Beiträge von Tricholomopsis

    Servus beinand,


    wenn ich nichts falsch verstanden habe, kann man zumindest eine Speisemorchel gut erkennen: Morchella vulgaris. Das ist die fast schwarze mit den hellen, fast weißen Wabenkanten. Sie ist hier typisch abgebildet: 2000 Pezizales

    (aber nicht wundern, was da noch alles für Artnamen auftauchen)


    Die gelben sind im Moment das absolute Chaos. Hier gibt es mehrere Namenskandidaten (z.B. Morchella americana, Morchella fluvialis, Morchella esculenta, Morchella crassipes usw.) und es werden laufend mehr.


    Die normal braunen mit wenig gelb, die schon jung so ein bisserl braun sind, könnten sich als Morchella esculenta s.str. herauskristallisieren (ist ja ein uralter Name, also geht es darum, was man heute da hinein interpretiert).


    Schöne Morchella vulgaris finde ich nicht so oft.


    Fragt jetzt aber bitte nicht, ob mehr braune mit nicht ganz so weißen Wabenkanten auch Morchella vulgaris sind. Ich nenne im Moment nur die ganz typischen so, würde die aber auch noch keinesfalls kartieren, da sich die Artkonzepte erstmal heruasbilden und setzen müssen.


    Meist wachsen bei mir die gelben, etwas länglichen, die auch mal graugelb sind und vermutlich irgendwann als Morchella americana benannt werden dürfen. Etwas weniger oft die normal braunen, die ich im Moment als M. esculenta bezeichne. Und wie gesagt recht selten die schönen M. vulgaris.


    Bei Spitzmorcheln verkneife ich mir ohne Mikroskopie (und Glück, klare Merkmale zu haben) jeden Bestimmungsversuch. ^^


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Chris,


    ich hatte deine Frage übersehen. Witzigerweise schreiben Van Vooren & Moreau (2009a) nichts darüber, ob sie mit oder ohne Ornament/Anhängsel messen. Ich messe immer ohne. Dass es auch Van Vooren & Moreau so machen, entdeckt man erst in ihrer Arbeit über Discina (Van Vooren & Moreau 2009b: 4), weil sie hier eine Vergleichstabelle angeben und die Maße als "ohne Anhängsel" definieren:



    Pilze der Schweiz geben ja auch relativ kurze Sporen an: 24-30 x 13-14 µm.


    Problematisch ist nur die Abgrenzung zu Gyromitra warnei. Sie wird meist mit Gyromitra perlata synonymisiert und ist aus Nordamerika beschrieben worden - wurde aber offenbar in Spanien nachgewiesen, kommt also auch in Europa vor. Sie soll längere Anhängsel haben (bis 5 µm), was durch die kurzen, nur bis 27 µm langen Sporen auffällig sein soll. Die Beschreibung bei Van Vooren & Moreau (2009b) ist auch sehr kurz. Offenbar kennen sie die Art nicht so genau und beziehen sich auf die Literatur.


    Bei dir gehen die Sporen zumindest bis auf 32 µm Länge, was immerhin 7 µm mehr als die für G. warnei angegebene Maximallänge ist.


    Wie ich schon schrieb, sind die Sporenmaße aber doch recht variabel. Wirklich große Sporen von über 35 µm finde ich nur bei sehr alten Schlappen. Bei jungen Fruchtkörpern geht es m.E. oft nur bis 30 µm Länge (bei dem, was ich Gyromitra perlata nenne), aber auch dann an diese Grenze heran. Der Länge der Anhängsel vertraue ich nicht so ganz - ob jetzt 3,5 µm, 4 µm, 4,5 µm oder bis 5 µm... hm... aber wenn Sporen wirklich nur bis 27 µm gehen und viele kürzer sind, dann aber 5-µm-Oschis als Anhängsel haben, wäre das schon auffällig.

    Falls das möglich ist, würde ich dir empfehlen, ein paar der Lorcheln fast schon verwesen zu lassen und dann an den ganz alten Schlappen nochmal zu messen (nur aus Neugierde, wie sich bei dir die Sporenmaße dann ändern).


