Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Bernhard, servus zusammen,


    ich habe den Agaricus durchgeackert, soweit es ging.


    Die Lamellenschneide war wie erwartet fertil - sehr viele Basidien, darunter auch recht große, cystidiolenartige Basidien und zwischen den Basidien Basidiolen / Cheilocystiden in Basidiolenform (nicht wirklich zu unterscheiden) und nur sehr vereinzelt kleinere, septierte Elemente, die man als Marginalzellen bezeichnen könnte. Das passt gut auf den Agaricus altipes-capellii-chionodermus-Formenkreis.


    Die Basidien sind recht groß, ca. 24-30 x 7,5-11 µm (mit Ausreißern nach oben, vor allem an der Schneide), dominierend viersporig;

    Sklerobasidien konnte ich keine finden, die Fruchtkörper waren aber auch recht jung


    Die Sporen passen von den Maßen her perfekt auf die var. veneris (= Agaricus chionodermus) - gemessen wurden 28 Sporen:

    7,0-7,6-8,5(-9,0) x 4,5-4,9-5,5(-5,75) µm; Q = (1,3-)1,4-1,55-1,7

    Die Sporenform hingegen passt nicht so gut - die Sporen sind hinten meist breit abgerundet, nur wenige Sporen sind hinten ausdünnend.

    Keimporus: nein


    Die Fasern der Ringunterseite (= Velum universale) sind einerseits aus normalen, relativ dünnen Hyphenbündelmn aufgebaut, aber dazwischen bfinden sich immer wieder bzw., recht häufig breitere Zellen (hier bis ca. 15 µm Durchmesser), die leicht abreißen und dann deutlich abgerundete Enden aufweisen - das Velum bricht so in sich zusammen und ist weniger fest, als würden nicht viele Zellen disartikulieren - das ist recht auffällig


    Die Makroskopie passt gut zu Agaricus altipes s.l. - korrespondierend zur Mikroskopie


    Es kommen aufgrund der rudimentären Marginalzellen und des fehlenden Keimporus zusammen mit der Makroskopie nur noch drei Arten in Frage:


    1. Agaricus altipes s.str. (= Agaricus aestivalis s.str.)

    2. Agaricus chionodermus (=Agaricus altipes var. veneris; = Agaricus heimii; = Agaricus perturbans; = Agaricus wasseri)

    3. Agaricus capellii


    Nummer 3 fällt weg, da hierfür die Sporen nicht breit genug sind (und auch zu kurz) - passt nicht


    Nummer 1 hätte kleinere Sporen und einen etwas festeren Ring (keine halbkreisförmig abgerundeten Zellenden im Velum universale des Rings), aber die Sporenform passt hier

    Nummer 2 passt von den Sporenmaßen sehr gut und auch bezüglich des Velum universale des Rings, aber die Sporenform passt nicht


    (deshalb habe ich Nummer 2 auch bislang meist als Varietät von Nummer 1 aufgefasst)


    So bleibt (wie meistens bei Agaricus) eine kleine Restunsicherheit - da aber einzelne Sporen (wirklich nur einzelne) bereits das ausgespitzte Hinterende zeigen, kann es an den noch recht jungen Fruchtkörpern liegen - die ersten Sporenpopulationen sind nicht immer ganz typisch - das betrifft aber auch gewissermaßen die Sporenmaße.


    Als Agaricus altipes var. veneris hätte ich keine Bedenken, da ich hier Übergänge erwarten würde (hier: Sporenform); als Agaricus chionodermus ist es für mich schwieriger, das "einzuloggen" (im Sinn von Parra in der Mongraphie, der das mit Agaricus heimii gleichsetzt).


    Da Ludwig angesprochen wurde: Parra sieht in dem, was Ludwig als Agaricus perturbans beschrieben hat, Agaricus chionodermus... (ebenso wie das Original, Psalliota decorata - Ludwig & Pohl haben ein noen novum geschaffen, da Agaricus decoratus schon besetzt war, aber der wird von Parra ohnehin als Synonym zu Agaricus chionodermus gesehen)


    Langer Rede kurzer Sinn:


    Agaricus altipes s.str. ist es m.E. sicher nicht, sensu lato aber schon. Mit den Sporenmaßen und dem Velum universale bleibt nur Agaricus altipes var. veneris übrig bzw. Agaricus chionodermus.

