Beiträge von KaMaMa

    Hallo,


    hier ein paar Eindrücke von dem Cladonienmeer auf einer Blockhalde an der Vologne, an der wir für einige Augenblicke angehalten hatten.

    Eine nicht zu wenig befahrene Straße nach Gerardmer führt durch das enge Tal der Vologne, dicht zwischen Wald und Flüsschen entlang.

    Der bewaldete Berghang endet direkt neben der Straße und ist über weite Strecken von Blockhalden überzogen.

    Die Blöcke sind bis zu einige Meter hoch übereinander gestapelt, weshalb das abgestorbene organische Material (Laub, Nadeln, Ästchen, ...) seit der letzten Eiszeit bis heute die Hohlräume darin nicht verfüllen konnte.


    Der Halt am Straßenrand auf einer winzigen Parkbucht (eine Autolänge geschottert) hat sich gelohnt und der vielleicht schönste Flechtenplatz des Urlaubs befindet sich direkt neben der Straße hinter der ersten Baumreihe.


    Ich spare es mir, die Flechten alle zu benennen, es sind einfach viel zu viele.

    Aber seht selbst:

    Bild 1 Foto direkt vom Straßenrand aus. Sabine steht auf einem kleinen kahlen Fleck zwischen Cladonien.

    Cladonien wohin man auch blickt. Und viele Arten! ==Gnolm11 ==Gnolm11 ==Gnolm11


    Bild 2 C. gracilis verdient seinen Namen zurecht. ==Gnolm23


    Bild 3 Meine ersten Rentierflechten! ==Gnolm7


    Bild 4 C. squamosa kenne ich schon, ist aber immer hübsch zu finden.


    Bild 5 Traumhafte Gegend gleich hinter dem ersten Baum!


    Bild 6


    Bild 7


    Bild 8


    Bild 9 Mehr als 2-3 Blockreihen kommt man nicht hinein und man traut sich auch nicht: Zu wackelig die Steine und vile zu zart der Bewuchs! Aber der Ausblick!


    Bild 10


    Bild 11


    Bild 12


    Bild 13


    Bild 14 Wohin nur zuerst schauen?


    Bild 15


    Wenn es Elfen gäbe - hier würden sicher welche wohnen:

    Bild 16 Traumhaft!


    Bild 17


    Bild 18 Krustenflechten gibt es hier auch interessante, aber man hat gar kein Auge dafür.


    Bild 19 Ein letzter Blick zum Abschied!


    Hier möchte ich mal Mäuschen sein und von Stein zu Stein springen können, um alles zu erkunden!

    Aber ich muss weiter gehen... ==Gnolm6


    LG, Martin

    Hallo zusammen,


    beim Sichten meiner Flechtenproben aus den Vogesen bis ich nunmehr bei einer Probe angelangt, bei der es sich vermutlich um einen lichenicolen Pilz auf L. albescens handelt.


    Fundumstände:

    Auf den Hängen der Vogesen wachsen verzahnt Nadel-, Laub- und Mischwälder, hier an Le Hohneck abschnittsweise mit dominierender Rotbuche (Fagus).

    Bild 1 Blick auf die bewaldeten Hänge der Vogesen


    Hier, in niederschlagsreicher Lage, sind die Rotbuchenstämme dicht mit Epiphyten bawachsen.

    Bild 2 Rotbuchenwald


    Bild 3 Flechtenüberwachsene Rotbuchenstämme - so sehen zuhause nur die Hainbuchen aus...


    Eine häufige Flechtenart auf den Rotbuchenstämmen ist Lepra albescens (ehemals Pertusaria) mit ihrem typisch gezontem Vorthallus, dem wachsig glänzenden, knorpeligen Thallus und den flachen, weißen Soralen.

    Bild 4 Lepra albescens mit gezontem Vorthallus und weißen, flachen Soralen auf grau-grünem bis grün-grauem Thallus.


