Beiträge von Oehrling

    Ja, die Leutchen gehen davon aus, dass man hier in Europa vor Rubroboletus pulcherrimus sicher ist, da es ja "nur" eine amerikanische Art ist. Dabei gibt es Geschichten über angebliche Unverträglichkeiten mit dem Netzstieligen Hexenröhrling (die ich bei auf Basis meiner eigenen Netzi-Erfahrungen nicht bestätigen kann), denen vielleicht Verwechslungen mit so einem Pilz zugrunde liegen können. Denn Rubroboletus pulcherrimus ist dem Netzstieligen Hexenröhrling schon verdammt ähnlich, nach dem, was ich auf den gegoogelten Bildern gesehen habe. Auf jeden Fall finde ich ganz toll, dass du auf diesen Pilz hingewiesen hast, den ich bisher nicht auf dem Schirm hatte.

    FG

    Oehrling

    Hallo Martin,

    augenscheinlich eine Amanita, aber von Amaniten, die nirgendwo eine Rosaverfärbung zeigen und dann auch noch rettichartig riechen, sollte man grundsätzlich die Finger lassen. Mit dem Artnamen wird es schwierig, die Knolle bzw. das was von der Knolle noch zu sehen ist, lässt sich nur schwer deuten, auch die Manschette (glatt oder gerieft) ist anhand des Fotos schwer zu beurteilen.

    FG

    Oehrling

    Hallo Menedemos,

    meiner Erfahrung nach haben von allen "gängigen" Speisepilzen der Parasol und der Wald-Safranschirmling das intensivste Pilzaroma. Z. B. ein Mischgericht aus faden "Beifang-Arten" wie Rotfußröhrlingen, Kuhmäulern oder Schnecklingen lässt sich mit einem kleingeschnitten hinzugefügten Paukenschlegelhut bestens aromatisieren. Auch der Flockenstielige Hexenröhrling oder die Marone bieten mehr Waldpilzaroma als der eher fade-süßlich schmeckende Steinpilz. Damit frische Steinpilze so etwas wie Magie entfalten, muss man sie so anbraten, dass sie leicht goldbraun werden. Das schmeckt dann schon exklusiv.

    FG

    Oehrling

    Hallo Schrumz,

    Röhrlinge mit roten Poren und genetztem Stiel sind grundsätzlich keine "Anfängerpilze". Wenn auch einem der Rubroboletus pulcherrimus kaum mal über den Weg laufen dürfte, so gibt es in Europa doch einige Rubroboleten (z. B. den Satanspilz) und dazu noch Imperatoren (z. B. den Ochsenröhrling), die z. B. mit dem essbaren Netzstieligen Hexenröhrling verwechselbar sind. Will man dagegen Flockenstielige Hexenröhrlinge zum Essen sammeln, sollte man stets zur Sicherheit darauf achten, dass die Fundstücke kein Netz am Stiel und keine Rosatöne auf der Huthaut bzw. in Hutrandnähe haben.

    FG

    Oehrling

    1> Hier ein weiteres Foto zu 6/7 - ein besseres habe ich leider nicht. Nachdem ich im letzten Jahr versucht hatte die bestimmen zu können habe ich nun beschlossen, dass dies nun einfach S. luridax sind ;) Ich finde diese Gruppe ehrlich gesagt mehr als kompliziert und verstehe die Unterscheidungsmerkmale nach wie vor nicht wirklich!

    ...

    2> Und was bitte ist die Rimosae-Gruppe?

