Beiträge von Sebastian_RLP

    Hallo zusammen,


    in einigen Posts habe ich jetzt gelesen, dass die Morcheln zu einem kommen. Das passiert bestimmt auch ganz oft. Das man aber auch gezielt suchen kann habe ich wohl die letzten beiden Tage bewiesen. So konnte ich zu meinen sowieso bekannten Fundstellen im Eschenwald und beim Nachbarn (dazu gleich mehr) in zwei Tagen drei neue Fundgebiete ausfindig machen. Diesmal sämtlich auf mageren Streuobstwiesen.

    Nun muss ich dazu sagen, dass ich einige dieser Gebiete schon vorher ausfindig und auch öfter schon inspiziert und für tauglich befunden habe. Sonst hätte es wohl nicht so schnell geklappt. Zudem sind wir hier vor Ort von den Böden doch sehr begünstigt bezogen auf den Morchelaspekt. Insgesamt kenne ich mittlerweile über 10 Morchelstandorte, alle mehr oder weniger vor der Haustür.


    Ob die Morcheln da sind, kann ich bei meinem Nachbarn gucken, der hat einen Apfelbaum im Vorgarten und da kommen sie immer regelmäßig. Ich darf dann auch fleißig gucken. Und so waren dort bereits gestern sehr dunkle Morcheln zu finden, die mich etwas an Jans Boletaceae Fund erinnern, eben auch von den Rippen und so weiter:



    Dann ging es auf in die Streuobstwiesen, kaum läuft man zwei Kilometer, weit und breit die schönsten Landschaften:


    Und mit etwas Glück am Fuße eines Obstbaumes:


    Wieviele Morcheln könnt ihr im nächsten Bild entdecken?


    Aus der Nähe betrachtet helle neben dunklen Fruchtkörpern, alle mit polygonalen, eher isodiametrischen Vertiefungen. Nicht so dicht und ohne solche "Divertikel" wie beim ersten Fund. Hier vermute ich M.esculenta;


    Besonders interessant, ein Fruchtkörper in trauter Zweisamkeit mit Schwefelköpfen (selber Baum):


    Weiter gings in einer Streuobstbrache:


    Dort keine Morcheln, aber ein auffälliger Holzstoß:


    Da lohnt sich ein genauer Blick ...


    Dachte erst an einen Morchelbecherling, ist aber schlicht Peziza varia - Handtellergroß (mit zart warzigen ellipsoiden Sporen, erkennbar bei 1000-fach):



    Den Morchelbecherling sollte es aber auch noch (heute) geben in einer weiteren mageren Streuobstwiese! Mit kräftigstem Chlorgeruch.

    Schaut mal was für Prachtexemplare, größer als mein Handteller ... und meine Hände sind nicht klein ;) (Durchmesser 12cm, der Pilz, nicht die Hände :D )


    Und so ging es daneben weiter:



    Die Morchel durfte daneben natürlich nicht fehlen, hier Morchel mit Morchelbechern im nächsten Bild.

    (NEIN, ich habe sie nicht dahingestellt, die war wirklich schon vor mir dort!):



    Nicht zu verwechseln mit Gyromitra ancilis, die hatte ich neulich in einem Fichtenwald (hatte dazu auch in einem anderen Beitrag schon Bilder gepostet, mehr Bilder HIER).



    Diese haben Sporen mit typischen Anhängseln:



    Aber weiter auf den Wiesen: in der Nähe von Obstbäumen und Rosacaen ein (noch) kleiner Rötling, den ich Entoloma saepium nennen würde:


    Zahlreiche Schnallen, keine Cheilos, Basidien mit 4 Sterigmen.


    Die weiteren Morchelbilder von weiteren Wiesen erspare ich euch jetzt mal, ABER zwischendurch musste ich mir die Frage stellen, ob wir schon Mai haben???


    Schaut selbst:


    Und anderer Stelle (quick and dirty):


    So, die Conocyben, Tintlinge, Frühlings-Glockenschüpplinge, Dumontinias und Baumpilze lasse ich jetzt mal weg ...


    So kann es weiter gehen. Die Käppchenmorcheln waren an den bekannten Standorten noch fehlend, kommen aber oft auch etwas später.


    Ich hoffe ihr hattet soviel Spaß wie ich beim "Mitgehen" ...


    LG Sebastian

    Wenn ich dich richtig verstehe, geht es beim "Pseudosinus" um eine Rinne zwischen Kopfteil und Stiel.