    Bild 5 Rotbuche hat Lepra ==Gnolm23


    An einigen Baumstämmen befanden sich in diesen Flechten schwarze Fruchtkörperbildungen, die offenbar nicht zur Flechte gehören.

    Bild 6 Lepra mit Soralen und schwarzen Fruchtkörpern ==Gnolm11


    Die Verteilung und Anordnung der schwarzen Fruchtkörper sprcht gegen die Vermutung, der Pilz sei nur von der Flechte überwachsen.

    Bild 7 Weitere befallene Lepra-Thalli


    Bild 8 Die schwarzen Ascomata haben eine Größe um 2 mm oder mehr


    Bild 9 Probe mit Maßstab


    Bild 10 Schnitt durch Fruchtkörper - Das Stoma sitzt nicht auf Borke auf, sondern auf weißer Pilzmedulla.

    Dies und die Verteilung der Fruchtkörper im/auf dem Flechtenthallus sprechen für mich für einen lichenicolen Pilz.


    Bild 11 Schnitt durch Sammelfruchtkörper aus Bild 10 mit bernsteinfarbenem Hymenium und dunklen Sporen (in Wasser, Durchlicht)


    Bild 12a Bernsteinfarbenes Hymenium in Wasser


    Bild 12b Ungequetschte Probe und Lugol-Reaktion:

    Asci (um 60x15 µm) und Sporen (um 24x8 µm) inamyloid (J-)

    Paraphysen (DM um 2,5 µm)

    Hymenialgallerte euamyloid (J+ blau)

    Braune Sporen außerhalb der Asci oder in kollabierten Asci => braune Sporen überreif/überaltert


    Bild 13 Hyaline Sporen auf Schnittfläche, 3-fach querseptiert mit deutlichen Einschnürungen an den Septen und runden Zelllumina.


    Ich sehe schwach verzweigende Paraphysen, mit etwa 2,5 µm Durchmesser (ohne Bild), keine Anastomosen.


    Bild 14 Überreife, braune Sporen mit braun-warzig ornamentierter Sporenwand.

    Ich messe Sporengrößen um 23-25 x 7,5-9,0 µm.


    Beim Schlüsseln mit Hawkesworth ("Artifical Keys to the Lichenicolous Fungi of Great Britain, Ireland, the Channel Islands, Iberian Peninsula, and Canary Islands", 2010) gelange ich über Unterschlüssel 2E bei Frage 17f zur Gattung Plectocarpon. Plectocarpon könnte von den Sporen her passen. Lepra oder Pertusaria werden als Wirt nicht erwähnt.


    Könnte hier eine Plectocarpon spec. vorliegen?

    Was meint ihr dazu?


    LG, Martin


    PS: Korrekte Bestimmung feundlicherweise durch W. von Brackel: Opegrapha anomea. Siehe auch Beitrag #5

    Hallo ChristiAn,

    (ich hatte das A versäumt zu tippen - ui!)


    sehr schöner Fund!

    Ich muss wohl öfter Leprarien begutachten, um die mache ich ja normalerweise einen großen Bogen.


    LG, Martin

    Hallo Johann,


    heute habe ich deine interessante Flechtenanfrage verloren unter den Pilzbestimmgsanfragen gefunden.


    C.vertilicata und C.cervicornis bilden mehrgeschossige (bis zu 7 Etagen sollen bei Vertilicata keine Seltenheit sein) Becher, wobei Sekundärbecher im Zentrum des Bechers darunter sprossen, nicht an dessen Rand. Die Sekundärbecher im Fall deines Fundes sprossen nun aber klar vom Becherrand. Deshalb (und aus weiteren Gründen) kann man C. vertilicata ausschließen. Randlich sprossende Becher sind gar keine Seltenheit, aber so schön ausgeprägt wie im Fall deines Fundes, habe ich das noch nicht gesehen.


    Ich könnte mir hier eine C.fimbriata vorstellen. Die feinsorediöse Oberfläche der Podetien und die trompetenartige Form weisen in diese Richtung.


