Beiträge von KaMaMa

    Hallo,


    nach Beschäftigung über drei Abende mache ich mit der Flechte aus Bild 21 Schluss!

    Es ist eine Flechte aus dem Artenkomplex (Myco)Bilimia und mehr geht nicht...

    Bild B1 Die Flechte wächst am Gunde eines Baumstammes, höchstwahrschienlich einer Rotbuche, über Moos


    Bild B2 Die Apothecien sind überaus üppig und ballen sich teils zu Clustern zusammen, verwachsen miteinander.

    Der Thallus ist körnig (50-100µm) und, hier im waldfeuchten Zustand, deutlich grün.


    Die Färbetests an Thallus und Apothecium bleiben negativ (P-, K-, KC-, C-);

    allein Lugol auf ein Apothecium gebracht färbt dieses dunkler (leichter Violettstich).

    Das Hymenium ist amyloid, der Querschnitt zeigt dies später deutlich.


    Der typische Duchmesser von Einzelapothecien liegt bei unter 1 mm.

    Mit Wasser durchsogen ist bei einem jungen, flachen Apothecium der helle, transluzente Rand und ein dunklerer Kern erkennbar (Einsatzbilder).

    Bild B3 Trockener Zustand, unter der Lupe: Die größeren Apothecien sind (stark) konvex und unberandet, hellbraun.

    Junge Apothecien sind flacher und zeigen einen flachen, breiten, hellen Rand, der im feuchten Zustand noch deutlicher wird.


    Bild B4 Querschnitt durch älteres Apothecium in Wasser.

    Der Rand (Excipulum) ist unter das Apothecium eingerollt und damit von oben unsichtbar.


    Hymenium, speziell der dicke Tholus in der Ascuskappe ist stark amyloid:

    Bild 5 Hymenium in Lugol


    Für die grobe Gattungsbestimmung muss als eine Sporenanalyse gemacht werden.

    In Wasser messe ich eine große Bandbreite von Sporenlängen: 15-30 x 4,5-5,5 µm.

    Ferner erkenne ich ein- bis zweizellige Sporen, was zuerst in die Irre führt.

    Erst in Baumwollblau sind die 2- bis 3-fach Septierungen gut erkennbar.

    Die Sporen erweisen sich als 2-4-zellig, es finden sich auch einige wenige Sporen mit mehr Septen.

    Die Sporenoberfläche wirkt glatt, auch in KOH.

    Das Hymenium ist extrem stark verklebt und selbst in 20%iger KOH kaum ordentlich quetschbar.

    Bild B6 Farblose, 2-4-zellige, spindelförmige Sporen (in BWB bzw. in KOH)


    Der Schlüssel führt für kleinere, mehrzellige, querseptierte, farblose, spindelförmigen Sporen in biatorinen Apothecien (K-) mit amyloidem Hymenium und Grünalgen zum Bacidia-Schlüssel.

    Moosbewohnende Arten mit farblos bis bräunlichem Hymenium und breiten Sporen (>4µm) führt zu Myobilimbia/Bilimbia.

    Nicht sorediöser Thallus mit reichlich Apothecien, die rasch gewölbt randlos erscheinen und dickem Hymenium (> 70µm) lassen nur vier Arten übrig.

    Bis dahin ist alles klar. Dann wird es schwierig.


    Mycobilimbia tetramera ("auf Moos an der Stammbasis alter Bäume in naturnahen Wäldern in (hoch)montaner Lage", sehr selten) unterscheidet sich durch die Paraphysen- und Asuswandstärke von Bilimbia sabuletorum s.lat., zudem durch meist (2-)4-zellige Sporen, was ich auch so finde. Körnig-warziger Thallus passt. Ap. zuerst flach oft mit blasserem, vorstehendem Rand - passt auch.

    Ich messe 2 µm, einmal auch etwas mehr. Kein Widerspruch.

    Die Ascuswandstärke von 2-2,5µm ist allerdings deutlich über dem für diese Art genannten Wert von max. 1 µm.

    Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich nur reife Asci betrachten darf, ob ich in BWB messen darf...

    Den Wert möchte ich deshalb nicht in die Betrachtung mit einbeziehen.

    Bild B7 Asus in BWB (gelb: in K/J; grün: in Lugol J+), Ascuswandstärke rot markiert


    Apothecien braun (graub., rotb. ,...) - schwarz

    Ap. zahlreich

    Ap. jung mit deutlich hellem, vorstehendem Rand

    Epithecium farblos

    Hymenium farblos, braun im äußeren Teil

    Excipulum farblos, dick

    Hymenium farblos, bis 100 µm dick

    Paraphysenstärken bis 2,0µm

    Hyp. blass, oben rotbraun

    Sporen (2-)4-zellig

    Sporen mit glatter Oberfläche

    Gebirgsflechte

    Das passt meist erstaunlich gut, insbesondere den Farbverlauf über den Ap.-Querschnitt finde ich nur bei dieser Art wieder (vgl. letztes Bild auf Italic-Seite).

