Hallo zusammen,
Einzäunung von Waldarealen gibt es bei uns z.B. nur bei den sogenannten "Vergleichsflächen", oder in Wasserschutzgieten (Auwälder z.B.). Die Vergleichsflächen sind oft Schonungen oder auch Kahlschläge. Der Sinn ist der, in diesen Flächen jeglichen Wildverbiss auszuschließen, um den Wildverbiss im angrenzenden Wald einzuschätzen zu können, also Wildbestandsdichten errechnen zu können. In Gebieten mit viel zu hohen Wildbestandsdichten, errichtet der Forst auch großflächige Umzäunungen von Schonungen und Baumschulen, vor allem in populären Jagdgebieten mit hohem Wildbestand, wozu man die Rostocker Heide wohl zählen kann. Ich schätze, dass hier eine ungute Verquickung von Forst & Jagd & (Jagd)Tourismus zu diesen forstlichen Maßnahmen geführt hat. Da hilft nur eins: die regierenden Parteien abwählen und z.B. die Grünen in die Landesregierung wählen;-) In Baden-Württemberg findet gerade eine Novellierung des Landesjagdgesetzes statt.
Alle anderen Arten von Einzäunungen sind nicht vom Forst sondern eigenmächtige Aktionen von Privatwaldbesitzern oder (seltener!) Jagdpächtern. Dies kann man hinterfragen oder sogar zur Anzeige bringen, da es laut den deutschen Waldgesetzen (Landeswaldgesetze) jedem Bürger erlaubt sein muss, Wälder während bestimmter Zeiten betreten zu dürfen, außer die Wälder sind als gesperrt gekennzeichnet (was nur vorübergehend sein kann, z.B. beim Holzeinschlag, oder aus besonderen anderen Gründen)! Jagdpächter sind aber meistens nicht so dumm, Zäune aufzustellen - das kostest außerdem auch jede Menge Geld! - sie greifen zu Tricks, z.B. machen sie Rückegassen, Wege, Trampel- oder Reit-pfade durch gefällte Büsche oder Bäume unpassierbar, oder sie nageln Warnschilder an Bäume, z.B. mit Zecken- oder Fuchsbandwurm-Warnungen, oder schlichte Verbotsschilder für Reiter, oder die berüchtigten "Wild-Ruhezonen-Schilder". Diese Schilder kann man beim Jagdbedarf erwerben, und paktisch kann die jeder im Wald aufhängen, der Lust dazu hat, sie sind in keinster Weise "bindend". Schändlich ist nur, dass die meisten Jagdpächter die Schilder an Bäume nageln - dies könnte man, wenn man es darauf ankommen lassen will, zur Anzeige bringen, und zwar wegen "Baumschändung" oder "Waldfrevel". Jäger und Jagdpächter, oder auch jagende Förster sind - nach meiner Erfahrung - die einzigen, die keine Besucher im Wald wollen, weil sie ungestört ihrem Hobby nachgehen wollen. Alle "negativen" Begegnungen, die ich in Wäldern hatte, waren ausschließlich mit jagd-affinen Zeitgenossen.
Grüßle
Jürgen