Hallo zusammen,
ich hatte den besagten Röhrling eben unter dem Mikroskop. Ich habe auch Mikrofotos gemacht, werde die aber erst im Lauf der nächsten Tage aufarbeiten und einstellen können. Dann schaue ich mir den Pilz nichmal genauer an - bald habe ich richtig viel Zeit, die Sommerferien stehen an.
Zunächst an Bernhard:
Vielen Dank für das Zuschicken - es hat sich für mich absolut gelohnt. Der Pilz ist noch recht jung, aber alt genug, um die HDS sehr schön ausgeprägt zu haben. Dass es sich um Leccinum pseudoscabrum s.l. handelt, war ja schon anhand der gelblichen Röhren klar. Die HDS besteht entsprechend auch aus dicht stehenden, senkrecht aufsteigenden Hyphen, die eine Palisade bilden - genau, wie man es erwarten würde. Allerdings finde ich auffallend viele langgestreckte Zellen, dazwischen auch normale Hyphen, aber auch die zu erwartenden, sehr kurzen und breiten Zellen. Eine Mischung aus Kugelzellen und Cylindrocysten.
Ich habe allerdings noch nicht soooo oft Leccinum pseudoscabrum s.str. mikroskopiert, da der ja makroskopisch leicht kenntlich ist. Hier stutzte ich am Foto, weil einerseits die Hutfarben nicht so sind, wie ich sie kannte (wobei das durch die anderen Beiträge hier entkärftet wurde) und weil mir die für L. pseudoscabruzm so typische Schüppchenstruktur am Stiel fehlte - diese sehr auffälligen Längsrippen, auf denen die Schüppchen stehen. Die kenne ich sonst auch jung stärker ausgeprägt.
Wie auch immer, die Hutdeckschicht entspricht ziemlich gut dem, was Lannoy & Estades in ihrer Monographie als Leccinum brunneobadium bezeichnen. Inwieweit diese Art berechtigt ist (oder als Varietät), sei erstmal dahingestellt. Und vielleicht variiert die HDS auch von Kollektion zu Kollektion (vielleicht findet Bernhard ja später im Jahr mehr Fruchtkörper und vielleicht dann auch typisch als L. pseudoscabrum - was auch interessant wäre, da man dann wirklich die Trennmerkmale begraben könnte, also auch die mikroskopischen. Oder es bleibt konstant so, was noch spannender wäre.
Langer Rede kurzer Sinn:
Ich nenne das Ding einfach mal Leccinum cf. brunneobadium - das cf. wegen meiner mangelnden Stichprobenzahl an mikroskopierten L. pseudoscabrum, um die Lannoy-&-Estadès'sche Art selber genauer interpretieren zu können.
Daher sher spannend. Ich grabe mal in meinem Herbar (und dem Münchner Herbar) weitere, typische L. pseudoscabrum aus, um da nochmal die HDS im Vergleich anzusehen. Daher wird es noch etwas dauern, bis ich das cf. weglassen kann oder auch selber die Art L. brunneobadium über den Haufen werfe 
Liebe Grüße,
Christoph
(Die Mikrobilder werde ich noch nachliefern)