Hallo Christian,
ein schöner Rundgang!
Ich würde mich Bernds Einordnung zu P. praetextata bedingungslos anschließen - Bernd hat schon alles gesagt!
LG, Martin
Hallo Christian,
ein schöner Rundgang!
Ich würde mich Bernds Einordnung zu P. praetextata bedingungslos anschließen - Bernd hat schon alles gesagt!
LG, Martin
Hallo,
ich mache gerne den Anfang und stelle einige wenige Internetseiten ein, die Stand 2024 sehr gut zum Bestimmen von Flechten, nicht lichenisierten, aber "flechtenartigen" Pilzen und flechtenbewohnenden Pilzen geeignet sind.
1) Übersichten
Eine der derzeit wohl besten europäischen Online-Flechtenbestimmungsseiten ist die Seite ITALIC des italienischen Dryades-Projektes der Universität Trieste.
Hier wird man mit Text und Bild - was manchmal sehr hilfreich sein kann - durch die Bestimmungsfragen geführt.
Die einzelnen Flechtenseiten fassen das Wissen zu der Art erschöpfend zusammen : Name, Synonyme, Verbreitung, Nachweise, allgemeine Beschreibung (Aussehen, Habitat, Mikroskopie, Chemie, ...), viele Fotos.
- The Lichens of Italy - An Interactiv Guide Project Dryades
siehe https://italic.units.it/index.php?procedure=idkeys
- British Lichen Society, u.a. Bestimmungsschlüssel (bislang noch nicht alle Gattungen)
siehe https://britishlichensociety.org.uk/
- Association française de Lichénologie (AFL), nur auf französisch
siehe https://www.afl-lichenologie.fr/
2 ) Gattungsschlüssel
Da man als erstes eine Bestimmungsschlüssel für eine bestimmte Flechtengattung bzw. Formgruppe ähnlicher Flechten braucht, eignet sich für
Flechten:
- "General Key" bei ITALIC funktioniert auch ohne die Gattung zu kennen.
Der Schlüssel deckt alle Gattungen bis zur Art ab!
siehe https://dryades.units.it/home/…&key_id=1692&key_type=lic
Kennt man die Gattung / Klade, so lässt sich die Suche gattungsspezifisch einschränken:
- Bei ITALIC
siehe https://italic.units.it/?procedure=idkeys
- "Liches of Great Britain and Ireland" der British Lichen Society bietet Bestimmungsschlüssel in Form von downloadbaren PDF-Dateien, derzeit Version in 3.
siehe https://britishlichensociety.org.uk/identification/lgbi3
Leider sind (noch) nicht alle Gattungen abgedeckt...
Trotzdem eine üppige Fundgrube!
Lichenicole Pilze:
Etliche lichenicole Pilze und flechtenartige Pilze werden von den Bestimmungsschlüsseln für Flechten mit abgedeckt. Wer tief(er) in die Materie eintauchen möchte, dem seinen folgende PDF-Dateien empfohlen:
- Das vorzügliche mehrbändige Werk "Flora of lichenicolous Fungi" von Paul Diederich, Ana M. Millanes, Mats Wedin & James D. Lawrey published by the National Museum of Natural History, Luxembourg (bislang Band 1 Basidiomycota und Band 2 Hyphomyceten erhältlich) ist noch im Entstehen. Es enthält textbasierte, dichotome Bestimmungsschlüssel zu lichenicolen Pilzen weltweit, Artbeschreibungen mit Farbfotos inkl. Mikroskopfotos, Zeichungen und ausführliche Beschreibungen sowie Verbreitungskarten. Wenn man es nicht gleich in gedruckter Form kaufen möchte, ein kostenloser Downloadlink zu den PDF-Dateien befindet sich am unteren Seitenende.
- "Artifical Keys to the Lichenicolous Fungi of Great Britain, Ireland, the Channel Islands, Iberian Peninsula, and Canary Islands" von DL Hawksworth, 2010 (http://www.ascofrance.com/uplo…e/LichenKeys2010-0001.pdf) ist ein rein textbasierter Bestimmungsschlüssel für die lichenicolen Pilze der nordwestatlantischen Inselwelt.
(Vorsicht, die Seitenanordnung wirkt stellenweise etwas eigentümlich, so wird z.B. entgegen der Darstellung im Inhaltsverzeichnis Key 2 vor Key 1 abgehandelt).
- "Lichenicolous fungi occurring on Xanthoriaparietina in the United Kingdom", British Lichen Society, Edited by Fay Newbery (2024) legt den Schwerpunkt auf die Parasiten von Xanthoria parietina, eine leicht kenntliche Flechte, die in sehr vielen Landstrichen in großer Zahl zu finden ist. So fällt der Einstieg in die lichenicolen Pilze leichter. Die beigefügten Verbreitungskarten beschränken sich auf die Britischen Inseln. Textbasierter Bestimmungsschlüssel, Artbeschreibungen mit farbigen Makro- und Mikrofotos, Verbreitungskarte.
3) andere Bestimmungschlüssel
- Auch hier sei auf die Flechtenseite des Dryades-Projektes Italic verwiesen (s.o.), die eine Sammlung vieler Bestimmungsschlüssel auflistet und verlinkt. (https://italic.units.it/?procedure=idkeys)
Hat man die Flechtengattung herausgefunden, sucht man auf der Übersichtseite den passenden Schlüssel (s.o.) und legt los.
Weiß man nicht, welche Gattung vorliegt, kann man mit dem universellen Schlüssel arbeiten (https://dryades.units.it/home/…&key_type=lic&key_id=1692). Man muss hier ein paar Fragen mehr beantworten, muss aber nichts über Gattungszugehörigkeiten wissen.
- Interessant ist der Ansatz der British Lichen Society (https://britishlichensociety.org.uk/) mit einer Excel-Datei zum Herunterladen zum Bestimmen von Cladonien (https://britishlichensociety.o…ntification/cladonia-keys).
