Beiträge von Tricholomopsis

    Servus Michl,


    dem Netzstieligen gibt's auch ganz ohne Netz. Das kann auch bei anderen genetzten Arten passieren. Bei Röhrlingen ist es wichtig, ein Schnittbild durch den ganzen Fruchtkörper (bis zur Stielbasis) zu haben. Ein Beschreibung, z.B. mit Geruch etc., ist auch sehr hilfreich. ;)


    So kann man nur ausschließen - die ganze Gattung Rubroboletus fällt m.E. raus (damit auch R. legaliea), da die nie auf dem Hut blauen, sondern nur schmutzig bräunlich verfärben (an einer Stelle sieht man blaue Huthaut). Zudem würde R. legaliae so stark nach Sellerie riechen, dass dir das sicher aufgefallen wäre.


    Es gibt nicht so viele Hexenröhrlinge, die auf Druck am Hut blauen. Suillellus luridus macht das auch, dann die Gattung Imperator. Ich würde hier aus dem Bauch heraus sagen, dass es ein Suillellus ist, aloso etwas rund um den Netz- und den Glattstieligen Hexenröhrling. Vermutlich hätte man im Längsschnitt einen roten Röhrenboden gesehen, der hier natürlich nicht sichtbar ist.


    Nebenbei angemerkt: nur die Poren sind rot - die Röhren waren sicher geblgrünlich ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo



    Die Synonymie von Leccinum albostipitatum den Bakker & Noorderl. 2005 und Leccinum leucopodium (Bas.: Boletus leucopodius Pers. 1799) wird nicht überall nachvollzogen, IF zB führt beide getrennt. Sollte aber schon das gleiche sein. Ich nehme an, Den Bakker und Noorderloos hatten von Persoons Kollektion kein Typusmaterial und haben dann halt statt neu zu typisieren neu beschrieben? Wenn man denn trotzdem die Synonymie herstellt, hätte das persoonsche Taxon natürlich Vorrang, weil viel älter.

    es ist noch ein bisserl anders gelaufen... (fast schon witzig)


    Den Bakker hat unter Pappel eine Rotkappe mit jung weißen Stielflocken gefunden und diese als "Laubwaldrotkappe" bestimmt. Daraus schloss er, dass die Laubwaldrotkappe unter Pappel auch weiße Stielschuppen haben könne. Deshalb hat er die weißschuppige Rotkappe unter Pappel nochmal erneut beschrieben.


    Den Bakker fügt also Leccinum leucopodium als Synonym von Leccinum aurantiacum / quercinum auf und hat deshalb nochmals die weißstielige Rotkappe beschrieben. Das basiert auf seinen eigenen Funden, nicht auf repräsentativem Material.


    Es gibt keinen Grund, den alten Namen Leccinum leucopodium zu verwerfen und einen neuen dafür zu beschreiben. Den Bakker tat so, als wäre es bislang unbekannt, dass die Pappelrotkappe weiße Stielschuppen hätte und meinte, dass eben die Eichenrotkappe auch weiße Stielschuppen unter Pappel habe. Wie er dann darauf kommt, warum das dann eine Eichenrotkappe ist, erschließt sich mir nicht aus seiner Arbeit.


    Was Leccinum populinum angeht, ist seine Argumentation auch in sich etwas schräg. Korhonen hatte dieses Taxon anhand deutlich abweichender Sporenmaße beschrieben. Den Bakker erkennt die Art nicht an, gibt aber für die Eichenrotkappe so enge Sporenmaße an, dass Leccinum populinum nicht dazu passt. Sind die beiden Synonym, müsste man eben die Variationsbreite der Sporenmaße entsprechend weiter fassen. Sonst ist es in sich unlogisch.


