Beiträge von Tobi Lu

    Lieber Günter,


    vielen Dank für deine Rückmeldung. Der Vorschlag gefällt mir außerordentlich gut - das könnte passen.

    Die in der Nähe gelegenen Bäume waren in zunehmender Entfernung Buche, Eiche und Kiefer (Eiche als größerer Baum und damit potenzieller Partner wesentlich näher als Kiefer).

    Hier ein Foto (von Andreas Kunze) vom Standort mit roter Markierung der Stelle:

    Viele Grüße,

    Tobias

    Hallo!

    Ich hätte da eine Cortinarie, die mein gesteigertes Interesse geweckt hat. Vielleicht können die Experten hier mir da weiterhelfen. Einfach ist das Ding nicht, ob die Doku ausreicht, um eine halbwegs gesicherte Bestimmungshilfe zu geben...na, schaun wir mal.

    Fundort: Eine Wacholderheide bei Harburg; Magerrasen über Kalk (basisch); Mykorrhiza-Partner nicht eindeutig zu klären; 550m

    Insgesamt waren es 5 mehr oder weniger reihig angeordnete Fruchtkörper.

    Auffällig waren besonders die fein befaserten Hüte und die weißen Velumschollen in der Hutmitte. Die Lamellen hatten vermutlich bei allen Fruchtkörpern ihre Farbe bereits geändert. Ich kann mir gut vorstellen, dass deutlicher violettliche Töne bei jüngeren Fruchtkörpern vorhanden sind. Die Stiele waren teils kräftig, teils aber auch kaum/unauffällig knolllig und kaum bis gar nicht gerandet. Das Fleisch weiß mit einem besonders im Hutfleisch ausgeprägtem Gelbstich.



    Folgende makrochemischen Charakteristika zeigten sich mit KOH (25%):

    - Stark reagierend (pink-eosinrot) am Basalmycel (!)

    - negativ im Fleisch und unter der Huthaut

    - blutrot am Knollenrand

    - rot auf der Huthaut







    Mikros habe ich nur zu den Sporen, das ergab folgende Werte (23 Sporen gemessen):

    7,91-11,87 µm (Lm = 10,68 µm ) x 5,21-6,46 µm (Bm = 5,45µm)

    Q = 1,51-2,04 (Qm = 1,86)



    - im Prinzip typische amygdaloide bis citriforme, warzige Cortinariensporen.

    Geruch habe ich keinen speziellen ausgemacht.


    Beim Schlüsseln mit FN lande ich bei Cortinarius barbarorum. Allerdings passen die Sporenwerte nicht so gut: Sie wären für die Art insgesamt zu klein und auch etwas zu schmal.

    Deutet man die KOH-Reaktion an der Bulbipellis als nur schwach rosa könnte man auch zu Cortinarius cisticola gelangen, zu dem die Sporen besser passen würden.

    Meiner Meinung nach kommt man trotz der teils undeutlich ausgeprägten Basalknolle und der nicht mehr genau nachvollziehbaren Lamellenfarbe frischer Fruchtkörper um Schlüssel C nicht herum. Aber vielleicht liegt ja auch genau darin der Fehler...


    Über eure Einschätzungen würde ich mich wie immer sehr freuen, vielleicht bekommen wir den Burschen ja noch raus.

    Liebe Grüße, Tobias

    Moin, Pablo!

    Das halte ich in der Tat, vor allem was die Sporenform und die KOH-Reaktion anbelangt, für eine sehr gute Idee. Allerdings stelle ich mir olearioides farblich etwas anders vor - was ein eher vages Argument sein mag. Mein Fund hatte jedenfalls farblich absolut nichts warmes/leuchtendes an sich. Schwerwiegender dürfte zudem sein, dass dann die Sporen meines Fundes schon ziemlich deutlich zu groß geraten wären. Ich weiß nicht, ob das noch im Rahmen ist...

    Vielen Dank für die Einschätzung!

    Liebe Grüße,

    Tobi

    Servus Felli,

    also ich kann dir zumindest folgendes dazu berichten: Ein unangenehm muffiger Geruch war an meinen Fruchtkörpern nicht feststellbar. Dafür traten gerade die rötlichen Verfärbungen rasch, die Umfärbung Richtung Blau und Schwarzblau sehr langsam ein. Mag vielleicht alles dem Alter deiner Fruchtkörper geschuldet sein (?)

