Beiträge von KaMaMa

    Schon komisch!

    Heute morgen haben alle externen Links am PC funktioniert (aber am Handy nicht) - jetzt tut kein einziger mehr am PC. ==Gnolm4

    Naja...

    Vielleicht klärt sich das im Laufe der Zeit noch auf, oder es findet sich eine Umarbeitung des Problems, die funkioniert.


    VG, Martin

    Hallo,

    meine Beobachtung zum Thema ist, dass die Links auf dem PC funktionieren, nicht aber auf dem Handy.

    Ist das eventuell bei euch ähnlich, dass es einen Unterschied zwischen Android und Windows gibt?

    Martin

    Hallo Ingo,


    das sind beeindruckende Bilder der Peltigera extenuata, die du zeigst.

    Die Lager wirken sehr groß, viewl größer als ich erwartet hätte.

    Ich dachte, diese Flechte bliebe klein und würde nur kleine, runde schüsselförmige Thalli bilden - dem scheint so nicht zu sein.

    Wie groß wird die Art denn, wenn ich fragen darf?


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    ich denke auch, dass es eine P. extenuata sein könnte.

    Habituell vielleicht auch eine sehr junge P. didactyla, die noch Apothecien ausbilden wird?

    Im Wesentlichen scheibt sich diese Art durch die Flechtenstoffe von P. didactyla zu unterscheiden, weswegen hier C+/KC+ rosa gälte.


    Neben der ersten Thallus im 3. Bild sind noch weitere Thalli mit Soralen links daneben, oder?

    Diese besitzen aber keine wuscheligen Phizinien, wie der größere Thallus.

    Alles die gleiche Art, oder wächst hier alles mögliche quer durcheinander?


    Hast du mal genauer geschaut, was dies hier ist?

    Das sieht fast aus wie Blattflechten mit dunklen Apothecien.


    LG, Martin

    Hallo Ingo,


    recht herzlichen Dank für deine ausführliche Stellungnahme!

    Ja, die Arten sind nicht einfach und nicht zweifelsfrei unterscheidbar.

    Ich hatte zwischenzeitlich auch in Frankreich angefragt: Dort bekam ich als Meinung P. cf.aphthosa für diesen Fund genannt, wegen der wenigen und zu heilen Cephalodien, wegen des nicht rundlichen Thallusrandes etc. könne das vermutlich nicht Britannica sein.

    Nun, sicher bestimmen geht wohl nicht, das muss auch nicht unbedingt sein.


    Wichtiger ist die Beschäftigung mit der Materie und der Austausch mit anderen, um zu lernen.


    Danke und

    LG, Martin

    Guten Morgen Bernd,


    sehr schön gezeigt werden die beiden Arten P. leucophlebia und P. aphthosa von Rolf Wagner auf seiner Seite "Flechten, Moose und Pilze", auf die schon Ingo Sennepilz hingewiesen hat, weil sie gut ist. Ich finde die Unterseite des Fundes passt erheblich besser zu P. aphthosa. P leucophlebia hat sehr deutliche, dunkle Adern, bilden ein dunkles Netz, wodurch die Unterseite allmählich zur Mitte hin verändert, ohne sprunghaften Übergang zu einer geschlossen filzigen Fläche.


    ABER:

    Es gibt eine dritte, ähnliche Art, die im Wirthschen Schlüssel nicht genannt wird, aber sowohl bei R. Wagner auftaucht und auch im französischen Flechtenführer als ähnliche Art bzw. Verwechslungsart genannt wird: Peltigera britannica.


    Eigenschaften

    1) Ablösbare Cephalodien: Zitat "P. britannica... à surface souvent ridée pourvue des fossettes, à céphalodies adhérant au thalle par une zone centrale (peltées) et à bord +/- ondolé et cannelé et decollé du thalle." Die Beschreibung passt sehr gut zu den großen Cephalodien auf dem Fund:

    Bild 17 Große, randlich "kannelierte" Cephalodien; sie sehen wie Miniaturausgaben von Krustenflechten mit Randloben aus. Trockener Zustand.


    Diese Cephalodien können mit wenig Auswand abgelöst werden, was bei P. aphthosa nicht gehen soll, da sie dort flächig am Cortex anhaften.

    Bei Britannica sind sie nur lose verwachsen und leicht ablosbar. Da die Ränder der Cephalodien bei Britannica frei sind und etwas überstehen, ist nach dem Ablösen ein Fleck mit freiliegendem Mark sichtbar, der etwas kleiner als das abgelöste Cephalodium ist.

    Bild 18 Abgelöste Cephalodien neben der kleinen Anwachsstelle.


    Die überstehenden Ränder und die lockere Verbindung zum Thallus sind auch im Querschnitt erkennbar:

    Bild 19 Querschnitt durch ein Cephalodium. Das Cephalodium besitzt überstehende Ränder und ist locker mit dem Thallus verwachsen.