    Interessant wäre, wonach der Pilz exakt gerochen hat (auch da unterscheiden sie sich). Der Hut hätte vermutlich gegilbt, wenn er entsprechend gedrückt worden wäre?!


    Auf alle Fälle eine interessante Aufsammlung und etwas seltenes :)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo,


    puh, wirklich schwierig. Ich meine, Agaricus pseudopratensis einmal in Österreich gefunden zu haben. Die Cheilocystiden sind keulig, auffälliger, wie ich finde. Und die Art rötet weiter den Stiel hinauf, nicht nur in der Stielbasis. Mein Fund hat fast bis zum Hut im Stiel gerötet, dafür aber nicht so intensiv. Ein Gilben kam bei meinem nicht vor, muss es auch nicht, kann aber (Bohus' Originaldiagnose ist ohne Gilben - später hat er das dann mit hinzugenommen als Merkmal). Der Geruch war im Gelände null, später kam der Karbolgeruch in der Stielbasis.


    Unter den Xanthodermatei rötet vermutlich nur Agaricus freirei so stark wie bei deinem Foto, aber mehr blutrot wie ein Waldchampignon und im gesamten Fleisch. Er ist auch weniger kompakt und gilbt nicht. Der ist echt tricky, weil er sofort für einen Blutegerling gehalten wird.


    Zurück zu A. pseudopratensis - der Ring ist bei dieser Art nur einfach, das Velum universale ist sehr undeutlich, kann aber am Ringrand noch erkennbar sein. Bei dir sehe ich deutlich ein häutiges Velum universale (sieht man auf dem ersten Foto), das aber auch hinfällig ist.


    Schwer zu sagen... Zudem erscheint er mir im Habitus schon sehr kräftig (dicker Stiel, viel Fleisch)... rein gefühlsmäßig wäre ich auch eher in der Sektion Bivelares. Zumal die Arten auch so kräftig und manchmal auch nur partiell röten.


    Auch für Agaricus xanthdermulus ist mir der Fruchtkörper viel zu kompakt und der gilbt auch recht deutlich. Mir fallen sonst keine Xanthodermatei ein, die passen könnten. Zumal nicht so viele Arten röten und von denen eben die wenigsten so intensiv röten.


    Ich kann Agaricus pseudopratensis nicht ausschließen, bin da aber skeptisch. Bei dir können aber einige eigentlich mediterrane Arten vorkommen. Und da gibt es bei den Bivelares ja doch so manches.


    Ansonsten wäre ich auch bei einem untypischen Agaricus bitorquis, zumal der eben auch recht schräg riechen kann.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Craterelle,


    Pablo hat es im Prinzip schon beantwortet. Auch mir geht es um die Form und Größe der Hutschuppen. Dann das Wachstum am Boden, dann der irreguläre Stiel (ich sehe eigentlich keinen - P. squamosus hat meist einen sehr dicken, auffälligen Stiel (auch wenn er kurz ist). Und eben der Habitus im Ganzen - und da ich am Foto nicht riechen kann, meinte ich eben "sieht aus wie ein..." - für "ist ein" bin ich am Foto immer zu unsicher. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Bernd,


    tolle Fotos - und danke für den Hinweis auf die Curcurbitaria. Dann ist das Merkmal wohl nur interessant, aber wie du schon schreibst, nicht arttypisch (hatte ich ja schon vermutet). Die Sporen meiner Phaeosphaeriopsis glaucopunctata waren ja auch sehr reif und färbten nur wenig grünblau - was deiner Beobachtung (und auch Thorbens), dass dies wohl nur bei noch nicht ganz reifen (aber auch nicht zu jungen) Sporen passiert, entspricht.