    So viel ich den Stand der Taxonomie einschätzen kann sind argutus, fraudulosus und rosargutus alle drei gut trennbare Arten. Mit dem argutus wird es aber nur dann problematisch, wenn nicht eindeutig ein Nadelbaum als Baumpartner zuzuordnen ist. Dann muss man Sporenmaße anschauen (ich wäre aber bei argutus von kleineren Sporen ausgegangen). Profis können den wohl auch anhand der Hutfarbe und -faserung, sowie Habitus und dünnerem Velum makroskopisch abgrenzen. Dafür fehlt es mir aber auch völlig an Erfahrung. Ich gehe davon aus, dass ich bisher nur dieser einen Art (fraudulosus) begegnet bin.

    Liebe Grüße,

    Tobi

    Hallo Uwe,

    erstmal herzlichen Dank für deine Rückmeldungen. Ich bin ziemlich happy, dass es mir mittlerweile scheinbar deutlich besser gelingt einige Cortinarien einzukreisen.

    Zu dem letzten Fund:

    Es liegt schon an den unguten Lichtverhältnissen, dass die Farben weder im Feld (da war es durch den Gewitterregen fast dunkel) noch in meinem Keller (mit Katastrophenlicht) so richtig gut darstellbar sind/waren. Allerdings kommt die "Kellerversion" besser ans Original, soll heißen: Keine Violettöne in den Lamellen, kein Blauton im Hut. Dafür schon ziemlich deutlich gelbgrüne Durchfärbung im Fleisch.

    Ich ergänze hier mal noch folgendes:

    Zunächst noch KOH am (sehr schleimigen) Hut (hatte ich vergessen)...fällt eher schwach aus.

    ..und Sporen:

    ...die Maße reiche ich später noch nach. Da muss ich erst nochmal suchen.

    Liebe Grüße!

    Hallo!

    ...nach den sehr motivierenden Feedbacks zu Teil 1 des Themas, wird nun der zweite Teil gleich hinterhergeschickt.

    Zum ersten/nächsten Kandidaten:

    Hierbei handelt es sich um eine heuer in nahezu jedem Kalkfichtenwald in der Region auftretende Art, die mir bislang noch nicht aufgefallen war.

    Sie ließ sich ziemlich problemlos als Cortinarius fraudulosus schlüsseln. Es folgen Bilder von unterschiedlichen Standorten:

    Sehr auffällig an dieser Art ist das langsame Röten des Fleisches, welches später in Blau und schließlich Schwarzblau übergeht. Um sie gegen rosargutus abzugrenzen, müssen von jeder Kollektion die Sporenmaße und Q-Werte ermittelt werden. Scheinbar ist nur diese Art in der Region relativ häufig vertreten.


    Ein häufig im Kalkbuchenwald angetroffener Schleierling ist Cortinarius cliduchus. Diesen habe ich schon oft gefunden und halte ihn inzwischen für makroskopisch gut bestimmbar:


    Erfreulich prima mit FN schlüsseln ließ sich die nächste abgebildete Art, Cortinarius violaceomaculatus. Da passte eigentlich alles, der Fund stammt aus dem Münchner Raum:


    Ebenfalls häufig bis sehr häufig traten in den Nadelwäldern Cortinarius nanceiensis, der mir auch aus den Vorjahren schon bekannt ist und Cortinarius percomis auf. Mit letzterem tat ich mich zunächst schwer, da ich den Geruch absolut nicht als "Majoran" oder "Apfel" einordnen konnte. Vielleicht ein Apfel, auf den irgendwann vorher mal ein Hund gepinkelt hat...

    Über die KOH-Reaktion lässt er sich kaum von nanceiensis abgrenzen, wenn auch die Rotfärbung im Fleisch nicht überall so deutlich tiefrot herauskommt. Dann gibt es da ja auch noch mussivus, der aber noch mehr stinken soll (ach du Schreck!) und sich wohl auch in anderen Merkmalen noch ganz gut unterscheiden lassen soll.

