Beiträge von KaMaMa

    Hallo,


    vielen Dank Bernd und Ingo, für eure Vermutungen zur Bestimmung der Peltigera!

    Das freut mich, dass ich also nicht ganz verkehrt mit meiner Ahnung lag.


    Die zweite Flechte (Bild 5&6) habe ich nochmal genau angeschaut, besonders die Oberseite des Thallus in der Flechtenmitte könnte aufschlussreich sein - oder in die Irre führen.

    Bild 11


    Wenn ich alleine diesen Bereich betrachte, fühle ich mich doch sehr in Richtung Parmelia sulcata gedrängt: sorediös aufplatzende, ansatzweise netzartige Pseudocephyllen auf der Oberfläche und schwarze Rhizinien auf der Unterseite sind doch ein Indiz für diese bei uns sehr häufig vorkommende Flechte, oder? Immerhin ist ja auch der restliche Baumstam voll damit - auch wenn keine andere am Thallusrand so ausgeprägt wellig gelappt ist wie diese eine hier!

    Es sei denn, die P. sulcata von nebenan streckt frech einen ihrer Thalluslappen ins Bild, über die gesuchte Flechte aus Bild 5 & 6. Immerhin wirken die großen, welligen Lappen doch etwas anders und frei von Netzadern! Und auf dem umgeklappten Thalluslappen dachte ich keine Rhizinien erkennen zu können. Schwer zu entscheiden, das...


    LG, Martin

    Da die Bilder noch nie auf meinem Smartphone waren und beim Aufrufen des Beitrages von Server geladen werden, müssen die Bilder, die ich hier sehe, vom Server stammen.

    Ich hatte bereits ähnliche Probleme mit dem Pilzform-Server, dass Bilder, die bereits zu sehen gewesen waren, plötzlich nicht mehr angezeigt wurden.

    Browser schließen und Neustarten, oder einfach Neuladen der Internetseite haben dann bisher geholfen.


    Ich gehe jedenfalls mal rüber zu PC und schau dort auch nochmal nach dem rechten...


    ... so: hier sehe ich auch alle Bilder. Ich stelle die ersten vier Bilder (Peltigera) trotzdem nochmal ein:

    Bild 1 (steril)

    Bild 2 (Apothecien)

    Bild 3 (Isidien)

    Bild 4 (Rhizinien am Thallusrand)


    Ich hoffe , jetzt klappt's besser! :gbravo:klapp-klapp-klapp!


    Liebe Grüße, Martin

    Hallo Norbert,


    ich habe gerade aufs Handy gewechselt, um das zu prüfen. Hier sehe ich alle Bilder, wie am PC, wo ich den Beitrag erstellt habe...

    Vielleicht hilft ein neuer Verbindungsaufbau?


    Liebe Grüße von Martin

    Guten Morgen,


    angesteckt von Bernds Peltigera-Funden, war ich gestern in den Strombergen suchen und habe an einer besonnten Böschung im Wald zwischen Moos einige Kolonien Peltigeren entdecken dürfen.


    pilzforum.eu/attachment/382023/

    Bild 1 (steril)


    pilzforum.eu/attachment/382024/

    Bild 2 (mit Apothecien)


    pilzforum.eu/attachment/382025/

    Bild 3 (mit Isidien in Bildmitte)


    pilzforum.eu/attachment/382026/

    Bild 4 (Blick auf helle Unterseite mit Rhizinien)


    Aufgrund der Isidien (Bild 3) und der Häufigkeit von Peltigera praetextata im Land, denke ich, diese Schuppen-Hundsflechten vor mir zu haben (Schüppchen am Thallusrand zeigt sie auch viele g:D).

    Was meinen dann die Fachleute hierzu?



    Außerdem habe ich zwei weitere interessante Beobachtungen gemacht, die für mich neu sind.

    An einem Ahornbaum im Wald, nahe dem Waldrand wächst eine stark gewellte Blattflechte mit dunkler Unterseite.

    Große Bereiche des Lagers liegen nicht an der Rinde an. Die Flechte besitzt auffällige Sorale.