    Einige andere Synonymisierungen basieren auf von den Bakker selbst gesammelten und wohl fehlbestimmtem Material. Kurz gesagt, seine Revision der Gattung hat viele Macken und offensichtliche Fehler. Die anderen Studien seiner Dissertation sind sehr spannend. Er hätte nur als Nichtmykologe keine Gattungsrevision im klassischen Sinne bei so einer schwierigen Gattung machen sollen. Leider hat er auch die schon länger bekannten Polyploidisierungen in der Gattung Leccinum nicht in der Literatur recherchiert. Er kam sogar selber anhand der DNA auf den Verdacht - der wiederum würde erklären, warum getrennte Arten eine identische ITS haben können (wobei es nur eine Teilsequenz der ITS ist, was er angeschaut hat).


    Leider wurde bei uns sofort alles, was den Bakker schrieb, kritiklos und blind übernommen. Deshalb war die Gattung jahrelang quasi tot.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Pablo, servus Chris,


    wie ich oben schon geschrieben hatte: beim Parasol ist der Ring aus beidem aufgebaut - aus dem Velum partiale und dem Velum universale. Es gibt übrigens auch "Parasole" i.w.S. mit häutigem Velum universale und Volva, so z.B. Macrolepiota rhodosperma var. velicopa.


    Ich habe mittlerweile auch zweimal Chlorophyllum spec. mit häutigem Velum universale und entsprechenden Hautresten auf dem Hut gesehen.


    Man sieht übrigens gerade bei Chlorophyllum die Abrisskante des Gesamtvelums am Ring sehr schön, wenn man genau hinsieht. Ansonsten ist das Velum universale hier so stark reduziert, dass es an der Stielbasis und auf dem Hut nicht mehr erkennbar ist, nur eben als Teil des Rings.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jan-Arne,


    es ließe sich ja leicht überprüfen, indem man nach Schnallen an den Basidienbasen sucht. Armillaria mellea s.str. hat ja keine - im Gegensatz zu den anderen beringten Arten. Ich habe Armillaria mellea s.str. noch nicht sehr oft gesehen, da es bei mir offensichtlich zu kalt dafür ist (oder zu kontinental). Insofern ist es am Foto eh schwer. Da man die Stielbasen nicht sieht, fällt es so halt schwer. Ein häutiger, abstehender Ring wäre natürlich ein Merkmal für Armillaria mellea s.str. Sollte der Fund kartiert werden, würde ich dennoch eine mikroskopische Überprüfung empfehlen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Mausmann,


    warum sollte ich dich jetzt "auszählen"? Die Aussage, dass der Ring vom Butterpilz ein Velum partiale ist, ist nur fachlich falsch. Das ist alles. Wikipedia ist da keine verlässliche Quelle (bei Pilzen ist die deutsche Wikipedia auf nicht allzu hohem Niveau).


    Die Terminologie der Vela ist kompliziert. Ich empfehle nochmals die Lektüre des Beihefts 12 zur Z. Mykol. von Clemencon. Dort wird z.B. erklärt, dass es ein Pileoblem, ein Cauloblem und ein Lipsanoblem gibt. Caulo- und Pileoblem ergeben gemeinsam das, was als Velum universale bezeichnet wird. Das Lipsanoblem ist das Velum partiale.


    Beispiel Hallimasch:

    Die gelben Velumbänder sind das Cauloblem, die abwischbaren Flocken auf dem Hut das Pileoblem (übrigens auch der Schleim des Hutes bzw. die oberste HDS-Schicht, die sich im Primordium klar erkennbar aus dem Pileoblem bildet), welches bis auf die Unterseite des Rings reicht und dort das Cauloblem erreicht und im Prmiordium dort miteinander zum Velum universale verwächst. Daher ist hier der Ring beides, Velum partiale und Velum universale.


    Die Vela sind ein sehr spannendes, aber auch sehr kompliziertes Thema.


    Was du jetzt meinst:


    ein Velum universale ist nur eins, wenn es klar als häutiges Etwas den Fruchtkörper so bedeckt, dass am Stiel unten eine Volva zurückbleibt?!


    Hat dann für dich der Perlpilz auch eine Gesamthülle?