    Zunächst der nanceiensis, von dem ich trotz der schieren Massen, die in der Region auftraten, nie ein wirklich schönes Bild gemacht habe, leider:


    ...und dann einer der von mir als percomis bestimmten Funde:


    Jetzt zu einer aufregenden Entdeckung, vergaben in hohem Gras einer Magerwiese. Es war mir irgendwie klar, dass es sich um eine Art aus der Sektion Riederi handeln müsste. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es sich dabei auch um solche Oschis handeln kann. Aufgrund des Standortes auf Kalk und wahrscheinlich Fichte als Baumpartner und vor allem der Sporengröße und -form, bin ich mit Hilfe des Artikels in J.E.C. 2019 bei fulvoochrascens gelandet. Für mich das Highlight des Pilzjahres, weil die Schwammerln echt wunderschön und irgendwie sehr besonders daherkamen:


    So, dann noch zwei bisher rein makroskopische Einordnungen, die als Exsikkate noch auf ihre weitere Begutachtung warten.

    Zunächst habe ich den, weil er so schön brav dunkellila auf Fingerkontakt wurde als Cortinarius purpurascens bestimmt:


    ...von diesem hier hätte ich mir ein besseres Bild gewünscht, der müsste aber Cortinarius bulliardii sein:


    Zum Abschluss das für mich größte Rätsel. Leider kann ich den Fund nicht mit FN schlüsseln, da dazu wenigstens ein junger Fruchtkörper notwendig gewesen wäre. Überhaupt findet man solche tollen Sachen natürlich immer dann, wenn man im Gewitterregen bis auf die Unterhose durchnässt bei 7°C auf der Flucht zu seinem Wagen ist. Gut, dass ich an Wegrandphlegmacien nicht vorbei kann, denn zu meiner Überraschung zeigte sich beim KOH-Check zu Hause folgendes:


    Die durchnässten Fruchkörper hatten optisch zunächst ansonsten wenig gut einzuordnendes. Mit Hilfe von Vergleichen in FN, Flora Photographica und dem Kompendium bin ich schließlich bei Cortinarius sulfurinus gelandet, gegen den für mich bis auf die Widersprüchlichkeiten innerhalb der vorhandenen Literatur aus meiner Sicht nicht viel spricht.


    ...so, das wärs. Viel Spaß beim Anschauen!

    liebe Grüße,

    Tobi

    Aloha!

    Da Cortinarien hier immer mehr in Mode zu kommen scheinen, was mich sehr freut, möchte ich euch ein paar meiner heuer gemachten Funde nicht vorenthalten. Da ich weiß, dass es sich um ein schwieriges Feld handelt und hier einige unterwegs sind, die sich (nicht nur) in dieser Gattung wesentlich besser auskennen, bin ich auch stets geneigt solche Funde unter noch nicht fertig bestimmt innerhalb des Bereichs "Bestimmung und Bestimmungshilfe" zu posten. Anderseits sind wohl doch viele der nun folgenden Arten ziemlich klar. Ich denke, mit ein paar Anmerkungen zu meinen Bestimmungen und der Möglichkeit noch (erwartungsgemäß) auftauchende Zweifel und Probleme in diesen Themenbereich unter Einbezug von von Mikromerkmalen hinüberzuziehen, sollte es hier schon richtig aufgehoben sein.

    Fast alle Funde stammen aus dem Ammerseegebiet.

    Der Erste ist da eine Ausnahme. Er stammt aus dem Gebirge (Kranzbergregion bei Mittenwald):


    Bestimmt habe ich ihn mit FN als Cortinarius turmalis.

    Anzumerken gilt folgendes: Die Sporenangeben passten bis auf einen Fruchtkörper sehr gut. Dieser fiel jedoch sowohl hinsichtlich der Größe (größer als angegeben), als auch der Q-Werte (höherer Wert) ziemlich aus dem Rahmen. Auf dem letzten Bild sieht man übrigens das letzte "Abzweigungs-Merkmal" im FN-Schlüssel: Violettlich-pinke Verfärbungen im unteren Stielbereich, die nach gewisser Zeit beim Liegenlassen erscheinen. Der Fund ist als seltene Erscheinung im nährstoffarmen Buchenwald aufgetreten.


    Jetzt ein paar meiner Ansicht nach makroskopisch, bzw. makrochemisch klare (und hübsche) Sachen vom Ammersee:


    Zunächst Cortinarius elegantior,


    ...Cortinarius triumphans,


    ...praestans,


    ...humicola,


    ...aureopulverulentus,


    ...und caerulescens.