    Auch der Rand des jungen Apotheciums ist hier am besten abgebildet.


    B. lobulata

    hat einen anders strukturierten Thallus (1 mm große Schuppen) und Sporen meist unter 20 µm - scheidet aus...


    B. microcarpa

    Apothecien zimtbraun - schwarz, selten gelbbraun; glänzend

    rel. dichtstehende Ap.

    Epihym. blassbraun-rotbraun, auch grün untermischt

    Paraphysenstärken von 1,5-2,0µm

    Hyp. braunrötlich bis farblos (Gradient wird nicht erwähnt)

    Sporen (2-)4-zellig

    Sporen ohne warzige Oberfläche

    Gebirgsflechte


    B. sabulatorum

    Apothecien rosabraun - schwärzlich

    Ap. jung erhaben (!) berandet

    Epihym. farblos, bräunlich, braun; grün, smaragdgrün, schwarzgrün

    Paraphysenstärken von 2,5-4,0µm

    Hyp. oben bäunlich, darunter heller

    Sporen (4-)6-8(-12)-zellig

    häufige Allerwelts-Flechte


    Insgesamt eher eine Glaubensfrage, hier eine Art zuzuweisen;

    eventuell passen Bilimbia microcarpa oder Mycobilimbia tetramera am besten.

    An B. sabuletorum glaube ich hier nicht, die Apothecienränder kenne ich anders, zumindest bei jungen Apothecien.

    Falls das in die Variationsbreite von B. sabuletorum passt, tja...


    Hat jemand Erfahrung?


    LG, Martin

    Hallo

    PBR, lupus ,


    von diesem Feldberg (offenbar auch "Großer Feldberg") hatte ich bisher noch nie gehört. Natürlich ist das auch sehr interessant!

    Ein Berg aus Quarzit!

    Ich bin gespannt!


    hilmgridd

    Das war übrigens nur der Pfingstauflug während des Vogesenurlaubs. Wir waren natürlich auch noch woanders - und es war überall schön!

    Vielleicht stelle ich noch ein paar weitere Fotos ein, wenn euch das gefällt. Kann ich ja verstehen, ich war vor Ort!


    Flechtentreffen? Ja, warum eigentlich nicht... Wenn's nicht zu weit weg ist und zeitlich passt, geht das vermutlich schon. Könnte interessant werden. ==Gnolm23


    LG, Martin

    Huh!


    Feldberg!

    ...aber: "i.Ts." steht wofür? Ich hatte höchstens ein "i. Sw." für im Schwarzwald erwartet ...

    Falls es DER Feldberg (im Schwrzwald) ist, bin ich schon sehr gespannt - du zeigst uns doch einige Highlights, hoffe ich?

    Der ist mir bisher (noch) zu weit weg, interessiert mich aber schon lange.


    So, meine Mittagspause ist rum!


    LG, Martin

    Hallo,


    frisch zurück aus den Vogesen, möchte ich nicht versäumen, einige Fotos vom Pfingst-Ausflug auf den Le Hohneck vorzustellen. Le Hohneck ist mit 1363 m der dritthöchste Gipfel der Vogesen.

    Eigentlich wollten wir uns auf den Sentier de Roches wagen, aber da es dauernd nieselte und auch immer wieder regnete, haben wir sicherheitshalber darauf verzichtet und sind vom Col de la Schlucht durch den Wald zum Gipfel hoch.

    Es hat sich wirklich geloht.

    Ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte - Landschaft, Wald, Borke, Flechten, Bäume, Felsen, Flechten, Landschaft, Wahnsinn.


    Der Weg führt zuerst durch lieblichen Rotbuchenwald...

    Bild 1 Hier würde ich im Herbst gern mal Pilze finden gehen


    Gleich zu Beginn zeigen sich große Blatt- und Krustenflechten an den Stämmen

    Bild 2


    Bild 3


    Auch so mancher Porling ist hier zuhause

    Bild 4


    Leider ist das Licht im Wald durch das Blätterdach gedämpft und der wolkenverhangene Himmel gibt auch nicht viel Licht.

    Bild 5 Auch die Parmelien werden tellergroß


    Es findet sich mancher Ausblick, wo man den Blick in die Ferne schweifen lassen könnte,...

    Bild 6


    ...wenn man nicht sofort vom Bewuchs an den Felsen abgelenkt würde.

    Bild 8 Umbilicaria crustulata - ein echtes Highlight! ==Gnolm11


    Bild 9 Nabelflechten gibt es hier wirklich viele. Dieses Exemplar mit schwarzen Isidien auf der Lappenfläche lässt mich grübeln.