    Richtig ist, dass das Velum partiale nur zwischen Hutrand und Stiel (meist apikal) gespannt ist, das Velum partiale universale (blöder Schreibfehler...) geht den Stiel von der Basis hoch und auf den Hut. Die Ausprägung, ob nun häutig wie beim Grünen Knolli, ob spinnwebartig, ob nur Bänder am Stiel hinterlassend oder so stark reduziert, dass man nur noch einen Farbeindruck sieht (z.B. Tricholoma fracticum), spielt für die Struktur an sich keine Rolle.


    Viele Pilze haben ein Velum universale - so z.B. alle Agaricaceae, alle Strophariaceae, die Gattungen Cortinarius, Galerina, Inocybe, Tricholoma, Gymnopilus, Amanit usw. - bei Gymnopilus ist es stark reduziert, am Hut nicht mehr erkennbar, am Primordium aber klar sichtbar.


    Auf Anhieb fällt mir kein Pilz mit Velum partiale ein, der nicht auch ein Velum universale hätte - abgesehen von den Gattungen Russula und Pluteus, wobei ich da die beringten Arten noch nicht selbst gesehen habe und daher nicht weiß, ob dieser Ring wirklich ein Velum partiale ist (ich gehe aber davon aus).


    Fragt man ganz normal nach Pilzen mit Ring und ohne Volva, wäre es leicht zu beantworten. Fragt man nach Pilzen, die nur ein Velum partiale haben, wird es sehr kompliziert, wenn man genau hinsieht. Mir war früher auch nicht klar, dass der Ring oft aus dem Velum universale gebildet wird. Trotzdem ist es so. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus zuehli,


    diese "Fusseln" sind verklebtes Sporenpulver - die Einzelsporen sind zu klein, klar - das hier sind aber sehr sehr viele Sporen, die verklebt sind, also das Sporenpulver ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Craterelle


    danke für die Aufklärung! Ich hatte den Ring bei Butterpilz und Goldröhrling immer für ein Velum partiale gehalten ==Pilz26. Gibt es überhaupt Pilze, die ein solches ausbilden, aber kein Velum universale (eine Prüfungsfrage der DGfM scheint darauf abzuzielen)?

    ja, über die Frage bin ich indirekt auch schon gestolpert, denn meine BMG-Prüflinge haben sich unter anderem auch anhand des DGfM-Fragenkatalogs vorbereiten wollen und sind auch darüber gestolpert.


    Nur Velum partiale ohne Velum universale... das ist schwierig zu beantworten, da man genau prüfen müsste, ob die jeweilige Struktur wirklich Velum partiale ist. So weiß ich nicht, wie der Ring mancher Russula-Arten oder der Ring, der bei Dachpilzen auftreten kann, zu werten ist. Die Frage meint vermutlich den allgemeinen Begriff "Ring". Dass der eben sowohl aus Teil- als auch Geamtvelum bestehen kann oder aus beidem ist ja mehr wissenschaftlich relevant. Pilzberater unterscheiden ja sonst eher "mit Volva und Ring" --> Amanita; nur mit Ring und ohne Volva --> Agaricus (als Beispiel). Dass halt auch Egerlinge mit Volva existieren, ist ja eine seltene Ausnahme.


    Kurz gesagt - ich könnte diese Prüfungsfrage so wie sie gestellt ist auch nicht aus dem Stegreif beantworten. Ich will hier aber kein Fass aufmachen. Mir wurde ja mehr als deutlich klargemacht, dass ich mich da jeden Kommentars enthalten soll. Leider wirken sich die Fragen auch auf meine Kurse aus, da die Teilnehmer eben gutgemeint glauben, sich auch damit vorbereiten zu können... ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Jörg,


    ich schließe Leccinum leucopodium auch nicht aus, könnte es aber allein am Bild hier nicht festmachen. Der Fruchtkörper sieht ja schon recht alt aus (Huthaut nicht mehr überstehend, Hut alles, nur kein Streichholzkopf mehr) - so reif sind auch bei der Espenrotkappe die Stielschuppen rotbraun. Man bräuchte sehr junge Fruchtkörper, um sie am Foto zu bestimmen ^^.