    Deine Ph. obtusispora passt sehr gut auf das Konzept im engen Sinn bzw. auf den Holotyp von Spegazzini - ich meine die Sporenbreite (also die schmalen Sporen). - vergleiche auch den Phaeosphaeriopsis-Schlüssel im BMG-Forum: Schlüssel der Gattung Phaeosphaeriopsis


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thorben,


    trockne bitte mal einen der Belege und versuche die Reaktion auch an Herbarmaterial - wäre interessant, ob es ein Frisch-/Lebendmerkmal oder auch ein an totem Material erkennbares Merkmal ist. Wie gesagt sehe ich bei Phaeosphaeriopsis glaucopunctata auch eine zuimindest leicht Reaktion mit Lugol (Totmaterial) - siehe Phaeosphaeriopsis glaucopunctata (aus Nürnberg)

    Ich hatte es leider nicht am Frischmaterial getestet. Vielleicht hast du aber auch einen Rusucs im Botanischen Garten und da ist Frischmaterial. Die Reaktion kann ja bei mehreren Phaeopshaeriopsis-Arten auftreten. Wer weiß, wer überhaupt getestet hat (ich habe es ja auch nicht an Frischmaterial).


    Jedenfalls ist deine Kollektion sehr spannend. Hinsichtlich Phaeosphaeriopsis obtusispora bin ich immer noch skeptisch, da die Sporen schon sehr breit sind. Aber darüber haben wir ja schon diskutiert ;-).


    Toller Fund und mehr als spannend!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Hallo zusammen,


    ich weiß nicht, wo man hier Naturschutzthemen posten kann (gibt es solche Themen hier überhaupt?). Drum schreibe ich einfach mal hier bei Pilze allgemein... ;)


    In Spanien werden einige Pilzarten intensiv kommerziell genutzt. Dazu gehören neben Steinpilzen und Reizkern auch Schwarze Trüffeln. Garcia-Barreda et al. (2017) haben die Mengen an Schwarzen Trüffeln, die in Spanien gesammelt und kultiviert werden, verglichen und ausgewertet.


    Dabei zeigt sich, dass die Zahl kultivierter Trüffeln deutlich steigt, während die wild gesammelte Menge deutlich abnimmt. Die Trüffel"produzenten" steigen also um auf Trüffelplantagen.

    Interessant sind die Gründe für das verringerte Wildsammeln - denn Plantagen sind auch aufwändig.


    Ich zitiere Garcia-Barreda et al. (2017) - "Declining black truffle harvest has been generally attributed to a combination of factors including habitat deterioration, overharvesting and climate change (Reyna 2012b)."


    Die Studie von Reyna 2012 - Reyna S (2012b) Sostenibilidad de la truficultura: aspectos ecológicos, económicos y sociales. In: Reyna S (ed) Truficultura: Fundamentos y técnicas, 2nd edn. Mundi-Prensa, Madrid, p 49–71. - habe ich nicht gelesen bzw. nicht vorliegen.


    Leider hat der Artikel keine Seitenzahlen (ist wohl modern, bei Onlinepublikationen Seiten wegzulassen...), weshalb ich die Zitate nicht genau angeben kann - aber man findet die entsprechenden Passagen schnell. Daher noch ein zweites Zitat:


    "In recent years sustainability issues in public forests have been exacerbated by collective harvesting arrangements. As a result of decline in productivity, forests become economically unattractive to private harvesters, with municipality councils offering the floor price in auctions. Thus, every year residents interested in harvesting put their name down and share the rent."


    Aber nicht nur in Spanien wird übernutzt und übersammelt. In China ist es noch extremer:


    "Wild T. melanosporum decline in Spain is not a unique case among edible fungi. In China, the native T. indicum is intensively harvested for commercial purposes since the late 1980s, when it was originally exported to Europe. Its price sharply increased and pure extractivism and damaging picking techniques have been indicated as the general rule (Wang and Liu 2010). Wang (2013) reported that harvests decreased by 30–50% in recent years, after about 30 years of intensive use, no harvesting regulation and no resource management."