- Aus Kananda ein Schlüssel, der sich auf Makroflechten beschränkt - gut zum Gegenchecken. Aufpassen, in Kanada gedeihen teils andere Flechten als hierzulande!
Der Schlüssel enthält sehr gute Zeichnungen, welche die Fragen des Schlüssels begleiten und teils wesentlich erleichtern (z.B. Peltigera-Unterseiten):
Goward, McCune, Meidinger: The Lichens of British Columbia: Illustrated Keys in zwei PDF-Dateien:
Teil 1 Foliose and Squamulous Species (https://www.for.gov.bc.ca/hfd/pubs/docs/srs/srs08.htm)
Teil 2 Fruticose Species (https://www.for.gov.bc.ca/hfd/pubs/docs/srs/srs09.htm)
4) Alphabetische Listen mit Fotogallerien und Beschreibungen
Weitere sehr gute Seiten mit Flechtenbeschreibungen z.B. zum Gegenprüfen, aber auch einfach zum Blättern und Stöbern sind u.a.
- Referenz ITALIC (siehe oben) - Beispiel X. parietina (https://italic.units.it/?procedure=idkeys)
- Lichens marins (bretonische Seite, französisch und englisch) - Beispiel X. parietina (https://www.lichensmaritimes.o….php?task=accueil&lang=en)
- Irish Lichens (der Name sagt alles) - Beispiel X. parietina (https://www.irishlichens.ie/)
- Association français de Lichénologie, AFL (nur französisch), siehe Menupunkt "Fiches/Fotos/Lichens" - Beispiel X. parietina (https://www.afl-lichenologie.fr/)
- Catalogue des Liches de Suisse - Schwerpunkt Verbreitung in der Schweiz, Beispiel X. parietina (http://www.ville-ge.ch/musinfo…cataloguelichen/recherche)
- TH Mittelhessen, Ulrich Kirschbaum
Lichen Gallery (https://www.thm.de/lse/ulrich-kirschbaum)
- Felix Schumms "Archive for Lichenology" mit einer stetig wachsenden Anzahl von PDF-Dateien, die z.B. über über die BLAM-Mailingliste verteilt werden.
Zuletzt Sammlungen zum Thema "Images of various Lichens" mit hervorragenden Makro und Mikrofotos, - meist von Herbarbelegen - sowie häufig zugehörige HPLC-Tafeln (high-performance liquid chromatography).
Da F. Schumm weltweit unterwegs ist/war, werden Flechten aus aller Welt vorgestellt.
sehe http://fschumm.de/Archive/
- Nicht unerwähnt lassen möchte ich folgende sehr gute Seite aus Nordamerika:
Ways of Enlichenment mit Schwerpunkt British Columbia, u.a. mit einem "morphologischen Schlüssel" und 12 lesenswerten Beiträgen unter "Reading the Thallus".
Die Seite kann zur groben Bestimmung herangezogen werden, indem man sich in der Fotogallerie durch den morphologischen Index klickt:
siehe https://www.waysofenlichenment…ns/morphogroup_index.html
5) Schwerpunktseiten
- Cladoniarium - Cladonien in Italien (Blog)
- Australien Lichens - Flechten downunder, mit vielen Basis-Informationen!
- Lecanomics - Lecanora i.w.S.
6) Kartierung
- Das Portal Flechten Deutschlands (vom Rote Liste-Zentrum) zur Flechtenkartierung (nur nach Registrierung) exisitiert seit 2024 und wächst stetig:
siehe https://flechten.rotelistezentrum.de/
- Das Portal Die Flechten Deutschlands zur Flechtenkartierung (nur nach Registrierung) enthält Stand derzeit (Dez. 2024) etwa 20x mehr Meldungen, ist aber bereits erheblich länger online.
siehe https://www.flechten-deutschland.de/
LG, Martin
Ich freue mich auf weitere Beiträge!
Bei Bedarf ergänze ich auch gerne...
Hallo Ingo,
ja, das Problem hast du richtig erkannt und geschildert. Für die Erdflechtengesellschaften sind die interessanten Stellen auf den Gipshügeln an vegetationsfreien/-armen Orten, an Stellen, an denen die Erdauflage dünn ist, so dass sich keine Blütenpflanzen entwickeln und halten können. Das gilt insbesondere auf und neben Gipsbrocken, die die Oberfläche durchstoßen, und damit auch unmittelbar neben den Abbruchkanten - wobei hier immer Bewegung im Spiel ist und die Vegetation sich stets neu ordnen muss. Besser und langfristiger sind Standorte auf ausgedehnten Hügeln mit dünner Auflage. Deshalb sind dise Hügel geschützt und dürfen nicht betreten werden.
Aufgelassene Tagebaulöcher sind tatsächlich interessant, wenn auch nicht häufig. Darinnen konnte ich vorgestern T. sedifolia in Massen und P.rufescens in größere Zahl, wenn auch kleinere Exemplare, finden und meine Hoffnung auf Interessanteres wuchs. Aber nix... man findet eben nur schnell(er) wachsende und weniger spezialisierte Arten an derartigen Stellen.
Die Gipshalden als Rückzugsort kann ich mir für die Erdflechtengesellschaften nur schwerlich vorstellen, da das Gestein dort nur lose aufgetürmt wird. Die Erosion an freiliegendem Gips schreitet sehr schnell voran und löst ihn auf.
Immerhin sind diese Flechten meines Wissens nach nicht ausdrücklich auf Gips angewiesen.
Der Naturschutz ist hier aktiv und entfernt Aufwuchs, d.h. Büsche und tot organische Materie regelmäßig, gelegentlich wurde die Erdauflage an einigen neuralgischen Punkten entfernt.