    Vielen Dank für die ausführliche Dokumentation. Nur so kann man letzten Endes das prüfen, was die Experten wie Van Vooren & Moreau als Thesen aufstellen. Und ganz sauber sind deren Beschreibungen auch nicht immer. Nur als Beispiel: über Gyromitra accumbens (eine andere Scheibenlorchel) schreiben die, die Sporen seien glatt und ohne Ornament, dabei hat sie ein feines Netz, wenn man genau hinschaut. Und die Maße, die Van Vooren & Moreau angeben, sind da auch nicht ganz sattelfest - siehe die Diskussion um/über Gyromitra accumbens vs. G. leucoxantha im BMG-Forum (wir haben da viel über diverse Lorcheln diskutier... der verlinkte Thread geht über zwei Seiten und u.a. Gernot Friebes hat - wie immer - interessante Infos dazu mitgeteilt). Ich selber hatte bisher nur Gyromitra lecuoxantha in der Hand / unterm Mikro und noch keine klar G. accumbens, aber das ist jetzt eh off topic bezüglich diesem Thread hier.


    Und gerade deshalb sind solche Dokumentationen so wichtig.


    Für mich ist das, was du hier zeigst, immer noch die klassische Gyromitra perlata.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: - ich hatte die Literaturstellen vergessen, anzugeben...


    Van Vooren N. & Moreau P.-A. (2009a): Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales). 1. Introduction et systématique. Ascomycete.org 1(1): 3-6.

    Van Vooren N. & Moreau P.-A. (2009b):Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales). 3. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre Discina. Ascomycete.org 1(2): 3-13.

    Servus Brummel,


    ich koche auch nur mit Wasser. ;)

    Gyromitra ticiniana ist makroskopisch nicht unterscheidbar und hat ebenfalls die entsprechenden Sporenanhängsel. Nur fehlt ihr das netzartige Ornament auf der Spore - die Sporen bleiben glatt. Die Maße sind auch ähnlich. Gyromitra ticiniana hat wohl etwas schmalere und kleinere Sporen, aber die Variationsbreite der Sporenmaße kann bei Lorcheln relativ groß sein.


    Hier die Abbildung von Gyromitra ticiniana aus Van Vooren & Moreau (2009):


    Literatur:

    Van Vooren N. & Moreau P.-A. (2009):

    Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales). 3. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre Discina. Ascomycete.org 1(2): 3-13.


    Die ersten Ausgaben der Ascomycete.org sind frei lesbar - falls du magst, kann ich die die pdfs aber auch schicken (ist halt alles auf französisch). Die Angaben in den einzelnen Aufsätzen sind aber auch immer kritisch zu betrachten - gerade die Sporenmaße machen manchmal eben Probleme.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Tuppie,


    den Apfelkuchen nehme ich doch gerne...


    Zur Frage wegen der Bestimmung kann ich nur sagen: kommt drauf an. Manche Morchelarten kann man jetzt schon ganz gut bestimmen - Morchella anatolica zum Beispiel - sie ist makroskopisch auffällig und hat sehr deutlich längsstreifige Sporen. Oder Morchella eohespera - ihr fehlen die sonst morcheltypischen "Bläschen" an den Sporenenden und sie hat auffallende, kopfige, sterile Elemente an den Wabenkanten (wobei das wohl erst noch bei den anderen Spitzmorcheln geprüft werden muss). Morchella steppicola ist durch Makroskopie und Habitat gut gekennzeichnet.

    Andere Morchelarten sind im Moment aber nur durch die Sequenzierung erkennbar / bestimmbar. Ob das so bleibt, wird sich zeigen, denn vielleicht gibt es ja doch noch Trennmerkmale, die jetzt noch nicht bekannt sind, irgendwas, was bisher als unwichtig galt oder doch die Ökologie...


    Im Moment ist ja gerade die Umbruchphase von drei Arten (Speise-, Spitz- und Käppchenmorchel) hoch auf ca. 60. Und da ist die Genetik schneller als die klassische Methodik. Insofern verwundert es nicht, dass im Moment nur wenige Arten klar bestimmbar sind, der Rest kryptische "DNA-Arten". Das kann sich aber wie gesagt ja noch ändern.


    Ein Ende wird noch ein bisserl dauern. Die neuen Konzepte müssen wieder durch weitere Aufsmamlungen getestet, geprüft, eventuell abgeändert oder verworfen werden. Es ist im Moment noch viel Dynamik bei den Morcheln zu erkennen. Vielleicht hat man's in 20 Jahren, vielleicht in 10? Hängt an der Anzahl an beteiligten Forschern und den Mitteln für die Forschung. Und an der Manpower, Morcheln von allen möglichen Ecken zu sammeln und zu sequenzieren / sequenzieren zu lassen. Das Ende ist daher m.E. noch nicht absehbar.