    Die "Laubwaldrotkappe" nenne ich weiterhin "Eichenrotkappe", da mich den Bakkers Argumentation nicht überzeugt hat. Wenn man mal eine typische, jung schon rotschuppige Rotkappe unter Pappel (ohne Eiche / Buche) findet, dann sollte man unbedingt die Sporen messen. Ob nämlich Korhonens Leccinum populinum wirklich Synonym zu Leccinum aurantiacum (quercinum) ist, ist für mich ehrlich gesagt nicht klar. Dafür ist mir die Argumentation von den Bakker zu dünn.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    von mir noch als Anmerkung zu 11: das ist für mich nicht Armillaria mellea. Die Stielbasen sieht man zwar leider nicht gut, aber das sieht nach basal angeschwollen aus - Armillaria mellea s.str. hat spindelige Stielbasen.

    Die Velumflocken auf dem Hut sehen plüschig gelb aus, bei Armillaria mellea s.str. sind sie auf die Hutmitte konzentriert und (fast) schwarz, zumindest sehr dunkel, sodass die Hutmitte auffallend dunkel aussieht, der Hutrand hingegen glatt. Was spricht hier gegen eine junge Armillaria gallica?


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Chris


    Mal was anderes, bei Parey sind die Socken als Velum universale abgebildet, zählt das wirklich dazu also z.B. auch beim Amiant Körnchenschirmling, wo man den Socken ja ausgezeichnet sehen kann, ist das ein Fruchtkörber mit Gesamthülle -> Velum universale? Per Definition der beiden Begriffe halte ich das mittlerweile auch so, aber gegenfragen kann ja nicht schaden!

    exakt - Cystoderma hat ein Velum universale und dieses bildet den Ring.


    Sowas ist nicht selten - z.B. bei den Fälblingen ist der Ring vom Marzipanfälbling auch Velum universale, bei den Risspilzen i.w.S. ist der Ring von Inocybe (malocybe) terrigena Velum universale, beim Butterpilz ist der Ring Velum universale (beim Goldröhrling auch usw.), bei Ritterlingen wie dem Krokodilritterling oder dem Matsutake (während die Cortina mancher Erdritterlinge Velum partiale ist) und auch beim Reifpilz..


    Oft ist der Ring ein Gemeinschaftsprodukt aus Velum universale und Velum partiale, so z.B. bei Agaricus, Macrolepiota, Chlorophyllum aber auch z.B. Armillaria - dem Hallimasch.


    Die Velumverhältnisse sind sehr wertvoll für Gattungsdefinitionen, aber oft schwer zuzuordnen (was ist Velum universale, was Velum partiale...). Ich empfehle das Beiheft 12 zur Z. Mykol. (von Clemencon) - allein der Beitrag zum Hallimasch ist da spannend... und es gibt da doch mehr Mikromerkmale als gemeinhin angenommen, um Arten zu trennen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ja, eine panikfreie, sachliche Behandlung des Themas ist wichtig. Mich selbst betrifft das Thema jedoch direkt, da ich ja in Bayern Pilzberater ausbilde. Was soll ich nun erzählen? Dass die Stielbasisregel völlig ausreicht? Geht halt nicht mehr zu 100%. Deshalb in Panik verfallen? Nein, auch das nicht. Ich gebe aber offen zu, dass ich Egerlinge selber nur ungern in die Pilzberatung bekomme.

    Bei den Anisegerlingen weiß ich, dass sie ungesund sind. Die Cadmiumwerte sind unbeschreiblich hoch. Das Zusatzwissen, dass sie durch Cadmium im Boden zur Fruktifikation angeregt werden, ist zwar interessant, da sie damit ja Cadmiumzeiger sind, aber für die Küche ist das nicht so lustig. Aber den Sammlern die heißgeliebten Anisegerlinge jetzt madig machen? Nicht so einfach, das Thema.

    Und dann das Problem mit abgeschnittenen Egerlingen, was immer Diskussion bringt (wenn man sich dann weigert, sie genauer anzuschauen, wie ich es in dem Fall praktiziere).

    Und wenn dann mal ein ganzer Korb mit komplett geernteten "Wiesenegerlingen" kommt?