    Bild 10 Peltigera zu finden ist immer wieder schön! Aber hier auf dem Berg eher Mangelware...


    Bild 11 Spektakuläre Leprarien sind hier häufig zu finden und sehr fotogen


    Bild 12 Der Gipfel kommt in Sichtweite und einige Felsen am Wegesrand


    Bild 13

    Leider führt unser Weg an den allermeisten Felsen und auch an den Klippen weit vorbei.

    Das war auf dem Nachbargipfel, dem Le Kapelberg besser und man begegnet dort auf dem Weg nach oben erheblich mehr Krusten- und Nabelflechten.

    Dafür sind die Klippen hier spektakulär!


    Bild 14 Mosaik aus diversen Krustenflechten, u.a. gelbe Landkartenflechten


    Bild 15 Noch mehr Nabel- und Krustenflechten


    Bild 16 Moospolster am Wegrand


    Bild 17 Blick vom Gipfel - Wolken versperren den Blick in die Ferne


    Der Weg zurück führt wieder durch den Rotbuchenwald.

    Weiter geht's mit dem Flechten-Biathlon: Abhocken, Fotos schießen, zur Familie aufschließen (meist bleibt es beim Versuch), neue Flechte in Sicht, Abhocken, Fotos schießen, wieder Spurten, ... ==Gnolm23

    Bild 18 Verwunschener Wald


    Bild 19


    Bild 20


    Bild 21 Bilimbia cf. microcarpa mit üppigen orangebraunen Apothecien auf grünem Thallus über Moos


    Bild 22


    Tja, und dann geht's auch schon wieder zum Auto, denn der schöne Tag ist schneller vorbei als einem lieb ist.

    So viel hierzu erstmal. Die Funde werden mich eine ganze Weile beschäftigen!


    LG, Martin

    Hallo Christian!


    Schön , dass du mich an N. pulchella erinnerst - diese "Anfängerflechte" habe ich bisher noch n i e gefunden! ==Gnolm21

    Die Flechte könnte bei mir in der Nähe vorkommen: Soll sie sich besonders in SW-D und von dort aus weiter in ganz D ausgebreitet haben und weiter ausbreiten.

    "Vorkommen an Laubbäumen, selten an Silikatfels": ich vermute also, sie meidet Kalk, dann bin ich wohl einfach in der falschen Region!

    Weiteres zum Vorkommen:

    - Lichtreich, luftfeucht, milde Lagen bevorzugend; in niederen bis montanen Lagen

    - dort auf bemoosten Stämmen oder (seltener) direkt auf Rinde

    - gerne an schiefen und deshalb vollberegneten Stämmen

    - in niederen Lagen an Apfel, Esche, Eiche; in höheren Lagen an Rotbuche und Bergahorn


    Ich halte die Augen weiter offen.

    Meine Hoffnung war und ist, dass diese eigentümlich grau-blaue Färbung sich schon von Weitem von Cladonien und anderen Moosstammbewohnern abheben sollte.

    Ist dem so? Oder muss ich mich bei jedem Baumstamm bücken, um die kleine Biester zu suchen? ==Gnolm14


    LG, Martin

    Hallo Hilmi,


    also einen weißen Thallus hat P. variabilis eher nicht, meist eher (grau)braun oder bräunlich - was einen hübschen Kontrast zu den (manchmal) bläulich bereiften Apothecienscheiben ergibt! Die Apothecien sitzen auf dem Lager auf.

    Merke: Es handelt sich um ein Artenaggregat, das vielfältig daherkommt.

    Gemein ist ihnen ein Apothecium ohne schwarzem Rand (!), sondern mit Thallusrand, also lagerfarben braun oder weißlich. Gelegentlich ist ein auffälliger Vorthallus vorhanden.






    Bei der verwandten P. chalybaea mit weißem Lager sind die jungen Apothecien noch eingesenkt:


    Beide kommen auf Kalk vor!


    LG, Martin

    Hallo Ingo,


    vielen Dank für deine ausführliche Stellungnahme!


    Es freut mich, nicht ganz daneben gelegen zu haben. Besonders freut es mich, falls es wirklich eine P. neopolydactyla sein sollte, denn dann ist sie vielleicht so selten nicht (mehr), wenn sogar ich eine finde.

    Schade ist nur, dass es diesen sichtbaren Flechtenthalli an der Mauer vermutlich durch die Bauarbeiten nicht gut geht, sie eventuell durch das Herunterklappen zugrunde gehen. Aber vermutlich gibt es oberhalb der Mauer in der Vegetation noch mehr davon...