    Ich selber habe mich schon lange mit den unterschiedlichen Ausprägungen von Morcheln beschäftigt. Es ist z.B. spannend, Sporenpulverfarben zu bestimmen. Dafür kann man gut die Russula-Sporenfarben nach Romagnesi verwenden. Morcheln sporulieren von weiß bis dottergelb. Das taucht z.B. in den diversen Studien auch noch nicht auf. Vielleicht wird da noch was gehen - also merkmalstechnisch. Die meisten essen die Morcheln halt auf und nur die wenigsten Pilzfreunde versuchen hier, Kollektionen ausführlich zu dokumentieren. Die Aussicht, dass die Dokumentationen so rasch keinen Artnamen erhalten werden, schreckt vermutlich ab.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Stefan,


    das "pessimistisch" bezieht sich auf Folgendes:


    Tuppie fragt: "Kann mir jemand sagen, wo ich eine Auflistung der vershciedenen Morchelarten finden kann?"


    Du antwortest darauf: "Deine Frage kann dir so schnell keiner beantworten."


    Ich finde, "keiner" ist sehr pessimistisch, denn warum sollte das hier keiner können?! Es gibt ja genug Literatur und Richard et al. (2015) fassen ja den (damaligen) Ist-Stand gut zusammen. Da kann man also im Prinzip nachsehen (und wer den Artikel online nicht findet, dem kann ich ja ein pdf schicken).


    So war's gemeint, also eher als Scherz, da nach kurzer Zeit die Antwort auf Tuppies Frage von mir kam. ==Gnolm19==Gnolm4g:-)

    (und ganz ohne Fecebook *grinsel* :gpfeiffen: - weiß ja, ich bin kein Facebook-Fan... und einen Rüth Barski kenne ich gar nicht - ich habe mal eben gegoogelt und nur gesehen, dass er für mushroom-observer wohl mal ein Pilzbild (oder mehr?) beigesteuert hat - hab's nicht angeschaut)


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Deine Frage kann dir so schnell keiner beantworten.

    Sevus Stefan,


    warum so pessimistisch? Es gibt doch zig Artikel zum Thema Morcheln (und auch Mykologen, die hier im Forum aktiv sind und internationale Fachartikel lesen und entsprechend Auskunft geben können...). Und ja, es werden laufend neue Arten beschrieben. Im Moment legen die Türken nach - so z.B. der neue Nachweis von Morchella populiphila in der Türkei oder neue Spitzmorchelarten in der Türkei. Phillippe Clowez ist bei den meisten Papers beteiligt und dürfte im Moment der Spezialist schlechthin sein. Zudem werden immer wieder "Nordamerikaner" als bei uns doch heimisch erkannt wie z.B. Morchella eohespera, die wiederum nicht in der Zusammenfassung von Richard et al. (2015) vorkommt. Was wiederum klar ist, da sie erst 2016 beschrieben und dabei auch in Europa nachgewiesen wurde (ich hatte vergessen, das oben zu ergänzen... - mache ich gleich noch per Edit) - eine Beschreibung mit den Bestimmungsmerkmalen (hier geht was mit dem Lichtmikroskop) habe ich hier vor zwei Jahren online gestellt.


    Literatur zu den hier gemachten Aussagen:


    Ismail Acar & Yusuf Uzun (2017): An Interesting Half-Free Morel Record for Turkish Mycobiota (Morchella populiphila M. Kuo, M.C. Carter & J.D. Moore). Ekim (2017) 8(2): 125-128. Doi: 10.15318/Fungus.2 017.42


    Hatıra Taşkın, Hasan Hüseyİn Doğan, Saadet Büyükalaca, Philippe Clowez, Pierre-Arthur Moreau & Kerry O’Donnell (2016): Four new morel (Morchella) species in the elata subclade (M. sect. Distantes) from Turkey. Mycotaxon 131: 467–482. 131.467


    Andrus Voitk, Michael W. Beug, Kerry O’Donnell & Michael Burzynski (2016): Two new species of true morels from Newfoundland and Labrador: cosmopolitan Morchella eohespera and parochial M. laurentiana, Mycologia, 108(1): 31-37, DOI: 10.3852/15-149


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Tuppie,


    deine Frage ich nicht ganz so einfach zu beantworten. Im Moment geht man von mindestens um die 60 Arten in Europa und Nordamerika aus. Zunächst hatten die Taxa einfach nur "Clade-Nummern" erhalten, hießen dann "mel 01", "mel 02", "mel 03" usw., nachdem sich die Stammbäume stabilisiert hatten.