    Die Aussage von Biblithekar, er sei eh zurückhaltend bei der Freigabe von Egerlingen unterstreiche ich gerne. Geht mir auch so.


    Jetzt habe ich das Glück, dass ich schon einige giftige Agaricus-Arten gesehen habe / in der Hand hatte - so auch Agaricus xanthodermulus / laskibarii oder das Rebhuhn, das Perlhuhn, den "echten" A. xanthodermus sowieso, aber auch mittlerweile dreimal A. pseudopratensis... Ich traue mir den "echten" Wiesenegerling auch makroskopisch zu. Aber was rate ich Pilzberatern, die wenig Erfahrung mit Egerlingen haben?


    Ich gehe daher auch auf den Geruch ein: riecht ein Egerling nach gar nichts, ist er für mich verdächtig. Rötet ein "Wiesenegerling" im Fleisch zu stark, ist er verdächtig.


    Zum Glück gilbt A. pseudopratensis gerne in der Stielbasis. Aber eben nicht immer. Agaricus freirei hatte ich leider noch nie in der Hand - wenn er aber unterseits am Ring braune Streifen haben soll, wäre das ein nettes Merkmal. Wie verlässlich ist es?


    Meine Meinung ist: man sollte die aktiven Pilzberater diesbezüglich informieren. Deshalb habe ich auch die Threads im BMG-Forum und hier gestartet.


    Wenn die Giftigkeit der beiden Arten hinterfragt wird... schwierig... mir reicht es, dass A. pseudpratensis im Mittelmeerraum (wo die Art verbreitet ist) als giftig ausgewiesen wird. Und mir reicht, dass Agaricus freirei nah mit dem Rebhuhn, das als giftig bekannt ist, verwandt ist. Für mich sind die ganzen Karbolis solange giftig, bis das Gegenteil gezeigt wird.


    Würde man nun, wenn man weiß, dass es Egerlinge gibt, die in der Stielbasis nicht gilben, aber dennoch gifitg sind, dies nicht als Information an Pilzberater verbreiten, weil die Arten selten sind, würde mich hier die Logik wundern.


    Schön wäre es, wenn hier die Vereine, die Pilzberater stellen, zusammenarbeiten würden. Im Kleinen ist es ja der Fall - bei der PSV-Fortbildung im Rahmen der BMG-Tagung in Pfronten habe ich natürlich über Agaricus pseudopratensis geredet und darüber informiert. Das ist ja eine Zusammenarbeit. Was ich aber schon schade finde - die DGfM hat ein eigenes Forum, das Thema ist jetzt nicht ganz neu, aber es wird dort nicht einmal aufgegriffen. Vielleicht kommt in der nächsten Z. Mykol. eine Mitteilung raus... wer weiß? Und da könnte man eben zusammenarbeiten. Es geht nur um die Sache. Ich hoffe, dass sowas möglich ist oder möglich wird. Zumindest weiß ich jetzt, dass die DGfM "das Thema zur Kenntnis genommen hat". Das "aber" lasse ich mal unkommentiert, denn dass sowas sachlich und panikfrei aufgegriffen werden sollte, ist ja selbstredend. (Ich sehe auch in meinen Beiträgen keine Panik - den Radiobeitrag habe ich allerdings nicht gehört und ich habe mit diesem auch nichts zu tun).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thomas,


    coole Dokumentation :-).


    Was die Widersprüche in der Literatur betrifft... das ist bei so seltenen Pilzen eben durchaus der Fall. Bevor Antonin & Noordeloos (2004) die Monographie herausbrachten, gab es eh nur Einzelpublikationen von Einzelfunden. Ob die dann immer richtig bestimmt sind oder nicht, ist halt die Frage. Selbst bei den Monographien kann es natürlich Interpretationsprobleme geben (damals wurde nicht so viel wie heute seuqenziert). Generell würde ich aber raten, der Monographie zu folgen, da Antonin wohl die meisten Xeromphalina-Belege untersucht hat (allein von X. cauticinalis über 1 Seite Kleingedrucktes an Belegangaben, die er durchgeackert hat). Jetzt sind das aber wohl auch großteils Herbarbelege, da die Arten eben wirklich sehr selten sind. Frischmerkmale können also fehlen. Der Geruch ist ja was Auffälliges.


