Beiträge von Juergen-M

    Hallo zusammen,


    Rote Listen sind ein Relikt aus den Zeiten, als der Mensch einzelnen Arten nachgestellt hat. Heutzutage muss z.b. niemand mehr Singvögel oder deren Eier sammeln, um die Familie zu ernähren, oder damit Geschäfte zu machen.


    Die modernen Roten Listen sind heute eher eine Grundlage für Experten, die damit schützenswerte Landschaften oder Biotope einschätzen können = also dienen sie indirekt dem Biotopschutz! Einzelne Arten kann man nicht schützen, ohne die Lebensräume jener Arten zu schützen. Klingt logisch, oder? Eine Pilzart, die auf der roten Liste verzeichnet ist, zeigt mehr oder weniger an, wie schützenswert (oder wertvoll) das Biotop ist, in der sie heimisch ist. Den Pilz kann man nicht schützen, ohne das Biotop zu schützen. Vom Pilzesammeln weiß man, das es nicht den eigentlichen Pilz (zer)stört, weil der Pilz im Substrat lebt, und nur die Fruchtkörper abgesammelt werden. Langzeitstudien aus der Schweiz und Frankreich zeigen, dass vermehrtes Pilzesammeln nicht für den Rückgang von Arten verantwortlich ist.


    Pilze dürfen also für den Eigenbedarf gesammelt und gegessen werden, außer diejenigen Arten, die nach Bundesartenschutzverordnung streng - und ohne Ausnahme - geschützt sind (wie z.B. Trüffeln aus der Gattung Tuber). Alle anderen Arten, seien sie auch auf der Roten Liste verzeichnet, dürfen gesammelt werden, zum Eigenbedarf.


    Zum Verkauf darf ohne Genehmigung (der Naturschutzbehörde) in Deutschland wild nichts gesammelt werden.


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    Jürgen

    Hallo Yvorj,


    also "Wildruhezonen" gibt es in Deutschland nicht. Es gibt allerdings so ein hellgrünes Schild, auf dem groß "Wildruhezone" draufsteht, und das es im Jagdbedarf zu kaufen gibt, und das Jäger gerne in Wäldern aufhängen (meistens an Bäume nageln!). Diese Schilder haben keine Weisende Funktion und sollen nur Spazier- und Waldgänger davon abhalten, bestimmte Wege zu benutzen, oder Kirr-Plätze (Anlock-Fütterstellen fürs Wild) zu meiden.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Yvoj,


    Pablo hat den gesetzlichen Rahmen schon umrissen. Vermutlich war das ein Jagdpächter, der Dich aus "seinem Revier" haben will;-) Bei solchen Konfrontationen würde ich empfehlen, höflich zu bleiben, aber nicht klein beizugeben, und Namen, Befugnisse und auch Adresse nachzufragen, und darauf hinzuweisen, dass es bei Falschinformation offizielle Beschwerden Deinerseits geben wird. Der Bürger hat nämlich in Deutschland das pivileg, dass er frei zugängliche Wälder betreten darf, und für den Eigenbedarf kleine Mengen Pflanzen, Pilze oder auch Sammelholz mitzunehmen. Förster machen meiner Erfahrung nach keine Probleme, das sind meistens Jäger.


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    Jürgen

    Hallo Drosophila,


    ... würde ich mich jetzt fragen, ob mt dem violetten Hutrand die Innenseite (Lamellen) von Bild 1 gemeint ist?


    Nein, mit Hutrand ist schon die Hutoberfläche gemeint. Die Lamellen sind - wenn die Sporen noch nicht ausgebildet oder unreif sind (ohne dunkle Sporenwand) - auf der ganzen Länge bläulich, und werden dann sehr schnell rostbraun.


    Zitat

    Und sieht man die "büschelig verklebten Hutfasern" irgendwo?


    Ich finde, sie sieht man deutlich. Auf Bild Nr. 3 (Hutoberseite)


    Zitat

    Die Trama-Beschreibung von C. largus passt ja ganz gut.


    Nach Saar besitzt C. largus (reife Exemplare) in der Stielbasis einen Blauton.


    Zitat

    Und dieser C. lividoviolaceus hätte keine violette Randzone


    Das stimmt nicht: Nach Saar "Rand lange violettblau bleibend".


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    Jürgen
    [hr]
    Hallo Wildkatze,


    ich denke schon, dass hier Cortinarius variicolor in Frage kommt. Der stark erdige Geruch lässt auf die Art schließen, auch die KOH-Reaktion und die Blautöne im Fleisch oberhalb des Stieles.