    Es ist wohl wie immer in unserer Welt. Sobald kommerzielle Interessen im Konflikt mit Natur- bzw. Biotopschutz stehen, hat der Schutz das Nachsehen. Die Wälder werden solange ünernutzt und überbesammelt, bis es sich nicht mehr lohnt, zu suchen, weil die Wildpopulationen einbrechen. Dann steigt man zur Kultur um. Vielleicht hilft das ja, dass sich sowohl die Wälder als auch die Artenzusammensetzung der Funga wieder regenerieren. Der Klimawandel kommt ja ohnehin als Druck auf die Artengemeinschaft dazu - da kann man grabende Trüffeljäger nicht auch nich gebrauchen. Aus China kenne ich Beschreibungen vom Zustand der Wälder von Augenzeugen. Dort wird (zumindest da, wo nach Trüffeln gejagt wird) teils hemmungslos umgegraben und zerstört.

    Da bin ich ganz froh, dass Trüffeln bei uns vollkommen geschützt sind. Und was die Vermarktung heimischer Trüffeln angeht, sind ja auch hier Plantagen ein Thema. Das nimmt dann den Sammeldruck ohnehin.


    Hier das Zitat der Arbeit:

    Sergi Garcia-Barreda, Ricardo Forcadell, Sergio Sánchez, María Martín-Santafé, Pedro Marco, J. Julio Camarero & Santiago Reyna (2017): Black Truffle Harvesting in Spanish Forests: Trends, Current Policies and Practices, and Implications on its Sustainability. Environmental Management DOI 10.1007/s00267-017-0973-6


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Uwe,


    ich hatte erst an Tylopilus plumbeoviolaceus gedacht, aber so wirklich passt das nicht. Ist es überhaupt ein Tylopilus?


    Ich gehe mal davon aus, dass du auf der Südhalbkugel bist, wo jetzt Herbst ist...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Heidi,


    Nobi hat völlig recht - es ist eine Orobanche - und zwar eine Art mit roter Narbe, mit hellen Drüsenhaaren und vermutlich einer Lippe ohne Drüsenhaare, wenn ich das richtig auf dem Foto erkenne. Der Wirt wäre natürlich sehr praktisch, aber den kann man im Gelände nicht immer erkennen (es können ja mehrere potentielle Wortspflanzen in der Nähe stehen). Die Größe der Blüten wäre auch ein wichtiges Merkmal - Orobanche minor ist deiner vermutlich nahestehend (oder sie ist es), wenn die Blüten unter 15 mm lang sind.


    Hier ist eine tolle Seite über Sommerwurzen (ich habe mahl die mit roter Narbe und kahler Lippe ausgewählt, es ist ein Onlinebestimmungsschlüssel): rot_kahl.htm


    Ich habe mich vor vielen Jahren mit der Gattung etwas intensiver beschäftigt, bin jetzt aber sehr eingerostet. Es gibt da viel Literatur - die Gattung ist eh spannend - Sommerwurzen keimen als Myzel, nicht als Sproß oder Wurzel - wenn die Zellfäden den Wirt im Boden erreicht haben, dann befallen sie dessen Wurzeln und erst dann bilden sich Spross und Wurzeln aus. Sie sind sogenannte Vollschmarotzer.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: müsste ich makroskopisch raten, würde ich Orobanche alba sagen, aber dann müssten die Drüpsenhaare dunkel sein. Auch die Staubblätter hätten dann Drüsenhaare - das muss man alles prüfen ;)

    Hallo zusammen,


    zur Abwechslung mal etwas ganz anderes... Paul Celan schrieb bekanntlich die "Todesfuge" in der der Spruch "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" mehrfach verwendet wird.

    Die Punkband Slime hatte das Thema aufgegriffen und einen Song mit diesem Titel geschrieben: "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland".


    Der Text ist auf den ersten Blick recht grob gehalten (Punk eben), wenn man aber länger über ihn nachdenkt, wird man feststellen, dass das Lied durchaus Tiefgang hat (der erste Vers geht, wenn ich mich recht erinnere, um jemandem, der sich rechtem Mob in den Weg stellte und entsprechend zusammengeschlagen wurde):


    Was schlug man den zum Krüppel?

    Weil sein Gewissen schrie

    Da gab es nur ein Mittel

    Und sie brachen ihm die Knie


    Was steckte man dies' Haus an?

