Beiträge von Oehrling

    Ich habe noch nicht erlebt, dass jemand wegen eines Champignons mit mir rumgefeilscht hätte. Aber ich habe schon öfters erlebt, dass jemand wegen eines zu alten Pilzes (darunter war auch der eine oder andere Champignon) rumgefeilscht hat. Bei Karbolis hat auch noch nie jemand meinen Rat angezweifelt. Mein Argument bei Champignons heißt immer: wenn du Champignons essen willst, die gibt es für ein paar Euro in jedem Supermarkt. Selbstgefundene schmecken auch nicht groß anders als gekaufte. Agaricus augustus schmecken zwar schon besser als gekaufte (A. bisporus), aber diesen Pilz gibt es in unserer Gegend nicht, sodass kaum "Gefahr" besteht, dass der in meinen Beratungskörben auftaucht. Wahrscheinlich würde ich so reagieren: A. augustus ist ein Schwermetallsammler, er schmeckt zwar gut und ist im klassischen Sinne ungiftig, aber ob Sie einen Schwermetallsammler essen wollen, müssen wegen der möglichen Langzeitfolgen Sie entscheiden. Ich kann nicht wissen, wie sich bei Ihnen Langzeitfolgen individuell auswirken.

    Nachtrag:


    was hingegen nie funktioniert, ist folgendes (davon muss sich ja niemand angesprochen fühlen, der es nicht will!):


    ich habe einen Pilz eingesammelt, abgeschnitten, vorgeputzt, und in der Absicht, ihn zu essen, säuberlich auf einem Küchentuch drapiert. Kurz vor dem Essen werde ich aber unsicher, weil ich entweder den Pilz nicht kenne, oder weil mir etwas an dem Pilz seltsam vorkommt, und will mir von jemand Fremdem, der gerade verfüg- und ansprechbar ist (Internet-Forum!!), eine schnelle Bestätigung holen, dass mein Fund essbar ist und in der schon vorgeheizten Pfanne landen kann. Solche Pilze sind meist schon so kaputtgeputzt/kaputtgewaschen, dass man sie nicht mehr erkennen kann. Ein Schönfußröhrling hat z. B einen grauen Hut - aber nur so lange er im Wald steht. Nach Befassen der Huthaut oder gar nach einem Abwaschen ist die Huthaut eher braun und hat ihre natürliche Farbe verloren. Schon ist der Pilz nicht mehr eindeutig erkennbar.


    FG

    Oehrling

    Och, manche finden die lecker. Manche wollen unbedingt Graue Wulstlinge essen, obwohl genau neben dran Perlpilze gestanden waren. Auch Rehbraune Dachpilze habe ich schon freigeben müssen, obwohl bestes Pilzwetter herrschte. Oder Flaschenbovisten - manche sind echt wild auf Flaschenbovisten, die feilschen dann mit dir rum ob das Innere noch weiß oder schon gelb ist.

    Hallo zusammen,


    auch ein Pilzberater, der den Pilz live vor sich hat, kann immer sagen: den (er-)kenne ich nicht mit 100%iger Sicherheit und kann ihn daher nicht freigeben (sollte halt nicht allzuoft vorkommen, da der Ratsuchende ja auf die geballte Fachkompetenz vertraut und dafür in Fahrwege investiert).


    Ein Pilzberater hat keine Beratungs- und erst recht keine Freigabepflicht, auch wenn in diesem Fall der Pilz essbar gewesen wäre. Es dreht sich einfach darum, dass eine Essfreigabe (= Übernahme der Schadenshaftung, wenn sich nach dem Essen des Pilzes Symptome zeigen sollten) auf Basis von Fotos mit zu vielen Unwägbarkeiten behaftet und daher seriöserweise nicht möglich ist. Es gibt gute Pilzberater mit toller Artenkenntnis, die auch ausgefallene Arten sicher erkennen und dir den Pilz freigeben können, es gibt aber auch weniger mutige Pilzberater, die außer Steinis, Pfiffis und Parasolen fast nichts freigeben, und es gibt auch Selbstüberschätzer, oft ohne gültigen Beraterschein, die Pilze im Zustand der Euphorie und des Selbststolzes freigeben, und dabei das eine oder andere kleine Detail übersehen, d. h. sich irren. Bekommt man einen Pilz "freigegeben", sollte man daher am besten überprüfen, wie hoch die Fachkompetenz des Beratenden ist, indem man sich z. B. den Beraterausweis zeigen lässt, was in der Praxis freilich kaum einer macht.


