Beiträge von Oehrling


    am liebsten würde ich die reste irgendwem schicken, der unterm mikroskop sicherheit bringt. aber geht das überhaupt nach dem zerschnippeln noch? und wer kann sowas?


    Seid mir nicht böse, aber für mich stellt sich der Fall wie folgt dar:
    Es wird ein Röhrling gefunden, der vom Aussehen her ein Steini oder vielleicht auch ein Galli sein könnte. Daraufhin wird korrekt reingebissen und ein milder, unbitterer Geschmack festgestellt. Zusätzlich weist euch ein Super-Pilzkenner anhand vertrauenswürdiger Bildquellen einwandfrei nach, dass es ein Sommersteinpilz ist. Was es da jetzt noch zu diskutieren und mikroskopisch nachzubestimmen gibt, erschließt sich mir nicht. Man könnte ja auch mal akzeptieren, dass Sommersteini eben so aussehen können.


    Aber trotzdem zu den beiden Fragen: Frage 1: Klar geht das. Wenn man einen Pilz mikroskopiert, muss man ihn doch wohl vorher zerschnippeln? Da der Pilz sicher noch nicht abgesport hat, sollte an dem Schnippelstück zumindest ein bisschen Huthaut dran sein. Und Frage 2: wer das kann? - na, Jürgen! Ich kann mir nur nicht recht vorstellen, dass er einen Sinn darin sieht.[hr]


    Weiß jemand, ob die Röhren junger Gallis auch schon im Jugendalter rosa verfärben?


    Also, ich persönlich sehe den leichten Rosastich in den Röhren junger Galli. Ich kann mir aber vorstellen, dass Leute mit einer Rot-Grün-Schwäche und/oder reichlich Übung ihn nicht sehen.

    Ich staune immer wieder, wie viel Pilze es gerade in anderen Ecken Deutschlands gibt, einfach nicht zu fassen! Großer Neid!
    Der Champignon riecht nicht nur wie ein "Zuchtchampignon" (Agaricus bisporus), er sieht m. E. auch so aus und ist es wahrscheinlich auch. Die beiden Täublinge: der rothütige ziemlich sicher der Fleischrote Speisetäubling (Russula vesca), der dunkelblaue aufgrund der deutlich sichtbaren gelbbraunen Flecken in der Hutmitte wahrscheinlich der Blaue Reiftäubling (Russula parazurea).


    Das ist jetzt die Frage, bräunt der aufgrund der Bodenverhältnisse oder ist das ein Merkmal des Pilzes. Dann könnte das ja, wie Harzpilzchen angemerkt hat, auch ein Heringstäubling sein. Der roch aber in keinster Weise fischig. Wie könnte man die Stielbasis aber dann bewerten?


    Zunächst muss man Bräunen als Verwesungsmerkmal vom Bräunen als artkennzeichnendes Merkmal unterscheiden, was im Feld wohl nicht immer einfach ist. Dann sollte man auch noch wissen, dass es eine Vielzahl von Täublingen gibt, die braune Flecken am Stiel haben können: Heringe, Speisetäublinge, Lederstieltäubling, Honigtäubling, etliche Tenellae-Arten usw.

    Meine Frage wäre: hätte dies überhaupt einen Erkenntniswert, wenn es tatsächlich gelänge, hier die Art herauszubekommen? Die in den Pilzbüchern vorhandenen Beschreibungen, im Idealfall auch die Fotos, beziehen sich doch bei Cortinarien immer auf zumindest einigermaßen junge Exemplare. An einem solchen Exemplar kann man doch mit rein makroskopischen Methoden gar nichts über die Art lernen. Du bekommst mit viel Mühe heraus, dass das C. saniosus ist. Erkennst du dann einen jungen, frischen C. saniosus besser, wenn du ihn später findest?

    Man sollte beim Bestimmen von Netzstieligen HR die Huthautfarbe nicht überbewerten, da sie äußerst variabel ist: olivbraun, ausgeblasst ledergelb, goldgelb, mitunter gegen den Rand hin ziegelorange, sogar kastanienbraun und rosa habe ich schon gesehen. Auf gewissen Großfriedhöfen mit Buchen/Eichen/Lindenbestand kann man, wenn die Zeit und die Witterung passt, am gleichen Tag Hunderte von Fruchtkörpern finden und die exorbitante Farbvariabilität dieses Pilzes wunderbar im Feld studieren.
    Eines ist aber immer vorhanden, egal welche Hutfarbe der Pilz hat und wie die Netzzeichnung aussieht: der rötliche Röhrenboden, erkennbar nach Durchschneiden als rote Linie über der Röhrenschicht. Das hat kein Flocki, kein Glattstieliger, kein Satan und auch kein Satansverwandter.