    Stelle deine Flechtenanfrage nächstes Mal besser im sehr gut versteckten Unterforum zu Flechten ein (Mykologischer Fachbereich - weitere Spezialbereiche - dann Flechten). Da bekommst du wahrscheinlich schneller Antwort...


    LG, Martin

    Hallo Renato,


    was hast du denn? Das sieht doch super aus, fast wie so gekauft!


    Ich habe leider kein passenden, kleinen Polarolisationsfilter gefunden und mir einfach ein kleines Quadrat aus Folie zugeschnitten, das ich bei Bedarf auf die Lichtquelle lege. Den Analysator (aus der gleichen Folie geschnitten - und es ist noch viel übrig) habe ich in den Strahlengang unter den Okularkopf gelegt. Kosten: etwa 10€.

    Fertig. Funktioniert auch.

    Wenn ich mal viel Licht brauche, muss der Filter halt raus, das ist zwar lästig, geht aber fast sekundenschnell.


    LG, Martin

    Christoph Scheidegger, Christine Keller, Silvia Stofer: "Flechten der Schweiz - Vielfalt, Biologie, Naturschutz", 1. Auflage, 2023, bei Haupt Verlag, Bern


    Das gut 590 seitige Buch richtet sich an den Naturfreund und Flechteneinsteiger, der mit einer guten Lupe bewaffnet auf seinen Wanderung durch die Naturräume der Schweiz Flechten entdeckt und diese bestimmen möchte.


    Es werden nur Makroflechten oder Krusten vorgestellt, die man mit einer guten Lupe einigermaßen sicher bestimmen kann.

    Das Buch enthält also kaum Mikroflechten und keine mikroskopischen Details. Auch Tüpfelreaktionen werden bei den Artportraits ebenfalls nicht erwähnt.


    Das Buch ist dreiteilg aufgebaut.

    Der erste, allgemeine Teil erklärt die Biologie, Anatomie, Ökologie etc. der Flechten auf gut 100 Seiten. Fachbegriffe werden eingeführt und erklärt.

    Im zweiten, speziellen Teil wird eine repräsentative Auswahl (360 Arten) der in der Schweiz vorkommenden Flechten in Text und Bild beschrieben.

    Jede Flechte erhält eine Seite mit 2-3 Fotos und ein Textblock mit der Aufteilung Feldmerkmale / Wissenswertes / Gefährdung und Schutz / Verwechslungsarten.

    Viel textlicher Inhalt kann auf einer bebilderten Seite natürlich nicht stehen und so sucht man Angaben zu Mikromerkmalen vergebens.

    Interessant sind die beiden Ökologie-Diagramme (Höhenverteilung, Niederschlags-Temperatur-Verteilung) und die räumliche Verbreitung in der Schweiz, die zu jeder beschriebenen Art eingestellt werden.

    Der dritte Teil schlägt 52 konkrete Exkursionen, unter Angabe der Bushaltestelle an welcher man aussteigen soll, in bestimmte Habitate in der Schweiz vor und erklärt, welche Flechten man dort findet.

    Wenn man in der Schweiz lebt, ist dies sicher sehr spannend!


    Leider enthält das Buch "Flechten der Schweiz" keinerlei Bestimmungsschlüssel.

    Die Artportraits sind weder nach Formgruppen noch nach Habitat (was bei der Bestimmung helfen könnte), sondern alphabetisch nach wiss. Namen sortiert.

    Man kann und muss also viel blättern und die schönen Bilder betrachten.


    Beispielseite zum allgemeinen Teil, hei geht es z.B. um Sorale:


    Flechtenportrait:


    Exkursionen (Nur Textseite; auf der zweiten Seite sind Fotos zu den im Text erwähnten Flechten):


    Das Buch kann man wirklich empfehlen, insbesondere an alpicole Flechtenliebhaber.

    Sicher etwas Schönes zum Schmökern an flechtenfreien Sonntagen.


    LG, Martin



    Wer etwas mehr sehen möchte:

    Drei andere Beispielseiten habe ich im Beitrag #7 hier eingestellt.