Problematisch ist sicher die Landwirtschaft, sie grenzt sehr dicht an sie schützenswerten Gebiete. So grenzt so mancher Acker unmittelbar ans nur sehr schmale NSG und der Dünger fliegt bis in die Randgebiete hinein, wie ich beobachten konnte.
Es ist ein nicht lösbares Problem: denn es ist dem evolutionären Erfolg der mit Abstand invasivsten Art dieses Planeten geschuldet: Uns, den Menschen...
Selbst wir, die wir dies wissen, schätzen und (nur) betrachten wollen, (zer)stören schon durch unsere Anwesenheit auf Schritt und Tritt.
LG, Martin
Hallo Christian,
.
den Dateinamen entnehme ich einen zeitlichen Abstand von 3 Minuten. ![]()
LG, Martin
Hallo, Flechtenfreunde!
Vor knapp zwei Wochen war ich für einige Stunden in dem lieben Ort meiner Kindheit und Jugend in Mittelfranken.
Bei dieser Gelegenheit habe ich mir einen Gipsaufschluss in unmittelbarer Nähe zum einem der zugehörigen Naturschutzgebiete angesehen, die wegen der dort kleinflächig vorkommenden subpannonischen Trockenrasen und der Bunten Erdflechtengesellschaften geschaffen wurde.
Die meisten der ursprünlich hier vorkommenden Gipshügel wurden von der Landwitschaft eingeebnet und werden heute als Ackerfläche genutzt.
Nur sehr wenige blieben stehen und sind heute unter Schutz gestellt.
Die Äcker hier sind übersät mit Gipsbrocken, so wie man es sonst von Kalkgebieten her mit Kalksteinen kennt (z.B. Schwäbische Alb).
Der Wermutstropfen zuerst: Bunte Erdflechtengesellschaften konnte ich natürlich keine finden.
Vermutlich sind sie durch den in unmittelbaren Nähe noch immer stattfindenen Gipsabbau und die sie umgebende Landwirtschaft derartig dezimiert, dass außerhalb der Schutzzonen nichts davon zu finden ist.
Vielleicht bin ich auch zu blind, aber ich fürchte ersteres!
Bild 1 Die schmale Gipswand neben dem Weg ist etwa 3-4 m hoch und max. 10 m tief. Sie wurde von einer sehr bekannten Gips-Firma direkt neben dem Weg stehen gelassen.
Der Besuch diese Habitats war sehr interessant und hat einige für mich neue Flechten finden lassen.
Bild 2 Lesesteine aus Gips, nicht näher untersucht. Vielleicht nächste Mal!
Bild 3
Bild 4 Peltigera rufescens, wie ich meine - findet sich stellenweise in größeren Mengen
Bild 5 Vermutlich Circinaria contorta
Bild 6 Xanthocarpia (ehem. Caloplaca) crenulatella stellenweise mit Gipsausblühungen auf den Apothecien
Die Flechten habe's nicht leicht hier: Das Substrat verwittert ihnen direkt unter den Hintern weg. Man findet immer wieder dünne Thallusreste, die in der Luft zu stehen scheinen:
Bild 7 Erosion unterhöhlt Flechtenthallus frei
Bild 8 Gipsskulptur
Es gibt schöne Funde, die erst unscheinbar sind, hier Enchylium coccophorum:
Bild 9 Gallertflechte Enchylium coccophorum auf Moos über Gips
Bild 10 Kleinschuppig mit reichlich Apothecien
Bild 11 Gleiche Stelle aber angefeuchtet: Thallus stark anschwellend und die braunen Fruchtscheiben zeigend
Die Sporen sind spindelfömig, tropfenförmig bis elliptisch, maximal zweizellig, was letztlich zu E. coccophorum führt:
Bild 12 Sporen und Asci von E. coccophorum
Eine seltsame, sterile Flechte mit stark weiß bereiften Schüppchen, deren Ränder dunkle Soredien tragen, entpuppt sich als Acarospora moenium:
Bild 13
Bild 14 Thallusschuppen 300-700µm groß mit auffallend dunklen Rändern, die sich Sorale herausstellen
Bild 15 Hier wird die schuppige Ausprägung deutlicher, die dunklen stellen sind Sorale und verstreute Soredien
Bild 16 Querschnitt durch Schüppchen mit dunklen Soredien am Thallusrand
Bild 17 Maßnahmen zur Renaturierung nach abgeschlossenem Tagebau (kein Zutritt)
Bild 18 NSG mit der größter Gipshöhe Bayerns (kein Zutritt)
So müssen wir draußen bleiben aus den interessantesten Stellen und das ist auch gut so.
In den zugänglichen Randbereichen sind auch interessante Flechten zu finden, wie zu beweisen war.
LG, Martin
Hallo Hilmi,
Ach, was! Einfach loslegen! Man hilft sich ja und tauscht sich hier aus, oder?
An besten mit großen Blattflechten anfangen, das ist einfacher.
LG, Martin
Hallo Christian,
na, da hattest zumindest du einen schönen Ausflug! ![]()
Bei deinem letzten Fund musste ich etwas in mich hineinlächeln, denn ich erinnerte mich an genau die gleiche Beobachtung von mir vor drei Jahren. Das war dann, wie ich glaube, sogar mein erster Beitrag, bzw. meine erste Anfrage "" hier in Forum. Das kannst du ja mal lesen, wenn du Lust hast. Jedenfalls sind das tatsächlich Insektengelege und die Flechte damit vermutlich P. argena.
Die gelbe, schuppige Flechte ist keine Lecanora, so knatsch-gelb gibt es die nicht, zudem haben die Lecanoren dünne, krustige Lager...
Da würde ich erstmal mich in Richtung Candelaria oder Candelariella umtun und mich von der Braunfärbung (Befall?) nicht zu sehr irritieren lassen.
LG, Martin
Hallo Christian,
oh je, deine Frau macht auch was mit! ![]()
Die Technik der zwei Klingen wende ich häufig an. Das klappt mal besser, mal schlechter, ja nach Härte der Probe.