    Nun (/und vor allem dann später im zweiten Teil) vielleicht zu Arten, die ich anhand der vorliegenden Literatur samt Schlüssel eigentlich ganz gut eingrenzen konnte, aber mich noch nicht zu 100% wohl damit fühle.

    Zunächst dieser Cortinarius anserinus, dem ich immer wieder zu begegnen meine. Der Geschmackstest fällt in der Regel auch deutlich bitter aus, er lässt sich (mit Restzweifeln) in FN schlüsseln und im Grunde fehlt es mir in der Regel auch an Bestimmungs-Alternativen:


    Weniger problematisch ist anscheinend der meinhardii. Der angeblich vorhandene Pfeffergeruch ist dermaßen stark, dass sogar ich ihn deutlich zu vernehmen mag. Splendens, den ich im letzten Jahr schon einkreisen konnte, roch zwar ebenfalls leicht pfeffrig, aber kein Vergleich! Zudem scheint zumindest diese Kollektion das Pilzbuch gelesen zu haben: Auch die schön zitriformen Sporen waren da.


    ...soviel zu Teil 1, Teil 2 mit den insgesamt kritischeren (aber dafür mutmaßlich interessanteren) Angelegenheiten folgt dann später.

    Ahoi!

    Mal wieder eine eine Cortinarie, die mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet...mit folgenden Merkmalen:

    Vorkommen: Übergangsbereich zu einem Moor, oberflächlich angesäuerter Kalkboden unter Fichte; Vergesellschaftet mit Cortinarius rubellus

    Hut: Lange zeit halbkugelig, erst alt ausgebreitet; Erst olivlich, dann gelb-ocker-gelb werdend zur Mitte hin dunkler, bräunlich; undeutlich eingewachsen faserig; Feucht schmierig

    Stiel: Zylindrisch, Basis keulig verdickt; Hell beige, älter gelblich; Velum weiß-gelblich, spärlich, unten brüchig

    Lamellen: Untermischt; Jung graublau, später gelb-braun; LS weißlich

    Fleisch: Jung blass, älter deutlich gelblich; Geruch auffällig, unangenehm, für mich schwer zu beschreiben; Auch eine Cortinarien-typische "Malzkomponente" enthaltend; Geschmack deutlich bitter

    KOH: Auf dem Hutfleisch dunkelbraun-rot; Fleisch im Hut braun, im Stiel gelb in der Knolle orange-gelb; Auf Basalmycel gelb

    Sporen: Meist subglobos, Im Schnitt: 7,70x5,78; Q=1,32; Fein warzig

    Hymenialzystiden vorhanden mit gelber Inkrustierung, teils sehr deutlich länglich

    HDS simplex

    Den hatte ich eigentlich schon aufgegeben, aber das Schlüsseln mit der FN brachte mich auf kurzem Weg zu Cortinarius subtortus, der meines Erachtens nach auch ganz gut passt.

    Ein paar kleine Haken gibts freilich, wie immer....

    Ich bin halt nicht so der gute Geruchsidentifizierer und schon wieder soll ich Zedernholz riechen?! Oh nein!

    Dann die Frage, ob die von mir gefundenen mutmaßlichen Cheilos, auch tatsächlich diejenigen welchen sind, die für subtortus charakteristisch wären. Außerdem war kein einziger Stiel verdreht, aber das wäre wohl zu verschmerzen.

    Liebe Grüße,

    Tobi

    ...diesen Thread mach ich nochmal auf, um ihn abschließen zu können.

    Das Mycel des Täublings scheint sparsam, aber zuverlässig zu arbeiten: Ziemlich exakt am selben Standort kam jetzt, wie im letzten Jahr genau zu selben Zeit ein Fruchtkörper.

    Anhand diesem erscheint mir die Bestimmung bestätigt, da die noch fehlenden 2-3 wichtigen Merkmale wohl zutreffen:

    - Die netzartig angeordneten Flöckchen am Stiel waren bei diesem Exemplar ausgezeichnet zu sehen.

    - Inkrustierte Primordialhyphen konnte ich in Karbolfuchsin meiner Einschätzung nach gut erkennen.

    - SV habe ich zusammengemixt und eine rasche rosarote Färbung erzielt, die allerdings nicht sonderlich dauerhaft war, weshalb ich beim Foto schon kein so gutes Resultat mehr zeigen kann. Allerdings habe ich mir eine Vergleichsrussula gekrallt, bei der die Gegenprobe völlig reaktionslos blieb.