    Hallo Christian,


    das Buch "Flechten der Schweiz" hat leider keinen Bestimmungsschlüssel.


    Das Buch ist dreiteilg aufgebaut:

    Der erste allgemeine Teil erklärt die Biologie, die Ökologie etc. der Flechten.

    Im speziellen zweiten Teil wird eine repräsentative Auswahl (360 Arten) der in der Schweiz vorkommenden Makroflechten und auch einige Krusten in Text und Bild beschrieben.

    Jede Flechte erhält eine Seite mit 2-3 Fotos und ein Textblock mit der Aufteilung Feldmerkmale / Wissenswertes / Gefährdung und Schutz / Verwechslung(sarten).

    Vile kann da nicht stehen und Mikromerkmale werden nicht erwähnt. Interessant sind die beiden Ökologie-Diagramme (Höhenverteilung, Niederschlags-Temperatur-Verteilung) und die räumliche Verbreitung in der Schweiz, die zu jeder beschriebenen Art eingestellt sind.

    Der dritte, gar nicht kurz ausgefallene Teil schlägt ganz konkrete Exkursionen (52 Stück, jeweils doppelseitig) in bestimmte Habitate in der Schweiz vor und erklärt, welche Flechten man dort findet.

    Wenn man in der Schweiz lebt, ist dies sicher sehr spannend!


    Beispielseite zum allgemeinen Teil:


    Flechtenportrait:


    Exkursion (Nur Textseite; auf der zweiten Seite sind Fotos zu den im Text erwähnten Flechten):


    Das Buch kann ich empfehlen, insbesondere an in den Alpen lebende Flechtenliebhaber.


    LG, Martin

    Hallo RSC,


    da hast du eine befallene Lecanora gefunden. Der Parasit hat schwarze Pkyknidien o.ä. in den grünlichen Apothecien der Lecanora gebildet. Bei deinem Dünnschnitt treten aneinander haftende Konidien aus.

    Die Lecanora kann gut L. chlarotera sein, die einerseits weit verbreitet und auch häufig zu finden ist, andererseits auch (jung?) grüne Scheiben besitzen kann. Die in K löslichen Kristalle auf dem Epihymenium und unlösliche am Scheibenrand sprechen zumindest nicht dagegen.

    Das hast du aber alles schon selbst herausgefunden.

    Der Fall erinnert mich sehr stark an eine Anfrage von mir vor einiger Zeit über eine befallene L. chlarotera, bei der mir Mreul sehr helfen konnte. Er hatte einen Schlüssel über lichenicole Pilze in die Antwort mit eingestellt, der dir hier weiterhelfen kann!

    Vergleiche mal damit.


    Wie du bei Lecanora vorgehen musst, hat Christian schon erläutert. Aber das wusstest du ja schon. Dir fehlen neben KOH noch 3 weitere Chemikalien, die du in Summe für etwa 10€ bestellen kannst. Die Chemie hilft bei dieser sehr großen Flechten-Sammelgattung sehr. Ohne ist man aufgeschmissen und kann leider nur Vermutungen anstellen.


    LG, Martin

    Hallo Ingo und Christian,


    vielen Dank für eure Antworten!

    Also war das wohl wieder nix mit Neckeri.


    Allerdings sind die fingerartigen Auswüchse nicht sehr lang nur 4 mm etwa, so lange, wie die Apothecien selbst auch.


    Ich werde die Augen weiter offen halten und bin wieder einmal erstaunt über die morphologische Bandbreite der Peltigeren.


    P. polydactylon also: "Unterseite mit engmaschigem Netzwerk von flachen braunen bis dunkelbraunen Adern, dazwischen ovale weiße Flecken. Oberseite an den Lappenenden nicht bereift, selten mit wulstigen Rissen." Und "Mit sattelförmigen Ap. Rhizinen gebündelt. Adern bis zum Rand dunkel, jung oft zus.fließend. Thallus meist starr und derb, Lappen an den Rändern ift wellig kraus." (Wirth/Hauck/Schultz)

    Das passt hier schon!