    Xeromphalina cauticinalis schmeckt extrem bis sehr stark bitter - Ludwig hat (da folge ich Antonin & Noordeloos) wohl in seiner Beschreibung Xerompahlia fraxinophila mit reingemengt.


    Xer. cauticinalis var. subfellea ist auch nach Antonin & Noordeloos kaum von der var. cauticinlais zu trennen. Der Unterschied zwischen mit KOH rotbraun unbd mit KOH deutlich rot ist nicht gerade groß.


    Da auch die Cheilo- und Caulocystiden passen, würde ich ebenfalls hier Xeromphalina cauticinalis als Name verwenden. Allerdings wäre es hier wohl angebracht, ein "cf." zu behalten, da der Geruch ja doch sehr auffällig ist. Wenn du im nächsten Jahr wieder Fruchtkörper findest und sie wieder so riechen, wäre das sehr spannend.


    Gerade hier können wir Amateure, da zahlenmäßig den Profis weit überlegen, helfen - wir finden eben solche Arten (wenn sehr viele suchen, findet irgendwer auch sowas hier). Und wenn diese Funde dann gut dokumentiert sind, ist das sehr hilfreich. Und wer weiß, vielleicht ist der Geruch bei Xer, cauticinalis sehr variabel... oder das hier ist ein eigenständiges, noch nicht abgegrenztes Taxon. Und wenn irgendwo auch "parfümiert blumig" steht, sind besondere Gerüche ja bereits bekannt (wer hat das eigentlich geschrieben?).


    Spannend!


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Marco,


    ist ja auch völlig o.k. - falls du aber mal die Pilze bestimmen willst, die du da isst, dann ist ein Sporenabdruck eben wichtig. Das wollte ich nur erklären. Wenn dich die Art nicht interessiert, sondern das Aggregat reicht (so ist es ja auch, wenn man "Hallimasch" isst), ist das natürlich hinfällig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Rudi,


    ganz genau - und das ist auch sinnvoll. Hier ganz konkret: es gibt in Cyanoboletus zwei europäische Arten: C. pulverulentus und C. flavosanguineus (letzterer wurde eventuell heuer in Oberbayern gefunden - muss ich im Winter aber noch nachmikroskopieren).


    Als Boletus pulverulentus var. mougeotii beschrieben wurde, gab es die zweite Art noch nicht. Im Rahmen der Überarbeitung und Beschreibung der Gattung Cyanoboletus wurde die neue Art auch mit bewertet und umkombiniert. Jetzt kann es sein, dass Boletus pulverulentus var. mougeotii besser bei Cyanoboletus flavosanguineus unterzubringen ist. Oder es ist ein Synonym davon. Oder eine eigene Art. Oder doch wirklich "nur" eine Varietät von C. pulverulentus.


    Ein Spezialist, der die Gattung bearbeitet, sollte daher, wenn neue Erkenntnisse vorhanden sind, auch die untergeordneten Taxa mit überprüfen und wenn sinnvoll, dann (!) umkombinieren. Sonst würde es immer sofort einen ganzen Rattenschwanz an Umkobinationen geben - auch alles, was längst verworfen wurde, was Syonym ist, was eigentlich ganz woanders hinmuss (ich denke an die ganzen "discolor"-Kombis bei Hexenröhrlingen).


    Beorn: falls du die Originalbeschreibung der var. mougeotii bekommen solltest, hätte ich auch großes Interesse. Ich habe keinen / kaum Zugang zu französischen Zeitschriften.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Thomas,


    da wäre ich auch veriwrrt, denn Anastomosen sind Querverbindungen zwischen Lamellen - die können so stark ausgeprägt sein, dass am Ende Röhren rauskommen (die dann eckig sind, z.B. beim Hohlfußröhrling) oder sie sind niedriger als die Lamellen oder sie sind mehr aderig in der Tiefe wie bei Mycena galericulata.


    Ludwig schreibt quasi "nicht anastomisierend... (auch stark aderig anastomisierend)".