    2) Runzelige Thallusoberfläche von P. britannica wird als "... ridé pourvue des fossettes..." beschrieben, also etwa "faltig durch Vorhandensein von kleinen Gräben".

    Bild 20 Querfaltige Oberfläche (trockener Zustand)


    3) Schwarz filzige Unterseite: Die Unterseite ist bei Rolf Wanger nur randlich gut erkennbar. Dort besitzt sie gut erkennbare, cremefarbene Adern. Die Thallusmitte ist bei Ways of Enlichenment besser gezeigt. Die Mitte ist schwarz filzig ohne sichtbare Aderung. Auch die runzerlige Obeseite ist schön erkennbar. Die Thallusränder sind flatterhaft wellig aufsteigend, fast schon umgerollt, wodurch die randlich weiße Unterseite von oben deutlich erkennbar ist.

    Bild 21 Unterseite mit schwarzem Filz in der Mitte, heller Rand mit büscheligen Rhizinien (trockener Zustand)

    Die Rhizinien sind nicht flaschenbürstenförmig.


    Ich möchte dir deshalb Recht geben - es ist wohl keine P. aphthosa.

    Ich würde mittlerweile eher P. britannica sehen, die Beschreibungen passen meiner Meinung nach am Besten zum Fund.

    Vielleicht ist ja Ingo Sennepilz in der Nähe und möchte sich hierzu netterweise äußern? Er hat sicher eine profunde Meinung zum Thema.


    LG, Martin

    Hallo,


    ursprünglich dachte ich, das sei etwas ganz leichtes.

    Aber wie das bei Erstfunden so ist - es fehlt die Erfahrung, um abschließend sicher zu sein.

    Deshalb stelle ich meinen Fund hier vor, in der Hoffnung, dass jemand die Bestimmung bestätigen oder gerne auch verbessernd in die richtige Richtung lenken kann.

    Trivial ist, dass es sich um eine Peltigera, mit Grünalgen und Cephalodien handelt.

    Es bleiben zwei Peltigera-Arten (P. leucophlebia und P. aphthosa) in der engeren Auswahl.


    Zum Fund:

    An einer Böschung neben dem Wanderweg durchs Ködnitzbachtal an der Südseite des Großglockners-Massivs wachsen große Thalli (um 15 cm) einer intensiv laubfroschgrünen Peltigera.

    Der Fundplatz war in ziemlich genau 2000m Höhe noch unterhalb der Waldgrenze.

    Bild 0 Fundstelle irgendwo vorne rechts


    Die Flechte wuchs unter einem kleinen Abri eines Felsblocks heraus.

    (Weitere Wuchsstellen wurden andernorts gefunden, weshalb ich ein kleines Läppchen mitnahm.)

    Die Flechten sind hier eingebettet in Moospolster über Schiefer.

    Die Lagerränder sind rundlich, wellig und aufsteigend, die am Rand die weißlichen Ränder der Unterseite zeigend.

    Die genommene Lappenprobe hat eine Breite von > 3cm.

    Die Flechte ist steril, Apothecien sind nicht zu erkennen.

    Auf der Oberseite des Thallus befinden sich flächig deutlich sichtbar Cephalodien.

    Bild 1 Grüne Peltigera an schattiger Böschung


    Bild 2 Etwas näher...


    Bild 3 Noch näher, aber leider unscharf, da morgens im Schatten und freihand fotografiert - die dunklen Cephalodien sind dennoch deutlich sichtbar.


    Die folgenden Fotos sind an einer kleinen Probe gemacht:

    Bild 4 Oberseite getrocknet: glatt, mintgrün mit graubraunen Cephalodien


    Bild 5 Nass färbt sich der Thallus wieder intensiv apfelgrün, die Cephalodien braun bis blau-grau (hier nasser Zustand)


    Es kommen Peltigera aphthosa und Peltigera leucophlebia in Betracht, die sich von der Oberseite betrachtet stark ähneln.

    Die Unterseite der Flechte ist auch hier wieder einmal bestimmungsrelevant und ausschlaggebend!

    Im Folgenden Fotos der Flechtenprobe im feuchten Zustand:

    Bild 6 Angefeuchtete Probe im Abendlicht


    Bild 7 Oberseite feucht


    Bild 8 Unterseite im feuchten Zustand


    Bild 9 Unterseite im feuchten Zustand


    Peltigera leucophlebia soll deutliche erkennbare, dunkle Adern besitzen.

    Ich vergleiche mit den abgebildeten Unterseiten bei Italic.

    Die Adern sind dunkel auf weißlichem Grund - dadurch sehr gut erkennbar - und setzen sich vom Rand bis weit in die Mitte des Thallus fort.

