Hallo, Maria!
Das liegt eben daran, daß sich menschliches Wissen über das uns umgebende Leben verändert.
Wissenschaftliche Namen sind ja darum wichtig, weil jeder Name zwingend an eine Beschreibung gekoppelt ist. Und zwar sowohl jeder Gattungs - als auch jeder Artname.
Bei den Volksnamen ist das anders: Den Begriff "Braunkappe" kann jede/r nach Belieben und Tagesform verwenden, wofür man gerade Lust hat.
Bei wissenschaftlichen Namen geht das nicht. Wenn man da Boletus edulis sagt oder schreibt, bezieht man sich immer (!) auf die Grundlage der Erstbeschreibung von Bulliard.
Wobei es da einfach ist: Bulliard hat die Art bei der Erstbeschreibung schon in der Gattung Boletus verortet, und weil's die typusart der Gattung ist, blieb das bis heute unverändert. Allerdings wurde damals so ziemlich alles, was Poren und Röhren hatte, zu Boletus gestellt, also auch haufenweise Pilze, die mit Boletus edulis ungefähr so nahe verwand sind wie Stabheuschrecke mit Hermelin.
Solche Unzulänglichkeiten fallen nach und nach auf, und es müssen Dinge in der Nomeklatur verändert werden. Dann muss zB der Schwefelporling (ebenfalls von Bulliard erstbeschrieben, und dabei natürlich ebenfalls ein Boletus) nämlich da irgendwann raus aus der Gattung. Dann hast du halt ein Basionym: Boletus sulphureus Bull., Herbier de la France 9: t. 429 (1789) <--- Und das wäre eigentlich die vollständige schreibweise eines Pilznamens, nämlich mit Autorenkürzel, Organ der Veröffentlichung der Beschreibung und Jahreszahl. Aus dem wurde nach der Arbeit von diversen Forschern und einer "Reise durch diverse Gattungen" (weil solche Zuordnungen nun eben nicht immer so einfach sind, wir wir uns das als Menschen gerne vorstellen würden) irgendwann ---> Laetiporus sulphureus (Bull.) Murrill, Mycologia 12 (1): 11 (1920) Bezieht sich immer noch auf die Beschreibung von Bulliard, weil das gleiche Epithet (Artname) verwendet wird. Klar, Bulliard hat die Art ja auch erkannt und ordentlich definiert, nur bei der Gattungszuordnung musste man halt was ändern. Was dann halt Murrill im Jahre 1920 in der Fachzeitschrift Mycologia gemacht hat.
Soll nur zeigen: Wissenschaftliche Namen sind alles andere als beliebig, und auch jede Namensänderung, jede Verschiebung enthält zahlreiche wichtige Informationen zu einer Art.
Mit deinen Ellerlingen ist das nicht anders.
Gehen wir's mal mit dem häufigen und bekannten und gut definierten Wiesenellering durch, das wäre die Typusart der Gattung Cuphophyllus nach aktuellem Stand.
Der wurde ursprünglich von Schaeffer im Jahre 1774 beschrieben und zwar als "Agaricus pratensis". Klar, weil genau wie damals alle Röhrenpilze und Porlinge "Boletus" hießen, waren alle Lamellenpilze eben "Agaricus".
Der musste dann da auch irgendwann raus. Klar, oder? Ist ja weder ein Freiblättler noch ein Dunkelsporer. Und da wurde es nun ziemlich kompliziert. Auf jede Änderung in der Gattungszuordnung gehe ich jetzt nicht ein, aber (bis auf ein paar Synonyme, die dazugezählt und teils später wieder separiert wurden): Der Artname war eben immer "pratensis", immer also basierend auf der Beschreibung von Schaeffer. Und wenn dann jemand den Pilz in eine andere Gattung haben will, dann muss das natürlich im vollständigen Namen auch auftauchen. Der Erstbeschreiber der Art steht dann halt immer in Klammern noch dabei.
Irgendwann fiel zB Murrill mal auf, daß es ja auch Saftlingsarten mit herablaufenden Lamellen gibt - und die UNterschiede zwischen Saftlingen und Ellerlingen gar nicht mal so groß sind - jedenfalls nicht makro- und mikromorphologisch. Das ist übrigens schon ziemlcih lange her, und dann hieß der Wiesenellering: Hygrocybe pratensis (Schaeff.) Murrill, Mycologia 6 (1): 2 (1914). Das wurde mal von Autoren so akzeptiert, mal aber auch verändert, eine der Gattungszuordnungen war eben auch Camarophyllus.
Wobei mir persönlich die Einteilung von Marcel Bon als: Cuphophyllus pratensis (Schaeff.) Bon, Documents Mycologiques 14 (56): 10 (1985) - am schlüsssigesten erscheint.
Aber: Es ist eben immer der selbe Pilz, nur die Informationen, wie der sich im Stammbaum verhält verändern sich eben. Was auch wichtig ist, weil jede Publikation, jedes neue oder veränderte Verständnis fügt ein weiteres Mosaiksteinchen zum Gesamtbild einer Art hinzu. Und da darf in der Wissenschaft nichts verloren gehen...
...nur wird es dann mitunter auch sehr komplex, und alles muss man vielelicht gar nicht wissen.
Darum: Nicht von verschiedenen Gattungsnamen verwirren lassen, das gehört dazu.
Der Pilz ist aber als Art immer der gleiche. Ob nun von Bon als Cuphophyllus geschlüsselt oder von Boertmann als Hygrocybe.
LG, Pablo.