    Noch Grundsätzliches zur Beschreibung von Schleierlingen. Hier sind genaue makroskopische Beobachtungen an jungen und älteren Fruchtkörpern wichtig, dann KOH-Reaktionen des Fleisches, der Hutoberfläche und der Stielbasis, sowie Angaben über den Standort (Nadel-/Laubwald, Böden sauer oder basisch, am besten Begleitpflanzen oder Begleit-Pilzarten mit notieren).


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    Jürgen

    Hallo Pablo,


    natürlich ist C. largus auch noch im Rennen, ich meinte ja nur grob die variicolores-Sektion. Meine C. largusse, die ich bei uns finde, sehen schon etwas anders aus, aber im Alter ist diese Art doch ein ziemliches Chamaeleon - ist mir mal aufgefallen, aber alte Cortinarien sollte man nicht mehr bestimmen!. Ich such noch den Schlüssel von Saar und melde mich dann mal.


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    Jürgen


    Junge C. largus:

    Hallo Alina,


    Deinen Behelf muss ich mir merken, wenn mir mal das KOH ausgeht;-) C. variicolor (oder alte Schreibweise variecolor) hat eine undeutliche Knolle, also keine richtig gerandete, die kann vielleicht auch schon mal fehlen. Ich glaube, ich habe einen Schlüssel von Günter Saar (aus dem J.E.C.-Journal), und schau da mal nach, ob man für Deine Kollektion einen Namen finden kann.


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    Jürgen

    Hallo Norbert,


    mir gehts wie Dir; ich kenn auch so eine Kollektion aus einem Fichten-Weißtannen-Forst, wo ich immer vorbeilaufe;-)


    An den weißen Trichterlingen kann man sich schon die Zähne ausbeissen. C. rivulosa gilt zwar als typische Offenland-Art, aber ich hege den Verdacht, dass man die auch in Fichtenforsten finden kann.


    C. phyllophila fällt hier weg, wie Ingo schon schrieb. Das ist eine größere Art mit deutlich rosalichem Sporenpulver. C. rizii-josephii ist das auch nicht, den habe ich einmal auf im Wald ausgebrachtem Kompost gefunden (ist wohl nitrophil), und wenn man den riecht, vergisst man das nicht wieder, außerdem wächst er büschelig mit flatterigen Hüten und exzentrischen Stielen und ist nie so weiß im Hut (der fleischfarbene Grund ist deutlich zu sehen). Also hier kommt für mich eigentlich nur C. rivulosa in Frage (oder was sehr nah verwandtes, noch unbeschriebenes, was man sequenzieren sollte;-).


    Hier unten mal C. rivulosa von einer moosigen Wiese.


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    Jürgen

    Hallo Hans,


    die Sporen sehen etwas "eckig" - grobwarzig aus. Erinnert an die Gattung Rhodocybe (Tellerlinge). Markoskopisch könnten das alte Frk. von R. nitellina sein, aber die Sporen scheinen dafür etwas zu "rundlich" zu sein.


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    Jürgen

    Hallo Beli,


    die Schleiereule ist bei uns (Schwäbische Alb) kein seltener Pilz. Ich hab die mal verköstigt (mehr als einmal), finde sie aber geschmacklich ziemlich fad. Die Pilze riechen frisch sehr appettitlich, aber gebraten (gedünstet) ist das nacher dann eher eine enttäuschende Sache. Also in punkto Eigengeschmack gibts eine glatte 0. Die großen, festen und selten vermadeten Fruchtkörper tragen wohl zum Mythos des guten Speisepilzes nicht wenig bei.


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    Jürgen

    Hallo Reinhard,


    die Abbildungen bei 123Pilze sind von mushroom-observer, steht auch ganz klein untendran - also keine Abbildungen von Pilzen aus Deutschland oder Mitteleuropa, das sollte man miteinberechnen. Inwieweit diese Abbidlungen kritiklos übernommen wurden, ist mir nicht bekannt, aber ich sehe da auch einen Mix aus verschiedenen Arten, zudem sehen die auch noch "verwachsen" aus, also mit irgendwas befallen oder deformiert. Eine Cantharellus-Monografie kommt wohl demnächst raus (vielleicht weiß einer näheres) - erst dann kann man belastbare Bestimmungen vornehmen. Bei mir schlummern auf der Festplatte auch noch Abbildungen von seltsamen schwärzenden, büschelig verwachsenen Pfifferlingen, die ich aber derzeit nicht einordnen kann.


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    Jürgen

    Hallo zusammen,


    mir wäre nicht bekannt, dass eine Geschmacksprobe (mit sofortigem Ausspucken) bei Pilzen gefährlich wäre, lasse mich aber gerne vom Gegenteil Überzeugen.