    ABER:


    Besprochen habe ich oben die Flechtenprobe, die zum kleinen Thallus in Bild 3, 7, 8 gehört (auch die Unterseite von Bild 4 passt vom Aussehen hierzu, dieser Thallus ist deutlich größer). Die Flechtenprobe enthielt ursprünglich einige Apothecien, als ich zuhause ankam, leider nur noch ein Apothecium. Der Rest ging irgendwie verlohren. Ich habe es angefeuchtet fotografiert, weil es sonst zu sehr zusammengerollt wäre. In trockenem Zustand vor Ort habe ich noch ein Foto: Die Scheibe ist trrocken hellbraun, feucht orangebraun, der Thallusstiel, an welchem sie bebildet wurde ist 5-6 mm lang, daran schließt sich das Apothecium selbst mit etwa 7mm Länge an.

    Bild 10 Probe von kleinem Thallus aus Bild 2


    ABER:

    Ich vermute momentan, dass zwei Arten in den Proben vorliegen und die zweite Probe, deren Unterseite in Bild 9 gezeigt ist, (gehörig zu Thallus in zu Bild 2) einer anderen Art angehörten sollte. Die Unterseite in Bild 9 und13 ist filzig und trocken aufgenommen. Bilder in feuchtem Zustand zeigen kleine, vertiefte, hellere Lücken im Filz (Bild 14). Es gibt zudem hellere Stellen (Bild 12), frei von Filz und ohne Adern, vermutlich nahe der Wachstumszone.


    Bild 11 Probe zu Thallus in Bild 2 hier bläulich grau (im Zentrum Bild 2 eher bräunlich), ebenfalls glänzend, hochgerollte Unterseite cremefarben - ohne deutlich erhabene Adern und ohne Apothecien... Lappenbreite um 2 cm


    Bild 12 helle Unterseite nahe der Wachstumszone


    Etwas weiter von der Wachstumszone entfernt sieht die Unterseite dieser Probe dunkler und filzig (vgl. auch Bild 9) aus:

    Bild 13 filzig-braune Unterseite von Thallus aus Bild 2 (trocken)


    Bild 14 Gleiche Unterseite angefeuchtet, mit deutlichen hellen, vertieften Flächen


    Zumindest diese Flechte (Bild 2) ist sicher keine P. neopolydactyla.


    Da habe ich unsauber gearbeitet, eigentlich hätte ich nur Fotos von einem Thallus zeigen und nur genau diesen besprechen dürfen. Asche auf mein Haupt!

    Peltigeren sind schon kniffelig!


    LG, Martin

    Hallo Christian,


    zuerst das einfache: die kleinen gelblichen Dinger auf Bild 7 und auch 9 und sicher bei genauerem Betrachten auf allen Bilder zu entdecken, sind schlicht Pollen. Die blöden Dinger verunzieren in Unmengen momentan alle Fotos.

    Der Regen lässt auf sich warten und bis dahin...


    Huch, eben merke ich, da sind ja noch jeder Menge andere Beiträge und diese Frage schon längst beantwortet.


    Kaum steckt man mal 2Stündchen im Stau, schon geht hier die Post ab... ==Gnolm4

    Hallo,


    neben den deutschen Schlüssel kann man aus den italienischen bei Italic verwenden, er führt zu den gleichen Arten. Hab ich natürlich probiert, es bleiben aber die gleichen Fragen.


    Interessant finde ich den direkten Vergleich der Thallusunterseiten von P. polydactylon, neopolydactyla und hymenina im französischen Flechtenführer "Lichens de sol".



    Dem Text nach muss ich wohl die Oberseite im feuchten Zustand nach "maculae" absuchen...


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    aber was kann es sein?

    P. hymenina wäre meine eerste Wahl gewesen, kenne ich aber halt auch nicht und es passt nicht alles zur Beschreibung.


    Was mir bei der Beschreibung zu P.hymenina nicht gefällt, ist die matte bis schwach glänzende Oberseite - ich finde diese Oberseite stark glänzend, sicher nicht matt.

    Die Lappenbreite wird mit "meist" bis 2 cm angegeben; meine Probe hat 3 cm Lappenbreite,deutlich breiter. "Meist" heißt allerdings nicht immer - breiter ist also denkbar!

    Besonders flach und undeutlich kommen mir die Adern auch nicht vor. Sie sind cremefarben, was wieder passen könnte.

    Aufsteigende Lappenränder kann man gut erkennen (Bild 2, 3)

    Die Lappen überlappen sich auch gegenseitig: Eine Probe bestand aus zwei übereinander liegenden Lappen (Einsatz Bild 8).

    Lappenfarbe "meist grau, auch leicht bräunlich" - könnte man durchgehen lassen.

    Helle Rhizinien gibt es, aber nur am extremen Rand.