    LG, Martin

    Hallo,


    ich bin's nochmal, mit einer weiteren Peltigera aus den Vogesen.

    Wiederum ein Erstfund, weshalb ich mich gerne absichern möchte.


    An so einem Felsdurchbruch mit Aussichtspunkt lassen sich natürlich auch Flechten finden.

    Bild 1 Fundort


    An der nordwestlich ausgerichteten, schattigeren Seite des Durchbruches wachsen auf Erde zwischen Moos und kleinen Sträuchern kleine Thalli einer Peltigera.

    Wenn man genau hinsieht und sich nicht vom hübschen, im Aberglauben zauberabwehrenden Widertonmoos ablenken lässt, erkennt man schon hier die Hinweise auf eine Peltigera:

    Bild 2 Polytrichium-Moos mit versteckter Peltigera dazwischen


    Es gibt zum Glück auch besser erkennbare Thalli.

    Bild 3


    Der Thallus glänzt olivbraun und zeigt stark wellige Ränder.

    Isidien sind nicht zu finden, ebenso wenig Sorale.

    Die Oberseite ist glatt glänzend ohne Filz.

    Die Apothecien sind feucht mittel- bis höchstens dunkelbraun (nicht schwarz) und röhrig zusammengerollt.

    Der entblöste, äußere Rand der Unterseite wirkt hell (Bild 2), dreht man einen Lappen aber herum (Bild 4)...

    Bild 4 Unterseite direkt nach Entnahme, noch feucht; Das Apothecium ist braun


    ...so erkennt man ein dunkelbraunes Filzgewebe, das bis auf Ausnahme einiger kleiner weißer Öffnungen die Unterseite flächig einnimmt.

    Am Rand wird der Filz heller.



    Im trockenen Zustand ist die Oberseite ledrig braun, stellenweise etwas oliv.

    Das einzige Apothecium der kleinen Probe wirkt im trockenen Zustand schwarzbraun!

    Der Thallus ist robust.

    Bild 5 Probenstücke im trockenen Zustand mit Erdanhaftungen an der Unterseite


    Bild 6 Unterseite der trockenen Probe, Rhizinien schwarzbraun, verfilzend, 3-4(-5) mm lang


    Diesmal sicher keine P. hymenina, sondern eine P. neckeri, wie ich zuversichtlich vermute - zumindest nichts, was ich bisher finden konnte.

    Ob das sein kann, weiß vermutlich Ingo Sennepilz am Besten.

    Ich bin gespannt auf eure Meinungen!


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    falls es dich interessiert: Ich lasse meinen Weg von einem Offline-Wanderprogramm auf dem Händi aufzeichnen. Dann weiß ich später, wann ich wo ich an diesem Tag war.

    Ferner mache ich mit der Kamera Bilder vom Weg, was es erleichtert, den Fotos einen konkreten Ort/Habitat zuzuweisen (meine Kamera hat kein GPS).

    Dann folgt ein Übersichtsfoto eher ich mich nähere, weitere Fotos in zunehmend geringerer Distanz. Falls ich eine winzige Probe nehmen möchte wie bei Krustenflechten, wo ich meist nur wenige Apothecien abkratze, mache ich ein Foto von dem nummerierten (!) Belegdöschen, ansonsten ein Foto von der Probenoberseite, -unterseite und ev. anderen Details oder eben von dem kleinen Cladonienbüschel.

    Solche größeren Proben landen unnummeriert in einem Sammelgefäß, da ihre Größe und Form so individuell sind, dass sie nachträglich zuordenbar bleiben.

    So folgt also immer auf die Fotos der Flechte vor Ort ein Bild mit der Probennummer oder ein Bild mit der Probe und die Zuordenberkeit von Fundort, Fund und Probe bleibt gewährleistet.


    LG, Martin

    Hallo Ingo,


    recht herzlichen Dank für deine Korrektur!

