Servus beinand,
ja, eine panikfreie, sachliche Behandlung des Themas ist wichtig. Mich selbst betrifft das Thema jedoch direkt, da ich ja in Bayern Pilzberater ausbilde. Was soll ich nun erzählen? Dass die Stielbasisregel völlig ausreicht? Geht halt nicht mehr zu 100%. Deshalb in Panik verfallen? Nein, auch das nicht. Ich gebe aber offen zu, dass ich Egerlinge selber nur ungern in die Pilzberatung bekomme.
Bei den Anisegerlingen weiß ich, dass sie ungesund sind. Die Cadmiumwerte sind unbeschreiblich hoch. Das Zusatzwissen, dass sie durch Cadmium im Boden zur Fruktifikation angeregt werden, ist zwar interessant, da sie damit ja Cadmiumzeiger sind, aber für die Küche ist das nicht so lustig. Aber den Sammlern die heißgeliebten Anisegerlinge jetzt madig machen? Nicht so einfach, das Thema.
Und dann das Problem mit abgeschnittenen Egerlingen, was immer Diskussion bringt (wenn man sich dann weigert, sie genauer anzuschauen, wie ich es in dem Fall praktiziere).
Und wenn dann mal ein ganzer Korb mit komplett geernteten "Wiesenegerlingen" kommt?
Die Aussage von Biblithekar, er sei eh zurückhaltend bei der Freigabe von Egerlingen unterstreiche ich gerne. Geht mir auch so.
Jetzt habe ich das Glück, dass ich schon einige giftige Agaricus-Arten gesehen habe / in der Hand hatte - so auch Agaricus xanthodermulus / laskibarii oder das Rebhuhn, das Perlhuhn, den "echten" A. xanthodermus sowieso, aber auch mittlerweile dreimal A. pseudopratensis... Ich traue mir den "echten" Wiesenegerling auch makroskopisch zu. Aber was rate ich Pilzberatern, die wenig Erfahrung mit Egerlingen haben?
Ich gehe daher auch auf den Geruch ein: riecht ein Egerling nach gar nichts, ist er für mich verdächtig. Rötet ein "Wiesenegerling" im Fleisch zu stark, ist er verdächtig.
Zum Glück gilbt A. pseudopratensis gerne in der Stielbasis. Aber eben nicht immer. Agaricus freirei hatte ich leider noch nie in der Hand - wenn er aber unterseits am Ring braune Streifen haben soll, wäre das ein nettes Merkmal. Wie verlässlich ist es?
Meine Meinung ist: man sollte die aktiven Pilzberater diesbezüglich informieren. Deshalb habe ich auch die Threads im BMG-Forum und hier gestartet.
Wenn die Giftigkeit der beiden Arten hinterfragt wird... schwierig... mir reicht es, dass A. pseudpratensis im Mittelmeerraum (wo die Art verbreitet ist) als giftig ausgewiesen wird. Und mir reicht, dass Agaricus freirei nah mit dem Rebhuhn, das als giftig bekannt ist, verwandt ist. Für mich sind die ganzen Karbolis solange giftig, bis das Gegenteil gezeigt wird.
Würde man nun, wenn man weiß, dass es Egerlinge gibt, die in der Stielbasis nicht gilben, aber dennoch gifitg sind, dies nicht als Information an Pilzberater verbreiten, weil die Arten selten sind, würde mich hier die Logik wundern.
Schön wäre es, wenn hier die Vereine, die Pilzberater stellen, zusammenarbeiten würden. Im Kleinen ist es ja der Fall - bei der PSV-Fortbildung im Rahmen der BMG-Tagung in Pfronten habe ich natürlich über Agaricus pseudopratensis geredet und darüber informiert. Das ist ja eine Zusammenarbeit. Was ich aber schon schade finde - die DGfM hat ein eigenes Forum, das Thema ist jetzt nicht ganz neu, aber es wird dort nicht einmal aufgegriffen. Vielleicht kommt in der nächsten Z. Mykol. eine Mitteilung raus... wer weiß? Und da könnte man eben zusammenarbeiten. Es geht nur um die Sache. Ich hoffe, dass sowas möglich ist oder möglich wird. Zumindest weiß ich jetzt, dass die DGfM "das Thema zur Kenntnis genommen hat". Das "aber" lasse ich mal unkommentiert, denn dass sowas sachlich und panikfrei aufgegriffen werden sollte, ist ja selbstredend. (Ich sehe auch in meinen Beiträgen keine Panik - den Radiobeitrag habe ich allerdings nicht gehört und ich habe mit diesem auch nichts zu tun).
Liebe Grüße,
Christoph