    Alte Xeromphalinen können bisweilen deutlich ansatonisieren - das sieht man auch gut bei Xerompahlina campanella agg. - ich würde, um die Art genauer zu bestimmen, bei Antonin & Noordeloos nachsehen - am besten die Monographien verwenden, wenn man tolle Pilze gefunden hat ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Marco,


    hast du, um deine Zweifel auszuräumen, auch mal einen Sporenabdruck gemacht? Ich vermute, dass du dann bei den "kleinen Parasolen" mit den "froben Schuppen auf dem Hut" des öfteren überrascht wärst (jedenfalls zu beginn) - Macrolepiota rhodosperma hat eben gelbrosa Sporenpulver. Man kann Parasole nicht auf Art bestimmen, wenn man kein Sporenpulver hat, sage ich mal so. ^^


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    bei jungen Egerlingen kommt das Rosa durch ein Pigment der Lamellen selbst, bei Dachpilzen hingegen wegen des Sporenpulvers. Dieses "Mykologenrosa" erscheint in dünner Schicht in der Tat als rosa, in dicker Schicht hingegen als rostbräunlich mit einer anderen Farbzusammensetzung als bei Schleierlingen (mehr Rotanteil, weniger Gelbanteil). Das muss man einfach ein paarmal selber gesehen haben.


    Das Problem ist, dass kaum jemand Sporenabdürcke macht. Und wenn man sie gemacht hat, bitte auf weißem Papier oder auf Glas. Und bei dem weißen Papier bei Tageslicht im Schatten flach auf das Papier sehen - dann sieht man andere Farbnuancen als wenn man im 90°-Winkel drauf schaut.


    Manche Formulierungen hier im Forum zeigen, dass manche Sporenpulverfarben nicht selbst gesehen wurden, sondern orgendwo abgeschrieben sind. Neulich habe ich bei einer Diskussion beispielsweise zu Lepista die Aussage gelesen, dass da das Sporenpulver weiß-creme bis weiß-rosalich sei. Hier ist es ein klares orangeocker / orangbräunlich / orangerötelfarben - ich habe gestern mal Lepista glaucocana aussporen lassen - das ist sehr intensiv. Die Abgrenzung zu Rhodocyvbe ist daher auch mit Sporenabwurf nicht trivial - sieht man die Abwürfe nebeneinander, geht es.

    Auch bei Nebelkappen liest man oft "cremeweiß", dabei ist es sattgelb.

    Und bei Dachpilzen, Rötlingen, Scheidlingen usw. wird immer einfach rosa abgeschrieben. Mykologenrosa ist da besser, dann weiß man, dass es ein Braunton ist. Aber eben nur in dicker Lage (deshalb erscheinen die Sporen, obwohl dickwandig) im Mikroskop fast farblos, während "echte" Rostsporer wie Cortinarius wirklich braune Sporen haben (auch im Mikroskop).

    Was mich auch wundert - und einmal habe ich das leider selbst übernommen - dass behauptet wird, Leucoagaricus leucothites habe weißes Sporenpulver, das dann zu rosa umschlägt. Die Lamellenumfärbung ist ein Pigment der Lamelle, nicht der Sporen. Hier ist es einfach weiß und bleibt so.


    Sporenabdrücke zu machen ist kein wirklicher Aufwand, lohnt sich aber, da man so ein sehr wichtiges Merkmal hat. Nur stimmen viele Angaben in den Büchern nicht. Was da alles Weißsporer sind... ^^

    Davon abgesehen habe ich bis heute noch nie von der Gattung "Volvopluteus" gehört oder gelesen.

    Hab ich da was verpasst, oder war das noch nie im Tintling als "Umbenennung des Monats"?


