Also in meinen Augen bedeutet das einfach, dass R. incarnata so unerforscht ist, dass man aufgrund der vorliegenden Literaturreferenz nicht zu einem befriedigenden Bestimmungsergebnis kommt.
Ich habe gerade im SARNARI noch ein paar sehr interessante Dinge gelesen:
Danach zeichnet sich eine Roseinae (also auch R. velutipes) nicht nur dadurch aus, dass es mit SV eine eosinrote Reaktion gibt, sondern dass sie mit Guajak gänzlich negativ (SARNARI nennt das "subnullo") ist. Claus schrieb aber: Guajak innerhalb von 2 Sekunden positiv. Man sieht auch den blaugrünen Guajakfleck auf der Stielrinde. Glaubt man SARNARI, müsste man sich hier von einer Roseinae verabschieden.
Zur Frage, die folgerichtig im Raum stehenbleibt, ob auch Täublinge, die keine Roseinae sind, mit SV auf der Stielrinde rot machen können, habe ich auch was Interessantes gefunden. SARNARI listet in der Sektion Lilaceinae eine Russula einhellingeri, die mit SV "fuchsinrot" würde (vgl. S. 1300 f.). Im Diskussionsteil über die von ihm beschriebene Art Russula roseoaurantia wird auch über eine SV-Fuchsinrotfärbung bei dem unsicheren Taxon "Russula lactea" geschrieben, ohne dass ich mangels guter Italienischkenntnisse jeden einzelnen Satz in seiner Bedeutung voll erfassen könnte (vgl. S. 1322 f.). Es hört sich also durchaus so an, als ob außerhalb der Roseinae zumindest ein "Fuchsinrot", wenn schon kein "Eosinrot" bzw. "Magentarot", möglich wäre. Und zwar, das wird extra betont, nur am Exsikkat.
Diese Literaturstellen habe ich mit einer gewissen Genugtuung rezipiert, da ich mich mit dem Bestimmungsergebnis R. velutipes für Clausens Pilz nicht wirklich anfreunden kann, oder klarer ausgedrückt: diese hellviolette Hutfarbe, die uns hier vom Pilz aufgetischt wird, kann R. velutipes einfach nicht haben. Die Hutfarbe von R. velutipes changiert zwischen rot, orange und gelb und macht dazwischen alles, geht aber nicht ins bläuliche.
Claus, für mich ist das in seiner Vertracktheit ein Kandidat auf den Täubling des Jahres.
FG
Oehrling