    Bild 5


    Bild 6 Stück Thallus umgeklappt, freier Blick auf Unterseite


    Bild 7 - gleiche Flechte von schräg unten - etwa eine Parmontrema, die gilt doch als selten. Kann das sein?

    Es war übrigens das einzigs Exemplar, das ich finden konnte.


    Und ferner, an einer Sandsteinmauer an Dorfrand dicke, graugrüne Polster aus leprös wirkendem Lagern teilweise auf Moos aufsitzend.

    Zur Zeit der Aufnahme (nachmittags) im Schatten gelegen.

    Bild 8


    Dem Lager folgend finde ich plötzlich Cladonientrichter, die aus dem Lager aufragen.

    Bild 9 (Cladonien an Mauer)


    Bild 10


    Normalerweise kenne ich die Cladonien-Lager eher blättchenartig strukturiert. Wurde diese Cladonie überwachsen? :gkopfkratz:

    Aber, falls diese Cladonien überwachsen sein sollten, müsste sich das Cladonienlager (Blättchen) trotzdem irgendwo neben den Bechern zeigen.

    Das lepös wirkende Lager bildet zudem eine schöne Einheit mit den Bechern.
    Was liegt hier vor? Cladonien sind mir noch immer ein Rätsel.


    Es würde mich freuen, wenn jemand meine Funde einzuordnen helfen könnte.


    Liebe Grüße, Martin

    Nach Wirth kommt C.islandica wohl gerne in Zwergstrauchheiden und Magerrasen vor, ... gerne über Kalk, ... findet sich an felsigen Blöcken, in lichten Wäldern, Blockmeeren, ... vom Hochgebirge bis ins Tiefland.

    Das klingt für mich alles nicht äußerst schattig.


    Martin

    Nachtrag,


    ich hoffe, mich nicht lächerlich zu machen und trau mich mal, die zweite Flechte als Peltigera anzusprechen.

    Die vielen weißen Rhizinein am Rand könnten ja dafür sprechen.

    Auf der Oberfläche scheinen Sorale vorzukommen => eventuell eine (junge) P.didactyla?


    LG, Martin

    Hallo Johnnyiy,


    die erste Flechte wirkt auf mich wie Isländisch Moos, eine Cetraria.


    Mit der anderen kann ich im Moment nichts anfangen. Hast du vielleicht weniger stark komprimierte Bilder?


    LG, Martin

    Hallo Norbert, Hallo Peter,


    ich habe vorhin eines der Tierchen vorsichtig umgedreht - das hat ihm überhaupt nicht gefallen!!


    Ziemlich hilflos, auf dem Rücken liegend, hat es kräftig mit dem Körper gepumpt. Die deutlich paarigen, gelben Organe am (hinteren?) Körperende, die von oben gut zu sehen waren, sind auf der Bauchseite so nicht zu sehen. Der rosa Organkranz zeigen auf dieser Körperseite mehr Struktur und bewegt sich heftig im Körper bei jeder Bewegung.

    Der Körper ist schwach segmentiert und beinlos, keine Antennen. Einen richtigen Kopf hat es auch nicht. Und einen Schild scheint es auch nicht zu haben. Es ist stark abgeflacht und recht weich.


    Ein Assel ist es sicher nicht, und an die Schildlaus glaube ich auch nicht so recht.

    Naja, vielleicht verpuppt sich das Tierchen irgenwann und stellt sich dann vor...


    Bauchansicht


    Vermutliches Kopfende


    LG, Martin

    À propos Flechtenbewohner,


    kann jemand mit diesen Gesellen auf folgenden Bildern etwas anfangen?


    Bild 1


    Bild 2


    Gefunden habe ich diese kleinen Kollegen auf flechtenbewachsenen Ästen, die ich vor ein paar Tagen in die "Ferrero-Feuchtkammer" gelegt hatte. Ich möchte schauen, was passiert und bin auch in der naiven Hoffnung, dass sich vielleicht Schleimpilze darauf zeigen könnten.