    Also denke ich - passt schon, wenn auch das Mixen noch verbesserungswürdig sein dürfte.

    Bilder folgen...(der Standort scheint vom Bild her diesmal besser zu passen, aber es ist tatsächlich nur ein kleines Stück entfernt vom Letzten.)


    Danke nochmal für die extrem lehr- und hilfreichen Anregungen, liebe Grüße,

    Tobi

    Sevus Christoph,


    herzlichen Dank für das Angebot einer gemeinsamen Exkursion. Das wäre in der Tat eine tolle Sache, die sehr gerne einmal machen würde!


    Diese Jexhof-Gegend finde inzwischen insbesondere auf den zweiten Blick außergewöhnlich abwechslungsreich mit so vielen unterschiedlichen "Kleinbiotopen". Der gezeigte Risspilz wuchs in einem Kiefern-Fichten-Mischwald Bereich in einem dieser Blaubeer bedeckten Moorgebiete, typischer Weise findet man da Russula claroflava, Lactarius helvus, usw. - ähnlich dem Haspelmoor. Ein paar Meter weiter befindet sich eine auch botanisch interessante Saftlingswiese, gleich darauf Kalkbuchen- und -fichtenwaldbereiche. Allein innherhalb dieses Areals könnte man wohl das ganze Jahr über immer wieder die unterschiedlichsten Besonderheiten aufstöbern, schätze ich. Ich vermute, du kennst das dort ja alles. Der Standort der Cortinarie ist höchstwahrscheinlich neutral oder zumindest nur sehr schwach und oberflächlich sauer, ganz so leicht tue ich mir in der Einschätzung da aber nicht. Dafür spricht jedoch, dass ich da schon andere Arten, die Kalk gebunden sind und wohl nicht all zuviel Oberflächenversauerung abhaben können gefunden habe, wie zum Beisiel Gomphus clavatus.


    Liebe Grüße,

    Tobi

    Hallo Ditte,

    vielen Dank. Dann müssen bei curvipes diese balsigen und ausgezogenen Zystiden aus der Schneide stammen? Diese abgebildeten Zellen, die ich dann wohl falsch interpretiert habe, habe ich irgendwo mitten aus der Lamelle herausgequetscht.

    Wie auch immer - in jedem Fall habe ich hier Exikat genug. Ich werde dann mal noch versuchen ein paar weitere Präparate mit Bildern nachzuliefern und ein kompletteres Portrait daraus zu machen. Makroskopisch auffällig war übrigens ein rosa-violettlicher Farbton - weshalb ich erst an nitiduscula dachte, was dann wegen der Sporen gleich vom Tisch war - vor allem im oberen Stieldrittel. Auf den Bildern kommt das noch nicht so gut raus, aber auch da schaue ich mal nach, ob ich noch ein besseres habe.

    Liebe Grüße,

    Tobi

    Hi Pablo,

    ich finde den Ansatz mit purpurascens im Vergleich mit deinen Bildern ziemlich einleuchtend - eine echt gute Idee! Zumal der Standort in der Tat nicht schlecht passen würde. Aber ich konnte die Sektion ausschließen, da Lugol negativ war und zudem keinerlei Violettfärbung an Druckstellen feststellbar war. Die Sporenmaße gäben zudem einen wenn auch nur etwas zu kleinen Q-Wert. Sorry, diese Sachen habe ich beim Veröffentlichen alle nicht mit angegeben, weil es da einfach schon relativ spät und ich recht müde war. Anserinus habe ich absolut in Erwägung gezogen aber unter anderem aufgrund fehlendem bitten Geschmack der Huthaut (und dem Standort) ausgeschlossen.

    Sicher auch schade, dass es nur ein einzelner Fruchtkörper war - zwei, drei mehr hätten es für mehr Klarheit gerne sein dürfen.

    Liebe Grüße,

    Tobi

    Hi Stefan,

    vielen Dank für deine Einschätzungen. Besondern bei der Inocybe habe ich da schon auf dich gehofft ;)

    Dazu noch folgendes: Die Stielbereifung ist mir als wichtiges Merkmal soweit bekannt. Bei dieser Kollektion war sie eher schwach ausgeprägt und nur im oberen Stieldrittel erkennbar.

