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letzter Beitrag von Beorn am

Antrodia #1

  • Hallo liebe Leute!


    Was ich ja ganz interessant finde: Antro - Pilze. Also solche Porlinge, deren Gattungsname mit dieser Buchstabenkombination beginnt. Da gibt es ja zwei Gattungen: Antrodiella (weißfäuleerreger, einige Arten auch auf und neben alten Porlingen) und Antrodia (Braunfäuleerreger).
    Um Antrodia geht's jetzt mal.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind das resupinat bis effus - reflex (selten völlig effus) wachsende Porlinge, meist in unauffälligen Farben, mit großen unregelmäßigen oder kleinen Poren, allesamt dimitisch und oft auch nicht ganz leicht von anderen Gattungen abzugrenzen.
    Das Problem: Die Gattung bietet schon eine ganz interessante Anzahl an Arten, aber bis auf zwei (Antrodia serialis & Antrodia xantha) sind in Deutschland wohl alle Vertreter selten.


    Ein paar Arten habe ich in den letzten Wochen aber doch aufgefunden. Und fange mal mit dem vermeintlich einfachsten Fund an.
    Eine Art wäre da noch, die immerhin nicht ganz arg selten ist, das wäre Antrodia albida.
    Was eine großporige und großsporige Art an Laubholz mit meist deutlicher Hütchenbildung und oft sehr unregelmäßig ausgeprägtem Hymenophor ist: zerschlitzt porig, etwas sinuos, bisweilen fast lamellig oder mit nahezu irpicoid aufgespaltenen Poren.
    Wichtig dabei: Die Art ist weiß und bleibt weiß, wird höchstens im Alter mal blass graubraun.


    Einen Erstfund davon hat mir Frank im letzten Frühjahr bestimmt, eine weitere Kollektion ist mir im Sommer begegnet.


    Und nun dieses hier:

    Gefunden anfang des Monats in einem Auwald bei Ketsch am Rhein, liegender Weidenstamm auf einer Böschung eines Altrheinarmes, Wachstum an der Seite bis schwach an der Unterseite, also nicht rein vertikal.
    Vergesellschaftet mit Trametes ochracea.
    Die Fruchtkörper sind rein resupinat, Kontext ist fast gar nicht vorhanden, Porengröße und Form ist nicht ganz so unregelmäßig, wie bisher bei Antrodia xantha zu sehen.



    Trama der Röhrenwände mit zahlreichen, dickwandigen Skeletthyphen, generative Hyphen darüber verzweigt, mit Schnallen, gelegentlich Hyphidien (dünn und dickwandig), vor allem natürlich an den Porenmündungen. Zystidiolen vorhanden.

    Generative Hyphen im Subhymenium habe ich auf dem Bild aus unerklärlichen Gründen weggelassen.
    Weil ich meiner Sauklaue bei den Sporenzeichnungen nciht ganz traue, hier noch ein Photo:


    Das Problem ist jetzt Antrodia macra.
    Die Art soll sich von A. albida durch rein resupinates Wachstum, etwas kleinere Poren und geringfügig kleinere Sporen unterscheiden und als Substrat soll nur Weide (und Espe?) in Frage kommen.
    Wenn nun die Fruchtkörper aber schon schräg an der Unterseite des Stammes wachsen, muss dann A. albida überhaupt Hütchen bilden?
    Und da A. albida auch an Weide wächst, kann das hier als Merkmal wohl vernachlässigt werden.
    Blileben also die Sporen. Bei A. macra sollten die Sporenlängen 12 µm nicht überschreiten.
    Bei meinem Fund messe ich Längen zwischen 10 µm und 14 µm.
    2 µm zu viel: Ist das hier schon ein hartes Kriterium?
    Ist die Sporengröße verlässlich? Und was passiert, wenn man nun eine Antrodia albida findet, deren Sporen eben nicht diese Länge erreichen, mit den gleichen makroskopischen merkmalen?
    Bliebe dann nur noch Sequenzierung oder gibt es weitere merkmale, nach denen man sich richten kann?



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    nicht dass ich von Antrodia irgendeine Ahnung hätte, aber dafür viele Bücher im Schrank...
    z.B. Berniccia, Fungi Europaei 10, mit den meines Achtens besten Bestimmungsschlüsseln.


    Ich hab' einfach mal dessen Antrodia-Schlüssel befragt, und komme damit relativ glatt zu albida (als "resupinate to pileate" angegeben).


    macra soll danach runde - eckige, nicht geschlitzte Poren haben und noch geringfügig kleinere Sporen als albida.


    Vielleicht hilft das...


    Grüße,


    Wolfgang

  • Hallo, Wolfgang!


    Danke dir für's Schlüsseln. :alright:
    Es hilft insofern durchaus, als sich meine Tendenz noch weiter zu albida verschiebt.
    So wie der Pilz wuchs, konnte man das Merkmal resupinat vs. pileat ohnehin vernachlässigen.
    Mein Problem ist, daß ich die Variabilität der Porengröße und -Form und auch die der Sporengröße schlecht einschätzen kann.
    Tendenziell hätte ich dem merkmal der Sporengröße (lt. Lit. bei A. macra nur bis 12 µm, hier bis 14 µm) das größere Gewicht beigemessen.
    Die beiden Funde, die ich bisher von A. albida hatte, wiesen schon noch deutlicher geschlitzte, auch noch größere Poren auf. Dann wird das hier so ein Übergangsbereich sein. Allerdings hätte ich die hier schon als "vollständig" definiert: Bei einer schräg am Substrat anliegenden Fruchtschicht sind die Poren ja oft etwas ungleichmäßig (Porenwände ungleichmäßig lang), was einfach wachstumsbedingt ist. In den Bereichen, wo unter dem Rindenwulst die Poren fast horizontal angeordnet sind, ist nichts geschlitzt, da sind alle Poren eckig aber ganzrandig (wenn auch etwas uneben).


    Wird wohl so in die Variationsbreite von A. albida gehören.



    LG; Pablo.

  • Hallo, Frank!


    Danke auch dir für die Einschätzung. :alright:
    Dann lege ich den mal so ab, hoffe, irgendwann mal Antrodia macra mit kürzeren Sporen zu finden und bereite solange die nächste Antrodia - Frage vor.



    LG, Pablo.

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