Hallo Felli,
da hast du über Weihnachten ja nachgelegt:
Das Substrat ist also stark kalkhaltig.
Ich vermute als Algenpartner coccoide Grünalgen (Trbouxia?), die in dem Querschnitbild unter dem Apothecium sitzen, am wahrscheinlichsten.
Die Trentepohlia-Algen ("Grünalgen 2", mit oranger Guttule - Karotinoide) sitzen doch vielleicht eher auf dem Thallus (vgl. auch Eingangsfoto mit Trentepohlia-Puscheln auf der Flechte).
Nostoc liegt nicht vor, was du da gefunden hast sind bräunliche Hyphen eines Fremdpilzes (z.B. Parasit?).
Nostoc ist ja grünlich und bildet, wenn es Ketten bildet, schön gleichmäßige Abfolgen, keine so krummen Dinger:

Nostoc
Trentepohlia kann in der Kratzspur auch grün erscheinen. Wenn Trentepohlia der Algenpartner wäre, würden wir zu Hymenelia gelangen, die aber im Hymenium nicht IKI rot reagieren würden.
Schade, dass du das Hymernium nicht K/J getestet hast (erst KOH, dann spülen, dann IKI). Das ist beim Schlüsseln relevant und kann helfen.
Wenn ich also den Lecidea-Schlüssel für Felchten auf kalkhaltigem Gestein benutze, komme ich im WHS-Schlüssel
- 1 Thallus nicht schuppig bis schuppig-lappig, sd. krustig bis endolithisch => 2
- 2 Apothecienscheiben feucht nicht ganz schwarz, sd. bräunlich-rötlich, trocken schwärzlich => 3

Ausschnitt: Ich mag mich täuschen, sehe aber eine braun-rötliche Färbung)
- 3 Sporen breit ellipsoid (Q < 2,5), gewöhnlich mit Schleimhülle (?); Apo. feucht braunstichig; Epihymenium braun bis rotbraun => 5
- 5 Sp. ca. 8-11 x 4-6; Hyp. rotbraun, Epihym. orangebraun-rotbraun; Ap. sitzend, flach, berandet, schwarz bis dunkel rotbraun, ca. 0,3-1mm DM; Paraphysen verzweigt, septiert; Asci vom Porpidia-Typ d.h., man sollte nach K/J einen tiefen blauen Kanal durch den dicken Tholus erkennen können (könnte man versuchen zu zeigen). Thallus dünn bis fehlend (= enodlithisch) => Clauzadea monitcola
Clauzadea hattest du ja schon vermutet. 
Ich kenne diese Flechte nicht. Zusätzlich zu den im Schlüssel erwähnten Eigenschaften gilt ferner:
Hymenium IKI orange-rot bis bläulichgrün, abh. von Jod-Konzentration, erst blau, dann grün, gelb, orange, rot.
Das sieht man sehr gut an dem Diffusionsgradienten in deinem Foto ganz oben.

Sporen mit Schleimhof - könnte man prüfen...
C. monticola ist euryök auf Kalkstein, auch auf anthropogenen Substraten (Mörtel, Beton); auf kleinen Steinen (!), großen Felsen; vgl. Artbeschreibung auch bei Italic.
Passt soweit, ist alles stimmig.
Ohne den Kalknachweis hätte man lange herumprobieren können, ohne wirklich weiter zu kommen.
Der Lecideaschlüssel ist ziemlich umfangreich.
Die rote IKI-Reaktion wird leider nicht zu Anfang abgeprüft, in unserem Fall gar nicht.
Sie wird nur bei der allgemeinen Gattungsbeschreibung zu Clauzadea erwähnt, ist aber natürlich wichtig!
LG, Martin