    Apothecien "(hell) braun bis hell rotbraun", würde passen:

    Ausschnitt Bild 5


    P. hymenina kommt wohl erheblich ofter vor ("selten") als P. neopolydactyla ("extr. selten").

    Auch das spräche für diese Art.


    Mich stören aber die dunklen Rhizinien, die (relativ) dunklen Adern und das kräftige Glänzen der Oberseite.


    Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der die Arten kennt?


    LG, Martin

    Hallo!


    Am Mummelsee fand ich eine Peltigera, die mich schon eine Weile beschäftigt, da sie anders ist als meine bisherigen Funde.

    Den Weg zurück nahm ich auf dem breiten asphaltierten Weg, dessen bergseitigen Rand eine 1-1,5m hohe Mauer gegen Erdrutsch sichert. Diese Mauer war in den etwas schattigeren Passagen mit Moos überwachsen. Aus dem Moos seinerseits wuchsen Peltigeren, von denen sich die meisten Exemplare mitsamt dem Moos von oben her von der Wand abrollten. Das Abrollen mag mit den Kanal/Kabelverlegarbeiten an der Mauer zusammenhängen.


    Bild 1 Weg zum Mummelsee (noch ohne Mauer) mit frisch geschottertem Seitenstreifen


    Der Thallus ist im Randbereich grau, zur Mitte hin bräunlich.

    Die Ränder sind wellig aufsteigend, die Ränder nach innen gerollt.

    Bild 2 Peltigera, teils abgerollt, für Foto wieder hochgeklappt


    Bild 3 Kleines, feuchtes Exemplar tief im Moos. Die wellige Oberseite bildet die Adern nach.


    Bild 4 Abrollendes Exemplar, die Unterseite zeigend


    Bild 5 Fruchtendes Exemplar mit sattelförmigen, braunen Apothecien


    Zu Glück wachsen die Peltigeren aber auch oberhalb der Mauer geschützter auf dem Waldboden!

    Bild 6 Peltigera auf Moos auf Waldboden


    Die Oberseite ist stark glänzend, glatt ohne jeden Filz und unbereift.

    Lappenbrite um 3 cm.

    Bild 7 Trockene, graubraune, glänzende Oberseite (Probe von Thallus Bild 3)


    Die Unterseite ist hell mit cremefarbenen Adern und dunklen Rhizinien, am Rand auch weißliche Rhizinien, dort noch einfach. Die dunklen, langen Rhizinien fasern bei Kontakt mit dem Substrat pinselartig auf.

    Bild 8 Unterseite des gleichen Thallus (Bild 2/7) mit cremefarbenen Adern und dunklen Rhizinien.


    Die Lappen überwachsen einenander (siehe Einsatz in Bild 8)


    Ein größere Probe einer abgerollten, alten Peltigera zeigt eine dunklere Unterseite, die kleine, hellere Vertiefungen besitzt - offenbar sehr breite Adern! Das habe ich erst im feuchten Zustand erkannt. Die Flecken sind aber auch im trockenen Zustand erkennbar:

    Bild 9 Unterseite eines abgerollten, sehr trockenen Thallus (aus Bild 1)


    Ich würde erwarten, dass nur eine Peltigera-Art vorliegt.

    Beim Schlüsseln lande ich bei einer Auswahl zw. P. hymenina, P. nepolydactyla, P. neckeri und P.polydactylon, wobei ich zu P. neopolydactyla tendiere.


    Was meint ihr dazu?


    LG, Martin

    Hallo Hilmi,


    zur Einordnung hat Christian schon das meiste gesagt. g:-)

    2 Mindestens zwei Arten (siehe Christian)

    3 Eindeutig L.muralis

    4 Sarcogyne könnte gut sein (P. variabilis ganz sicher nicht)

    5 Ev. Melanelixia fuliginosa s.lat. o.ä., da samtig isidiös im Zentrum - ist aber natürlich zu prüfen!

    6 siehe Christian

    7 Ev. Lecanora / Polyozosia albescens das Bild gibt leider nicht sehr viel her, zeigt aber lecanorine Apothecien mit sich kaum farblich absetzenden Scheiben

    10 Parmelia sulcata

    11 Hier Sarcogyne cf. regularis - hast du vor Moosverzückung nicht bemernkt

    12 Weiße Kruste mit schwarzen, ledideinen Apothecein gibt es wie Sand am Meer - ev. Lecidella spec.

    13 Vgl. Phaeophyscia orbicularis (neben L. muralis)


    Um sicherer zu sein, braucht man natürlich mehr und scharfere Fotos, Chemie und meist auch noch Mikromerkmale - aber das weißt du ja...


    LG, Martin

    Hallo Christian J. ,


    von dir sind die Beiträge "Flechten für Anfänger"? Die sind wirklich sehr schön gemacht! Jetzt kann ich mich mal persönlich dafür bedanken. Sehr inspirierend! :gbravo:


    Zu schade, dass du die Reihe nicht fortgesetzt hast...


