Hallo, Helmut!
Das ist nicht ignorant, sondern genau richtig so. Wenn man etwas Ungewöhnliches beobachtet, soll man nachhaken und auch kritisch hinterfragen.
Ein paar Sachen will ich mal versuchen, zu erklären: Sommersteinpilze (Boletus aestivalis = Boletus reticulatus) und Schwarzhütige Steinpilze (Boletus aereus) sind die beiden Arten mit der filzigen bis samtigen, matten Hutoberfläche. Im Gegensatz zum Fichtensteinpilz (Boletus edulis) und dem Kiefernsteinpilz (Boletus pinophilus): Das sind die beiden, mit der glatten, speckigen und niemals filzigen oder samtigen Hutoberfläche. Bereift können die Hüte bei allen Arten sein, wichtig ist die Haptik der Huthaut an sich.
Darum sind Sommersteinpilze auch eigentlich nie als "Abweichung" von Boletus edulis beschrieben wirden, sondern als eigene Art.
Zum Sommersteinpilz ist mir als "Abweichungsform" Boletus carpinaceus bekannt, der aber noch mal anders aussieht und eher ein bisschen an den Schwarzhütigen Steinpilz erinnert. Insofern gibt es da viel weniger Formen, Varietäten usw. als beim Fichtensteinpilz (Boletus edulis), wo eine ganze Menge abweichender Formen beschrieben wurde (teils als eigene Arten), von denen man aber mittlerweile festgestellt hat, daß sie sich zumindest genetisch nicht wirklich von Boletus edulis unterscheiden. Aber das wären ja alles Formen mit "speckiger" Huthaut.
Alle europäischen Steinpilze sind variabel in der Wahl ihrer Mykorrhizapartner. Wieder Boletus edulis als Beispiel: Der heißt zwar "Fichtensteinpilz", bildet aber minestens genauso häufig mit Rotbuchen Mykorrhiza. Und nicht nur das: Der geht Verbindungen mit ungefähr jeder Baumart ein, die generell in der Lage ist Ektomykorrhiza zu akzeptieren (sämtliche Ahorn - Arten, Rosskastanie & Eberesche können das zB nicht).
Sommersteinpilze sind etwas wählerischer, haben aber immer noch ein breites spektrum an möglichen Mykorrhizapartnern. Es wird sogar über Verbindungen mit Weißtanne gesprochen, auch wenn ich selbst noch keinen Boletus aestivalis eindeutig einem Nadelbaum zuordnen könnte. Aber Roteiche (Kanadische Eiche) geht auf jeden Fall als Mykorrhizapartner für Boletus aestivalis.
Die Hutfarben sind in der Tat sehr variabel, und dazu auch noch witterungsabhängig. Bei sonnigem, trockenem, heißem Wetter finde ich auch oft fast weiße Boletus aestivalis. Du kannst ja nochmal ins Portrait schauen, Jörg hat gerade Bilder von einer besonders schicken, rothütigen Kollektion hochgeladen. So wie du es beschreibst, scheint sich der Umfärbungseffekt beim Trocknen auch umkehren zu können.
Wichtig ist: Das Fleisch muss immer komplett weiß sein, die Pilze dürfen nirgendwo blauen, die Poren müssen bei ganz jungen Exemplaren weiß sein und dann zu gelblich umfärben. Die rostroten Poren bei deinem ziemlich alten Exemplar sind ein Hitze- / Trockenschaden, den ich auch schon oft bei eigentlich gelbporigen oder weißporigen Röhrlingen beobachtet habe.
Wunderlich ist der bittere Geschmack bei einem sehr jungen Exemplar. Von dem wäre natürlich ein Bild interessant, und weil besonders hell gefärbte Sommersteinpilze auf den ersten Blick mal recht ähnlich aussehen können wie Wurzelnde Bitterröhrlinge (Boletus radicans) wäre das vielleicht noch was, das man überprüfen könnte. Nicht sicher beurteilen kann ich da den größen Fruchtkörper auf dem ersten Bild (der kleinere ist aber klar ein Sommersteinpilz). Boletus aestivalis und Boletus radicans können aber auch mal kunterbunt durcheinanderwachsen; wobei dir Fruchtkörper auch direkt nebeneinander stehen dürfen. Trotzdem ist die Unterscheidung normalerweise kein Problem, weil ja Boletus reticulatus nicht blaut und komplett weißes Fleisch hat.
Ansonsten hat der Bittere wohl irgendwas aus dem Boden aufgenommen, was ihn unangenehm macht.
LG; Pablo.