    Die Fläche wird hierdurch vom Rand zur Mitte hin sukzessive dunkler.


    So sieht die Unterseite des Flechtenfundes nicht aus:

    Der Hell-Dunkel-Übergang ist hier abrupt, die Adern am Rand zwar erkennbar aber hell (cremefarben) auf hell (weiß), dadurch nicht sehr deutlich erkennbar.

    Am hellen Rand sind deutlich Rhizinien vorhanden, büschelig, erst weiß, dann bräunlich; in der Mitte dunkelbrauner Filz.

    Das Zentrum der Unterseite ist ab einer Grenzzone durchgängig dunkel filzig und ohne erkennbare Aderung und ohne weiße Felder.

    Die Struktur der Unterseite passt recht gut zu den bei Italic gezeigten Fotos (insbesondere das letzte Foto) von Peltigera aphthosa, jedenfalls wesentlich besser als zu den Fotos der Unterseiten von P. leucophlebia.


    Auch die Struktur der Cephalodien soll sich bei beiden Arten unterscheiden.

    P. aphthosa habe im Gegensatz zu P. leucophlebia habe Cephalodien mit planen bis schwach konvexen, glatten Oberseiten und glatteren Rändern, die Cephalodien von P. leucophlebia werden als konvex, hirnförmig, randlich wellig bis kanelliert beschrieben.

    Anbei einige Fotos von Cephalodien des Flechtenfundes.

    Bild 10 Cephalodien


    Bild 11 Cephalodien


    Bild 12 Cephalodien


    Im Großen und Ganzen kommen mir die Cephalodien eher flach und oberseitig plan als konvex vor, aber ich finde das nicht eindeutig genug.


    Trotzdem bin ich der Meinung, das aufgrund der Struktur der Unterseite der Flechte Peltigera aphthosa vorliegen sollte.

    Was ist eure Meinung zu dieser wirklich schönen und seltenen Flechte?


    LG, Martin



    PS:

    Einige Höhenmeter weiter bei knapp 2300m an der Wegböschung auf Erde: Peltigera venosa.

    Bild 13 Fundstelle von P. venosa - man muss schon sehr genau hinsehen! Die größeren Thalli sind gerade fingernagel-groß.


    Hier sollte kein Zweifel bestehen...

    Bild 14 Peltigera venosa


    Bild 15 Peltigera venosa


    Bild 16 Die Unterseite von P. venosa ist fast noch schöner als die Oberseite.

    Diese Flechtenart bildet kleine säckchenförmige Cephalodien auf der Thallusunterseite aus!

    Ach ja,


    weil wir hier gerade über Gebirgsflechten reden: mir fällt eben ein, das Buch "Die Flechten im Nationalpark Harz" gibt es auch noch zum Unkostenpreis zu kaufen, ist aber auch als kostenloser Download erhältlich.

    Es kommt in der Qualität nicht an die beiden anderen Bücher heran, allerdings liegt sein Schwerpunkt auch weniger in der Bestimmung; vielmehr ist es ein Katalog der im Harz nachgewiesenen Flechten, jeweils mit Angabe der Fundorte.


    Martin

    Hallo Peter,


    siehst du die kleinen, rundlichen, schwarzen Pünktchen zwischen den länglichen Apothecien? Ich würde hiervon etliche heraushebeln und quetschen. Das sollten die Pyknidien mit den Pyknosporen sein. Nimm viele davon (wenn du hast), denn mancher schwarze Punkt stellt sich vielleicht unter dem Mikroskop als etwas anderes heraus ...

    Vielleicht hast du auch schon beim ersten Versuch Glück.


    Viel Erfolg damit!


    LG, Martin

    Hallo, Flechtenfreude!


    Pilze - so schön sie auch sein mögen - kommen meist nicht aus der Deckung, und falls sie sich zu ihrem primadonnahaften Auftritt herab lassen - schwupp, sind sie angefressen oder stinken.

    Ganz anders die lieben Flechten: Diese kleinen, bunten Gesellen erfreuen unsere Augen immer, denn ihr Vorteil (= unser Nachteil) ist, dass sie klein bleiben und man sie nicht essen kann.

    Auch viele Schnecken wissen dies und halten sich (zumeist) zurück, halten sich lieber an die Pilze.

    Daraus ergibt sich, dass - egal ob sommers oder winters - auf die Flechten Verlass ist: Sie sind eben da!

    Und - an manchen Orten gibt es mehr und schönere davon als andernorts.


    Am verlängerten Wochenende habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und bin in die Hohen Tauern gefahren.

    Dort durfte ich ein Gebirgsluft- und Flechtenbad geniessen:

    Bild 1 Gut behütetes Willkommen am Taleingang: Großglockner im Hintergrund und Bäume voll grünem Lametta.


