Beiträge von Jürgen

    Hallo nochmal,


    zunächst eine Selbstkorrektur: Derzeit wachsen sehr wohl Gallenröhrlinge, und zwar - wie heute selbst festgestellt - auch durchaus in Standortgemeinschaft mit dem Sommersteinpilz...


    Zur Literatur: Bitte nicht alles für bare Münze nehmen. Ich zitiere mal exemplarisch aus Engel (1978), Dickröhrlinge, S. 33 (Sommersteinpilz): "ein feines weißes, oft auch erhabenes und meist deutlich sichtbares Netz überzieht die Stiele oft ganz, auch schon bei recht jungen Exemplaren erkennbar, bei Reife auch bräunlich nachdunkelnd, aber kaum dunkler als die Stielgrundfarbe".


    ABER: Die Farbtafel auf S. 35 von Aurel Dermek (Wiedergabe hier aus urheberrechtl. Gründen leider nicht möglich) bildet 5 Fruchtkörper (2 alte und 3 junge) im Habitus sowie ein Schnittbild ab. Bei zwei der drei jungen Fruchtkörper ist das Stielnetz durchweg dunkler braun als der hell bräunliche Untergrund, nur der kleinste (Knopfstadium) weist helles Netz auf. Bei den zwei alten Frkp. zeigt der eine vollständig (auch an der Stielspitze) dunkel braunes Netz, der zweite nur an der Spitze helles und abwärts ebenfalls dunkles Netz. Wäre das dunkle Stielnetz beim Sommersteinpilz eine seltene Ausnahme, hätte Dermek es sicher nicht auf einem Aquarell festgehalten, das gerade den typischen Aspekt der Art präsentieren soll. Gerade deshalb ist ja die Verwechslungsgefahr mit dem Gallenröhrling beim Sommersteinpilz noch erheblich größer als beim Echten Steinpilz.


    Die Pigmente der Fruchtkörperoberflächen sind vielfältigen äußeren Einflüssen (Oxidation etc.) ausgesetzt, Geschmacks- und sonstige Inhaltsstoffe (von extrem seltenen Mutationen abgesehen) jedoch unveränderliche Merkmale. Wenn also gleich zwei Leute unabhängig voneinander einen "Gallenröhrling" als vollkommen mild verkosten, ist höchste Skepsis angezeigt. Es müssten dann schon alle anderen Merkmale, insbesondere aber die rosafarbenen Röhren, eindeutig passen.


    Grüße, Jürgen


    P.S.: Großpilze Baden-Württemberg, Bd.2, S. 248: "Stiel ... auf hell hasel- bis lederbraunem Grund mit erhabenem, hell bräunlichem bis fast weißem Netz bis fast zur Basis bedeckt." Eine Unterscheidung zwischen jungen und reifen Fruchtkörpern wird nicht getroffen.


    junge Sommersteinpilze haben immer ein weißliches Netz, bei älteren Sommersteinpilzen kann das Netz nachdunkeln, laut Laux in "Der große Kosmos Pilzführer".


    Hallo Rasmik,


    diese Aussage entspricht nicht den Verhältnissen in der Natur. Die Farbe der Netzmaschen variiert auch bei jungen Sommersteinpilzen von weißlich bis bräunlich bzw. die weißliche Farbe kann auf den Bereich nahe Stielspitze/Röhrenansatz beschränkt sein, siehe hier, hier und besonders hier.


    Die Morphologie des Stielnetzes beim Gallenröhrling ist sehr schön hier dargestellt.


    Hinzu kommt, dass schon bei jungen Gallenröhrlingen die Poren deutlich rundlich und geöffnet sind, während bei jungen Steinpilzen die Poren viel enger stehen und ohne Lupe den Eindruck einer geschlossenen weißen Fläche (wie Edelschimmel auf Camembert) machen. Genau das ist auch auf dem obigen Foto zu sehen.


    Grüße, Jürgen


    Hallo Zusammen,
    Steinpilze haben immer eine weisse Netzzeichnung, nie braun, oder andere dunkle Farben. Bei ganz jungen Exemplaren ist Netzmuster manchmal gar nicht zu sehen..... Also, der hier ist kein Steinpilz!
    Gruss
    Zakaria


    Hallo,


    für mich ist der fragliche Fund ein Sommersteinpilz.