    Als ich die rötlichen Objekte auf den Ästen bemerkte, habe ich die Stereolupe geholt, um mir das genauer anzuschauen. Es handelt sich meiner Meinung nach eindeutig um Bilaterier! Das ist zwar recht weit gefasst, aber Schleimpilze scheiden eindeutig aus. :gnichttraurig:

    Sie waren wohl bereits vorher irgendwo unter den Flechten oder Holzrissen versteckt. Während des Beobachtungszeitraum beim Fotografieren haben sie sich aber kein bisschen bewegt. Heute, einen Tag später, ist die Zweier-Konstellation aus Bild 2 nicht mehr vorhanden. Sie bewegen sich wohl also doch! :gpfeiffen:


    Bild 3: Einen Tag später aufgenommen zeigt die "Ferrero-Feuchtkammer". Auf dem mittleren Ast sind die rötlichen Kerlchen (4-5 Stück) zu erkennen.


    Hat jemand eine Idee, wen ich hier mit durchfüttere? Maden? Planarien? Alien-Babies?


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    ich werde künftig darauf achten.

    Bisher habe ich neben Schnecken nur diverse Milbenarten, Springschwänze und Pinselfüßer (die waren mir völlig neu) an den Flechten fressen sehen. Aber ich interessiere mich auch noch nicht wirklich lange für das Thema - erst seit dem Spätwinter, da waren die Schmetterlingsraupen vielleicht noch nicht so aktiv ...


    P.S. Weil er so hübsch ist, ein Foto vom Pinselfüßer (an einer Gartenmauer mit leckeren Flechten aufgenommen):


    LG, Martin

    Hallo Ulla,


    ich verstehe, vielen Dank! Ich weder diesen Weg bei Gelegenheit probieren.

    Ich habe noch einige leergeräumte Rocher-Schachteln (inkl. Deckel) herumliegen, die wahrscheinlich nicht so schnell trocknen wie mein derzeitiger Ausbau mit dem (halb)offenen System. Ich habe die Wärme des Sommers unterschätzt und muss fast täglich Wasser zugeben. Mit einem dicht schließenden Deckel sollte der Feuchtegehalt leichter aufrecht zu halten sein.


    Ich habe inzwischen einige Artikel hier im Schleimpilzforum entdeckt, die das Thema behandeln - interessant!


    Falls doch noch was bei dem Versuch herauskommt, informiere ich gerne wieder.


    LG, Martin

    Nachklapp:


    Ich habe papieriges, weißfaules Holz gefunden. Ich hoffe, auch braunfaule Zweige gefunden zu haben. Was bevorzugt denn der Tubifera ferruginosa wohl?


    LG Martin

    Hallo Ulla,


    hier ein paar Aufnahmen von heute morgen:



    Es ist nicht so, dass nichts passieren würde, die Sporen scheinen sich "aufgelöst" zu haben. Um sie herum wirkt die Struktur anders.


    Dein Ratschlag, dass das Pilzlein morsches Holz bevorzugt, ist natürlich Gold wert.

    Im Garten liegt genug davon unter den Hecken.


    Ich mache mir nur Sorgen, dass dem Geruch nach irgendwelche Hefen die Oberhand gewonnen haben, und meinem Gast das Leben schwer machen...


    Sollte ich den Versuch neu aufsetzen müssen, werde ich deine Ratschläge von Anfang an befolgen.


    LG, Martin


    P.S.: die Zweige habe ich erst gestern eingesetzt, um die "ökologische Bandbreite" zu erweitern. ;)

    Hm, mittlerweile sind fast 2 Wochen vergangen: Die Brötchenteile sehen eher wie die orangene Rinde von französischer Munster aus und riechen mittlerweile auch ziemlich ähnlich.

    Hallo,


    bezüglich der unbestimmten Flechte in Bild 4 habe ich mittlerweile unter (Lichens marins) folgende Flechte (Physcia biazina) gefunden, deren Eigenschaften mit denjenigen der beobachteten Flechte m.E. sehr gut übereinstimmen: insb. breitere Lappen als P. aipolia, leicht überlappend, bereifter Thallus (nicht fleckig) und weiß bereifte, verformte Apothecien. Besagte Physcia biziana sieht der in Bild 4 nicht nur sehr gleich, ich finde auch die dortige Beschreibung passt sehr gut zu der gesuchten Flechte.