    Verbrannte Menschen am lebendigen Leib?

    Sie sagen, es war die Farbe der Haut

    Oder irgendeine andere Nichtigkeit


    Was pfercht man diese Menschen in Lager?

    Und gibt ihnen einen süßlichen Geruch?

    Solange sie leben, graben sie in der Erde

    Zum Sterben ist noch Zeit genug


    Wer gibt da die Befehle?

    Etwas muß doch da verantwortlich sein

    Die Toten geben keine Antwort

    Da fällt mir Celans Geschichte ein


    Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

    Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

    Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

    Der Tod ist ein Meister aus Deutschland


    Vielleicht passt das Lied ganz gut zu Pfingsten - Verständigung und Verständnis statt Ausgrenzung und Hass (wegen solcher Nichtigkeiten wie Kultur, Hautfarbe oder Sprache):


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    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus HexeDee

    Aber auf der schwarzen Unterlage, die ich verwendet habe, da sah es ziemlich weiß aus.

    genau deshalb sollte man nie auf schwarzem Papier aussporen lassen. Nimm weißes Papier. Auch "Weißsporer" kann man darauf erkennen: bei Tageslicht im Schatten schräg auf den Sporenabwurf schauen - du wirst das Pulver dann gut sehen können, wenn es dick genug ist und dabei auch die Farbnuancen, die im "Weiß" enthalten sein können. Pablos Abwurf vom Austernpilz wäre auf rein weißem Papier schräg betrachtet vermutlich mit noch deutlicherem Violettanteil als in Aufsicht fotografiert und auf kariertem, nicht weißem Papier.


    Auf schwarzem Papier ist ein Problem, dass wir in der Netzhaut immer eine automatisierte Bildbearbeitung laufen haben und die Kontraste verstärkt werden. Hier ist das, was man dann sieht, weiß auf schwarz und die Farbnuancen verschwinden. Man sieht sie nicht mehr. Kannst du mal testen, indem du die gleiche hellsporige Art auf schwarzem und weißem Papier aussporen lässt. Du wirst überrascht sein.


    Dein Pilz ist für mich übrigens auch Pleurotus ostreatus s.str. (ohne Gewähr natürlich) ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Peter, Beli und Pablo,


    solche glatten und weißen Fruchtkörper werden immer wieder diskutiert. In einem italienischen Forum wurden genau diese ausführlich diskutiert: Polyporus sp. (Polyporus alveolaris) , Forum Natura Mediterraneo | Forum Naturalistico

    Hier kamen die Beteiligten auch zu dem Schluss, dass das noch Polyporus alveolaris ist (es wurde die Abgrenzung zu Polyporus corylinus diskutiert). Mich wundert hier vor allem der glatte Hut, denn ein reiner Albino sollte ja die Hutschuppen zeigen. Es scheint da aber alle Übergänge zu geben. Insofern ist mein aktueller Kenntnisstand, dass auch diese Funde unter Polyporus alveolaris laufen (abgesehen von der Gattung - ich habe gerade die aktuelle nicht im Kopf). Ob das dann mal ein eigenständiges Taxon wird, muss man beobachten (auf welcher Rangstufe auch immer - "gefühlsmäßig" wäre es für mich zumindest eine Varietät, die man abgrenzen könnte).


    Polyporus arcularius würde ich gänzlich ausschließen - den kenne ich nicht so seitlich gestielt, sondern viel mehr an einen Polyporus brumalis mit weiten Poren erinnernd.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    also ich finde die Idee mit Agrocybe elatella gar nicht so verkehrt. Mir fällt auf, dass die Stielspitze deutlich längsrillig ist - das entspricht ziemlich genau dem Fund, den Rudi hier vorzeigt. Man sieht es auch auf der von Pablo ziteirten spanischen Seite: Fichas Micológicas » Agrocybe elatella