Bläderweise hat man dann maist nur einen Schnittkörper zu Verfügung.
Am besten funktioniert das Freihandschneiden, wie ich finde, wenn der FK noch auf dem Substrat (Ästchen, Borke oder kleiner flacher Stein) sitzt und dadurch gehalten wird.
Dann kann man unter der Standlupe seitlich mit einer Fingerkuppe der einen Hand führen, und mit der anderen Hand die Klinge halten.
So sind etliche Schnitte parallel durch den gleichen, angefeuchteten FK möglich.
Der kleine Winkelfehler (Keil) fällt nicht weiter auf.
Mit der Nadel kann man anschließend die Scheiben durch leichten seitlichen Druck herausheben.
Das wird zwar nie superdünn, aber für meine Zwecke reicht es meistens.
Das große Apothecium war in Schnittrichtung etwa 400µm breit, damit ist der Schnittabstand unter 100µm ,und dünner als ein Ascus (um 10-20µm) braucht es nicht werden.
Das Passt schon, besonders, wenn man sich auf die dünnsten Schnitte konzentriert.
Blöd sind halt alle FK mit hartem Gehäuse.
Diese brechen gerne statt sich ordentlich schneiden zu lassen...
Da müsste man besser einbetten und ein Mikrotom verwenden, aber der Aufwand soll ja auch nicht zu groß werden.
LG, Martin
Hallo Christian,
ich schildere das mal, so wie ich es verstanden habe, bzw. was ich bislang dazu aufgeschnappt habe. Vielleicht meldet sich ja noch ein mykologisch versierter Forent zu Wort, dem gerade langweil ist, und hilft uns beiden zum Thema weiter? ![]()
Ein Perispor meint eine zusätzliche, gallertige Außenhülle um die Spore.
Sie ist bei den Sporen als schwache, zusätzliche, ggf. auch strukturierte Umrandung um die Sporenwand erkennbar.
Ein Perispor ist wohl bei machen Ascosporen gerade bei jungen oder sogar unreifen Sporen beobachtbar. Es wird bei manchen Sporen im Laufe der Entwicklung offenbar wieder verloren, bzw. ist mit lichtmikroskopischen Mitteln nicht mehr erkennbar. Es kann sich z.B. in KOH auflösen, mit ein Grund, weshalb die erste Kontrolle immer in Wasser geschehen sollte.
Ferner ist meines Wissens nach das Perispor in BWB anfärbbar, bzw.durch Zugabe von Tinte als heller Hof erkennbar. Die Anfärbbarkeit in BWB gemeinsam hat es mit div. Sporenornamenten, was wohl irgendwie zusammenhängen könnte / sollte... ![]()
Den Unterschied zwischen den Sporen beider Placopyrenium-Arten im direkten Vergleich kann ich leider nicht bieten.
Von Verrucaria lasse ich normalerweise auch die Finger, das ist mir noch zu kniffelig und meist komme ich zu keinem Ergebnis, wenn ich es versuche.
Beim P. fuscellum-Fund erschien mir die Flechte so eigentümlich, dass ich guter Hoffnung war, sie bestimmt zu bekommen. Außerdem ist es ja gar keine Verrucarie! ![]()
Die beiden gezeigten Sporenbilder sind nicht optimal und etwas unscharf, geben aber einen halbwegs guten Eindruck. Nach einem Perispor hatte ich ursprünglich nicht gesucht und wollte nicht nochmal eine weitere Probe herstellen, um das besser zu dokumentieren. Das ist bei den Pyrenos oft ein ziemliches Gefummel. Die Flechte ist sehr hart und man kann nur mit einer Nadel das Hymenium aus einem Perithecium herauspolken, wobei keine Thallusanteile mit unter das Deckglas gelangen sollten, sonst hat man Probleme beim Quetschen und bekommt die Strukturen nicht scharf hin. Optimal wäre ein sauberer Dünnschnitt, den ich bei diesem dicken Thallus nicht dünn genug hinbekommen habe, da ich immer Freihand arbeite.
Das (vergängliche?) Perispor ist in diesem Fall neben dem Thallusrand, der Sporegröße und dem Wirt nur ein weiterer Hinweis bei der Bestimmung.
LG, Martin
Hallo,
Ende Januar hatte ich diese hübsche, kleine Flechte entdeckt, deren Schönheit sich wie üblich erst unter der Lupe erschließt:
Placopyrenium fuscellum, die "Braune Zebraflechte" - Zebraflechte ist kein schlechte deutscher Name, wie ich finde.
Ich stelle den Fund vor:
Die gezeigte Flechte wächst auf einer sonnigen und staubgedüngten Kalksandsteinmauer im Weinberg gleich um die Ecke (Neckarbecken), zusammen mit Verrucarien und Lecanoren (Myriolecis cf. dipersa).
Bild 0 Die Weinbergsmauern sind immer wieder für Überraschungen gut!
Bild 1 Unspektakuläre grau-weiße Flechtenansammlung oder einfach nur Dreck?
Tritt man näher hinzu und verwendet die Lupe wird es interessant:
Eine dick wachsende Flechte, tief rissig gefledert mit fein zisselierten schwarzen Linien im Thallus.
Der Thallus ist bis zum Rand dick, seine Dicke fällt dort sehr schnell ab.
Ein Vorthallus ist nicht erkennbar.
Bild 2 Placopyrenium fuscellum: Die einzelne Areolen erreichen Millimetergröße.
Die Areolen zeigen hellgraue Felder, die von feinen, schwärzlichen Bändern getrennt sind:
Bild 3 P. fuscellum über dunkel brauner Verrucaria wachsend.
Ein Probe wandert in die Tasche und wird genauer untersucht.
