Hallo Claus,
unglaublich viele Daten für die Bestimmung eines Weißtäublings, die du in sicherlich mühsamer Arbeit gesammelt hast. Aber jetzt geht es um die Interpretation der Daten, und um die kommst du als Pilzbestimmer nicht herum. So etwas solltest du mMn auch nicht den Anderen im Forum überlassen, sonst kommst du selbst pilzbestimmungstechnisch nicht weiter. Die Interpretation der Merkmale ist mindestens genauso wichtig wie das Erheben der Merkmale.
Für eine zielführende Interpretation (vielleicht auch schon für das zielführende Erheben) brauchst du dringend Fachliteratur über Täublinge, sonst wird das langfristig nichts. Du merkst es ja gerade selber. Ich empfehle dir für Täublinge den SARNARI, den EINHELLINGER oder die MARXMÜLLER. Alle drei Werke sind auf ihre spezielle Art super. Übrigens unterscheiden alle drei R. delica von R. chloroides auf Artebene und offerieren mehr und weniger griffige Unterscheidungsmerkmale.
Aber jetzt zu diesem Teil:
EINHELLINGER (1985) schreibt, dass nicht nur R. chloroides diesen blaugrünen Ring an der Stielspitze kann, sondern auch R. delica. D. h. wer nur aufgrund des blaugrünen Ringes auf R. chloroides springt, landet nicht immer richtig. EINHELLINGER schlüsselt so (vgl. S. 299):
"Lamellen mehrminder weit stehend, 4 - 9 [Stück] auf 1 cm, mit 5 - 16 mm ziemlich breit, oft dick, nicht mit bläulichem oder grünlichem Ton, Hutgrund zwischen den Blättern sichtbar... [Sporen mit maximal 1 My hohen Warzen]...R. delica"
"Lamellen gedrängt, 9 - 16 [Stück] auf 1 cm, [nur] 3,5 - 5 mm breit, dünn, meist mit bläulichem oder grünlichem Ton, Hutgrund zwischen den Blättern nicht sichtbar, Sp[oren]... mit bis zu 1,5 My langen Stacheln...R. chloroides"
Diese Merkmale zu erheben, ist zielführend. Vielleicht hast du etwas dazu notiert. Dann ist die Bestimmung eigentlich ganz einfach, und sie kommt von DIR SELBST und nicht von Anderen. Quasi irrelevant sind dagegen lt. EINHELLINGER (1985) die Huthautmerkmale und die Sporengröße, erst recht die Makrochemie. Um überhaupt zu wissen, welche Merkmale zielführend sind und welche nicht, braucht man die Fachliteratur (hier: den EINHELLINGER).
FG
Oehrling