    Bild von einer P. biziana von Jacques Haine auf Lichens marins


    Insbesondere wird auf der französischen Seite folgendes erwähnt:


    ... upper surface pruinose, dull whitish when dry, greenish when moist (or turning green when sprayed with water - rather specific trait. Apothecia usually numerous, more or less clustered towards the center, cup-shaped, sessile, 1-1.25 mm diam., disc concave to flat, pruinose to powdery, grey, grey-brown, grey-blue, grey-purple, exciple concolourous, smooth to convoluted ...

    Tatsächlich färbt sich die Flechte intensiv blau-grün, wenn mit Wasser benetzt, was als spezifisches Merkmal angegen wird - während die Physcia cf. aipolia 5 cm weiter am gleichen Baumstamm sich bei gleicher Behandlung nur leicht grünlich verfärbt (ohne Bild):

    Flechte aus Bild 4 mit Wasser besprengt


    Vielleicht also handelt es sich um eine der wärme-liebenden, aber seltenen P. biazina? Das mittlere Neckartal hier ist ein sehr wärmebegünstigtes Wein-Anbaugebiet.



    Auch zu der Flechte aus Bild 5 hätte ich mittlerweile den Verdacht, es könnte sich vielleicht um Hypogynmia farinacea ("mehlige Blasenflechte") handeln (Vgl. Lichens marins). Hierzu würde auch das Fehlen der Apothecien passen.


    Hat jemand eine Meinung hierzu? Jeder Kommentar ist mir willkommen.


    Liebe Grüße, Martin

    Vor drei Tagen hatte ich meine Proben mitgenommen und im Flaschengarten ausgebrütet. Mittlerweile haben sie sich deutlich verändert:


    Die erste Probe entstammte dem frischen, gelb-orangenen Stadium aus Bild 1 oben. Man erkennt, dass der Schleimpilz in den vergangenen drei Tagen deutlich gereift ist und etwa das brau-violette Stadium erreicht hat, in welchem sich die großen halbkugelförmigen Aggregate auf dem dritten Bild befanden.

    Aufgrund des hohen anfänglichen Feuchtigkeitsgehaltes des Schleimpilzes haben sich diverse Schimmelpilze in der feucht-warmen Atmosphäre des Flaschengartens über ihn hergemacht. Ich finde es interessant zu sehen, wie viele unterschiedliche Strukturen / Arten sich auf ihm befinden und wohl von ihm zehren. Eigenartig finde ich das grüne Plättchen unten rechte im Schatten. Was könnte das sein?


    Ich hatte vor drei Tagen auch die untere der beiden violetten Halbkugeln gepflückt und mitgenommen, um sie im Flaschengarten zu beherbergen. Das hat ihr nicht geschadet: Mittlerweile sondert sie samtbraune Sporen ab, besonders stark an der Schneckenfraßspur.


    Die Schimmelpilze hatten mit dieser trockeneren Probe weniger leichtes Spiel. Neben ein paar grünen Pünktchen (Schimmel?) spriest ein Laubmoos zu meiner Überraschung aus der Mitte. Daneben befindet sich das gleiche kleine grüne Plättchen wie auf Probe 1. Nachdem sich ein Laubmoos hier wohlfühlt, handelt es sich vielleicht um ein junges Lebermoos?


    Jetzt will ich versuchen, ob ich den Schleimpilz aus den Sporen hochpeppeln kann, und irgendwann ein Plasmodium beobachten kann - wie lange wird das dauern?

    Bisschen altes Brötchen (Haferflocken wären bestimmt besser) mit Wasser durchfeuchtet, in eine Kunststoffbox - in der Mikrowelle kurz hochgekocht, um zumindest einen Teil der Fremdsporen abzutöten. Dann, nach dem Abkühlen, etwas Schleimpilzsporen aufs Brötchen und Deckel drauf. Das Belüftungsloch im Deckel wird mit einem sauberen Stück Papier abgedeckt - mal schaun, was die nächsten Tage noch passiert. Ich will jedenfalls sicherstellen, dass sich immer eine kleine Wasserpfütze in der entlegenen Ecke der Box befindet und was zu fressen in der anderen...