    Zum Phlegmacium: Die KOH-Reaktion bei dem Klumpfuß soll auch gar nicht pink sein - der gehört nicht zu dieser Riege. Tatsächlich verwende ich das Kompendium auch nur als Nachschlagewerk, wenn ich bereits bei einer Bestimmung bin. Deswegen habe ich das mit Sporenmaßen und -form auch in diesem Zusammenhang erwähnt. Geschlüsselt muss hier meines Erachtens mit der FN werden, ansonsten fiele mir nichts ein. Der Gröger hat sich hier ja leider nicht ausgelassen und den (alten) Moser habe ich zwar, aber inzwischen hat sich da fast zu viel geändert.

    Liebe Grüße, Tobi

    Hey,

    so langsam tut sich bei uns in der Gegend etwas. Das habe ich zu einer Exkursion in die Kalkgebiete Richtung Ammersee (bei Grafrath) genutzt. Kurzum lässt sich sagen, dass der mit Abstand häufigste Pilz der Flockenstielige Hexenröhrling war. Interessanterweise fehlen da zur Zeit (noch) typische wärmeliebende Arten, die man im Sommer in den Kalkbuchenwäldern dort finden kann (beispielsweise Sommersteinpilze), dafür waren die ebenfalls auftretenden Fichtensteinpilze bereits zu alt, sodass man irgendwie das Gefühl hatte, spät dran zu sein. Für mich spricht das für eine Folge des niedrigeren Temperaturniveaus der letzten Monate.

    Insofern auch nicht verwunderlich, dass man bereits Schwammerln finden konnte, die sich scheinbar etwas in der Jahreszeit geirrt hatten.

    Aus Zeitgründen möchte ich die Vorstellung der für mein Bestimmungsniveau anspruchsvollen Arten aus Zeitgründen etwas knapper halten und auf mir wesentlich erscheinende Merkmale reduzieren, die zu meiner Bestimmung geführt haben. Sollte sich herausstellen, dass ich es mir (mal wieder) zu leicht damit gemacht habe, bin ich für entsprechende Rückmeldungen wie immer sehr dankbar (die unbekannten Doppelgänger lauern ja hinter jeder Ecke, äh Art :evil:)

    Also zunächst mal mein erstes Phlegmacium dieses Jahres, welches ich bereits im Feld (moorige Fichtenparzelle, eventuell oberflächlich angesäuert, nur Fichte) als Mitglied der Glaucopodes eingeordnet hatte. Bei der Nachuntersuchung zu Hause bestätigte sich dies und die Bestimmung war für mich eigentlich schon makroskopisch als Cortinarius dionysae klar, wenngleich ein Mehlgeruch zwar feststellbar war, jedoch nur wenig deutlich hervorgetreten ist. Auch Sporenform und Größe bewegten sich im Rahmen dessen, was zu dieser Art im Kompedium angegeben ist.

    Erstmal der Fruchtkörper


    Schnittbild:

    ...schiefe Knolle, wohl typisch goldocker Farben


    ...und KOH-Reaktionen

    ...rötlich auf Hutfleisch, orange-gelblich auf Fleisch, auf Basalfilz braun.


    Fund 2:

    Etwa einen halben Meter daneben fand ich diesen Kameraden:


    Ich bin hier bei Lyophyllum deliberatum gelandet, da er vor allem zwei Merkmale aufweist, die in der Literatur immer wieder herausgestellt werden: Das rasche, intensive Schwärzen der Lamellenschneiden (vor allem nach leichtem Druck), sowie eben die Sporenform.



    So, nun die Nummer drei:

    Das wäre mal ein höckersporiger Risspilz. Der Standort war ein extrem vermorschter, humoser und bemooster Fichtenstumpf, im in diesem Fall klar kenntlich in oberflächlich saurem "Fichtenmoorwald".

    Auch hier gehe ich zunächst der Einfachheit halber davon aus, dass die Art über die Kombi Sporenform und -größe mit charakteristisch geformten Hymenialzystiden bereits klar sein könnte.

    Ich gehe von Inocybe curvipes aus:


    Sporen und Hymenium:

    Die zumindest teilweise nach oben ausgezogenen, "aufgebläht" wirkenden Zystiden scheinen ein gutes Merkmal der Art zu sein (wenn ich es denn richtig interpretiert habe).