    Ich glaube nicht, dass alle neuen Erkenntnisse, die gewonnen werden, sofort im Tintling zu finden sind. Genetisch lässt sich Volvopluteus gut abgrenzen und auch makroskopisch ist die glatte, klebrige, radialfaserig eingewachsene Huthaut schon ganz anders als bei den normalen Scheidlingen. Auch die Ökologie weicht ja deutlich ab. Ich finde das gut nachvollziehbar. Und nein, nicht jeder muss die aktuellen Fachartikel lesen, die in diversen Journals publiziert werden. Man versteht sich z.B. hier auch, wenn man Volvariella schreibt. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Veronika,


    ich wüsste nicht einmal, wass Kellerpilze sein sollen... Wenn das den Kellerschwamm und Verwandte betrifft (Faltenschwämme = Hausschwämme?), dann ist die Zuordnung falsch (und war es auch damals), denn die sind Vertreter der Boletales. Veraltet kann falsch sein.


    Beispiel: Hallimasch als Tricholomataceae ist falsch. Früher hatte man ihn aber mangels heutigen Wissens dort eingeteilt. Die Einteilung war aber dennoch falsch. Das ist wertneutral gemeint.


    Pablo wollte dich damit sicher nicht kritisieren. Die Aussage "er gehört zu den..." ist aber falsch. Die Aussage "Gröger hatte ihn früher zu den... gestellt" wäre hingegen richtig.


    Ist aber auch völlig wurscht - der Gallertfleischige Fältling ist heute jedenfalls eine Phlebia und die ist im heutigen System eben Teil der Ordnung Polyporales s.str.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Hallo zusammen,


    die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG e.V.) veranstaltet 2019 die dreizehnte Bayerische Mykologische Tagung. Diesmal gehen wir weit in den Herbst hinein und widmen uns dem Spessart - hier gibt es "Phlegmacien-Wälder", der Blutsee ist auch noch erreichbar, dann schöne Magerwiesen. Ich hoffe auf einen tollen Spätherbstaspekt.

    Und wenn es so trocken ist wie heuer, dann wird vielleicht so spät genug Niederschlag vorhanden sein.


    Heuer hatten wir Glück in Pfronten - es hat eine Woche vor der Tagung begonnen zu regnen - und es gab viele tolle Funde.


    Diesmal also spät im Jahr nach Unterfranken (fast schon Hessen...). Die Tagung liegt in den Herbstferien, es können also auch Schüler oder Lehrer problemlos teilnehmen. Für die Tagung haben wir uns die Burg Rothenfels reserviert: Burg Rothenfels

    Es ist eine Jugendherberge mit bestem Ambiente - der Vorteil ist, dass die Übernachtungen günstig sind. Der Nachteil ist, dass man etwas ab vom Schuss ist - umso besser kann man aber arbeiten, bestimmen, diskutieren und abends gemütlich ratschen.


    Wer noch nicht auf unseren Tagungen war: es sind ganz klassische Exkursionstagungen, also vormittags mit organisiertem Bus in den Wald, mittags wieder retour, dann genug Zeit zum Bestimmen/Aufarbeiten... um 17 Uhr (oder 17.30 Uhr - je nach Detailplanung) gibt es dann eine volle Stunde Fundbesprechung. Abends kommen Fachvorträge dazu. Zusätzlich gibt es eine Pilzberaterfortbildung - mit speziellen Vorträgen zur Toxikologie und zum Erfahrungsaustausch unter Pilzberatern.


    Unsere Tagungen sind einerseits bairisch gemütllich, andererseits aber auch bei Experten beliebt - Gäste kommen meist aus ganz Deutschland, aus Östereich, der Schweiz, den Niederlanden usw. Es sind aber nicht nur Experten, sondern auch "ganz normale" Pilzfreunde und auch Einsteiger natürlich herzlich willkommen. Wir machen begleitend zur Tagung auch immer eine öffentliche Pilzausstellung, um auch in der Region Werbung und Aufklärung in Sachen Pilzen zu machen (hier ist meist der Pilzverein Augsburg-Königsbrunn sehr aktiv).


    Diesmals liegen wir sehr praktisch für hessische Pilzfreunde (bzw. generell für Mykologen, die nicht aus Bayern stammen, da wir ja nahe der Landesgrenze im Nordwesten tagen.


    Gut, dass der Termin nicht mit Forentreffen kollidiert. :)


    Liebe Grüße,

    Christoph