    Bild 2 Auch die Birkenstämme sind hier voller Flechten.

    Diese apothecientragende Usnea hat keine Sorale und stellt sich als Usnea intermedia heraus.


    Bild 3 Totholz ist bekanntlich ein beliebtes Subtrat für Flechten: Solche Weidezäune lasse ich mir gefallen!.

    Nicht wirklich ungewöhnliches, aber doch schön anzusehen!


    Richtig schön wird es droben in der Höh', oberhalb der Waldgrenze.

    Bild 4 Blick zum Großglockner; der Untergrund hier ist kalkfreies Silikat (Paragneis und Glimmerschiefer weiß mein geologischer Führer). Dementsprechend...


    Bild 5 ...dementsprechend bunt sind Krustenflechten.

    Die strauchige, dunkelbraune Pseudephebe minuscula kommt hier vor, natürlich dürfen diverse gelbe Landkartenflechtenarte nicht fehlen. Die Landkarten bestimmen über große Bereiche die Grundfarbe der Flechtenmosaike.

    Auch graue Nabelflechten gibt es satt.


    Bild 6 An diesem Geröllhaufen bin ich bestimmt 30min herumgelungert und habe ständig Neues entdeckt.


    Bild 7 Zum Beispiel finden sich hier auf der noch schattig-feuchten Nordwestseite diese Schönheiten:

    Darunter die filigrane, hellgelbe Strauchflechte Alectoria ochroleuca (Bildmitte), der gelblich-weißen, eingerollte Blattflechte Flavocetraria cucullata (linke Bildseite); aber auch schon die ersten schüchternen, knochenweißen Würmchen der Thamniola vermicularis (vorne und rechts). Zwischen allem die bräunliche Cetraria islandica, die hier fast allgegenwärtig in den Blaubeeren hockt.


    Bild 8 Die Blutaugenflechte, Ophioparma ventosa, kommt in großer Zahl an den Vertikalflächen vor.

    Die schwarzen Blattflechten, welche die Ophioparma links und unten so schön kontrastierend umrahmen, sind mit vor Ort gar nicht aufgefallen. Jetzt ist es natürlich etwas spät.


    Bild 9 Krustemosaik


    Bild 10 Keine Ahnung bisher, was das sein könnte - vielleicht fällt das noch unter Protoparmelia badia? Ich bin gespannt auf die Mikroskopie.


    Bild 11 Huch, etwas gelbes Sorediöses! Das könnte Rusavskia sorediata sein.


    Bild 12 Sehr schön ist auch diese glänzende, tief areolierte braune Flechte.

    Es könnte vielleicht Miriquidica garovaglii sein. Eine echte Schönheit, wie ich finde.

    Das muss noch genauer untersucht werden, ein paar Fruchkörperchen habe dafür ich eingesteckt.


    Bild 13 Die Hohen Tauern sind geologisch sehr abwechslungsreich.

    An manchen Stellen geht man ein paar Schritte um einen Felsen herum, und schon trifft man statt auf Silikat auf Kalk!


    Bild 14 Neben pittoresker Alpenarchitektur sind in diesem Bild natürlich Flechten versteckt.

    Richtig: Die Wolfsflechte, Letharia vulpina.


    Bild 15 Letharia vulpina, etwas größer. Natürlich auf Lärchenborke!


    Bild 16 Cetraria/Vulpicida pinastri (Kiefern-Tartschenflechte) kommt ebenfalls an den Lärchen vor, und ist ebenfalls durch die giftige Vulpinsäure gelb gefärbt.

    Im Gegensatz zur sehr ähnlichen, aber auf Stein vorkommenden Vulpicida tubulosus (warum nicht tubulosa?) hat diese Flechte gelbe Bortensorale.

    Vulpinsäure färbt offenbar auch einige Boleten gelb - das war mir neu!

    Ich frage mich, ob die Vulpinsäure (giftig für Fleischfesser) überhaupt für Menschen giftig ist oder nur minder giftg / reizend: Als GHS-Gefahrzeichen kommt bei diesem Stoff nicht das Giftig-Symbol, sondern nur das Achtung-Symbol zur Anwendung...


    Bild 17 Eine weitere, überaus schöne Flechte ist eine Ochrolechia. Ochrolechia upsaliensis, die ich hier auf einem Wurzelstock einer Lärche vermute.



    Bild 17b Nach genauerer Betrachtung erweist sie sich als die montan lignicole Flechtenart Ochrolechia alboflavescens: Cortex C+gelb, P-, K-; Epihymenium KC+rot; mit runden, planen, später zusammenfließenden Sorale mit Kragen auf der Thallusoberfläche. Apothecien mit welligem Rand, bis 4mm groß; mit apricofarbenen, bereiften Scheiben; Hypothecium orange. Große einzellige, hyaline Sporen um 55 x 25 µm.