    Okay, ich denke das reicht erstmal. Den Saftling erspare ich euch ;)

    Wenn ihr gerne Sporenmaße, Abmessungen der Zystiden oder sonstige weitere Details hättet, kann ich sie gerne versuchen nachzuliefern.

    Vielen Dank + Spaß damit,

    liebe Grüße vom Tobi

    Dieses Werk wird auf jeden Fall angeschafft!

    ...und vielen Dank nochmal für die unerwartet zahlreichen Rückmeldungen zur Geruchsqualität "Zedernholz"!

    Da sind einige hilfreiche Dinge dabei gewesen. Ich werde mal den lepida und den violaceus im Vergleich anschnüffeln, das verspricht spaßig zu werden (die findet man ja normalerweise alljährlich häufig). Das mit dem Bleistiftholz habe ich auch schon getestet, aber ohne einprägsame Wirkung. Vielleicht bin ich ja in diesem Geschmacksbereich relativ "blind" :/? Naja, auch das mit dem gleichzeitig auch als Zeckenschutz verbratbarem Öl ist echt interessant, vielleicht prägt sich der Geruch ja ein, wenn ich ihn mal nen ganzen Tag an Körper und Händen kleben habe.

    Liebe Grüße,

    Tobi

    Hey Marcel,

    vielen Dank für deine Erläuterung. Mit den Gerüchen ist das ja ähnlich, wie mit allen möglichen anderen Merkmalen - nur mit ausreichender Erfahrung sind sie wirklich sicher einzuschätzen.

    Es gibt da ja eine ganze Litanei an Qualitäten, die wohl meisten nicht vom Ursprung her bekannt, sondern uns Schwammerlfreunden lediglich per Definition als Pilzgeruch etwas sagen. Sei es nun Leuchtgas, Juchtenleder, Weidenbohrerraupe, usw. ...wer weiß schon, wie das ganze Zeug im Original riecht? Selbst "Mehl" ist ja eigentlich nicht wirklich ein Mehlgeruch, sondern scheint eher vom Geruchserlebnis des Betretens einer feuchten Mühle herzurühren.

    "Zedernholz" ist da bei mir noch auf der Liste derer, die mir bislang einfach zu wenig untergekommen sind. Rein technische Frage des "wie riecht man am besten" sind mir aber schon geläufig :cool:. Im letzten Jahr habe ich mir übrigens die Qualität "malzig" bei Phlegmacien aneignen können. Das hat auch ne Zeit gedauert, bis ich es gecheckt habe.

    Liebe Grüße,

    Tobi

    Aber nur, wenn er zur Gattung Inosperma gehört. Es gibt einige rötende Arten, die mit dem verwechselt werden können. I. godeyi kann dem z.B. schon makroskopisch recht ähnlich sehen, zumal wenn sie im geröteten Zustand gefunden werden.

    ...da hast du natürlich schon Recht. Allerdings muss ich sagen, dass ich den godeyi in einem meiner Schwammerlgründe ziemlich regelmäßig finde und ich ihn noch nie annähernd in dieser Oschi mäßigen Größe, die ich von erubescens gewohnt bin angetroffen habe. Schaut man sich die Bilder von Ditte Bandinis Seite an, erscheint aber wenigstens die Sporengröße regelmäßig zu ermitteln sicherlich sinnvoll, zumal ja Röten - wie du schon schriebst - so exklusiv für den Erötenden nun wahrlich nicht ist.:giggle:

    liebe Grüße,

    Tobi

    ...hier noch eine Ergänzung:

    Beim Dritten Fund bin ich beim (Versuch zu) Schlüsseln mit FN bei Cortinarius decipiens var. atrocoeruleus gelandet. Könnte meiner Ansicht nach auch passen, bis auf folgende Einschränkungen: Der Geruch ist für mich nicht sehr deutlich ausgeprägt. Ob er Zedernholz ähnlich ist, insofern schwierig, zumal die einzig mir bislang begegnete Art, die für diese Komponente steht R.badia ist, den ich am Geruch bislang auch nie richtig sicher erkennen konnte. Bisher hab ich immer drauf rumgekaut und dann beim Abendessen nix mehr geschmeckt.

    Außerdem ist das Hutfleisch bei meiner Kollektion nicht schwarzbraun gewesen. Inwieweit das bei hygrophanen Schwammerln vielleicht auch mit dem Feuchtigkeitsgrad zusammenhängt, kann ich auch noch nicht recht beurteilen.