    Agrocybe praecox wiederum sind vier Arten, die im Moment nur durch Kreuzungstests bestimmt werden können - drei davon sind aus Europa bekannt. "Den" Voreilenden gibt es nicht, was die Gruppe so schwierig macht. Eine leichte Längsrilligkeit gibt es hier auch, aber ich kenne das nur von der obersten Stielspitze. Zudem kenne ich die Arten des Agrocybe-praecox-Aggregats mit einer aufschürfelnden Huthaut, insbesondere wenn es so heiß im FGrühjhar ist, wie es bei uns der Fall war - man vergleiche die Fotos hier: Agrocybe praecox agg.: Agrocybe cf. gibberosa


    Ob es nun wirklich Agrocybe elatella oder doch ein Vertreter des Agrocybe-praecox-Formenkreises ist, werden wir aber am Foto wohl nicht klären können. Beide riechen nach Mehl und Agrocybe elatella wächst auch in Gärten und Parkanlagen. Der größte Unterschied ist neben der Schmächtigkeit von Agrocybe elatell, dass diese Art sterile Lamellenschneiden besitzt (nur Cheilocystiden), während die von den Vertretern des Agrocybe-praecox-Aggregats fertile Schneiden hat (Basidien und Cheilocystiden).


    Interessanter Fund!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thorben,


    die Dikaryophysen sind für mich junge Basidien. Die Sporen sind schon ziemlich dickwandig... die Auflagerungen kommen bei diversen Dacrymyces-Arten vor - ich bin mir da nicht sicher, welchen taxonomischen Wert sie haben. Die Sporenmaße sind für D. stillatus s.str. etwas klein, aber vielleicht sind die Fruchtkörper auch noch etwas jung. Für Dacrymyces minor würden sie besser passen. Die Art kann auch recht dickwandige Sporen haben. Eine Nebenfruchtform hast du nicht dabei gehabt?

    Was für ein Holz war es denn?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Liebe Maria,


    danke für die netten Worte und das Lob an uns als "Team" ;-). Und ja, Bildbestimmung ist halt immer so eine Sache. Man sieht ein Bild und hat erstmal eine Assoziation im Kopf - geht jedenfalls mir so. Die kann richtig sein oder einen auf die falsche Fährte führen. Oft ist das erste, was einem in den Kopf kommt, richtig, aber eben nicht immer. Daher sind gerade Rückmeldungen, was es sonst noch sein könnte, immer wertvoll und wichtig.


    Bei mir ist beispielsweise der Buchenwaldwasserkopf eine ziemlich häufige Art und ich habe schon recht große Exemplare in der Hand gehabt. Sieben Zentimeter Hutdurchmesser waren locker dabei. 15 cm Stiellänge wären für mich da auch kein Problem. Insofern hat 123Pilze hier durchaus recht - auch wenn da nichts von Stiellänge steht.


    Wenn man dann abewr genauer hinschaut, fallen einem eben manchmal weitere Merkmale auf, die man beim ersten Draufsehen nicht beachtet hat. Deshalb ist ja die Bildbestimmung immer auch Glücksache und man kann immer und schnell auch danebenliegen. Auch deshalb gilt ja, dass es keine Essensfreigabe gibt - auch bei vermeintlich leichten Pilzen.


    Habe ich Hydropus subalpinus selbst im Gelände vor mir, ist die Sache für mich einfach. Da hat man den Pilz aber auch in der Hand, sieht ihn von allen Seiten, kann die Konsistenz fühlen. Trotzdem passieren auch im Gelände durchaus Schnellschüsse, die nicht stimmen. Jede Bestimmung ist erstmal nur eine Meinungsäußerung und jede Bestimmung kann falsch sein.


    Für mich sind beispielsweise alle Fotos von Beli Dachpilze - die Huthaut zeigt genau die Opaqueheit, die u.a. für die Pluteus-phlebophorus-Gruppe typisch ist, inklusive der angedeuteten Adern am Hut. Beli meint, ein PSV hätte sie anders bestimmt. Die Bestimmung kann trotz Titels "PSV" einfach falsch sein. Oder zufälligerweise sind die Fotos allesamt von einem Pilz, die mal der PSV nicht angesehen hat. Aber nichtsdestotrotz ist die Bestimmung nicht 100% sicher. Letzteres muss nur der Fall sein, wenn ein PSV einen Pilz zum Verzehr freigibt.