    Hallo Maria,

    zu 1> dieses Foto bestärkt meinen Suillellus-mendax-Verdacht. Es ist zum einen der Habitus (allgemein ziemlich schmächtig, plus ein zylindrischer, kaum bauchig verdickter Stiel), dazu die altrosafarbene Huthaut (S. luridus hat eher olivlich-ledergelbe bis leicht orange getönte Huthaut), und dann noch das sehr undeutliche, allenfalls rudimentäre Netz auf der Stielrinde (gut, das kommt auf dem Foto jetzt nicht so deutlich rüber, daher auch nur "Verdacht").

    zu 2> Mit Rimosae-Gruppe meine ich den Kegeligen Risspilz (Inocybe rimosa) und alle dicht drumherum liegenden Arten, die früher pauschal und unerkannt beim Kegeligen Risspilz mitgeführt wurden. Diese Gruppe zeichnet sich durch Amygdaloid-Sporen (mandel- bis brotscheibenförmig), fehlende Pleurozystiden, dünnwandige, langgezogene, unbeschopfte Cheilozystiden, radialstreifig-striate Hutoberfläche und einen Olivgrünton in den Lamellen aus.

    FG

    Oehrling

    Hallo Beli,

    Rhodocollybia maculata kommt mir mit dieser Hutfarbe und der starken Bereifung auch seltsam vor. Aber so gut kenne ich den Pilz nun auch wieder nicht, dass ich sagen kann, das kann er nicht sein. Welche Alternative kommt denn deiner Meinung nach in Frage, wenn das nicht R. maculata wäre? Normalerweise ist es Sache des Finders, den Beweis zu führen und nicht die anderen herumraten zu lassen.

    FG

    Oehrling

    aus euren ganzen Informationen lese ich heraus, dass R. violacea gegenüber R. pelargonia ein unklares Taxon darstellt (nennt man das so?).

    In Zukunft wird für mich daher ein besonderes Augenmerk auf folgende Punkte gelegt:


    - Sporen Ornament

    - Verfärbung Stiel

    Hallo Claus,

    wieso "in Zukunft"? Genau das hast du doch hier gemacht. Du hast die Sporen mikroskopiert und den Stiel über Nacht liegen lassen. Ob die Verfärbung grau oder gelbbraun ist, weißt du besser als wir, da du das Original vor dir hast und wir nur ein Foto auf dem Monitor. Und ich habe nicht den Eindruck, dass im SARNARI das Taxon R. violacea unklar ist, sondern es ist klar definiert: ein Pilz mit den typischen Merkmalen der pelargonia-Gruppe, der beim Eintrocknen gelb und nicht so wie die anderen Arten der Gruppe grau wird. Das interpretiere ich so, dass wenn du einen aus der pelargonia-Gruppe findest, der gelb wird, bist du sozusagen schon mit dem Bestimmen fertig.

    FG

    Oehrling

    Hallo zusammen,

    ich habe heute das erste Mal Wurzelnde Bitterröhrlinge unter Birke gefunden, an einem Landstraßenrand, der mit fünf Birken und sonst mit nichts bestanden war. Scheint bei der Baumpartnerwahl nicht allzu wählerisch zu sein, dieser Pilz. Kein Wunder, so aggressiv wie der sich in den letzten Jahren breitgemacht hat.

    FG

    Oehrling

    Hallo Manuel,

    so groß sind die Riesenboviste nicht mehr wirklich lecker. Man sollte sie sammeln, wenn sie noch Faustgröße haben. Aber anscheinend kommen sie jetzt an vielen Stellen. Vielleicht findest du auf anderen Wiesen jüngere?

    Hallo Gena,

    tolles Foto!

    FG

    Oehrling

    Ja, der EINHELLINGER hat sein Buch für solche Leute geschrieben, die schon einige Täublingserfahrung haben, aber oft über Fehlbestimmungen und Missdeutungen gestolpert sind. Es ist kein herkömmliches Pilzbestimmungsbuch, sondern EINHELLINGER plaudert sozusagen mit dem Leser über die Täublingsbestimmung. Muss man mögen, aber ich finde das große Klasse und ein geniales Dokument aus einer Zeit, in der Gensequenzierung bei der Pilzbestimmung noch keine Rolle gespielt hat. Täublinge bestimmen tue ich freilich in erster Linie mit dem SARNARI, danach erst lese ich den entsprechenden Abschnitt im EINHELLINGER.