    Jetzt noch zu der Frage, was und wieviel ein Pilzberater freigibt. Dazu haben ja andere schon was gesagt. Bei mir ist es so, dass ich selber viel mehr Arten esse, als ich freigebe. Ich esse z. B. den Grünling, den Anischampignon, den Schwarzblauenden Röhrling, den Lila Lacktrichterling... Dennoch bekommst du von mir diese Pilze nicht freigegeben, denn im Falle einer späteren Symptomatik habe ich für meine Beratertätigkeit möglicherweise keinen Versicherungsschutz und hafte vielleicht sogar für Unpässlichkeiten, die nicht auf die Toxizität einer freigegebenen Art, sondern auf persönlicher Unverträglichkeit oder gar auf Psychosomatik beruhen. Selbst wenn ich dann von der Schadenshaftung freigesprochen werde - schon auf das vorausgehende Gerichtsverfahren habe ich selbstverständlich keine Lust.


    FG

    Oehrling

    Hallo CM,


    diese eckig-knubbeligen Gebilde sind die Sporen des Risspilzes, wobei sich auch die eine oder andere Entoloma-Spore dazugemogelt hat.


    Es handelt sich also um einen Eckigsporer, bei dem die Ecken bzw. Protuberanzen sehr stark ausgebildet sind. Zusammen mit dem makroskopischen Habitus würde ich in Richtung Inocybe napipes tippen. Aber gerade jetzt hätte man die Stielbasis sehen müssen, welche ziemlich stark verdickt und in der oberen Hälfte weiß überlaufen wäre.


    Die Zystiden der Risspilze sind diese großen, kakaobohnenförmigen Ballone, die nicht selten eine Kristallschopfauflage haben (sieht aus wie ein Kronenkorken einer Bierflasche). Diese haben eine große Variation und können für die Pilzbestimmung herangezogen werden. Es gibt z. B. dünn- und dickwandige Zystiden, solche mit oder gänzlich ohne Kristallschopf, solche die in KOH3% gelb werden und solche die das nicht tun. Daher auch die Frage im Parallelthread, ob du die Lamelle in KOH3% mikroskopiert hast (was man bei Risspilzen immer tun sollte) oder nur in Wasser. Und ganz wichtig ist auch, wo die Zystiden sitzen: nur an der Lamellenschneide oder auch an den Lamellenflächen, nur an der Stielspitze oder auch in der Stielmitte oder gar in der unteren Stielhälfte.


    Wichtig noch zu wissen: man kann sich lediglich anschauen, wie Risspilze mikroskopisch aussehen. Bestimmen können sie in Deutschland höchstens fünf, sechs Leute, die allein das erforderliche aktuelle Wissen haben.


    FG

    Oehrling

    Was ich auch immer gut finde, ist, wenn man seine Meinung belegt, also wenn man dazu schreibt wie man zu seiner Meinung kommt. Genau das ist hier der Fall, und das bietet beste Gelegenheit zum Weiterlernen. Noch dazu hätte ich einen Tipp, wie man beim Bestimmen solcher Röhrlinge grundsätzlich vorgeht, um nicht bloß raten zu müssen. Hier wäre es zielführend gewesen, den Pilz ganz zu lassen und nicht abzuschnippeln oder gar vorzuputzen. Dann hätte man ein Foto vom ganzen, unversehrten Pilz und, da es sich um einen Dickröhrling handelt, eines von der Stielrinde zu machen. Anschließend müsste man den Pilz längs (also vom Hutscheitel zur Stielbasis) durchschneiden, ein bis zwei Minuten warten ob es blau wird, und vom Schnittbild ein Foto machen. Zum Schluss macht man eine Kostprobe, diese ist bei Röhrlingen mit gelben Poren ja zulässig. Durch diese hätte man die Bitterkeit des Fleisches festgestellt, und dann wäre in Kombination mit dem Blauverhalten außer dem Schönfuß kaum etwas möglich.

    FG

    Oehrling

    Ja, Risspilz ist sehr gut möglich. Wonach roch er denn? War es der typische Risspilzgeruch? Die Stielbasis darfst übrigens nicht abschneiden, man muss wissen, ob sie gerandetknollig, verdickt oder nicht verdickt ist.

    Hallo RedPed,


    so lange du nicht meinst, du hättest ein Anrecht auf Auskunft, ist alles entspannt. Uns hat nämlich niemand mit Pilzberatung oder Pilzerkennung beauftragt, auch bekommen wir kein Geld dafür. Ich selber gebe Auskunft nur an Leute, wenn ich sie mag, das werden andere auch so halten. Z. B. könnten sich hier manche daran stoßen, dass du nicht Hallo sagst, auch wenn mir selber das nicht so wichtig ist.


    FG und viel Spaß beim Pilzforschen!

    Oehrling

    Hallo zusammen,


    jetzt habt ihr mich aber angefixt mit dem Strobiliformis. In meiner Gegend wächst er bevorzugt in Parkanlagen über Lehmboden, und besonders gern in der größten Sommerhitze, wenn die Netzis schon am Einschrumpeln sind. Aufgrund seiner Gattungszugehörigkeit schätze ich, dass er geschmacklich dem hochgeschätzten Kaiserling ähnelt. Wenn das Wetter denn endlich mal auf pilzfreundlich umschlagen würde, würde er sicherlich an meinen bekannten Stellen umgehend aufploppen, und dann könnte ich ihn mal verkosten. Natürlich muss man aufpassen, dass man ihn nicht mit Amanita solitaria/echinocephala verwechselt.