    Deinen Beitrag mit den beiden Flechten hatte ich tatsächlich gesehen und die tief schwarzen Apothecien nicht bedacht.

    Schade, dass du damals nicht auch die Unterseiten gezeigt hattest, dann wäre mir meine Verwechslung vielleicht selbst aufgefallen.

    Selbst in den Büchern und auf sonst guten Internetseiten wird selten die Unterseite gut gezeigt.

    Da bleibt nur das Textverständnis und damit hapert es naturgemäß ein wenig, wenn man eine Flechte zum ersten Mal bestimmen will.

    Die dunkeln Apothecien stehen natürlich auch im Schlüssel ("dunkelbraun bis schwarz") - habe ich wohl verdrängt, weil ich mich zu sehr auf die Unterseite versteift hatte.

    Wenn ich nach P. hymenina im Wirth/Hauck/Schultz schaue, findet man ein Foto mit der Aufsicht auf die Flechte im Moos, das meiner Fundsituation erstaunlich gleicht!


    Prima, dass die zweite Flechte womöglich richtig bestimmt ist. Das freut mich sehr.

    Peltigera ist echt schwierig zu bestimmen!


    LG, Martin

    Hallo Chris,


    eine schöne Sammlung!


    Was lernt man denn in einem Flechtenkurs so alles, wenn ich fragen darf?


    Kannst du die P. saxatilis s.lat. Gruppe unterscheiden? Ich tue mich da immer schwer.

    Könnte das in Bild 2 ev. eine P. serrana sein?


    LG, Martin

    Hallo,


    ich muss mal meine Peltigerafunde aus den Vogesen (Silikat und kalkarme Gesteine) zur Diskussion stellen, da es sich für mich um zwei Erstfunde handelt.

    Peltigera finde ich leider relativ selten. Im Vogesenurlaub war das anders und ich konnte teilweise Stellen von mehreren Quadratmetern Größe (natürlich lückig) mit Peltigera bewachsen vorfinden.


    Nach Stand von heute habe ich dort zwei Arten gefunden:


    1. Peltigera / P. neckeri Korrektur: Peltigera hymenina

    Die seltenere, aber leichter bestimmbare Art hat eine sehr auffällige Unterseite und sollte P. neckeri P. hymenina (Korrektur dank Ingo "Sennepilz") sein.

    Fundort auf einer kleinen, feucht-moosigen Waldwiese am Wegrand.

    Die flatterigen Ränder steigen senkrecht auf, rollen um und zeigen sogar in Aufsicht von oben die helle Unterseite!

    Wenige Apothecien sattelförmig, hellbraun.

    Oberfläche glänzend olivgrün, mit vielen Rissen. Trocken grau mit Tendenz zu hellblau.

    Unterseite am Rand weißlich, zur Mitte hin schwärzlich mit ovalen hellen Öffnungen im Filz; sehr filzig, wenige Rhizinien.

    Rhizinien (Thallusmitte) länger als 5 mm und sind nicht konzentrisch angeordnet.


    Als Verwechslungsart wird P. elisabethae angegeben.

    Sie ist unterseits flächig filzig, ohne Adern. Die kurzen (2-3mm) Rhizinien stehen bei ihr in konzentrischen Reihen.

    Bild N1 Feuchte Waldlichtung mit Moos und Peltigera


    Bild N2 Auffällig aufsteigende, wellige Lappenränder


    Bild N3 Trockene Probe (zerbrochen), Unterseite im Zentrum schwarz


    Bild N3 Angefeuchtete Probe, Oberseite


    Bild N4 Trockene Probe Unterseite


    Bild N4 Angefeuchtete Probe Unterseite


    Bild N5 Trockene Oberseite glänzend, ohne Filz, ohne Bereifung, tief aufgeplatzte Risse


    Bild N6 Unterseite (trocken) am Rand weißlich bis sehr hell bräunlich mit breiten, filzigen Adern und wenigen ovalen, weißen Vertiefungen


    Bild N7 Der Filz auf der Unterseite wird zur Mitte hin sehr dunkel olivbraun, nass schwärzlich



    2. Peltigera / P. cf. membranacea

    Die zweite Peltigera-Art war deutlich häufiger zu finden, ist aber schwieriger in der Bestimmung.