    LG, Martin

    Hallo!


    Der Lemberg bei Gosheim ist mit 1015m die höchste Erhebung der Schwäbischen Alb und wird von einem stählernen Aussichtsturm gekrönt.

    Mehrere Gründe für einen Ausflug, bei dem natürlich vor allem nach Flechten geschaut wird!


    Schon am Parkplatz in etwa 860m Höhe werden die Ahorn- und Birkenstämme von zahlreichen üppigen Blattflechten geziert.

    Das muss genauer beäugt werden.

    Bild 1 Bläulich-graue Rosette von Physconia distorta, die "Echte Raureifflechte", in Verschmelzung mit der gelben Xanthoria parietina, der "Gelben Wandflechte".


    Es kommen noch andere Raureifflechten hier an den Stämmen vor: Neben P. perisidiosa lässt sich auch eine besonders schöne Sonderform von Physconia distorta finden:

    Bild 2 Weniger bereifte, braune Physconia distorta "forma subvenusta" mit hübschen Läppchen (inkl. Rhizinien darunter, siehe Einsatzbilder) an den Apothecienrändern.

    Die Unterseite der Flechte ist tiefschwarz.

    P. venusta, eine ähnliche, mediterrane Art, hat eine helle Unterseite, wächst nicht so radial gerichtet, die Lappen an den Apothecien sind größer, länger und verzweigen sich.


    Einen Baum weiter andere Farben und Formen:

    Bild 3 Pleurosticta acetabulum, die "Essignapfflechte" mit ihrer auffällig düster-grünen Färbung, schwarzen punktförmigen Pycnidien und den großen, typisch geformten Apothecien


    Bild 4 Polycaulonia polycarpa, die winzige "Vielfrüchtige Gelbflechte", setzt sich farblich deutlich von der weißen Birkenrinde ab und wird deshalb schnell gefunden und erkannt.


    Auf den Jurakalk-Felsen unterhalb der Bäume gedeihen kräftig orange und gelbe Blattflechten

    Bild 5 Ich mir nicht sicher, welche Flechte hier vorliegt, eine Probe habe ich leider nicht genommen... Ich lasse mich aber sehr gerne aufklären!


    Bild 6 Diese hübsche, sorediös aufbrechende Caloplaca sollte Calogaya decipiens sein - der "Trügerische Schönfleck" - Candelariella medians kann ich nicht gänzlich ausschließen.


    Weiter oben auf dem Weg zum Gipfel wird die Gegend spannender...

    Bild 7 Abhang neben dem Weg nach oben


    Auch die Rotbuchen sind von Flechten bewachsen

    Bild 8 Pertusaria / Lepra albescens, die "Zonierte Porenflechte", mit bunt gestreiftem Vorlager und weißen, flachen Soralen


    Bild 9 Am Fuße einer Rotbuche am Wegesrand auf Moos die silbrige Parmelina pastillifera mit typisch schwarzen, knopfartigen Isidien und den parmelina-typischen zierlich runden Läppchen


    Am gleichen Baum, nur ein Stück darüber eine Krustenflechte mit gelblich grünen Soralen:

    Bild 10 Könnte Ochrolechia cf. androgyna sein - noch ungeprüft, die gelblichen Sorale wären typisch


    Bild 11 Hypogmnia farinacea, die "Mehlige Blasenflechte", bildet ihre Sorale nicht an den Lappenenden, wie die bekannteren H. physodes und H. tubulosa.

    Sie bildet Sorale in der Thallusfläche. Oft stirbt das Thalluszentrum ab und ringförmige Strukturen entstehen beim Weiterwachsen.


    Bild 12 Auch Braunflechten kommen zahlreich vor.


    Bild 14 Der Lembergturm, 33m hoch und dem stürmischen Wind ausgesetzt. Beim Hochsteigen bemerkt man das deutlich und schließt alle Jackenöffnungen!


    Die Aussicht ist fabelhaft

    Bild 14 Blick vom Albtrauf herunter ziemlich genau nach Westen. Der Testturm in Rottweil ist gut zu erkennen.


    Leider ist die Sicht durch das regnerische Wetter nicht besonders...

    Bild 15 ... trotzdem eindrucksvoll, auch wenn heute weder die Alpen noch der Schwarzwald zu erkennen sind.

    Blick nach Süden über Gosheim dem Albtrauf entlang...


    Weiter geht's!

    Bild 16 Wieder unten, geht es an den Rückweg.


    Bild 17 Ein Trampelpfad führt hier hart an der Kante entlang


    Bild 18 Prachteexemplar einer Peltigera praetextata, auf einem bemoosten Baumstamm. Hier in samtigen Brauntönen.