    Bild 18 Könnte man für Dreck halten: Wenn man genau hinsieht, erkennt man aber unzählige dünn berandete, glänzend braune Apothecien und grünen, körnigen Thallus: Protopannaria pezizoides


    Bild 19 Solorina - soviel ist gewiss. Beim Sporenzählen findet man 2 Spore pro Ascus, also Solorina bisporus.


    Bild 20 Macht optisch erst mal nicht viel her, sollte aber eine weitere Solorina-Art sein: Tatsächlich handelt es sich um Solorina spongiosa. Ein dünner grüner Lagerrand wird umgeben von einem schwammig grauen Cyanothallus, der mit zur Flechte gehört.


    Bild 21 Ist das ein Nabelschild oder nicht? Dann am ehesten Rhizoplaca chrysoleuca. Ich werde prüfen! Mit Nabelschild lag ich deutlich daneben, genabelt ist hier nix: Ich schwanke zwischen Squamarina cartilaginea und Protoparmeliopsis muralis subcartilaginea: Sporenform und -größe, Färbetest helfen zur Unterscheidung hier nicht.Die Habitate, in welchen beide Flechten vorkommen, unterscheiden sich aber. Während Squamarina cartilaginea im Flachland bis in die montane Stufe auf kalkhaltigen Gesteinen (und Böden) vorkommt, ist die Protoparmeliopsis muralis subcartilaginea auf Silikaten in der montanen bis alpinen Stufe vorhanden.

    Vom Substrat habe ich keine Probe mitgenommen. Im Fundterrain wechseln Marmore, Dolomite und Schiefer in schneller Folge ab. Der Fundort liegt im alpinen Terrain auf knapp 2600m und das dunkle Substrat mag durchaus silikatisch sein.

    Der dicht anliegende rissig-schuppige Thallus entspricht deutlich mehr der Wuchsform der Protoparmeliopsis-Varietät. Auch die beständige lecanorine Berandung ohne Kristalle passt besser zur Protoparmeliopsis.

    Sicher interessant, sieht man hier im Flachland nicht!



    Bild 22 Weit oben auf windgespeitschen, nur dünn mit Humus überzogenen, kalkigen Rohböden finde ich tatsächlich Bunte Erdflechtengesellschaften.

    Hier Protoblastenia terricola.


    Bild 23 Winzig klein, aber oho - kräftig gelb leuchtend: Fulgensia bracteata


    Bild 24 Dazwischen immer wieder kleine, niedliche Buscheln von Stereocaulon alpinum: ein Stereocaulon mit rosa niederliegenden Pseudopodetien mit rosa Filz und graugrünen Phyllocladien. Die Flechte reagiert P+gelb.


    Da nach 25 Bildern Schluss ist und ich sonst noch ewig weitermachen könnte, wähle ich zum Abschied ein Landschaftsfoto:

    Bild 25 Letzter Blick zum Großglocker (Ködnitztal)

    Schön war's! Und viiiel zu kurz... :gheulen:


    LG, Martin


    Wen das Thema interessieren sollte, für den gibt es zwei tolle und sehr preiswerte Flechtenbücher zum Schmökern:

    Reihe Nationalpark Hohe Tauern: "Flechten" (Roman Türk) und "Die Flechten Kärntens" (R. Türk et al.).

    Da hast du a b s o l u t Recht, Uwe:

    Früher war doch alles besser!

    Je mehr Lebenserfahrung man sammelt, desto stärker reift diese Erkenntnis. ==Gnolm7


    Vielleicht werden wir aber auch nur immer älter, b...er und unbeweglicher, eingeïgelt in unserer Komfortzone... Wo das endet, weiß man. ==Gnolm2


    Ich favorisiere die erste Betrachtungsweise.


    Martin

    Hallo,


    unter den Proben vom letzten Wochenende befindet sich eine interessante weiße Kruste, die sich leider als steril herausgestellt hat und deshalb nicht leicht bestimmbar ist.

    Ich bin mir nicht einmal ganz sicher, ob es sich überhaupt um eine Flechte handelt oder der Pilz nur mit, unter und über diversen Algen lebt.

    Andererseits meine ich zu sehen, dass zumindest ein Teil der Algenzellen von Pilzhyphen umwachsen sind.

    Die Probe weist viele dunkle Fruchtkörperbildungen auf, die sich leider als Pyknidien herausstellten.

    Mehre Anläufe, vermeintliche Perithecien zu analysieren scheiterten an der Tatsache, dass immer Pyknidien vorlagen.


    Zum Fund:

    Direkt am nordwestlichen Seerand (Bleichsees bei Löwenstein) steht ein sehr schmaler Baumgürtel aus Weiden, Pappel, Eichen.