Eine abgelöste Areole in Wasser schwimmend unter der Standlupe zeigt weitere Strukturen:
Dunkle Pünktchen im Zentrum der hellen Felder, die sich als die Öffnungen von Perithecien herausstellen.
Eine pyrenocarpe Flechte!
Bild 4 Eine einzelne Areole in Wasser: Die Areole ist durch dunkle Bänder in einzelne Felder getrennt. Es befinden sich mehrere dunkle Flecken (Perithecien-Ostiolen) pro Areolen-Untereinheit.
Ein Querschnitt durch die Areole zeigt den inneren Aufbau des etwa 0,3mm dicken Flechtenthallus.
Die Areole besteht aus kleineren senkrechten Thalluseinheiten, die durch schwärzlichen Vorthallus am Rand voneinander und nach unten (Basalschicht) abgetrennt sind.
Betrachtet man die Areole seitlich oder von unten, so ist die sichtbare Oberfläche schwarz.
Die Algen färben den Thallus im Schnittbild zur Oberfläche hin leuchtend grün, weiter unten ist der Thallus gelblich gefärbt.
Im Zentrum der grünen Thallusfächer sind weißliche, kugelige Strukturen erkennbar, die angeschnittenen Perithecien:
Bild 5 Thallusquerschnitt in Wasser. Die quergescnittene Areole hat eine Breite von etwa 2mm
Die Perithecien sind vollständig und sehr tief eingesenkt.
Beim Schnitt wurde die Areolen-Untereinheit ganz links wurde durch die Perithecienöffnung geschnitten.
Hierdurch wird die flaschenförmige Form der Perithecie und ihre Lage in der Tiefe des Thallus gut erkennbar.
Auf der Oberfläche ist eine pulvrig-weiße Schicht abgestorbener Zellen, die Epinekralschicht, zu erkennen.
Bild 6 Querschnitt durch Perithecien. Gut erkennbar die durch schwarze Linein getrennten Untereinheiten, die mittig sitzenden Perithecien, sowie die schwarze Basalschicht.
Unter dem Mikroskop ist die unberindete Thallusoberfläche mit aufliegender Epinekralschicht viel besser erkennbar. Darunter dichtgepackt Grünalgenzellen.
Bild 6 Epinekralschicht, darunter die Algenschicht
Die Sporen sind breitelliptisch, farblos, einzellig, die Größe von 12-19 x 5,5-7,5 µm, was gut zu Placopyrenium fuscellum passt.
Bild 7 Acus mit Sporenoktett
Bild 9 Ausgepresste, freie Sporen - mit oder ohne Perispor?
Hat man erst über das Substrat und die Sporen den passenden Schlüssel gefunden (=> Verrucaria => Unterschlüssel für parasitische Flechten), geht es in nur vier Schritten bis zur gesuchten Art.
Kurze Zweifel bei Schritt 2: haben die Sporen einen Perispor oder nicht (vgl. Bild 9)?
Die einzige Art mit Perispor (P. canellum) kommt auf Circinaria vor, hat im Normalfall größere Sporen und läuft am Thallusrend dünn und rissig aus.
Das passt hier nicht, insbesondere der Thallusrand ist beim Fund abrupt.
Circinaria ist nicht in der Nähe, sondern Verrucaria!
Da die Perithecien zu mehreren in der Fläche der Areolenuntereiheiten sitzen und nicht an deren Rändern, steht damit Placopyrenium fuscellum fest.
P. fuscellum kommt lt. Flechten Deutschlands auf Kalkstein oder kalkhaltigem Gestein vor, oft an Vertikalflächen von Felsen und Natursteinmauern, hier besonders in Weinbergen!
Die Flechte bevorzugt - so wie der Wein - lichtreiche Standorte.
Der Weinberg sorgt für die nötige (Staub-)Düngung, was die Flechte ebenfalls mag.
Jung wächst die Flechte parasitisch auf anderen Flechten, insbesondere auf Verrucaria nigrescens, wo sie sich u.a. mit den benötigten Algen versorgt.
Es lohnt sich halt genauer hinzusehen - dann kann sich vermeintlich grauer Dreck als etwas wunderschönes entpuppen. ![]()
LG, Martin
Hallo,
Pottenstein liegt in der fränkischen Schweiz, einem Teil der Fränkischen Alb. Da sollte alles weißer Jura sein, also Kalk. Dolomit soll auch vorkommen.
LG, Martin
Hallihallo,
an die im Link erwähnte P. polydactylon würde ich hier nicht denken, eher an P. praetextata.
Wobei ich noch nicht mal glaube, dass die abgebildete Flechte dort überhaupt eine P. polydactylon ist.
Deine Flechte scheint blattartige Isidien an den Lappenrändern zu haben (letzte Bild oberhalb Daumennagel, leider nicht ganz scharf erkennbar)!
Radiale, schmale Lappen mit aufsteifgenden Rändern, lange vereinzelte Rhizinien auf der Unterseite würden meiner Meinung nach auch passen.
P. praetextata kommt bevorzugt an der bemoosten Stammbasis vor und ist relativ häufig zu finden.
LG, Martin
Hallo Christian,
vielen Dank für die netten Worte!
Das spornt weiter an. ![]()
Ja, auch ich hier ringe alleine um Wissenserwerb und kenne niemanden in der Nähe, der mein Interesse teilt. Was eigentlich schade ist.
Ich bin sicher, das Wissen kehr schnell zurück, wenn du dich wieder auf das Thema einlässt.
Aber unsere kleinen, bunten Freunde schützen uns vor jeglicher Trübsal, und das ist schön.
LG vom Neckar, Martin ![]()
Hallo Ingo,
Glückwunsch!
Je matschiger der Pilz ist, desto mehr Sporen hat er gebildet. In dieses Stadium rücken Flechtenapothecien nie vor. ![]()
Aber wie bekommt man den sein BWB kaputt und wie äußert sich das denn?