    FG

    Oehrling

    Hallo Phillip,

    sehr löblich schon mal, dass du bei Täublingen, die du bestimmt haben möchtest, den Geschmack geprüft hast. Sporenpulverabwürfe, und wenn wir makroskopisch bleiben wollen, die Untersuchung des Geruchs wären aber genau so wichtig gewesen. Leider muss man in die Täublingsbestimmung etwas Aufwand investieren. Ansonsten bleibt es meistens bei Vermutungen.

    Aufgrund der hier vorliegenden Daten vermute ich folgendes:

    1) Russula lepida

    2) Russula lutea/vitellina/risigallina; der Geschmack (Geruch?) ist mit süßlich treffend beschrieben

    3) Russula vesca

    4) Russula faginea; sollte spätestens am nächsten Tag nach Hering riechen

    5) Russula pseudointegra

    Sind alles wohlgemerkt Vermutungen, die durch nachfolgende Bestimmungsarbeit untermauert oder widerlegt werden müssten (Makrochemie, Mikroskopie).

    zum Beispiel:

    R. risigallina hat Sporenpulverfarbe 4e, das ist nicht mehr gelb, das ist eigentlich schon orange

    R. vesca hat lachsrosa Eisensulfat-Reaktion

    R. faginea hat meergrüne Eisensulfat-Reaktion

    R. pseudointegra hat vollkommen negative Guajak-Reaktion


    Edit: Deiner Kamera scheint das Weiß nicht zu gefallen, die erzeugt um die weiße Fläche herum immer so einen weißen Nebel und allgemeine Unschärfe.

    FG

    Oehrling

    Hallo Suillus B.,

    über den Geruch hast du noch nichts geschrieben, dabei wäre der hier wichtig. Inocybe maculata, die ich übrigens auch spontan assoziierte, riecht nämlich nicht typisch inocybig-spermatisch, sondern appetitlich pilzig-trüffelartig, etwa so wie ein nahrhafter Eintopf.

    FG

    Oehrling

    Dem das passierte, das war ich.

    Das Problem mit den verschwindenden Bildern taucht bei mir dann auf, wenn ich nach dem Einbinden der Bilder noch einmal was am Text rumfummeln will. Seitdem ich das so mache: erst den Textrahmen komplett fertigstellen, dann die Bilder als letzten Arbeitsschritt vor dem Wegschicken in den schon fertigen Text einbetten, seitdem gibt es keine Probleme mehr.

    FG

    Oehrling

    Hallo Grüni,

    Das Täublingsbuch von EINHELLINGER ist von 1985. Schon damals war die verwendete Sprache nicht mehr ganz zeitgemäß. Wie mir W. Jurkeit, der EINHELLINGER persönlich sehr gut kannte, berichtete, soll dieser ziemlich verschroben und eigenbrötlerisch und auch sonst ein leicht aus der Zeit gefallener Mensch gewesen sein. Sein täglich Brot verdiente er als angestellter Orchestermusiker. Jurkeit nannte mir auch das Instrument, aber ich habe es leider nicht mehr parat.


    Hallo Claus,


    die pelargonia-/violacea-Gruppe ist eine der schwierigeren Untergattungen. Man kommt ganz leicht in sie rein, nämnlich durch den markanten Ölsardinengeruch in Verbindung mit weißen Lamellen und grauviolett-grünlichen Hutfarben. Aber innerhalb der Untergattung wird es dann schwierig. SARNARI, da will ich KarlWs Aussage bekräftigen, kannte R. violacea anscheinend nicht aus eigener Anschauung. Daher hat er die Art auch nicht standardisiert beschrieben, sondern nur im Diskussionsteil zu R. pelargonia erwähnt und andiskutiert.


