Neben der Waldlandschaftsbeeinträchtigung durch Bodenumgrabungen würde sicherlich auch der breitflächige Beschiss mit minderwertigen deutschen "Trüffeln" steigen. Ich habe seit ca. 6 Jahren "Trüffeln" (d. h. hypogäisch wachsende Pilze) auf dem Schirm und habe in dieser Zeit auch ohne Hunde- oder Schweine-Unterstützung einiges an Arten zusammengefunden, maW mir ein recht umfassendes Bild von deutschen "Trüffeln" machen können. Dass man mit den häufigeren Arten wie Rhizopogon roseolus, Melanogaster variegatus, Tuber rufum oder gar Choiromyces maeandriformis auf seriöse Weise Geld machen kann, halte ich für ausgeschlossen. Für diese Arten müsste man erst einmal mit viel Phantasie irgendwelche hochfliegenden Kommerznamen erfinden, denen die Pilze dann aus Verbrauchersicht kulinarisch nicht gerecht werden.
Nicht einmal die Art mit dem mMn noch am ehesten vorhandenen Potenzial, nämlich Tuber aestivum (gerade diese Art schaut bei Reife meistens halb aus dem Erdboden heraus, könnte also völlig ohne Hund, Schwein oder Schaufel "geerntet" werden), genügt kulinarischen Ansprüchen, die durch Grammpreise von einigen Euro suggeriert werden. Wer teuer Geld (überhaupt Geld?) für Tuber aestivum zahlt, wird vermutlich von der Aromaschwäche krass enttäuscht (Edit: Beorn: wenn du das Aroma von T. aestivum grauenhaft fandest, war das Exemplar vielleicht nicht mehr gut; meiner Erfahrung nach riecht T. aestivum durchaus leicht nach T. melanosporum, aber eben viel schwächer, und der Geruch verschwindet auch sofort beim Erhitzen). Geschmacklich können diese Teile in keinster Weise mit den Teuer-Exemplaren der Arten Tuber melanosporum oder Tuber magnatum mithalten. Frech möchte ich mich sogar zu der Behauptung versteigen, dass Tuber aestivum sich eigentlich nur zum Betrügen und Abkassieren unbedarfter Leute eignet, die zu viel Geld haben. Sie sehen zwar bei oberflächlicher Betrachtung so aus, sie riechen irgendwie schon auch so, aber schmecken nicht so.
Nachtrag: bei der in dem Fernsehbeitrag gezeigten Riesentrüffel aus einem Gartengrundstück in Leingarten bei Heilbronn handelt es sich mMn mit ziemlicher Sicherheit um das von mir angesprochene Tuber aestivum. Man erkennt diese Art schon makroskopisch am auffallend hellen, grauweißlichen Fleisch (T. melanosporum hat violettgraues Fleisch). Auch der "Trüffelhaufen" beim Feinkostgroßhandel war wohl alles Tuber aestivum. Insofern finde ich den Beitrag etwas manipulativ, da suggeriert wird, dass das, was der Grundstücksbesitzer in Leingarten gefunden hat bzw. in der Eifel vorkommt, mit den in Frankreich und Italien vorkommenden superteuren Edeltrüffeln identisch oder doch zumindest vergleichbar sei. Ein Kilopreis von 5000 Euro für das in Leingarten gefundene Exemplar wäre jedenfalls heftige Abzocke.
Nachtrag 2: Haselnussnote trifft es ziemlich genau. Nur: wegen einer Haselnussnote zahle ich nicht dieses Geld, wo ich mir doch überall recht preiswert Haselnüsse beschaffen kann. Wenn es so teuer ist, muss mehr kommen als nur Haselnussnote.