LG, Martin
Hallo Christian,
da ich beide Bücher besitze, kann ich dir kurz einen Vergleich geben, ich hoffe der Verlag hat nichts dagegen, wenn vier Seiten online gestellt werden.
Das neue Buch ist etwas größer, hat ein paar Seiten mehr (428 statt 416), und beschreibt ca. 30 Flechten mehr ("ca. 430" statt "ca. 400").
Der allgemeine und der spezielle Teil sind bis auf das Layout gleich gelieben, es sind auch die gleichen Fotos verwendet.
Das ist auch gar nicht verkehrt, denn der Inhalt und die Qualität von Text und Fotos war und ist sehr gut.
1. Auflage - allgemeiner Teil
2. Auflage - Allgemeiner Teil
Die Flechtennamen wurden auf den aktuellen Stand gebracht (z.B. Gattung Caloplaca aufgesplittet, etc.), die älteren Namen als Synonyme mit angegeben.
Ansonsten ist es nahezu indentisch vom Inhalt, abgesehen von einigen Streichungen hier ein paar allgemeine Zeilen zu z.B. flechtenbewohnenden Pilzen, aber nichts, weswegen man das Buch haben müsste, wenn man die schon sehr gute erste Auflage besitzt. Es sei denn, sie fällt schon auseinander.
Weshalb man dem Text jetzt in zweispaltigem Blocksatz formatiert, erschließt sich mir zwar nicht - ist aber Geschmackssache.
Die Aufteilung in Lebensraum-Kapitel wurde beibehalten.
Allerdings wurde darauf verzichtet, den Schnitt wie in der ersten Auflage entsprechend farblich zu markieren.
Aufgeschlagene 1. Auflage
Die farbigen Markierungen am Schnitt vermisse ich bei der neuen Auflage.
Aufgeschlagene 2. Auflage
Wenn man sich für Flechten interessiert, und noch kein Bestimmungsbuch hat, liegt man bei jeder der beiden Auflagen goldrichtig!
Wenn man schon die erste Auflage besitzt, bietet die Neuauflage wenig neues.
Es ist nunmal das gleiche Buch in 2.Auflage, mit einigen Verbesserungen, Korrekturen, Änderungen - aber im Wesentlichen das gleiche Buch.
Ich verwende weiterhin mein älteres Büchlein, das Neue dient mir als Reserve. Meistens arbeite ich ja sowieso mit dem dickeren Zweibänder.
LG, Martin
Hallo Ingo, ogni volta ,
das war ja ein lohnender Ausflug mit richtig tollen Funden. Glückwunsch besonders zum Prachtbecherling - der fehlt mir definitiv noch als Fund.
Aber die kleinen, gelben Becherchen (Gyalecta) sind ja auch nicht unprächtig. Die finde ich mittlerweile hier öfters. In deinem Bericht hat mich am meisten verwundert, dass es Gegenden gibt ohne Schiftflechten - Ui!
Also, wenn du mal in der Gegend bist, melde dich ruhig, bestimmt geht da was!
LG, Martin
PS: Ich habe mir seit deinem Bericht über den Nürnberger Cladonien-Kiefernwald vorgenommen, dort mal vorbeizufahren und mir die Sache anzuschauen. Ich hab damals gleich mit Google-Earth ausgeknobelt, wo das sein muss. So etwas habe ich damals nicht gesehen, als ich noch in der Erlangen wohnte. Vielleicht fahre ich heuer im Frühjahr/Sommer mal rüber. Wir könnten uns sehr gerne mal treffen. ![]()
Hallo ihr zwei Lakritzfans, Oskar und Reinhard
Kennen nicht viele: Vorsicht vor Laritz-Abusus - nicht übertreiben, kann schlimm ausgehen!
Flechten betrachten hingegen ist gesund, weil man hinwandern muss, und harmlos, weil wenn man nix von isst.
Nicht sooo gesund, wenn man sie nur hier im Forum vom Sessel aus anguckt. ![]()
LG, Martin
Hallo in die Runde!
Eine der eindrucksvollsten und zugleich leicht kenntlichen Flechten auf den Höhen des Schwarzwaldes ist wohl U. cylindrica, die Fransen-Nabelflechte.
Sie gedeiht dort in windigen, wenig gedüngten Bereichen auf niedrigen, wechselfeuchten Silikatgesteinsblöcken.
Mikroskopisch macht sie zwar nicht viel her, aber um so hübscher ist der graue, weiß bereifte Flechtenthallus mit den randlichen, dunklen Fransen und den häufig dicht stehenden, schwarzen und eigenartig gerillten Apothecien.
Auch der Kontrast zu den bunten, dicht wachsenden Krustenflechten und dem roten Trentepohlia-Algentreppich ist sehr reizvoll.
LG, Martin
Einige Eindrücke:
Bild 1 Apothecientragendes Exemplar von U. cylindrica mit dichten, dunklen Fransen am Thallusrand
Bild 2 U.cylindrica mit typischen, gerillten Apothecien
Bild 3
pilzforum.eu/attachment/510503/
Bild 4
Bild 5 Gruppe Apothecien auf grauem, bereiftem Cortex. Diese schwarz berandeten, rilligen und etwas gestielten Apothecien kommen auch bei anderen Umbilicarien vor.
Bild 6 Weißliche bis blass rosa Unterseite mit randlichen dunklen Fransen, flächig ohne Rhizinien
Bild 7 Sterile Form
Bild 8 Steriles Exemplar von Umbilicaria cylindrica mit ausgeprägten Fransen am Rand
Bild 9 Kleine Umbilicaria cylindrica im Zentrum einer Brodoa intestiniformis ("Eingeweideflechte")
Bild 9 Typisches Habitat: Wechselfeuchte, windoffene Stellen; dort auf kalkfreien, niedrigen Silikatblöcken
Bild 10 Mit Schmelzwasser durchnässte Exemplare
Hallihallo,
mit Moosen habe ich bislang nichts am Hut.