    Einer der Eichenstämme ist auf der Westseite von weißen, flockigen Krusten überzogen, aufgelockert mit kleinen Trentepohlia-Grüppchen, Grünalgen, was dem Ganzen ein buntes Aussehen verleiht.

    Die Kruste färbt sich deutlich orange, wenn sie geritzt oder gequetscht wird, was in einem solchen Fall normalerweise auf eine Flechte mit Trentepohlia als Photobiont hinweist.


    Bild 1 Fundsituation in lichtem Eichenbestand , direkt hinter den Bäumen ist das Seeufer, hinter mit eine Beerenplantage (?) und Wiesen.

    Die Stelle, an welcher eine kleine Probe abgeschält wurde, ist im Anschluss orange gesäumt.


    Bild 2a Weiße Kruste auf Eichenborke, schwarze Pyknidien; freie orange Trentepohlia-Gruppen


    Bild 2b Gleiche Stelle nach Abschälen einer dünne Probe. Die orangen Ränder um die Schnittfläche herum weisen auf Trentepohlia als möglichen Photobionten hin.


    Zuerst meinte ich eine pyrenocarpe Flechte vorliegen zu haben.

    Die Kruste ist weiß, flockig, feucht sehr weich.

    Bereichsweise liegen orange und grüne Algenkolonieen über dem Thallus.

    Ein Teil der dunklen Fruchtkörper wirkt kugelförmig und ist in den Thallus eingesenkt, ein anderer ist eher flach und an Apothecien erinnernd, liegt auf den Thallus auf.

    Der Durchmesser liegt bei 150-200 µm.

    Alle Varianten stellen sich als Pyknidien heraus, die eine Unmenge an zweizelligen, schwach hellbraunen Pyknosporen (Größe 7-8 x 3,5-4,3 µm) beherbergen.

    Bild 3 Probe mit aufsitzenden und eingebetteten Pyknidien


    Bild 4 Flache Pyknidie vor und nach Quetschen im Mikroskop.

    Pynkosporen sind in dicken Schichten bräunlich.

    Das Quetschpräparat reagiert nicht auf KOH: keine Verfärbung der Sporen, Hyphen oder Pyknidienwand erkennbar.


    Die Form der Pyknosporen reicht von regelmäßig elliptisch / zylindrich bis unförmig schuhsolen- und erdnussförmig;

    oft mit einem größeren Öltropfen in jeder der beiden Sporenzellen.

    Meist ist eine leichte Einschnürung am Septum zu beobachten.

    Das Ende mancher Sporen weist eventuell einen sehr kleinen Appendix auf (oder beginnendes Auskeimen?)

    Bild 5 Pyknosporen zweizellig, schwach braun, 7-8 x 3,5-4,3 µm


    Der zuvor weiße Thallus verfärbt sich intensiv orange, wenn er gequetscht wird.

    Auf die üblichen Indikatorflüssigkeiten (C, P, J) reagiert der Thallus negativ.

    Nur K reagiert eventuell gelb(lich), was aber vermutlich durch die gelb-orangen Algen vorgegaukelt wird; das Kontrollpapier wird von der Lösung nicht verfärbt.

    Also: R-!

    Bild 6 Gequetschter Thallus färbt sich intensiv (Trentepholia)


    Der Thallus ist bereichsweise bis 100 mm dick und enthält nur stellenweise Algen.

    Hier Trentepohlia, dort coccoide Grünalgen.

    Eine flechtentypische Schichtung des Thallus ist nicht erkennbar.

    Dennoch wirken die Algenzellen unförmig, weil von farblosen Hyphen umwachsen (lichenisiert?).

    Bild 7 Querschnitt durch Kruste, Algen und Substrat


    Beim Schlüsseln nach Wirth (sterile Krusten mit auffälligen Pyknidien) gelange ich über

    1 Pyk. schwarz - 2* Pyk.träger unverzweigt, auf Rinde - 3* Pyk. nicht gestielt, warzig vorstehend bis eingesenkt - 7* Th. C- - 9* auf Rinde - 10* Pyk. bis 200µm, nicht K+purpurn; Th. nicht gelb-grau

    letztlich zu 11 und dort zum Widerspruch: entweder 11 Sporen septiert, aber fädig, spindelfö. o. keulig und länger als gemessen (> 13µm) oder eben 11* unseptiert.

    Nicht davon passt. Falsch abgebogen bin ich vermutlich nicht.


    Bleibt die wahrscheinlichere Alternative, dass der Pilz gar nicht lichenisiert ist.

    Vielleicht erkennt jemand die Sporenform dieser Anamorphen und hat einen Tipp, wo ich weitersuchen könnte?

    thorben96 vielleicht?