    So lese ich es, ja. Sinus beschreibt eine Lücke zwischen Hut (Fruchtfleisch) und Stiel. Dieser ist bei Arten wie M.semilibera natürlich sehr tief/stark ausgeprägt, bei Esculenta "absent" und bei vulgaris "barely developed", also kaum entwickelt (daher wohl Pseudo). Bei den großen Morcheln könnte das schon andeutungsweise so etwas sein (bei den jungen sei es ja sowieso eher nicht zu beurteilen: "rarely", bei denen sehe ich das auch hier definitiv nicht). Ich finde es aber schwer zu beurteilen. Mir fehlt da leider letztlich auch die Erfahrung aus eigener Anschauung der Arten nebeneinander. Danke für deine Mühe, sieht jedenfalls so aus, als ob du sie dir hast schmecken lassen.


    LG Sebastian

    Hallo Jan,


    ich versuche mich gerade erstmals mit den Morchelarten auseinanderzusetzen, die man überhaupt in Deutschland finden kann.

    Aufgrund der grauschwarzen Färbung der Pits (=Gruben), die auch noch recht irregulär (und zu Beginn dichtgepackt) daherkommen, war meine Annahme M.vulgaris.

    Diese soll wohl aber kräftig riechen und einen Pseudosinus haben (was ich auf dem Bild leider auch nicht beurteilen kann, müsste man von unten auf Hymenialansatz am Stiel schauen können): "The differentiation of the two Species [esculenta vs. vulgaris] will be easy. Indeed, Morchella vulgaris has a pseudosinus (rarely in young specimens) and it is strongly fragrant (faint in young Morels" (Clowez & Moreau, S.101). Das trifft dann eben auf Esculenta nicht zu. Ich selber finde hier bei uns oft und viel Esculenta, die hier bei uns aber deutlich gelber daherkommen und eher offene "Pits" haben. Sieht schon anders aus dein Fund. Daher für mich interessant.


    LG Sebastian

    Hallo Felli, vielen Dank für deine Detektivarbeit. Das könnten in der Tat Konidiensporen von Ceriospora polygonacearum sein. Auch makroskopisch passt das.

    Das passt schon sehr gut im Abgleich mit allen Quellen, die ich so finden kann. Auch das Substrat ist wiederrum passend.


    Nr. 1 habe ich jetzt nochmal versucht zu mikroskopieren in Melzer. Aber das macht wirklich keine Freude. Habe die Winzlinge aufgesucht und Sie unter viel Mühe und fummeln auf den Objektträger bekommen. Diese zeigten dann Asci mit amyloiden Apikalapparat. Nachdem ich mir aber die Sporen und die Marginalhaare angeschaut habe, bin ich nicht mehr ganz sicher, ob ich hier nicht die nächste Art abgekratzt habe. Makroskopisch (wenn man das so nennen will, also unter Auflicht) jedenfalls identisch mit der Nr. 1.


    Aber Haare und Sporen jetzt wieder anders!?


    Die Haare wirken auf mich eher nicht wie Glashaare, aber da will ich mich aufgrund mangelnder Erfahrung auch nicht festlegen.

    In Melzer dunkelbraun bei dieser Art.


    Ich glaube, ich gebs da jetzt auf. Es ist schon ein Wahnsinn, was da auf 5x2cm Oberfläche eines solchen Stengels los ist.


    LG Sebastian

    Hallo Jan,


    toller Fund, wenn ich mit Clowez & Moreau vergleiche, könnte das eine Morchella vulgaris sein! Diese Art sollte kräftig riechen im Gegensatz zu Esculenta. Schnupper doch mal für mich daran, ich habe bisher vermutlich nur Esculenta gefunden aus der Section Morchella.

    Da bin ich jetzt etwas neidisch.


    Ich lese aus deinen Posts, dass die nicht von der selben Stelle sind wie die vermutliche Esculenta aus Post 1? Ist das richtig?


    Im Übrigen kannst du da öfter hingehen, die "Speisemorcheln" starten jetzt erst richtig durch. Gegebenenfalls kommen da noch mehr.


    LG Sebastian

    Hallo Felli,


    Vielen Dank für den Tipp, habe jetzt zwei Tage leider keinen Zugriff auf die Literatur. Schaue ich mir unbedingt an. Ein Googlebildabgleich zeigt jedenfalls schon mal Gemeinsamkeiten. Wie bist du zum Ergebnis gekommen? LG

    Hallo Steffen,


    ich sehe da in der Tat auch Scharbockskraut und (im Hintergrund?) Anemonen auf den Bildern. Insofern, falls du mit der Bestimmung sichergehen und die Zellkerne anfärben möchtest, geht das mit Karminessigsäure, dass für kleines Geld bei z.B. mykoservice zu bekommen ist. KES kann man auch für die Prüfung siderophiler Granulation verwenden.