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    Jürgen

    Hallo Gregor,


    außer dem büscheligen Wachstum, und dem massenhaften Vorkommen vor allem an Wegrändern, gibt es noch ein sehr charakteristisches Merkmal dieser Art: der Hut ist jung eingebogen und etwas wellig (flatterig), außerdem kann man oft zwei konzentrische Bereiche ausmachen.


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    Jürgen

    Hallo Heinzelmännchen,


    der Vergleich Fruchtkörper/Blüte scheint sinniger*, als der mit den Äpfeln! In der Pädagogik nimmt man gerne die Äpfel als vergleich: Der Baum ist das Mycel, die Äpfel die Fruchtkörper. Ich weiß nicht, in wieweit die kindliche Seele schaden nimmt, wenn man statt Äpfel, Blüten hernimmt *g* Aber eigentlich ist es egal, man kann auch bei Äpfeln bleiben, weil das sowieso alles hinkt, auch die Blüten.


    * Die Befruchtung von Pollen & Samen findet in der jungen "Frucht" statt (im Fruchtknoten der Blüte), daraus entsteht dann die "Frucht" (die eigentlich ein mit Speichsubstanzen und Schutzhüllen umgebender Embryo ist). Dieser Embryo ist was völlig anderes als der Fruchtkörper von Pilzen. Beide können aber analoge Funktionen haben, z.B. durch die Schmackhaftigkeit von äußeren "Fleischhüllen" zur Verbreitung und Verschleppung durch Tier oder Mensch beitragen! Daher ist der Vergleich mit den Äpfeln gerade für kleine Kinder sinnvoller, als wenn man versucht zu erklären, wo, wie und wann eine Rekombination stattfindet, oder in welchem Stadium eine Haplo-/ Diploidie oder Zweikernigkeit vorliegt.


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    Jürgen
    [hr]
    Hallo Drosophila,



    Man stelle sich vor, wir Menschen würden wie üblich unsere Ei- und Samenzellen bilden. Diese aber knospen sich ab und entwickeln sich zu vielzelligen haploiden Lebewesen 8| Das wären dann diejenigen, die sich um Partnerwahl, Sex und Embryonenherstellung für neue (diploide) Menschen kümmern müssen. Warum nicht... :rolleyes:


    Ja, und das schöne dabei wäre, dass die Illustrierten, Lifestyle- und Promi-Experten über gaanz andere Dinge berichten würden *g*


    Aber "Generationswechsel" ist das Fachwort der Wahl, will man sich durch den Dschungel der Sexualität durchkämpfen:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Generationswechsel



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    Jürgen

    Hallo Trüffelino,



    Pilze sind eben keine Bäume, keine Sträucher, keine Blumen und auch kein Gras. –” Pilze sind Pilze.


    Ein wahres Wort!;-) Aber alles, was auf diesem Planeten lebt, ist miteinander verwandt, und lässt sich - differenziert - miteinander vergleichen. Obwohl uns die Sexualität der Pilze völlig fremd vorkommt; sie sind doch keine "Aliens". Pilze sind sogar näher mit uns (Tieren) verwandt, als mit Pflanzen ;)


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    Jürgen

    Hallo Heinzelmännchen,



    Also: Das dikaryote Myzel wäre die "Ehe" von Papa und Mama, aber "geknattert", rekombiniert wird erst im Fruchtkörper bzw. in den entsprechenden sporenbildenden Hyphensträngen? Und die Sporen dann die "Kinder" / "Geschwisterchen"?


    Ja;-) So könnte man das einigermaßen Anschaulich rüberbringen, aber ... Die Sporen sind nicht die Kinder oder Geschwisterchen, vieleicht eher die daraus entstehenden Primärmycelien - aber auch das hinkt ein wenig.


    Zitat

    Eigentlich ist die Bezeichnung Fruchtkörper ... wie bei andren Früchten, wo die Befruchtung ja bereits in der Blüte stattfand ... etwas irreführend


    Da hast Du absolut Recht! Die "Früchte" der Pflanzen sind eigentlich Embryonen, und die Fruchtkörper der Pilze eigentlich so eine Art externer "Uterus", der sich selbst befruchtet;-)


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Heinzelmännchen,


    Pilzfruchtkörper sind nicht "der Pilz", sondern nur Fruchtkörper, die das Mycel ausbildet. In den verschiedenen Fruchtkörpern finden in jeder Basidie unterschiedliche Rekombinationen der Erbanlagen statt - von daher passt der Vergleich wieder. Von Klone kann man nur reden, wenn sich z.B. das Sekundärmycel "teilt" oder wenn es fragmentiert wird. Aber Fruchtkörper sind Fruchtkörper, keine Klone oder Geschwister.


    Grüßle
    Jürgen