    Hallo Maria,

    ...sollte es dennoch der Ziegelrote sein (wonach es ja nicht unbedingt aussieht), reicht es, ihn eine gewisse Zeit lang liegen zu lassen. Dann macht er seinem Namen alle Ehre ;-)


    liebe Grüße,

    Tobi

    Servus Christoph,


    vielen Dank - leider hänge ich dieses Mal wegen Corona Vertretung sechs volle Nachmittage drin...ich hoffe, dir gehts da besser.

    Aber ich verfüge über genau die Art von Fatalismus, die mich dann Abends noch motiviert, braune Telamonien bestimmen zu wollen.

    Als dann: Ich habe noch zwei Kollektionen am Start, eine vom Friedhof, eine aus der nahen Heide.

    Erstmal zur Heide-Kollektion. Die kommt scheinbar alljährlich standorttreu zusammen mit Inocybe dulcamara in einem Geröllbereich (Kalkschotter). Wer hier der Partner sein soll ist jedoch ziemlich unklar, da kommt alles mögliche in Frage. Es ist jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die von mir bereits weiter oben abgebildete Art aus 2019.

    Sicher ist, dass es sich nicht um dieselbe Art wie der cf. suberythrinus handelt. Die Merkmale sehen aus wie folgt:

    Hut: Dunkelbraun (nicht Schwarzbraun), weniger hygrophan nicht durchscheinend gerieft; Zunächst glockig, dann ausgebreitet

    Lamellen: Gefärbt wie der Hut; Breit angewachsen, ziemlich entfernt; Schneiden gekerbt, heller

    Stiel: Lang, zylindrisch, nach unten leicht verdickt; dunkelbraun befasert, darunter mit silbrigem Schimmer; basal weißfilzig;

    Fleisch: Hell gelblich-beige; Geruch schwach pilzig, nicht unangenehm

    Mikromerkmale: Sporen: Ellipsiod, machmal mandelförmig, mit teils deutlich sichtbarem Apex, 7,89-9,21 x 5,23-6,42; Q = 1,37-1,57, Ø = 1,47; grobwarzig, Warzen teils zusammenfließend ; Lamellenschneide steril; Hypoderm deutlich ausgebildet (glaub ich);


    Sporen

    Lamellenschneide


    ...da käme für meinen Geschmack im Vergleich mit dem, was ich hier an Literatur zur Verfügung habe in der Tat uraceus (mit etwas kleinen Sporen) in Frage.


    Dann habe ich noch die Kollektion vom Friedhof. Die schlägt schon eher in dieselbe Kerbe, wenn auch mit ein paar feinen Unterschieden, sodass ich dazu neige, wiederum eine andere Art zu vermuten.

    Standort: In Parkwiese unter Linde; denkbare Baumpartner wären auch noch Hainbuche (und mit sehr viel Fantasie Kiefer).

    Hut: Dunkelbraun; Von vorn herein eher keglig, nicht deutlich gebuckelt, nicht zu einem Drittel durchscheinend gerieft, schnell gewölbt und ausgebreitet mit einem feinen silbrigen Filz überzogen, vor allem am Hutrand sichtbar

    Lamellen: mäßig gedrängt, deutlich untermischt, breit angewachsen; braun, ähnlich wie der Hut gefärbt, etwas heller; jung insgesamt etwas heller, beige; Schneiden weiß

    Stiel: Weiß zur Basis hin meist rötlich überlaufen; Mit wollig filzigem, feinem Überzug; teils silbrig scheinend wirkend; Basis meist etwas knollig verdickt

    Fleisch: Weiß, schwach hygrophan, in der Stielbasis teils mit Rottönen; Geruch unauffällig, schwach pilzartig, etwas nach Rettich

    Mikromerkmale:

    Sporen breitelliptisch, eher feinwarzig, teils rundlich mit ausgebildetem Apex 6,17-8,48 x 5,01-6,33, Q=1,18-1,42 Ø=1,28; Lammellenschneide steril; Hypoderm deutlich ausgebildet;


    Sporen:


    ...vielleicht ja der bessere vernus, aber das wäre dann alles in allem wahrscheinlich zu einfach für braune Telamonien.

    Ich werde mal in JEC nach ähnlichen Telamonia-Arten stöbern.


    Liebe Grüße,

    Tobias