    Die verabsolutierende Aussage, Steinpilze hätten nie dunkle Stielnetzfarben, trifft für den Sommersteinpilz jedenfalls nicht zu. Beispiel: http://www.mykopedia.org/files…z_boletus_reticulatus.jpg


    Es ist deshalb nicht nötig, bei der milden Varietät des Gallenröhrlings Zuflucht zu suchen, die bisher kaum jemand in den Händen gehabt hat und bis dato eine recht fragwürdige Angelegenheit geblieben ist. Jedenfalls ist der milde Geschmack viel eher ein Ausschlusskriterium für den Gallenröhrling als umgekehrt das dunkle Stielnetz für den Sommersteinpilz.


    Übrigens hat der Sommersteinpilz im Gegensatz zum Gallenröhrling jetzt gerade Hochsaison, auch wenn das nur ein relatives Bestimmungskriterium ist.


    Grüße, Jürgen

    Hallo Andreas,


    harte Nuss und sicher was Seltenes. Wg. der überstehenden Huthaut wohl eine Art aus Sektion Leccinum, und da am ehesten Leccinum percandidum.


    Problem: das Fleisch wird bei Lannoy & Estades, S. 112, zwar als schwach rötend beschrieben, sollte aber dann allmählich mit der Zeit weiter zu grau-schwärzlich umfärben. Hast du Entsprechendes beobachtet?


    Gruß, Jürgen


    Hallo Gernot,


    Vielen Dank für die Bestätigung :thumbup:


    viele Grüße,
    Andreas


    Hallo,


    es gibt auch von Leccinum variicolor eine Albinoform (cf. L. alboroseolum) - und wenn ich mir das Röten und speziell beim kleinen Fruchtkörper die andeutungsweise sichtbaren Sprenkel/Pockennarben auf dem Hut vergegenwärtige...


    Gruß, Jürgen

    Zitat von Pete Longhorn

    Bild 19, 20) Raufußröhrling, evtl. Leccinum scabrum var. melaneum (Schwärzlicher Birkenpilz), allerdings kann L. variicolor (Vielverfärbender Birkenpilz) ähnliche Fruchtkörper ausbilden.


    In diesem Fall ist es sicher L. variicolor.


    Gruß, Jürgen

    Hallo,

    Zitat von Gerd

    Dann markier mir bitte auf dem Bild einmal irgendwelche Flocken am Stiel


    Dazu ist das Bild nicht scharf genug, ein Netz ist aber ebensowenig erkennbar. Die Art ist trotzdem kenntlich (rote Poren, gelber Röhrenboden, rötliche Stielfarben, sattbrauner Hut)

    Zitat von Gerd

    Erkläre mir die rötliche Verfärbung im Stielfleisch.


    Bei vielen Hexenröhrlingen völlig normale Sekundärverfärbung, wenn sich das Blauen verflüchtigt hat.


    Schönen Sonntag,
    Jürgen


    P.S.: Schon erstaunlich, zu welchen Irrungen Allerweltsarten Anlass geben, wenn sie nur mal eine Nuance von der Norm abweichen.

    Zitat von Pete Longhorn

    der Kontrast zwischen dem blauenden und dem orangen Teil des Fleisches ist bei ihm nicht so stark wie bei X. armeniacus.


    Hallo Gernot,


    da verwechselst du was. Boletus regius hat im ganzen Fruchtkörper rein zitronengelbes Fleisch. Es ist nirgends orange und blaut auch in aller Regel nicht.


    Eher schon könnte man robusten X. armeniacus für Boletus fuscoroseus (= pseudoregius/speciosus) halten, der auch rosaroten Hut haben kann und im Hut im Anschnitt ähnlich blaut. Freilich hat dieser ein immer ein feines Stielnetz auf ganzer Länge (X. armeniacus nur gelegentlich grobmaschig an der Stielspitze) und kein orangenes, sondern blass rosafarbenes Fleisch in der Stielbasis.