Aber Bild 11 halte ich trotzdem für ein Brunnenlebermoos mit Brutbechern, das wuchs mal vor zwei Jahren in den Fugen direkt vor der Haustüre.
LG, Martin
Hier noch ein Foto vom Tatverdächtigen:
Hallo,
am Hornisgrinde im Nordschwarzwald auf einer kleinen Sandsteinblockhalde im Wald finden sich jede Menge Flechten, die ich im Flachland am Neckar noch nie gesehen habe.
Bild 0 Auf dem Hornisgrinde
Bild 1 Sandstein-Blöcke am Wegrand
Bei einer Krustenflechte wirken die schwarzen Apothecien eingesenkt und kontrastieren starkt mit einem kreidigen, weißgrauen Thallus.
Ein schwärzlicher Vorthallus schließt die Flechte nach außen ab.
Die Apothecien sind groß und zum Teil überaus unförmig!
Bild 2 Krustenflechte Fuscidea kochiana (untersuchtes Exemplar)
Bild 3 Ein weiterer Thallus F. kochiana neben gelben und braunen Landkartenflechten
Bild 4 Isolierte (Doppel-)Areole auf Thallusmitte (Bild 2), in Wasser quellend - Rote Linie: Schnittebene des Querschnittes
Der Thallus ist etwa 1mm dick, die flachen Apothecien sind trichterartig in den Thallus eingesenkt, das Excipulum ist kaum vorhanden:
Bild 5 Querschnitt in Wassertropfen, die Oberfläche ist von einer Epinekralschicht bedeckt (abgestorbene Zellen, Algenzellen); Mark strahlend weiß
Das Hymeium ist stark verklebt, löst sich aber leicht in stark verdünnter KOH. Die Paraphysen sind um 2µm stark, schwach verzweigt, aum Ende leicht kopfig (4µm) und mit braunem Exsudat belegt.
Bild 6 Gequetschtes Hymenium in verd. KOH
Die Sporen sind breitelliptisch, farblos hyalin mit 1-2 großen Tropfen und 7,5-9,0 x 5,5-6,8 µm groß:
Bild 7 freie Sporen, eine davon braun überaltert
Bild 8 Hymenium K/J positiv; Asci 8-sporig
Bild 9 Algenschicht mit Zellclustern von Grünalgen
Chemie: Mark J-; K+/- sehr schwach gelblich; C+/- sehr schwach gelblich; P-
Das Problem hier war, überhaupt die Gattung bestimmt zu bekommen. ![]()
Gilt der Wuchs der Apothecien als eingesenkt, umwallt oder als Thalluskragen wie bei Aspicilia? Gilt diese Umwallung im Schlüssel als Thallusrand? Sind die sehr schwach gelb ausfallenden Reaktionen bei K und C zu berücksichtigen?
Erst dann nach langem Suchen und Fummeln gelangt man über den Lecidea-Schlüssel zur Gattung Fuscidea, und dort zu F. kochiana, die diese auffälligen Apothecien besitzt und der Rest auch passt.
Die auffällige Flechte Fuscidea kochiana kommt auf hartem Silikat auf Felsgruppen in Gipfellagen und Blockmeeren, in montanen bis alpinen Lagen vor - so eben unter anderem im Schwarzwald!
LG, Martin
Hallo Peter,
dei C-Reaktionen sind immer problematisch, ich fürchte sie.
Vor allem, weil die C-Farbreaktionen flüchtig sind - ich kenne bisher keine C-Reaktion, die bleibend gewesen wäre.
Wie schnell die Reaktion ist, kann man nicht prinzipiell beantworten: Die Geschwindigkeit hängt von mehreren Faktoren ab (Konzentration,Temperatur; Verdünnung und Alter (Zersetzung) der Lösung; Alter und Standort der Flechte, chemische Rassen (Konzentration der Flechtenstoffe); weitere anschließende Reaktionen...) - natürlich gilt das auch bei K und P, nur dass hier die Farbreaktion normalerweise relativ lange bestehen bleibt. Ich weiß nicht, ab du schon beobachtet hast, wie langsam z.B. eine Farbänderung von K+ gelb nach rot vonstatten gehen kann...
Am wichtigsten ist natürlich, eine funktionierende C-Reagenz zu haben, denn sie altert und wird immer schwächer. Ich habe auch den Verdacht, dass Abrieb am Spatel zur Verunreinigung der Lösung führt, wodurch sich die Lösung dann rapide zersetzt. Jedenfalls funktioniert sie irgendwann nicht mehr und muss ersetzt werden. Am Besten an bekanntem Material die REaktion überprüfen.
Man muss bei C vorbereitet und schnell sein, wenn man zu Dokumentsationszwecken ein Foto machen will und aufpassen wie ein Luchs!
Schaut man beim Aufbringen von C nochmal kurz, ob die Bildschärfe am Händi passt, ist u.U. schon alles gelaufen.
Dann kommt es auf die Menge der Flüssigkeit an, auf die Menge an für die Reaktion bereitstehenden Flechtenstoffen: Nimmst du viel Flüssigkeit, verdünnt sich die Farbreaktion u.U. bis zur Unkenntlichkeit, nimmst du zu wenig, passiert vielleicht gar nichts. Ist die Flechte dunkel, erkennst sowie so nix, da hilft auch der Zellstofftrick nichts, da die Reaktion sich vielleicht schon verflüchtigt hat. Dann hilft es manchmal, eine kleine, gequetschte Flechtenprobe im Mikroskop unter dem Deckglas zur Reaktion zu bringen.