    Wieder unten muss noch eine flechtenüberzogener Busch inspiziert werden.

    Leider habe ich versäumt, den Busch zu bestimmen.

    Kann man sicher anhand der aufbrechenden Knospen erkennen.

    Weißdorn ist das aber nicht, oder?

    Bild 19 Melanohalea exasperata, die "Raue Braunschüsselflechte", mit warzigem Thallus und warzigen Apothecienrändern kommt hier in großer Zahl vor.


    Bild 20 Wieder am Parkplatz nehme ich Abschied.


    Bild 21 Farbenspiel mit Lecanoren


    Dann muss ich wieder nach Hause fahren.


    LG, Martin

    Hallo Thorwulf,


    vielen Dank für deine wie immer sehr fachkundigen Ausführungen zu Bäumen, Borken, Blättern!


    LG, Martin

    Hallo Andy,


    ich finde, dass die Ästchen nicht ganz passen, sie wirken sehr lang und feingliedrig.

    Das leigt aber vielleicht an der Perspektive...


    Bei uns wachsen viele Mammutbäume in den Wäldern - warum auch immer.

    Sie haben meines Wissens nach stärker verzeigte Äste.

    Ein interessantes Charakteristikum ist übrigens die überaus bemerkenswert fasrige, sehr dicke und sehr, sehr weiche Borke, die als Brandschutz dient!

    Da kannst du mit dem Kopf dagegenrennen, ohne dich (sehr) zu verletzen.

    Probier mal, aber mit der Hand! ==Gnolm7

    Mammutbaum-Gruppe - zugehörige Äste im Vordergrund, zwei Stämme im Hintergrund


    Einzelner Mammutbaum


    LG, Martin

    Hallo Hilmi,


    ja, deinen Beitrag habe ich schon entdeckt und nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet.

    Die beiden Flechtenarten muss man übrigens für die Bestimmung nicht mikroskopieren. Eine Lupe reicht hier aus.


    LG, Martin

    Hallo Hilmi,


    sehr schöner erster Versuch!

    Es hätte mich auch gewundert, wenn da keine Flechten zu finden sein sollten. ==Gnolm4


    Bei der ersten Flechte vergleiche mal mit E. prunastri, wegen der ungleichen grünlichen Oberseite und der rinnigen, weißlichen Unterseiten.

    Sorale kann ich auf den Fotos leider nicht auflösen, aber Isidien sind nicht zu sehen!

    Ramalinen haben gleiche Seiten, R. farinacea viele, ovale Sorale an den Rändern - benutze hierfür deine Lupe und suche den Thallus ab!


    Bei der zweiten Flechte hast richtig du eine Hypogymnia erkannt.

    Allerdings sind die Sorale auf den aufsteigenden Lappenenden (Kopfsorale) und nicht in/unter aufplatzenden Lappenenden wie bei H. physodes (Lippensorale).

    Hier würde ich mit H. tubulosa vergleichen wollen!


    LG, Martin

    Hallo Flechtenfreunde!


    Der Schwarzwald ist eine wunderbare Gegend, worum uns die Welt zu Recht beneidet.

    Der Hornberg (917m) liegt etwa 6 km Luftlinie südwestlich von Bad Wildbad und wird, wie viele Berge im Grindenschwarzwald, von einem Hochmoor gekrönt.

    Bild 1 Im Hochmoor mit Blick zum kleinen Hornsee


    Die Gegend ist feucht und kühl - Ende April liegen hier an den nördlichen Waldränder im Schatten - trotz frühsommerlicher Temperaturen - noch kleinere Schneefelder.

    Bild 1 Flechtenbegrüßung am Parkplatz


    Bild 3 Hier oben gedeihen die Parmelien gut und fruchten regelmäßig (P. saxatilis s.lat., corticol)


    Bild 4 Eine Allerweltsflechte in den höheren Lagen, dennoch immer schön anzusehen - Hypogymnia physodes


    Bild 5 Auch Platismatia glauca kommt in größeren Beständen vor, wie es sich für Bergwälder gehört.


