Servus Pablo,
nein, das verstehst du nicht ganz richtig. Stell's dir so vor - da sequenziert jemand einen unbekannten Pilz und stellt fest, dass das ein Ritterling ist. Die Sequenz ist noch nrigends hinterlegt. Dann würde folgendes gehen:
Tricholoma praetermissum spec. nov.
Diagnosis:
ITS: ATTGCGATTCCGGATTGAACCATCATCTTCCTACTTCA... (usw.)
Keine Beschreibung mehr nötig, keine Merkmale... nullinger... Der Name steht und wird durch die Sequenz definiert.
Geht das zweite Proposal durch, so reicht es, die Sequenz abzugeben und muss keinen Typus mehr hinterlegen.
Der Zweck: man kann Bodenproben durchsequenzieren und kann ohne Fruchtkörper oder anderes Material zu haben, allein per Sequenz neu beschreiben - man hat dann ja eh kein Material mehr.
In dem Fall würden laufend Arten beschrieben und wer anatomisch arbeitet, weiß nicht mehr, was schon beschrieben ist. Letzten Endes macht man dann die Hausaufgaben anderer, indem man neue Arten erkennt, beschreiben will und feststellt, dass die Sequenz schon bekannt ist und das Ding schon einen Namen hat. Das ginge ja noch. Man könnte aber gar nicht mehr bestimmen, ohne zu sequenzieren.
Das größte Problem: Sequenzierfehler würden zu "neuen" Arten führen und man könnte es mangels Typus nichtmal mehr im Nachhinein feststellen. Das führt zu vielen Fakearten, die nicht existent sind.
Es gibt Gegenbpublikationen, eine vom aktuellen Chef der DGfM.
Dass dieser Verein aber seine Mitglieder nicht mal informiert, dass sie stimmberechtigt sind, finde ich völlig daneben. Gut, dass ich bei den Amerikanern und nicht bei der DGfM Mitglied bin...
Die Mitglieder gehören informiert. Die Vereinsführung könnte die Proposals ins Deutsche übersetzen (lassen) - auch die Zusatzinfos, die ja angegeben sind, und dann erbitten, dass möglichst viele am Meinungsbild teilnehmen.
Es steht für die Taxonomie viel auf dem Spiel. Alle DGfM-Mitglieder dürften aktiv an dem Prozess teilnehmen. Und was passiert? Nüscht.
Ich habe den hier teils aktiven Vize angeschrieben, er war auch zwischenzeitlich online in seinem Forum, aber es passiert nichts. Auch keine Antwort, gar nichts... (das Schreiben war rein förmlich und enthält die Bitte, die Mitglieder zu informieren).
Offenbar gibt es viel wichtigere Dinge in der DGfM.
Hier ist es wirklich schade.
Liebe Grüße,
Christoph