    Vor zwei Jahren habe ich mit eigenen Tests dazu das Wissen um die Zellkernfärbung mal wieder etwas reaktiviert:


    Mittlerweile kenne ich immens viele Standorte mit beiden Arten, würde das schon fast als Massenpilz bezeichnen. Die Färbung geht flott von der Hand und so kommt man zügig zum Ergebnis. Einfach KES als Medium statt Wasser, quetschen, fertig ist das Präparat. Eine Gegenüberstellung habe ich mit den Arten dieses Jahr vornehmen können, da mir binucleata erst dieses Jahr erstmals begegnet ist. Dafür kenne ich jetzt mindestens drei Standorte, wo auch dieser teils in Massen wächst. Hier das Portrait der beiden Arten in der Gegenüberstellung samt Sklerotium (hast du bestimmt schon entdeckt):


    Makroskopisch kann man da leider nicht viel machen, es sei denn, da wächst tatsächlich auch nur eine Wirtspflanzenart.


    Jedenfalls doch toll, was man alles vor der Türe hat. Die Schlüsselblumen sind auch sehr hübsch.


    LG Sebastian

    Hallo zusammen, also das Substrat war "Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica Houtt. bzw. Polygonum cuspidatum Siebold & Zucc.)


    Hallo Felli, danke für deine Hinweise. Makro 1 und 2 sind tatsächlich unterschiedliche Arten. Zu Makro 1 habe ich nun noch weitere Bilder machen können.


    Aber vorab, lieber Björn, ich hoffe es macht dir nichts aus, dass ich hier jetzt unter deinem Thread diskutiere. Ausgangspunkt war ja eine gewisse Ähnlichkeit des Pilzes aus Makro 1 zu deiner Pyrenopeziza.


    Unter Wasserzugabe habe ich den übrigens auch etwas "auf" bekommen (CAVE: die Größenangaben stimmen nicht, habe vergessen umzustellen muss eher 200µm als 10µm heißen):


    Geöffnet unter Wassereinfluss:


    Die Herstellung eines Präparates war eine ziemlich schwierige Angelegenheit, die Spitze der Pinzette war etwa dreimal so groß wie der Pilz.


    Dann doch in Wasser, Sporen ellipsoid: 11,5-13,7 µm (av. 12,2 µm, SD 0,8 µm) x 6,1-6,5 µm (av. 6,2 µm, SD 0,2 µm); Q = 1,9-2,1 (av. 2,0, SD 0,1)(n = 5)

    Passt eigentlich nicht zu Pirottaea, da sollten die Sporen kleiner, schlanker sein, wenn ich es richtig erfasst habe.


    Hier Außenseite - Septierte Marginalhaare (auch hier die Skala leider falsch, muss 20µm heißen = 400fache Vergrößerung)


    Interessant fand ich auch nochmal folgende Seite: https://www.asturnatura.com/especie/fallopia-japonica

    Dort auf Deutsch übersetzen lassen und "Assozierte Pilze" aufklappen. Die Bilder von Pirottaea nigrostriata passen schon seeeehr gut, die Sporen eben nicht: https://www.asturnatura.com/especie/pirottaea-nigrostriata



    Ansonsten glaube ich konnte ich noch den Fund auf dem letzten Bild identifizieren (auch ohne das ich Sporen von diesem winzigsten, winzigsten Winzling gewinnen konnte).

    Ich vermute Pericona byssoides der ebenfalls auf dem Wirt vorkommt. Das sieht schon frappierend gleich aus, auch mit den septierten Stengeln usw.


    LG Sebastian

    Hi nochmal,


    also, könnte das erste ggf. in Richtung Pirottaea nigrostriata gehen. Der kommt an diesem Staudenknöterich, um den es sich hier wohl handelt vor.

    Naja, ist ein Schnellschuss.


    LG Sebastian


    P.S.: Ich fürchte, ich muss erstmal das Substrat korrekt bestimmen, das wäre schon hilfreich.

    Hallo Björn,


    Ellis und Ellis kannte ich noch nicht, sieht interessant aus, scheint jedoch vergriffen im Mykoservice. Bis dato habe ich immer mal in Fungi of Temperate Europe geschaut. Aber das ist natürlich hochgradig begrenzt.


    Mal schauen, auf Asco Sonneberg kann man ja auch das ein oder andere vergleichen.


    LG Sebastian

    Hallo Björn, wieder eine sehr gelungene Dokumentation einer mir doch sehr fremden Welt.


