zu gehen ;)
    Ich werde berichten wie es in den nächsten Tagen aussieht!

  • Die Angelegenheit wird im Moment schon etwas "Haariger". Das Myzel hat angefangen sich auszubreiten. Wenn es in diesem Tempo weitergeht schätze ich das es noch ein Paar Monate dauern wird :D

  • Die Pilzzucht ist leider nichts für Ungeduldige. Zeit ist hier häufig der wichtigste Faktor. Die Herstellung einer ausreichenden Menge Brut wird dich noch einige Wochen Beschäftigen, wenns denn klappt. Danach kann es recht schnell gehen. Wenn man ausreichend Brut im Substrat gut verteilt, kann es sich innerhalb von wenigen Wochen über das ganze Substrat ausgebreitet haben.


    Aber warte jetzt erstmal ne Woche ab, danach wird es schon ganz anders ausschauen. Vielleicht ist deine Pappe dann schon komplett überwachsen und du kanns beginnen, mit Brutsubstrat zu füttern. Wie gesagt: Bzgl. Körnerbrut bin ich skeptisch. Aber versuchen kannst du es ja mal. Vielleicht nicht bei allen Gläsern. Da du ja bis dahin noch Zeit hast, könntest du mal über Tyndalisation des Korns nachdenken. Ob das wirklich zu guten Ergebnissen führt, kann ich aus der Praxis leider nicht sagen. Oder fragst mal in der Nachbarschaft rum, ob dir nicht jemand einen Dampfkochtopf leihen mag. Andernfalls würde ich eben ohne Gewähr abgekochte Buchhenholzspähne als Brut empfehlen.


    An Geduld geht aber kein Weg vorbei. Pilzzucht ist eine Geduldsprobe.


    Grüße

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