    Da der Thread ja "Bestimmungshilfe..." heißt, möchte ich mal so rum fragen Andre:
    Wie würdest du nun vorgehen, um herauszufinden, ob das jetzt R. vinosobrunnea, alutacea, brunneoviolacea, cyanoxantha oder, oder, oder ist? Diese Namen sind im Rennen, bestimmt kommen noch welche dazu.

    Viel Spaß im Forum, Tuber. Meine Eltern wohnen in Darmstadt, ich fahre da öfters hin. Wir könnten uns im Herbst mal verabreden. Erst zu den Lilien, danach in den Wald nebendran.

    Auf die Gefahr, dass ich mich in die Nesseln setze: Die beiden kleinen sind unter der derzeit gegebenen Faktenlage für mich eher Frauentäublinge als die beiden größeren auf den letzten zwei Bildern. Aber vielleicht kommen ja noch Informationen nach.
    Das wird auf jeden Fall spannend.


    Edit: man könnte es sich jetzt einfach machen und auf die Stielrinde Eisensulfat reiben - dann hätten wir in drei Minuten eine zufriedenstellende Lösung.

    Ja, die deutschen Pilznamen, da bin ich kein großer Experte. Ich meinte Rickenella swartzii, mittlerweile habe ich entdeckt, dass der Violettstieliger Heftelnabeling heißt. Obwohl er in meinen bescheidenen Augen einfach nur grau ist.

    Nr. 2, 3, 5 und 6 würde ich bestätigen.
    Zu Nr. 1 fällt mir nichts ein.
    Und Nr. 4 sollte etwas viel Besseres als Amanita fulva sein: entweder Amanita ceciliae, Amanita eliae oder gar Amanita beckeri. Genaueres zu sagen traue ich mir nicht zu, da ich die wahre Hutfärbung nicht abschätzen kann.

    Ich muss dieses Jahr noch mehr auf A. silvicola achten. Das war für mich bisher ein "Phantom", d. h. ein Buchpilz mit keiner Entsprechung in der Realität. Bzw. ich habe bisher gemeint, das wäre das Gleiche wie A. essettei. Bisher habe ich A. arvensis von den beiden auch immer durch die Stielbeschuppung (und den Wuchs auf freien Stellen) abgetrennt, mal sehen, ob man das wirklich so machen darf.


    Für mich ist A. essettei derjenige, der einen dünnen glatten Stiel mit abrupt verbreiterter Knolle hat, in der Jugend mit ausgesprochen konischem, blass grüngelb wie ein Gelber Knolli gefärbtem Hut, der im gefüllten Pilzkorb chromgelbe Streifen bekommt, sehr gern mitten im Wald in tiefem Laubmull wachsend und fast immer vermadet. Kurz: der auf deinem letzten Foto.


    Letztes Jahr fand ich allerdings eine Kollektion ebenfalls dünn- und glattstieliger, knolliger, leicht nach Anis riechender Pilze, die aber überhaupt nicht Chromgelb färben wollten, und deren Hutfarbe reinweiß ohne jeden Grüngelb-Ton war. Das könnte dann A. silvicola gewesen sein. Vielleicht kommt der mir dieses Jahr noch einmal unter.

    Meiner Meinung nach hat Agaricus essettei einen ausgesprochen seidig glatten und nicht wie hier einen schuppigen Stiel, und die Knolle wäre auch deutlicher ausgebildet. Ich glaube daher, dass Agaricus arvensis s. l. stimmt.

    Ich schiebe auch freiwillig einen Chip zu Anna - das muss er sein! Jetzt noch schwarzbraunes Sporenpulver, dann kannst du ein Schleifchen dran machen.
    Beorn makroskopiert schon gut, aber Anna makroskopiert saugut.


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    Mich erinnert das Pilzchen vom Habitus an einen Ackerling. Mykorrhiza-Gattungen können wir glaube ich ausschließen, das ist schon ein Saprobiont. Aber bevor wir jetzt weiter munteres Gattungsraten betreiben - wir brauchen, wenn wir makroskopisch vorgehen wollen, zunächst mal die Sporenpulverfarbe. Rostbraun, Erdbraun, Rotbraun, Schwarzbraun? Und dann brauchen wir eine genaue Geruchsbeschreibung, nach Möglichkeit in den Begriffen, die man im Pilzbuch finden kann. Also nicht nur "duftet", "riecht angenehm nach Pilz", sondern "ranzig-mehlig", "spermatisch", "nach künstlichem Bonbonaroma", "nach Blattwanzen" usw.