Ein großer weißer Champignon, Großsporiger Riesenchampignon ?

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 3.146 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tribun.

  • Hallo,
    den hier gezeigten Pilz habe ich an einem Heckenrand gefunden, an dem ich diesen Sommer schon den Ockergrauen Scheidenstreifling (Amanita lividopallescens) und den Queradrigen Milchling (Lactarius acerrimus) gefunden habe.


    Standort:
    Mittelhessen, nördlicher Vogelsberg (TK 5320/4), am Rand einer Kuppe mit ungedüngten bzw. beweideten Wiesen, mit den typischen hangparallelen Hecken.
    Untergrund: basischer Basalt mit Lehmüberdeckung. Erdbedeckung zum Teil sehr dünn.


    Unterhalb einer Hecke (am Standort Weißdorn, Schlehen, in der Nähe eine Eiche), daneben eine grasiger Weg, der relativ selten benutzt wird.



    Hutfarbe: weiß, bei Berührung zunächst nicht gilbend
    Hutdurchmesser: ca 17 cm Edit: (halbkugelig, ausgebreitet geschätzt 20 cm)
    Lamellen: rosa
    Stiel: 17 cm, unterhalb des Rings mit weißlichen Schüppchen.
    Nach heftigem Reiben färbt sich die Stielbasis ockergelb.
    Ring: groß, weich, unterseits mit Flocken
    Geruch: schwach, Stielbasis, kaum wahrnehmbar nach Anis.
    Abends eine Ecke in der Pfanne erhitzt: nach Pilz, nicht nach Karbol.
    Stielbasis nach 1 Tag im Wasser: nach Kinderurin in Babywindel (Aussage meiner Frau).
    Geschmack: nicht probiert
    Sporengröße: (20 Sporen), Sporenabwurf: 9,9 µ x 6,0 µ; Q = 1,65


    Ich halte den Pilz für den
    Großsporigen Riesenchampignon (Agaricus urinascens) Syn.: Agaricus macrosporus)..


    Hier sind die Bilder:


    (1) Erste Begegnung: Oh, ein sehr großer Champignon!


    (2) Der Stiel ist zwischen Hut und Ring glatt; unterhalb des Rings hat er weiße Schüppchen.


    (3) Der Hut ist weiß und auf den ersten Blick glatt. Der Ring ist groß, wellig


    (4) Der Ring ist unregelmäßig berandet, die Unterseite ist beflockt


    (5) Nach starkem Reiben färbt sich der untere Stielbereich schwach ockergelb


    Mit Gammakorrektur kann man den Hut viel dunkler machen. Jetzt zeigen sich Strukturen, die vorher nicht sichtbar waren:


    (6) Der Hut hat am Rand Schüppchen.
    Achtung: Falsch-Farben !


    Die nächsten beiden Fotos hat meine Frau aufgenommen
    (7)


    (8)


    (9) Sporen



    Auf Grund der Größe des Fruchtkörpers, des Geruchs, der Sporengröße und der Beflockung halte ich den Pilz für den Großsporigen Riesenchampignon.


    Hat jemand Erfahrung mit dieser Art? Sie ist wohl nicht häufig.


    Viele Grüße
    Lothar

    • Offizieller Beitrag

    Hallo.


    Heute morgen hatte mich noch die Angabe der Sporengößern etwas irritiert. Die wären nämlich schon grenzwertig klein gewesen. Aber auf dem Bild sind ja nun auch Sporen zu sehen, die deutlich länger als 10 µm sind und auch breiter als 6 µm.
    So sehe ich das auch als Agaricus urinascens / macrosporus / villaticus.
    Würde aber ein s.l. dazu schreiben, da mir das ein Artenschwarm zu sein scheint, der irgendwie nicht ganz geklärt ist.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,
    zu den Sporengrößen habe ich folgende Angaben gefunden:


    Handbuch für Pilzfreunde, Bd. IV, 2. Aufl. 1981, Nr. 15
    8-12 (-14) x 5,5-7 (-7,5)) µm


    GPBW, Bd 5, S. 528:
    9-12 x 6-7,5 µm


    Gröger, Bd 2, S. 121 (als A. villaticus)
    9,5-14 x > 6,5 µm


    Horak
    10-13 x 5,5 - 7 µm


    Gerhardt: der große BLV-Pilzführer für unterwegs. 5. Aufl. Neuausgabe
    8,5-12,5 x 5,5-6,5 µm



    Die Unterschiede sind immer wieder interessant, z.B. die minimale Länge liegt zwischen 8 und 10 µm . Dabei frage ich mich gelegentlich, ob bei der Angabe der Sporenlänge mit z.B. "8" der Wert 8,0 gemeint ist oder aufgerundet der Bereich > 7,5 oder, weil 7,5 als Wert genannt wird, alles > 7,8. Außerdem ist mir nicht klar, ob die Variationsbreite sich auf die einzelnen Sporen oder auf die Mittelwert bezieht.
    :/


    Eine Messung mit 20 Sporen ist statístisch sehr grob, vor allem wenn man keine erstklassige Optik handelt. Insofern ist meiner Meinung nach meine Messung noch im zutreffenden Bereich.


    Viele Grüße
    Lothar

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Lothar!


    In diesem Fall kann das auch daran liegen, daß die verschiedenen Autoren unterschiedliche Artaufasungen vertreten.
    Wie schon oben erwähnt ist Agaricus urinascens ein Aggregat, daß wohl mehrere "Kleinarten" (natürlich nicht kleine Pilze ;) ) enthält. Da gibt es dann auch in den Sporengrößern kleinere Schwankungen und Überschneidungen.
    Wenn man da einem eher weit geassten Artbegriff folgt, dann sind auch die Sporengrößen eben recht variabel.



    LG, pablo.

  • Hallo Beinand!


    Abgesehen davon ob ´s nur definitiv Agaricus urinasce oder vielleicht doch was anderes ist, fällt mir eines auf:


    DAS nenn ich mal eine ordentliche Anfrage!!! :thumbup::thumbup::thumbup:


    Bitte als Musterbeispiel abspeichern! ;)


    LG


    Günter