    LG, Martin

    Hallo Uwe,


    Eine Machete wäre hilfreich, sie mitzuführen ist sicher nicht legal.

    Anders kommst du da nicht mehr ran.

    Schade eigentlich! ==Gnolm2


    Martin

    Hallo Peter,


    Zitat

    "Das Subhymenium ist defintiv blau. Ich habe bislang keine Angabe für O. demutata finden können."


    Auf der Seite zur Flechte bei Italic findest du recht detailierte Beschreibungen, auch zu O. demutata, auch zur Farbreaktion.

    Dort heißt es: "hymenium colourless, 60-70 µm high, I+ blue in upper part, I+ reddish in lower part; subhymenium reddish brown." Also ausdrücklich nicht blau.


    Ich würde den Versuch Reaktion des Hymeniums / Subhymeniums auf Lugol einfach mal wiederholen. Vielleicht ist das Ergebnis deutlicher und man sieht klarer.


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    im Nachbarvisum ist aus meiner Sicht etwas weniger los als hier. Antworten tut dort leider fast nur einer, und den triffst du hier auch.


    Auf FB bei den Franzosen ist es etwas lebhafter als hier. Die Mitglieder der englischsprachigeng Gruppen sind weltweit verteilt und dementsprechend oft kommen Posts von Down-Under, Amerika, Indien oder Fernost. Meistens wird nur ein Bild gezeigt und eine ID gewünscht, naja.

    Die ganze FB-Srruktur finde ich sowieso grauslig.


    Bei den Briten habe ich schon länger nicht mehr ins Forum (fungi.org.uk) reingeschaut. Ihr Forum ist ist lokaler, es lebt und ist recht aktiv. Zuletzt auch einige Diskussionen über Zeichenflechten, wie ich sehe...

    Das könnte also etwas bringen, dort damit vorstellig zu werden.

    Sehr gute Idee!


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    wieder eine interessante Kruste!


    Beim Lesen deines Flechtenfund heute morgen fiel mir als erstes der stark verwitterte Sandstein auf (Quarzkörner). Kalkstein ist das meiner Meinung nach nicht. Ich komme aus einer Gegend mit Muschelkalk und u.a. kalkgebundenem Sandstein. Also hatte ich mich in der Anfangszeit darauf verlassen, dass die Steine hier, insbesondere auch die Werksteine an Friedhofs- und Burgmauern, kalkhaltig sein müssten.

    Natürlich falsch gedacht: Ist die (Werk)steinoberfläche nur lange genug der Witterung und dem säuerlichen Regenwasser (CO2) ausgesetzt, wird der Kalk aus der Oberfläche gelöst und bleibt saures oder schwach kalkhaliges Gestein übrig. Die Kalkbindung geht verloren und der Sandstein bröselt. Bei quarzgebundenem Sandstein ist die Verwitterung zwar anders, er ist aber von Hause aus sauer. Ein Test mit Säure zeigt bei verwittertem Sandstein meist keine Bläschenbildung, auch wenn das ursprüngliche Gestein kalkhaltig war.


    Bei der Flechtenbestimmung ist nun aber gerade die Entscheidung, ob kalkhaltiger Stein oder saures Gestein (Silikat), sehr wichtig.

    Wenn dir bei der Probennahme die Oberflächenschicht des Steins quasi entgegenfiel, hast du ja Material, um diese These an deiner Probe zu überprüfen.

    Oder nimm ein bisschen Säure mit vor Ort.


    Bei der Lugolreaktion des Hymeniums bin ich unentschlossen, ob hier nicht hier auch eine Blau-Orange-Blau-Abfolge vorliegt. Für J+blau gibt es mMn viel zu viel Orange. Wichtig ist natürlich, zwischen den Reaktionen J und K/J des Hymeniums zu unterscheiden! Nun zeigst du eine ausbleibende K-Reaktion, anschließend die Lugol-Reaktion. Ich frage mich, ob du das an der gleichen Probe beobachtet hast. Vorsicht, es gilt K <> K/J! Wird die Reaktion auf J im Schüssel benötigt, darf zuvor keinesfalls KOH zugesetzt worden sein.


    Was sind eigentlich die gelblichen Strukturen auf dem Thallus?

    Eine andere, aufsitzende, gelbe Flechte? Oder Algen? Oder gehört das zu der Zeichenflechte? Bereifung? Hast du das mikroskopiert? Reagiert es mit K mit Farbumschlag?