    So, jetzt steht die Box in der Zimmerecke auf meinem Computer, neben dem Fenster - nicht zu hell, nicht zu dunkel, nicht zu trocken, eher nass, wie im schattigen Wald.

    Ob das so klappen kann? Vielleicht kann jemand einen Tipp geben, was ich bei meinem Zuchtversuch beachten muss.

    Wenns nicht klappt, ich habe noch Unmengen an Sporen vorrätig! Drückt bitte den Jungs und Mädels auf dem Brötchen die Daumen! Ich bin sehr gespannt - ich habe so etwas noch nie probiert.


    Viele Grüße, Martin

    Hallo,


    ich habe diese Woche im Pfahlhöfer Wald (Mischwald, Buche, Eiche, Ahorn, ...) an Totholz drei Schleimpilze an zwei nur ca. 10m von voneinader entfernten liegenden Baumstämmen gefunden, von denen annehme, dass sie vielleicht zum gleichen Art in unterschiedlichen Entwicklungsstadien gehören.


    Am ersten, liegenden Baumstamm fand sich in einer Aussplitterung ein Lager aus frischem, noch klebrig-feuchtem Pilz, an dem sich eine kleine silber-grüne Milbe gütlich tat.


    Einen Baumstamm weiter saßen mehrere ähnliche, dunkler gefärbte Aggregate beisammen. Die größeren, grau-violetten Halbkugeln zeigen deutliche Fraß- und Schleimspuren von Schnecken, an dem orange-roten Klumpen zeigt sich eine Assel sehr interessiert.


    Könnte es es ein, dass die unterschiedlich gefärbten Klumpen der gleiche Pilz in unterschiedlichen Entwicklungsaltern sind?

    Ich habe zwei Proben mit nachhause genommen, ehe sie in freier Wildbahn völlig aufgefressen werden. Mal schaun, ob ich sie in meinem Flaschengarten zur Reife bringen kann. Ich hoffe sie schimmeln mir dort nicht weg... <XWäre schade!


    PS: Ich habe eben einen älteren, tollen Eintrag hier im Forum mit dem Titel "Ein oranger Schleimpilz und seine Entwicklung -> Tubifera ferruginosa" von Lothar "Graubart" gefunden, dessen Bilder mich äußerst stark an die drei Varianten des Pilzleins hier erinnern. Ich denke, es sind die gleichen Schleimpilze!


    LG, Martin

    So:

    von der Flechte aus Bild 4 habe ich zwei weitere, etwas stärker vergrößernde Aufnahmen gefunden.

    Zuerst nochmal die Flechte selbst in der Totalen, da das Bild oben fehlt:

    Bild 4a


    .. und die beiden etwas stärker vergrößernde Detailbilder der gleichen Flechte:

    Bild 4b

    Bild 4c


    Die Physconien hatte ich deshalb nicht auf dem Schirm, da diese Flechtengruppe, doch typischerweise recht fleckig breift sein sollte. Das sollte insbesondere an den Lappenenden, also am Flechtenrand gut erkennbar sein. Für meinen Geschmack scheint der Thallus auch für eine Physconia sehr kompakt zu sein, die Physconien sind doch meist recht feingliedrig gelappt.


    Beipiel für den Lappenrand einer Physconia mit typischer fleckiger Bereifung, wie ich sie mir eingentlich vorstellen würde:


    Die Aufnahmen 4bc sind (zumindest bereichsweise) nicht so scharf, wie gewollt. Dennoch denke ich, dass die fleckige Bereifung auch bei dieser Bildqualität sichtbar sein sollte. Ich sehe leider nix. Helfen dir diese Aufnahmen weiter?