    Ohne die Morcheln ohne Namen aufzuzählen (also die, die auch jetzt noch nur Clade-Nummern haben, dem kein Typus zugeordnet ist), gibt es in Europa nach Richard et al. (2015) mindestens folgende nachgewiesenen Arten:



    "Gruppe" Rufobrunnea:


    M. anatolica

    M. rufobrunnea


    "Gruppe" Esculenta (Speisemorcheln)

    M. americana

    M. castaneae

    M. esculenta s.str.

    M. steppicola

    M. vulgaris


    "Gruppe" Distantes (Spitz- und Käppchenmorcheln)

    M. deliciosa

    M. dunalii

    M. eohespera (siehe Voitk et al. 2016 - Literaturzitat einen Beitrag weiter unten suchen)

    M. eximia

    M. eximioides

    M. importuna

    M. populiphila (vermutlich eingeschleppt aus dem östl. Nordamerika, auch in der Türkei nachgewiesen)

    M. pulchella

    M. purpurascens

    M. quercus-ilicis

    M. semilibera (= M. gigas)

    M. tridentina


    Und das ist schon nicht mehr aktuell... bei den Spitzmorcheln ist noch lange nicht Schluss. Und die Speisemorcheln sind auch noch nicht durch. So haben Richard et al. (2015) noch gar nicht alle beschriebenen Taxa durchgeackert - Morchella fluvialis betrachten sie z.B. gar nicht (ist eine der gelben Speisemorcheln, die flussbegleitend bei Eschen wachsen und aus Spanien beschrieben wurde). Zudem werden laufend neue Arten beschrieben, wodurch die um die 60 Clades, die nur anhand der ITS definiert werden, mit Namen versehen werden. Zudem - solange nur wenige Morchel-Kollektionen sequenziert wurden, kann man gar nicht seriös entscheiden, wie viele Arten wirklich in Mitteleuropa vorkommt. Solange keine Merkmale bekannt sind, mit dem man z.B. die "Gelben" auseinanderhalten kann, ist es purer Zufall, welche "Gelben" sequenziert werden.


    Die Verbreitung all dieser Arten ist teils sehr unklar, da ja nur beispielhaft Belege sequenziert wurden. Und da die ITS oft nicht ausreicht, kann es gut sein, dass manche Aggregate (z.B. das Morchella vulgaris-Aggregat) noch weiter aufgedröselt werden.


    Morcheln sind im Moment richtig spannend.


    Liebe Grüße,

    Christoph


    P.S.: das Literaturzitat...


    Franck Richard, Jean-Michel Bellanger, Philippe Clowez, Karen Hansen, Kerry O’Donnell, Alexander Urban, Mathieu Sauve, Régis Courtecuisse & Pierre-Arthur Moreau (2015): True morels (Morchella, Pezizales) of Europe and North America: evolutionary relationships inferred from multilocus data and a unified taxonomy. Mycologia 107(2): 359-382, DOI: 10.3852/14-166

    Servus Radelfungus,


    sollte es richtig warm und heiß werden, dann sind drei Wochen vermutlich zu viel. Bleibt es aber relativ kühl bzw. zumindest mal normal (der März war schin viel zu warm), dann kann es gut sein, dass du in drei Wochen noch uralte Schlappen findet. Die sind dann wenigstens richtig reif ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Mario,


    Trchispora nivea hatte ich auch vor kurzem und habe sie hier vorgestellt. Die Coniophora hat mich makroskopisch direkt an Coniophora olivacea erinnert. Die ist im BayerWald an Nadelholz häufig, sonst aber wohl selten. Auch sie hat Kristalle wie Coniophora (arida var.) suffocata, aber eben kürzere (aber auch schmalere) Sporen. Dann müssten dir Septocystoden aufgefallen sein. Diese sind auffällig und eben gerne mit Kristallen besetzt. Beim Zupfen kann die Richtung der Cystiden wegfallen, weshalb ich lieber schneide. So richtig glücklich bin ich da aber anhand der Fotos nicht, da es mehr wie Tramahyphen aussieht, was da inkrustiert ist.