    FG

    Oehrling

    Hallo cyathus,

    zwei ganz tolle Funde, die mir bisher noch nicht geglückt sind. R. melzeri habe ich bisher nur auf einem Seminar als Fund eines anderen Pilzkundigen gesehen, R. vinosobrunnea live bisher noch gar nicht.

    FG

    Oehrling

    Wissenschaftlich heißt dein Pilz Hortiboletus engelii. Es ist ein Mykorrhizapilz der Eiche, die in deinem Garten steht. Du kannst ja einmal mit google ein bisschen über deinen Pilz forschen, wenn du magst.

    FG

    Oehrling

    Knollenblätterpilz klingt immer so reißerisch. Amanita, oder wenn man unbedingt einen deutschen Namen will, Wulstling, trifft es genau. Dem Vernehmen nach soll er essbar sein, ich habe von Leuten gehört, die ihn ohne negative körperliche Folgen gegessen haben.

    FG

    Oehrling

    Ich habe meist das Problem, dass der Pilz schon direkt nach dem Pflücken seine Milch loswird, sodass er schon tropfnass in den Korb kommt. Aber gut, dann darf ich halt beim Pflücken nicht so kernig zupacken.

    Danke für den Tipp

    Oehrling

    Ich schrieb von Namenskonfusion. Daher schreibe ich immer dazu, aus welchem Buch das Artkonzept stammt, also hier: L. bresadolianus im Sinne von FNE2. Diesen Pilz habe ich wie gesagt in Österreich schon mehrmals gefunden und mithilfe von FNE2 zweifelsfrei identifizieren können. Alle Merkmale haben mit der Beschreibung in FNE2 übereingestimmt. Und der hier gezeigte Pilz stimmt auch genau überein. Sogar der bitter-scharfe Geschmack wurde bestätigt. Andere Zonarioides, wie L. acerrimus oder L. evosmus, sind einfach nur scharf, aber nicht bitter-scharf.

    FG

    Oehrling

    Hallo,

    bei mir stehen geschmacklich Milchbrätling und Edelreizker auf einer Stufe, wobei ich den Edelreizker in der Verarbeitung und Zubereitung deutlich einfacher finde, auch klebt beim Brätling die reichlich austretende Milch im Pilzkorb alles zusammen und überzieht alles mit einem dezenten Fischaroma. Also ich persönlich ziehe daher den (bzw. die; es gibt ja mehrere!) Edelreizker vor. Der beste Milchling überhaupt ist mMn der Mohrenkopf, der kommt in der Pfanne noch würziger raus.

    Insgesamt sind wir damit aber noch nicht bei meinen Lieblingspilzen, da kommen noch so Sachen wie Krause Glucke, Speisemorchel, Totentrompete, Steinpilz oder Reifpilz. Trüffeln mal ganz außen vor.

    FG

    Oehrling

    Wie siehts denn aus mit einem Treffen, z. B. in der Obersteiermark? Ich bin vom 10. bis 24.08. auf Urlaub in Bad Kleinkirchheim, von da aus ist es nicht weit in die Steiermark. Von wo genau kommst du eigentlich? Wir könnten uns irgendwo in der Mitte treffen, z. B. im Raum Flattnitz/Metnitz/Murau.

    Hallo cognacmeister,


    deinen Pilz kenne ich unter dem Namen Lactarius bresadolianus. Er wird in FNE2, The Genus Lactarius, unter diesem Namen geführt. Ich habe ihn in den vergangenen Jahren in Oberkärnten bzw. im Grenzgebiet zur Steiermark schon ein paar Mal selbst gefunden. Bei den Zonarioides herrscht eine große Namenskonfusion, da musst du meist verschiedene Namen eingeben, bis du deinen Pilz findest.

    Artkennzeichnend bei diesem Milchling wäre, dass er nicht nur scharf, sondern dazu auch noch bitter schmeckt (kannst du das bestätigen?) und einen ziemlich reinweißen, glatten Stiel ohne Gruben hat.


    FG

    Oehrling

    Der Fund wird als R. integra abgelegt.

    Hallo Andy,

    das darfst du natürlich machen, wenn du unbedingt etwas "ablegen" willst, aber die Sporen passen definitiv nicht auf R. integra. Zu klein und das Ornament zu flach. Und die inkrustierten PH-ähnlichen Elemente in der Huthaut werden dadurch auch nicht erklärt. MMn gehört das hier in die Gruppe um R. laeta.

    FG

    Oehrling