    Hallo liebe Flechten-Gemeinde,


    eine sehr wichtige, weil weitverbreitete Gruppe rindenbewohnender Flechten stellen die grauen Schwielenflechten (Physcia/Phaeophyscia/Physconia) dar, die sich in sehr großer Dichte auf Stämmen und Ästen der Bäume ringsum bei mir zuhause tummeln. Auf graue Physcien mit Apothecien stoße ich relativ selten, weshalb ich mich immer über sie freue.


    Nach Wirth/Hauck/Schultz ("Die Flechten Deutschlands") dominieren unter den Physcien die sehr häufigen Arten P.tenella (Apothecien mäßig häufig) und P.adscendens (Apothecien ziemlich selten), gefolgt von den Arten P.aipolia und P.stellaris (beide normalerweise mit Apothecien). Die anderen Sorten seien wohl ziemlich selten. Es heißt dort auch, dass aufgrund von Eutrophisierungstendenzen die sehr häufigen, eigentlich auf Stein beheimateten Arten P.caesia (Apothecien eher selten) und P.dubia (Apothecien häufig) immer öfter auf Bäumen zu finden seien. Ich finde die letztgenennten Arten sehr häufig auf Stein, an Bäumen habe ich sie noch nicht erkannt.

    Aufgrund der Häufigkeitsangaben des Auftretens der Flechten einerseits, der Häufigkeit der Ausbildung von Fruchtkörpern andererseits, sollten die meisten der von mir beobachteten Physcien mit Apothecien also entweder P.aipola oder P.stellaris sein. P.aipolia gilt lt. Bestimmungsbuch als seltener als P.stellaris - das gilt auch für den Bereich mittleren Neckar nach dem Verbreitungsatlas "Flechten Baden-Württembergs" von 1987. Doch ich kann bisher leider P.stellaris keiner der von mir fotografierten grauen Schwielenflechten zuordnen! Deshalb würde ich gerne einige meiner Schwielenflechten-Aufnahmen hier zeigen und zur Diskussion stellen, ob ich die Flechten richtig anspreche - ich beschäftige mich noch nicht lange mit dem Thema und bin kein Biologe.


    Auf dem Ast in Bild 1, zwischen dem, was ich ziemlich sicher für P.adscendes halte, sitzt in der Astgabel eine andere graue Flechte. Sie besitzt dunkle, bereifte Apothecien - eine P.aipolia oder P.stellaris? Die Läppchen liegen, wie gefordert, dicht am Ast an (keine P.tenella, P.adscendens). Besitzt sie weiße Flecken auf dem Thallus zur Unterscheidung zu P.stellaris? Ich habe die Flechte mitgenommen und zuhause angefeuchtet unter der Stereolupe kontrolliert, um eventuell vorhandene weißen Flecken auf der Rinde zu finden. Ich denke, sie sind in Bild 2 zu erkennen. Ich wüsste nicht, was sonst mit weißen/hellen Flecken gemeint sein könnte. Ferner finde ich, dass die lockere Anordnung der Randlappen besser zu P.aipolia als zu P.stellaris passt.

    Bild1

    Bild 2


    Die zentralen Flechten in Bild 3 würde ich für ebenfalls für P.aipolia (hier umgeben von kleineren P.tenella-Individuen) halten, da P.tenella ja normalerweise keine Apothecien besitzt - oder ist das hier eine Ausnahme? Ich sehe jedenfalls nirgends Lippensorale, auch wenn die Rhizinien oben rechts im Bild deutlich unter den Randläppchen tenella-artig hervorlugen. Ich finde, die Flechten sehen derjenigen in Bild 1 gleich - also wieder P.aipolia?

    Bild 3


    Anders sieht die Flechte in Bild 4 aus. Die Apothecien der Flechte in Bild 4 (am Baumstamm wachsend) sind vollständig weiß bereift, die Randlappen überlappen sich gegenseitig, der Thallus ist im Zentrum sehr stark "gekräuselt". Ich vermute, es handelt sich definitiv um eine andere Flechte als in den vorherigen Aufnahmen, also nicht um P.aipolia. P.stellaris besitzt m.W. aber eher unbereifte Apothecien und scheidet somit vermutlich aus, obwohl die dichte Anordnung der Lappen zu P.stellaris passen könnte... Nun?