    Langer Rede kurzer Sinn: Bildbestimmungen sind noch unsicherer als Bestimmungen im Gelände ;-).


    Naja, erstens nicht einfach nach Bild zu beurteilen, könnte aber in der Tat evtl. auch Pluteus phlebophorus oder sowas sein.

    Zu zweitens: 7 cm-Wasserfüße sind mir noch nicht begegnet, dass sollten eher Ausreißer sein.

    Aber das muss ja alles nix heißen, da sieht man wieder mal, was Bestimmung allein nach Bildern taugt...

    Zum ersten Satz: das "Naja" verstehe ich nicht wirklich - ich schaue auch hier nur die Fotos an und sage ja nur, dass das für mich eben Dachpilze sind. Naja klingt so, als sei das Äußern der Zweifel an der Bestimmung nicht angebracht?!

    Zum zweiten Satz: Mir eben schon, ich schildere nur meine Eigenerfahrung. Ob Ausreißer ist schwer zu sagen. Aber es gibt bei vielen Pilzarten auch ausnahmsweise sehr stattliche Exemplare. Jedenfalls kenne ich ziemlich stattliche Buchenwaldwasserfüße, ebenso aber auch kleine. Habe ich aber einen Hydropus subalpinus der Hutgröße eines Zweieurostücks, ist der für mich eher mickrig, denn vier bis fünf Zentimeter Hutdurchmesser erachte ich als normal.

    Den letzten Satz unterstreiche ich natürlich. Aber darum geht es ja eigentlich nicht. Ich finde, dass gerade die Diskussionen rund um eine Bestimmung hilf- und lehrreich sind. Und da ist es ganz gut, dass Bestimmungen am Foto oft nicht gerade eindeutig sind. Dann gäbe es auch nichts zu diskutieren ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    jetzt muss ich widersprechen - Belis Hydropus ist für mich ein Dachpilz. Mich würde es nicht überraschen, wenn da rosabraunes Sporenpulver als Abwruf zu finden wäre. Und Hydropus subalpinus kann recht stattlich werden. 7 cm Hutdurchmesser geht durchaus.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Maria,


    wenn der Pilz nicht bricht und auch der Stiel recht fest ist (brüchig, bricht aber nicht klingt für mich ein bisserl widersprüchlich), dann ist Megacollybia wohl die richtige Wahl für den Namen. Die Rhizomorphen sprechen auch dafür. Wenn du ganz sicher sein willst, kannst du mir den Pilz gerne schicken. Ich habe ab Samstag Ferien und kann sehr gerne nachmikroskopieren.

    Es ist schwierig, die Konsistent richtig zu beschreiben - Megacollybia ist halt so richtig rüblingsartig (wobei man den Stiel nicht unbedingt verdrehen kann, dann bricht er durchaus, aber der ganze Pilz ist trotzdem gummiartig), Hydropus subalpinus hat zwar auch einen etwas festeren Stiel, aber man kann ihn trotzdem recht gut brechen, finde ich. Ich werde auf die Stielbasis achten, wenn ich ihn heuer finde, ob da Rhizomorphen sind. Ich vermute, dass sie viel dünner sind.

    Hätte ich statt auf den Habitus und die Hutfarbe zu schauen, gleich auf die Rhizomorphen geschaut, wäre ich gleich bei Megacollybia gelandet ;-). Typischer Forenschnellschuss.

    Aber wie gesagt - ich kann gerne den Pilz untersuchen, wenn du magst. Die Artbestimmung in der Gattung Megacollyhbia ist zwar mehr als übel (geht fast nur genetisch bzw. noch geographisch), aber die Gattung würde da ja für uns reichen, zumal in Mitteleuropa nur Megacollybia platyphylla bekannt ist.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Maria,


    welche Konsistenz hat der der Stiel? Ist er wie Hartgummi oder eher brüchig? Und wenn du den Pilz an die Wand wirfst, zerbricht er oder kommt er heil zurück (Übertreibung macht anschaulich). ;)


    Michi, Hydropus subalpinus ist bei mir ziemlich häufig und erscheint im Frühjahr bis Sommer.


    Liebe Grüße,

    Christoph