    Die 3-septierten Sporen weisen bei Wirth zum Opegraphaschlüssel. Dort geht es über 1*-6*-7-8 zur Frage nach dem Gestein. Ich würde vermuten, dass hier kalkfrei richtig wäre und würde deshalb Silikat wählen. 8-9* Die Scheiben sind auf den Fotos langgestreckt und unbereift. 10 Hier wird es kniffelig, ich würde die Apothecienmaße heranziehen, sicherstellen, dass das Hymenium in J und in K/J unterschucht wurde, in mich gehen, ob der Thallus deutlich sichtbar war (das scheint vielleicht auf den Fotos nur so, wegen des Kontrastes zur gelben Nachbarflechte)... O. confluens käme ev. in Betracht, kommt aber nach Wirth auf salzbeeinflussten Steinen an der Küste vor, bei Italic hingegen ist sie ein Sysnonym für O. calcarea und häufig auch im höchsten Apennin. Ein rosa überhauchter Thallus in deinen Lupenbildern fällt auf. Ich würde deshalb 10* wählen, da sie sicher nicht nicht halophytisch ist. Jetzt folgt bei 11 eine interessante Bemerkung: "Wenn Sp. stets 4z, 11-22 x 3-5, Hymenium oben J+blau, unten J+orangerot, Subhymenium J+hellblau, vgl. O. ochrocheila"!

    Als ich das gelesen hatte, musste ich sofort an deinen letzten Post denken. Lustigerweise fehlt O. ochrocheila im Wirth, weil sie nach Alyxoria verschoben wurde. Vielleicht hast du zweimal die gleiche Flechte gefunden?


    Über die Pfade kalkhaltiges Substrat und Rinde gelangt man übrigens auch zu A. ochrocheila, sie ist also recht substratvag.

    Das Excipulum von A. ochrocheila soll aber K+rot/braun reagieren, braue Bereifung auch. Das würde ich mit 20%iger KOH unter dem Mikroskop an enem Queschnitt überprüfen. Wenn die Bereifung fehlt, kann sie nicht reagieren. Sie könnte durchaus, wenn auch schwach, vorliegen. "Ap.rand oft mit braunorangem, K+rotem Reif."

    Bei Italic werden immer etliche zusätzliche Strukturgrößen genannt (Dicke Excipulum, Hymenium, Subhymenium, Durchmesser Paraphysen, etc.), die würde ich zur Absicherung ebenfalls mit überprüpfen.


    Krustenflechten sind ein kniffliges aber schönes Hobby!


    LG, Martin

    Hallo Peter,


    mit Pyknosporen sind die Konidien des Pilzes gemeint. Bei Flechten werden die Haupt- und Nebenfruchtformen oft im Thallus direkt nebeneinander gebildet. Bei den Zeichenflechten findest du zwischen den Apothecien - oder etwas getrennt daneben - oft kleine, punktförmige, hâufig schwarze, eingesenkte oder etwas erhabene Strukturen, die Pyknidien. In ihnen werden asexuell Pyknosporen (Konidien) gebildet. Diese können und müssen teilweise zu Bestimmungszwecken herangezogen werden. Da sie recht klein sind, am Besten als ganzes extrahieren und unter dem Deckglas zerquetschen. Konidien treten dann in großer Zahl aus.


    Gruß vom Bleichsee, Martin

    Hallo Peter,


    angeregt durch deinen neuen Beitrag über eine saxicole Zeichenflechte, habe ich mich nochmals etwas genauer mit dem Angaben beschäftigt. Du hast den Kalkgehalt des substrats nicht geprüft, wahrscheinlich, weil du Teile der Flechte auch auf der Mörtelfuge wachsend vorfindest. Relativ früh im Bestimmungsschlüssel stellt sich die Weiche, ob kalkhaltiges oder Silikatgestein.

    Altes, verwittertes, ursprünglich kalkhaltiges Substrat kann oberflächlich ausgewaschen und kalkfrei sein!

    Ohne dieses Wissen muss man beide Schlüsselpfade prüfen. Die breiten, weißlichen Scheiben stören mich auch schon die ganze Zeit etwas...

    Ich denke, es ist zudem wichtig und hilfreich die typische Lirellenbreite und -länge zu bestimmen und mit den Angaben zu vergleichen. Das kann sehr helfen.


    Vielleicht hast du einen größeren Krümel mit Substratanhaftungen. dann kannst du den Test z.B. mit gesättigter Zitronensäure noch nachholen.


    Kurz und gut: was spräche gegen Alyxoria ochrocheila? Alyxoria wurde aus Opegrapha ausgegliedert und weist im Gegensatz zu Opegrapha s str. klaffende (!) Apothecien auf. A. ochrocheila hat passende Sporengrößen und das Hymenium reagiert in Lugol zuoberst blau, darunter orange, das Subhymenium aber ausdrücklich wieder blau! Vgl. Bild 8.Sie kommt nördlich in D und besonders auch in Küstennähe vor.

    Die Flechte wäre zudem nicht als extrem selten eingestuft, was immer stutzig machen sollte.

    LG. Martin