    Deine Pyrenopeziza (10) erinnerte mich an einen unbestimmten Fund auf Schilff, den ich neulich hatte. Ist aber doch vermutlich etwas anderes. Spannend wie der Pilz "aufgeht". Das habe ich bei meinem Fund nicht beobachtet/beobachten können:


    An diesem Stengel auch noch vieles anderes, z.B. jener hier (auch ohne Namen):


    Mikroskopisch:


    und an diesem wiederrum:


    Dieser winzige Bewuchs allerdings auch am Schilf selbst:


    folgenden Stack habe ich nur so hinbekommen, da nicht in einer Schärfeebene, dennoch bezogen auf den FK aussagekräftig denke ich:


    Vielleicht kannst du mir einen Hinweis geben oder einen Einstieg.


    LG Sebastian

    Heute haben wir unserem lokalen Friedhof einen kleinen Besuch abgestattet, da dort die Frühjahrslorchel zu finden ist.


    Leider wurde frisch gemäht und so schwand die Hoffnung. Aber dann, neben der bekannten Stelle, dieses Bild (Name mit Photoshop entfernt):


    Ein einzelnes Exemplar hält die Stellung, aber was für ein fotogenes ...


    Weit und breit keine Kiefer. Habe aber gelesen das die Frühjahrslorchel zwar oft an Kiefer vorkommt, letztlich aber auch mit vielen anderen Gewächsen. An Nadelbäumen waren da jedenfalls nur seeeeehr entfernt (>10m) Douglasien und Thujas.


    LG Sebastian

    Hallo Hias,


    auch dir vielen Dank für den Hinweis auf deine wie immer sehr aussagekräftige Dokumentation deiner Funde von P. panaeoloides.


    Also auch im Vergleich zu diesem Fund passt sehr vieles gut zusammen. So die Beschreibung der Makroskopie insgesamt, die Beschreibung der zahlreichen keuligen Parazystiden mit deutlich spärlicheren utriformen Cheilos.

    Pleurozystiden waren bei meinem Fund schon regelmäßig zu finden, aber auch eher spärlich. Ganz besonders sind halt die öfters vorkommenden doppelköpfigen Pleuros.


    An dem jungen FK konnte ich die jetzt allerdings im Nachgang auch nicht nachweisen, dort nur utriforme Pleuros. Also entweder ist das eine Art Fehlbildung an diesem einzelnen FK oder aber das kann sich eben im Alter der Fruchtkörper so ausbilden. Es gibt ja gar nicht wenige Psathyrellas, wo solche Formen auch beschrieben sind. Alles aber andere Arten.


    Der Standort kann sehr gut passen, jedenfalls nachdem was ich im Ludwig lese.


    LG Sebastian

    Hallo Christian, vielen Dank für die Vergleichsbilder, da gibt es doch schon zahlreiche Überschneidungen.


    neben den Sporen auch die utriformen Zystiden. Solche doppelköpfigen Pleuros hast du aber bei dir nicht entdecken können oder?

    Jedenfalls bleibt das schon ein guter Kandidat! Danke nochmals dafür.


    LG Sebastian

    Hallo Gerd,


    also wirklich viel los ist hier derzeit auch nicht, zumal es nochmals einen deutlichen Kälteeinbruch gab. Das Fundglück ist wohl ein Mischung aus Kenntnissen und Zufall. Hier war ich gezielt in einem neuen Habitat unterwegs, welches a) sehr wasserreich war, b) auf Löss liegt (und damit basisch mit Kalkanteilen) und c) verschiedene alte Baumbestände bietet (z.B. Eschen, Buchen, Hainbuchen, Eichen, Fichten usw.). Ziel war eigentlich auch nach Morcheln zu suchen, da hatte ich aber kein Glück (könnte aber auch noch etwas zu früh gewesen sein!).


    Stattdessen eben ein Hotspot von Gyromitra ancilis. Die finde ich jetzt gar nicht so selten, kenne mindestens noch zwei Standorte (alles Fichte). Von daher sicher auch eine Frage der Hartnäckigkeit.


    Gyromitra ancilis ist wohl nicht an kalkreiche Böden gebunden, kommt wohl aber viel öfter auf solchen vor. Dass heißt, man sollte sich für die Suche nach Morchelbechern, Scheibenlorcheln, Morcheln schon mit der Bodenbeschaffenheit und den Baumbeständen sowie den Erscheinungszeiten beschäftigen, dann steigt die Chance etwas zu finden. Ein Garant ist das aber nicht, ich kenne auch zahlreiche kalkreiche Eschenauwälder ohne Morcheln ^^ .


    Die Suche nach neuen Morchelgebieten werde ich vermutlich erst Ende April sinnvoll machen können. Frische, ganz kleine Morcheln sind schwer zu finden. Man sucht am besten in einem guten Morcheljahr, wenn die ihre volle Größe erreicht haben. In den Folgejahren findet man dann an den bekannten Standorten auch die jungen Morcheln.


    LG Sebastian