Du kannst dir mal eine Punctelia holen zum Üben. Die Reaktion in der Medulla verläuft relativ zuverlässig und führt zu einem kräftigem Rot im weißen Mark (bei P.borreri nur rosa), das allmählich wieder verschwindet. Zum Testen vorher einen Schägeschnitt durch den Thallus erzeugen oder mit einer Nadel den Cortex abkratzen, damit viel weißes Mark freiliegt. Funkioniert aber auch auf den Soralen.
Bild A1: Punctelia-Cortex mit Nadel entfernt; dann mit Nadel C appliziert => sofort C+rot
Bild A2: ca. 10s später nur gelbliche Reaktionsreste, die auch bald verblassen
LG, Martin
Hallo Peter,
Alleine vom ersten Foto, den Thallus im Ganzen zeigend, erkennt man eine lecanorine Krustenflechte vor sich zu haben.
Vielleicht hast du auch ein Foto von den Apothecien mit besserer Ausleuchtung?
Leconora-Arten im weiteren Sinne gibt es sehr viele - wie kommst du denn auf die Gattung Ochrolechia?
Ochrolechien sind bei mir am Neckar zumindest sehr selten. Ich würde erst einmal eine Leconora erwarten.
Ochrolechia hätte große, dickwandige Sporen - über die Sporengröße verrätst du nichts.
Ich fange fast immer ganz stur mit dem Gattungsschlüssel an und bemühe mich, jede (!) Frage eindeutig und sicher zu beantworten.
Wenn das nicht geht, muss man beide Pfade verfolgen und Ergebnisse ausschließen, die widersprüchlich zur Probe sind.
In den Schlüsseln sind neben der Chemie vor allem immer die Sporen (!) ausschlaggebend.
Eine sehr seltene, (hoch)montane Flechte in Hanover zu finden, würde auch mich stutzig machen.
Mein Tipp: Schau dir die Sporen genauer an und prüfe, ob nicht doch Lecanora in Frage kommt.
Es gibt auch Lecanoren ohne Farbreaktion.
Außerdem würde ich im Zweifel die Farbreaktion nochmals wiederholen, das klappt nicht immer gut.
In den gefärbten Schnittbildern sind leider viele relevante Dinge nicht erkennbar - z.B. Farbe von Epihymenium, Hymenium, Hypothecium, Sporen.
Dafür sind die einfachen Paraphysen sehr gut erkennbar - was eher gegen Ochrolechia spricht, denn hier sind sie reich verzweigt.
Schnittbilder in Wasser sind für Bestimmungen besser geeignet.
Ich habe lernen müssen, auf jedes Wort in den wirklich sehr guten Flechtenbüchern zu achten. Die Formulierungen sind mit Bedacht genau so gewählt, wie geschrieben und sind wörtlich zu nehmen. Und: die Variationsbreite von vielen Flechten ist groß.
LG, Martin
Hallo Bernd,
die sind ja allerliebst! ![]()
Das würde mir auch gefallen, wenn es bei mir im Garten wüchse.
LG, Martin
Hallo Peter,
Also ich sehe schon eine Menge Soredien auf deinen Fotos!
Zu deiner Frage zur Podetienoberfläche:
Berindet heißt, dass die Flechte oberflächlich einen gegen die Umwelt mehr oder minder dichten Cortex aufgebaut hat, um die Algenschicht darunter zu schützen.
Fehlt die Rinde, fehlt auch die Algenschicht und die fasrige, meist weiße, machmal auch bräunliche oder braune, Medulla liegt frei.
Es sei denn (!), Soredien werden an der unberindeten Stelle gebildet.
Wenn man die Soredien wegkratzt, kommt darunter die meist weiße Medulla zum Vorschein.
In diesem Fall wird die Oberfäche aber sorediös genannt, auf Rinde wird dann kein Bezuig genommen, denn berindet und sorediös schließen sich an der gleichen Stelle gegenseitig aus (um Soredien zu bilden zu können, muss die Rinde aufbrechen)
Kurz und gut, etwas verknappt und damit sicher nicht immer richtig:
berindet: grün und glatt (glatt heißt nicht unbedingt eben, sie darf schon warzig oder dergl. sein)
unberindet: weiß (oder braun) und fasrig
sorediös: grün und pulvrig, körnig
beschuppt: mit abstehenden Blättchen
und
schollig: große grüne, leicht ablösbare, berindetete Einheiten, isidienartig
Ich habe einst versucht, die unterschiedlichen Bereiche in Fotos zu markieren.
Guck es dir mal an, ob dir das schlüssig erscheint und gib mir sehr gerne deine Meinung dazu!
LG, Martin
Hallo Peter,
die Flechten BWs besitze ich gar nicht, nur den gleichnamigen Atlas, den gab es gebraucht für lau.
(Übrigens weiß ich mittlerweile, die Bände gibt es, zwar ohne Bilder, auf englisch übersetzt bei den Briten zum Download.
Da ich in BW wohne, lohnt sich der Atlas natürlich für mich.
Die Flechten Deutschlands kann ich eigentlich uneingeschränkt empfehlen, die Bände sind klasse.
Ich arbeite dauernd damit und wüsste gar nicht, was ich ohne sie täte.
Wenn man allerdings schon die Flechten BWs besitzt... Schwierig zu beurteilen.
Ich hatte heute eine C. coniocraea unter der Lupe, die ich fast schon als C. ramulosa eingestuft hätte, da sie etliche berindete Stellen unten an den Potedien hat. Und einiges an Schüppchen ist dort auch zu finden. Aber das ist eigentlich auch für Coiniocraea normal, die Schuppen sind nur wenige und der Gesamteindruck ist fein-sorediös.
Deshalb bin ich dann zu C. coniocraea gelangt - eigentlich logisch:
Dein Fund hat aber eine andere Qualität, was die Beschuppung anbelangt, und für Coiniocraea sind mir die Becher viel zu breit.
Aber vielleicht sind es bei dir tatsächlich doch zwei Arten.
Cladonien sind ja (leider) überaus gesellig!
LG, Martin