    Ich schildere dir mal kurz meine eigenen Erfahrungen mit dieser Sektion:

    In meinem Nachbarort Waldenburg gibt es einen Fußballplatz, an dessem Rand ein Eichenhain steht. In diesem Eichenhain wächst ein grauvioletter, ziemlich kleiner (Hutdurchmesser ca. 3 bis 5 cm) und zerbrechlicher Pilz, dessen Fleisch beim Eintrocknen eindeutig graut und nicht gilbt. Dieser Pilz liefert Sporen mit verbunden-warzigem, also nicht isoliertem Ornament, und relativ dünnen Epikutishaaren (so wie bei deinem Fund), den ich aufgrund des grauenden Fleisches als R. pelargonia eingetütet hatte. Pilze ebendieser Art trafen W. Jurkeit und ich auch schon im Plauener Stadtpark an. Die abgebildeten Stiele deiner Aufsammlung scheinen aber in der Tat zu gilben und nicht zu grauen, weshalb das die "echte" R. violacea sein könnte, von der im SARNARI leider keine Sporen und Huthautelemente abgebildet sind.

    Vor drei Jahren fanden dann auf einem Kroatien-Pilzkurs A. Gminder und ich an einem Straßenrand unter laubabwerfenden Eichen, mutmaßlich Flaumeichen, einen ziemlich großen (Hutdurchmesser bis an die 10 cm), nach Ölsardinen riechenden Pilz, der auf der Huthaut neben der grauvioletten Grundfarbe exakt die chromgelben Flecken hatte, die im SARNARI Band 1 auf S. 605 abgebildet sind. Somit hatten wir in Kroatien Russula clariana gefunden, einen Pilz, den ich in Deutschland dagegen noch nie gesehen habe und den ich für deinen Fund ausschließe. Genauso ausschließen kann man hier wohl SARNARIs R. innocua, deren Huthaut von ziemlich dicken, aufgeblasen wirkenden Haaren dominiert wird. Dagegen schauen die Dermatozystiden anscheinend bei allen Arten der Untergattung so ziemlich gleich aus und taugen nicht als Unterscheidungskriterium.


    FG

    Oehrling

    Hallo liebe Mitrater,


    nun noch die Auflösung zum letzten Teil des Kärnten-Pilzrätsels:


    1) Hydnellum aurantiacum sensu MAAS-GEESTERANUS, Hydnellum floriforme sensu HROUDA (Orangeweißer Korkstacheling); sozusagen der "Bruder" des beim vorherigen Sechserpack gezeigten Orangebraunen Korkstachelings; dieser hier hat keine gezonte, sondern eine "fluffig-wolkige" Hutoberfläche

    2) Tricholoma fucatum (Olivgrüner Ritterling); genannt wurde T. viridifucatum, doch dies wäre ein Laubwaldpilz; nach CHRISTENSEN/HEILMANN-CLAUSEN heißt der entsprechende Vertreter im Nadelwald T. fucatum

    3) Amanita submembranacea (Grauhäutiger Scheidenstreifling); die namensgebende graue Volva ist hier gut zu sehen; die auch genannte Amanita ceciliae bildet keine gut sichtbare, stabile Volva aus, sondern hat an der Stielbasis typischerweise nur zerrissene Velumflocken

    4) Phellodon connatus/melanoleucus (Schwarzweißer Duftstacheling); wurde von allen erkannt

    5) Sarcodon fennicus (Finnischer Braunsporstacheling); der Bittermandelgeruch ist arttypisch, so dass man ihn sofort ansprechen könnte - wenn man ihn denn einmal finden würde; für mich war das ein persönlicher Erstfund; gesehen hatte ich ihn vor ein paar Jahren schon mal auf einer Pilzausstellung in Thüringen, wo er von H. Kössel gefunden worden war

    6) Ramaria rubrievanescens oder rubripermanens (Rotspitzige Gebirgskoralle); beide Namen wurden akzeptiert, da es zwischen diesen Arten nur graduelle Unterscheidungsmerkmale gibt; was es dagegen nicht war: Ramaria botrytis (Hahnenkamm-Koralle), das ist ein strikter Laubwaldpilz, der weitaus größere Sporen hat


    Angesichts der Schwierigkeit der vorgestellten Pilze machten in dieser letzten Runde nur noch drei User mit. Werner E. hatte wieder alle richtig, sehr gut sah auch Craterelle aus, die lediglich zu dem Ritterling keinen Artnamen liefern konnte.


    Freundliche Grüße und den allerbesten Dank fürs Mitraten

    Oehrling