    Bild 4


    Eine sehr ähnliche, gekräuselte Thallusstruktur, wie in Bild 4, habe ich bisher nur ein weiteres Mal beobachtet (Bild 5). Die Flechte am Baumstamm in Bild 5 besitzt allerdings lediglich eine, ganz winzige Apothecie (roter Pfeil):

    Bild 5


    Recht ähnlich wirkt auch die Flechte, die sich in Bild 6 an einen Ast klammert. Sie weist stark bereifte Apothecien und dicht anliegende Randlappen auf:


    In Bild 7 nun meine ich, wegen der helmartigen Lappenenden, eine P.adscendens zu sehen, die ausnahmsweise Apothecien ausgebildet hat. Die aufsteigenden, helmartigen Lappenenden sprechen m.E. hierfür:

    Bild 7


    Eine weitere graue, physcienartige Flechte, die in großer Anzahl flächig einen Stamm bewuchs, und eine wirklich hohe Dichte von Apothecien aufwies, ist in Bild 8 gezeigt. Die Flechte weist zudem viele flächenständige - aber nicht kugelförmige - Sorale auf, sodass ich hier geneigt bin, in dieser Flechte keine Physcia (caesia/dubia), sondern eher eine Phaeophyscia (orbicularis) zu erkennen.

    Bild 8


    Die Aufnahmen wurden durchweg an mehr oder minder einzel wachsenden, bzw. locker gruppierten Laubbäumen gemacht. Ich erinnere mich hauptsächlich an Ahornbäume (außer Bild 1, eventuell an Kirschpflaume).

    Da ich keine Chemikalien besitze, komme ich mit den Bestimmungsschlüsseln nicht wirklich weiter.


    Die angeblich relativ häufige P.stellaris habe ich also noch nicht gefunden, oder doch?


    Ich neige zu folgender Zuordnung:

    Bild 1-3 Physcia aipolia

    Bild 4-6 mir völlig obskur (oder doch P.stellaris??)

    Bild 7 Physcia adscendens

    Bild 8 Phaeophyscia orbicularis


    Was meint ihr dazu?


    LG Martin

    Vielen Dank Peter,


    die Antwort klingt für mich sehr plausibel! Dann sind wohl doch Insekten die Urheber!


    Die Tatsachen, dass manche Schmetterling ihr Gelege an den Untergrund farblich anpassen können, ist spannend und neu für mich. Könntest du eventuell eine/die Schmetterlingsgattung nennen, die solches tut - dann könnte ich ein bissle weiter recherchieren.


    Vielen Dank auch für die Korrektur der Flechtengattung. Das ist gar nicht so einfach, wie man zuerst denkt, und man braucht jede Menge Erfahrung, alleine schon zur Gattungs-Einordnung! Ohje - da viel zu lernen ich noch habe... :gomg:


    LG Martin

    Danke für eure Antworten!


    Bernd, den Vergleich mit der isidösen Pretussaria corallina verstehe ich leider nicht. Ich kann - gerade bei dieser Pertusarie - keinerlei ähnliche Strukturen erkennen.


    Normalerweise sind die Apothecien, wie bei Pertusaria pustulata, doch eher in unterschiedlichen Größen statistisch über den Thallus verteilt, nicht in gleicher Größe und in dichtester Packung angeordnet. Ich habe auf eurer dreier Anregung hin meine alten Aufnahmen durchforstet und stelle fest, dass ich in mindestens zwei anderen Bildern (am gleichen Tag am Standort des ersten Bildes aufgenommen) ähnliche Strukturen, aber nicht so streng angeodnet, finden kann!

    Wahrscheinlich hatte ich Gespenster gesehen, weil die Apothecien so symmetrisch angeordnet waren.


    Ihr habt bestimmt recht mit eurer Annahme, dass es sich einfach um Apothecien, wenn auch ungewöhnlich angeordnete, handelt.


    LG, Martin