    An den sonnigen, feuchten Wegrändern gedeihen die Cladonien in Massen, darunter auch schöne rotfrüchtige Arten:

    Bild 6 Hier auf magerem, torfigem Boden Cladonia cf. floerkeana mit groben Soredien an den Podetienstielen, mit unförmigen Bechern und knäuligen, roten Apothecien


    In unmittelbarer Nähe zum Wegrand über einem gluckernden Bächlein mein Lieblingsfund des Tages:

    Bild 7 Die Heideflechte Icmadophila ericetorum auf einem morschen Baumstumpf, das Moos überwuchernd (Bild 90° gedreht)


    Bild 8 Beflechtete Stämme


    An der Basis einer sonnig stehenden Tanne am Wegrand fruchtende Schuppenflechten

    Bild 9 An der tiefrissigen Stammbasis eines großen Nadelbaums: Hypocenomyce scalaris, die "Aufsteigende Schuppenflechte" mit einer Vielzahl schwarzer Apothecien


    Bild 10 Die häutig dünne Peltigera membranacea mit einfachen Rhizinien geduckt ins feuchte Moos


    Bild 11 Heerscharen unterscheidlicher Cladonien, u.a. C. macilenta


    Bild 12 Cladonien auf Totholz (C. polydactyla)


    Nein, das ist kein Dreck am Wegesrand:

    Bild 13 Quadratmeterweise schwarzbraune, krümelige Flechtenthallli von Placynthiella uliginosa, der Moor-Schwarznapfflechte, überzuckert mit Pollen und mit knäulig wuchernden, halbkugeligen Apothecien (siehe Bildeinsätze) überall an den Wegrändern.


    Bild 14 Blatt- und Strauchflechten für Hilmgard


    Zum Abschied noch ein Blick über das Wildseemoor:

    Bild 15 Wildseemoor


    Schön war's wieder!


    LG, Martin

    Hallo Hilmi,


    aber gerne doch!

    Aber ich tue mich immer noch schwer, zu glauben, das es keine Blattflechten bei dir an den Bäumen geben soll. Das schockt mich! Im Vogtland gibt es doch Wald und eher kleinere Orte, dachte ich... und keine Schwerindustrie mit rauchenden Schloten, wie in den 70ern, oder?


    LG, Martin

    Hallo Hilmgrid,


    für die Farbreaktionen bei Flechten wird 20%ige KOH genommen (Wirth: 2-4g auf 20g H2O).

    Die 3%ige habe ich auch, verwende sie nur zum ersten Einweichen von festen Apothecienschnitten.

    Die Konzentration reicht hier aber auch nicht immer aus und ich gebe später oft noch ein wenig 20%ige hinzu.


    Hypochlorit: Danklorix verwende ich tatsächlich im Moment - wobei es aber Stimmen gibt, die davon abraten: Danklorex sei zu konzentriert und würde Reaktionen hervorrufen, wo keine eintreten soll. Man könne es verwenden, solle aber die Lösung so verdünnen, etcetc.

    Im Wirth/Hauck/Schulz steht davon nichts, es wird tatsächlich "Klorix" als (sehr) preiswerte Alternative ausdrücklich erwähnt!

    Du bekommst Unmengen zum ähnlichen Preis der kleinen Tropffläschchen. Ich würde empfehlen, hiermit anzufangen (und dann damit weiterzumachen).


    Para-Phenylendiamin-Lösung (nach Würth) gibt es im Chemiekalienhandel, wie dort angeboten verwenden und nur verwenden wenn zur Bestimmung wirklich verlangt (giftig)!


    Als Jod-Lösung wird Lugolsche Lösung angeraten! Melzers ist zu intensiv.


    Gelegentlich / selten wird noch Salptetersäure (50%) verlangt. Habe ich bislang nicht, wird an Privatpersonen auch nicht mehr verkauft.


    Viel Erfolg!

    Martin

    Hallo Hilmi,


    du findest keine Blattflechten, weil es bei dir keine gibt? ==Gnolm11

    An einfachsten sind Baumstämme und Äste zu kontrollieren. Niedrige Obstbäume, Hecken, Alleebäume,... Kronen umgefallener Bäume fällt mir noch ein.


    Wo es keine Blattflechten gibt, wird es auch keine Strauchflechten, erst recht keine Bartflechten geben, sondern wahrscheinlich nur Krustenflechten. Je größer das Oberflächen-Volumen-Verhältnis, desto feuchter brauchen die Flechten es.

    Wenn es also so trocken weil regenarm ist, kannst du feuchtere Orte aufsuchen, an denen es länger kühl und/oder schattig ist oder prinzipiell höhere Luftfeuchtigkeit herrscht wegen offener Wasserflächen: schattige enge Täler, Nordflanken an Bergen, entlang Bachläufen in Wäldern, oben auf den Bergen,...


    Bodenflechten sind zwar interessant, aber prinzipiell schwerer zu finden - z.B. wegen der Vegetation, die sie verbirgt. Da sind Peltigeren dann noch mit am einfachsten zu entdecken, einfach weil sie groß werden.


    Wenn bei die so wenige Flechten wachsen, musst du halt nehmen, was du findest. Oder einen Ausflug in die Berge machen. Je höher, desto kühler und feuchter. Je höher und steiler, desto weniger Zivilisation. Such dir den höchsten Punkt deiner Umgebung und schau dich dort mal um.


    LG. Martin