    Grüße, Jürgen

    Zitat von PowderBär

    Ebenfalls nochmal danke für den Rotkappenbefund


    Tut mir leid, aber das ist nicht richtig. Auch der kleine mit den schwarzen Stielschuppen ist ein Birkenpilz (L. scabrum). Eine Birkenrotkappe (L. versipelle) hätte in diesem Stadium dunkelgraue, fast schwärzliche Poren. Zudem müsste sie sich im Schnitt schwärzlich verfärben. Du hast zwar jetzt keinen Längsschnitt gepostet, aber ich bin mir sicher, dass dieser Kamerad dies nicht tut.


    Gruß, Jürgen

    Zitat von Pete Longhorn

    Den Birkenpilz erkennt man am im Schnitt nicht(!) verfärbenden Fleisch.


    Das ist nicht zutreffend, auch wenn es in älteren Büchern so steht. Leccinum scabrum kann im Schnitt durchaus rötlich verfärben, vor allem im Übergangbereich vom Hut zum Stiel (Intensität ist von Standort und Witterung abhängig).


    PowderBär: Das sieht nach altem L. scabrum aus. Kannst du was zum Fundort sagen? Ging das in Richtung Garten, Anlage oder Waldrand?

    Ich kenne Frau Lüders Buch nicht, deswegen kann ich nicht beurteilen, ob sie die Art richtig abbildet. Fehlbestimmungen sind aber leider auch in gängigen Pilzbüchern verbreitet.

    Zitat von Andreas78

    Auch wenn es wohl der Aprikosenfarbener Filzröhrling - Xerocomus armeniacus sein sollte


    Andreas, es ehrt dich, dass du nicht gleich alles für bare Münze nimmst - aber in diesem Fall ist der Konjunktiv unnötig. Das IST er. :cool:

    Die ganze Gruppe ist ja auch schwierig und es ist wirklich mühsam, sich zurechtzufinden. Im Grunde geht es - zumal bei Ferndiagnosen - nur mit einiger Felderfahrung UND aktuellem taxonomischem Wissensstand.

    Für ferrugineus sind die Röhren zu stark grünlich und im Verhältnis zur Hutfleischdicke auch etwas zu lang. Wenn man auf Bild 1 genau hinsieht, erkennt man auch, dass die Huthaut fein felderig-rissig ist. Der Pilz gehört in die Rotfüßchengruppe, wegen des blassen, weißlichen Hutfleisches allem Anschein nach zu Xerocomus cisalpinus, einem kürzlich beschriebenen Doppelgänger von X. chrysenteron. Dazu passt auch die weitgehend gelbe Stielgrundfarbe und das Vorkommen am Waldrand bei Eichen. Die Art blaut im Stiel normalerweise stärker, aber es kommen gelegentlich auch solche schwach blauenden Exemplare vor.


    Vergleich:
    xeroc_cisalpinus.jpg
    (die Hutfarbe ist variabel!)

    Das dürfte X. rubellus sein, aber bei roten Filzröhrlingen, zumal älteren Semestern/Einzelfunden, ist es stets ratsam, die Bestimmung mikroskopisch (Sporen, Huthaut) abzusichern.


    Gruß, Jürgen

    Ich habe das auch gegen Marone abgewogen.
    - Für mein Dafürhalten passt die Röhrenfarbe besser zu ferrugineus (müsste bei badius blasser sein oder schon etwas ins grünlichgelbe spielen, aber nicht ins goldgelbe).
    - Auf Bild 1 ist mir die Huthaut eine Tick zu oliv angehaucht für badius, was aber wiederum gut zu ferrugineus passt.
    - Ich erkenne nirgends, vor allem im Schnittbild, eine Blauverfärbung. X. badius muss zwar nicht immer wahrnehmbar blauen, bei X. ferrugineus ist die fehlende Verfärbung aber die Regel.
    - das weißliche, schwach bräunlich durchzogene Fleisch scheint mir auch typisch für ferrugineus
    - die faserige Stieloberfläche scheint mir auch eher zu ferrugineus zu passen


    Leider ist nicht erkennbar, ob der Pilz ein gelbes Basalmyzel hatte.


    Man kann aber speziell bei Bild 2 durchaus auch an eine Marone denken.