    Fund auf feuchten, schattigen Stelle auf Moos am Waldwegrand, über Felsen, an der Basis von Baumstämmen direkt über Erde an der Böschung - aber immer auf Moos

    Die diskutierte Probe in Bild M2-M4 stammt vom Thallus in Bild M1a.

    Der Thallus M1b wuchs unmittelbar neben M1a.

    Der Thallus ist dünn, fast 4cm breit und 7cm lang. Auch trocken noch elastisch und biegbar.

    Die Unterseite ist durchgängig hell, Die Adern deutlich erhaben und im feuchten Zustand ockerfarben.

    Die Rhizinien sind jung weiß mit senkrecht abstehenden Härchen, ältere Exemplare deutlich dunkler als die Adern, braun und auffasernd.


    Der Bestimmungsschlüssel führt (keine Sorale, Rand filzig, keine Isidien, Adern deutlich, Thallus groß mit breiten Lappen) zum Komplex P. membranacea / P. canina / P. praetextata.
    Die Lappenränder sind breit rund, der Thallus ist dünn, die Adernstruktur ist sehr schön auf der Oberseite zu erkennen (Bild M1ab).

    Die Adern sind auch in der Thallusmitte genau wie am Rand erhaben (Bild M4), nicht verflacht.

    Die Adern sind im feuchten Zustand deutlich ocker.

    Nirgends sind Isidien zu finden, weder am Thallusrand, noch an Rissen.

    Die Fläche des Thallus ist ohne Filz, Filz ist nur am Thallusrand zu finden.

    Die Dichte der Rhizinien wirkt gering sie sind am Thallusrand nicht miteinander verwachsen.


    Meine trockene P. praetextata-Probe ist weit derber und störrischer. Die Adern deutlich dunkler. Ich finde, das passt hier nicht.

    Auch die P. canina-Probe ist ganz anders: sie ist wesentlich filziger und besitzt erheblich dichtere Rhizinien.

    Beide Arten passen meiner bescheidenen Meinung nach nicht gut zum Fund.

    Der Beschreibung im Schlüssel nach und wegen der Abweichungen gegen meine bisherigen Funde würde ich hier P. membranacea ansetzen.

    Bild M1a


    Bild M1b


    Bild M2 Waldfeuchte Probe mit reichlich hellbraunen Apothecien


    Bild M3 Trockene Probe: 4cm breit, 7cm lang mit glatter, matter Oberfläche, Rand filzig


    Bild M3 Nasse Probe


    Bild M4 Trockene Probe: Unterseite durchgängig weißliche, erhabene Adern, Rhizinien dunkel auffasernd. Bei den jungen hellen Rhizinien stehen die Härchen senkrecht ab.


    Bild M4 Angefeuchtete Probe: Adern ockerfarben; Apothecien bis > 7mm breit


    Vielleicht mag jemand mit Peltigera-Erfahrung mal drüberschauen.

    Eine Bestätigung oder sehr gerne auch Korrektur wäre mir lieb.

    Vielen Dank!


    LG, Martin

    Hallo Hilmi,


    das Geheimnis des dünnen Schnittes ist eine frische, scharfe Rasierklinge. Da die Apothecien noch auf dem Thallus und dem Substrat sitzen sind die Bedingungen ideal. 2x dicht nebeneinander einen Schnitt quer hindurch setzen und mit einer feuchten Nadel vorsichtig aus dem Apothecium herausschieben. Der Schnitt bleibt an der feuchten Nadel haften und wird im Wasser abgelegt. Deckglas drauf, fertig.


    Klappt halt nicht immer so gut.


    LG, Martin

    Hallo Christian,

    erstmal verwende ich immer den Wirth, immerhin behandelt er die Flechten Deutschlands. Ich kontrolliere ggf. bei Italic nach.


    Bildüberlagerungen mit Text und Pfeilen etc. mache ich ich, jetzt halt dich fest, mit Excel. Danach wandle ich das Konstrukt in ein Bild um. Dafür und auch sonst verwende ich viel Irfanview, für die Bildbearbeitung wie Gammakorrektur oder Nachschärfen.


    Am Händi mach ich sowas nicht, sondern nur am PC.


    Martin

    Hallo Björn,

    ja - so macht das Symbol auf dem Schild Sinn!

    Allerdings ist der Grat, an dem sich Schneewächten bilden könnten gefühlt 100m entfernt.

    Wahrschienlich ist der Zaun tatsächlich die Absperrung, wenn überall Schnee liegt, sieht man die Kante nicht...


    Der Kapelberg ist übrigens der Berg in den Vogesen, an dem schon bis in den August und September Altschnee lag.

    Am Le Hohneck konnten wir etwas Restschnee noch selber beobachten.

    Nicht sehr viel, aber immerhin, Mitte/Ende Mai!

    Hallo,


    wie zuletzt angedeutet, haben wir vier Tage später den nur 3m niedrigeren Nachbargipfel des Le Hohneck in den Vogesen besucht.

    Obwohl der Weg vom Parkplatz an der Mosellotte-Quelle nur über Wiesen in die Höhe zum Gipfel führt, finden sich am Wegesrand etliche Felshaufen, die mit Flechten überzogen sind.

    Der flach ansteigende Bergrücken selbst ist landschaftlich erstmal wenig einladend.

    Auf der Rückseite wird es besser!

    Bild 1 Beim "Aufstieg" - so öde stelle ich mir die schottischen Highlands vor.


    Immer wieder unterbrechem Felshaufen die Ödnis:

    Bild 2 Felshaufen mit Flechtenvegetation


    Bild 3 Blatt- und Krustenflechten


    Bild 4 Krustenflechten, u.a. kleine, gelbliche Lecanora intricata mit eingesenkten, smaragdgrünen Apothecien.

    Die großen grau-braunen Flechten warten auf Bestimmung...


    Bild 5 Blick nach unten


    Bild 6 Ungeprüft, aber höchstwahrscheinlich die braun-glänzende Protoparmelia badia, außerhalb der Alpen wohl selten zu finden.


    Bild 7 Eine weitere, stumpf braune Krustenflechte mit eingesenkten Apothecien, eventuell eine Fuscidea? Wir werden sehen...


    Bild 8 Flechten-Wimmelbild mit Pseudevernia - sag mir, wie viel Flechtlein stehen...


    Bild 9 Brodoa intestiniformis gibt es hier also auch!


    Bild 10 Ich könnte stundenlang einige Quadratzentimeter betrachten


    Bild 11


    Bild 12 Um den Hang herum gelangt man wieder in ein lichtes Wäldchen mit Rotbuchen und Ebereschen


    Bild 13


    Und höher geht es...

    Bild 14 Ich liebe diese Felsansammlungen!


    Bild 15 Bunte Wunderwerke


    Bild 16 Ramalina capitata - eine der wenigen auf Silikat wachsenden Astflechten im Inland (an den Küsten gibt es andere Arten) und außerhalb der Alpen offenbar extrem selten.


    Bild 17 Den Sinn dieser gelbe Warnschilder - sie sind tatsächlich auch noch durchnummeriert - habe ich bis heute nicht verstanden.


    Bild 18 Nabelflechten... Hier oben wird es durch die Landkartenflechten immer gelber.


    Bild 19 Die gelben Landkarten dominieren bald die Felsen


    Bild 20 Da braut sich was zusammen. Zeit zum Umkehren!


    Noch ein wenig Vegetation auf dem Rückweg:

    Bild 21 Alpenkuhschellen blühen...


    Bild 22 Aber der Enzian blüht leider noch nicht...


    Tschüßlein, Martin