    Coniophora arida selbst ist ein noch nicht aufgedröselter Artenkomplex wie auch Coniophora puteana (als Beispiel) - da gibt es auch geographische Rassen, die sich aber kreuzen usw. Kurz gesagt: ein rechtes Chaos. Vermutlich sollte man noch immer mit dem guten alten Ginns (1982) bestimmen, auch wenn seine Monographie ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Für Coniophora arida s.l. sind die Sporen aber schon sehr kurz, da gebe ich dir recht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Oehrling,


    zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit Gyromitra perlata. Aber ohne Mikroskop ist das nicht sicher - es gibt weitere Scheibenlorcheln. Man braucht wirklich reife Sporen, um hier sicher bestimmen zu können. Gyromitra fluctuans oder Gyromitra megalospora makroskopisch unterscheiden zu können... schwierig sage ich mal. Gyromitra spinosospora sieht identisch wie Gyromitra perlata aus, hier hat man aber den ökologischen Unterschied des Laubholzes als Substrat (ich kenne genau einen Fund, den ich auch in der Hand hatte). Aber ob die nicht auch mal an Nadelholz geht? Dafür hat man zu wenig Funde. Daher mache ich immer "Werbung" pro Mikroskopie von Lorcheln, insbesondere, wenn sie z.B. kartiert werden sollten.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Brummel,


    dein Lorchelplatz scheint Laubwald zu sein? Man kann ohnehin die Riesenlorchel nicht makroskopisch bestimmen, wobei Funde in Nadelwäldern an Nadelholz sehr wahrscheinlich Riesenlorcheln sind. Bei Laubwaldfunden muss aber mikroskopiert werden. Wurde damals die Riesenlorchel in reifem Zustand mikroskopiert? Man braucht reife Sporen...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Für mich war/ist es "nur" sehr interessant, dass Stockis ein Velum universale haben, das war mir nämlich so nicht bewusst, und wie das beschaffen ist.

    Servus Stefan,


    das Velum universale ist ein Familienmerkmal der Strophariaceae - das haben alle Schüpplinge, Träuschlinge, Schwefelköpfe usw. - sie haben alle beide Vela. Die "Schüppchen" am Stiel sind Reste der Velum universale, ebenso wie dir Hutflocken beim Stockschwämmchen. Man kann es gut erkennen, wenn man das junge Velum partiale noch sehen kann, denn da sind dann die Stielflocken auch auf dem Teilvelum. Deshalb fehlen die Flocken auch oberhalb des "Rings", der aus beiden Vela besteht.

    Man sieht auch bei großen Schüpplingen i.w.S. dass sie zwei Vela haben - der Ring, wenn massiv, ist dann oft das Velum universale, während das Velum partiale oberhalb als Cortina erkennbar ist. Sehr klar ist das z.B. beim Pappelschüppling, Hemipholiota populnea oder wie auch immer er gerade heißt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    der Thread / das Porrtait ist zwar schon etwas älter, aber ein paar Anmerkungen zur gelaufenen Diskussion sind vielleicht doch für den einen oder anderen hilfreich...


    Björn hat den Aufsatz von Gulden et al. (2001) zitiert, demzufolge die Gifthäublinge genetisch nicht unterscheidbar seien. Dazu muss gesagt werden, dass der erste Stammbaum nicht auf den Sequenzen, sondern auf RFLPs aufbaut (Restriktions-Fragment-Längen-Polymorphismen), in dem Fall der ITS. Hier wird nach Schnittstellen für Restriktionsenzyme geprüft, also nicht die ganze Sequenz untersucht. Der ITS-Stammbaum, der dann als zweites gezeigt wird (da dann auf Sequenzen basierend) wurde so gewählt, dass er dem RFLP-Baum entspricht. Das ist sehr seltsam, denn Sequenzen sind genauer. Insofern ist die Frage, ob dieser eine Stammbaum aussagekräftig ist. Schaut man dann genauer hin, so wurde nur die ITS2 sequenziert und dann die 5.8s-Region (ein Teil der LSU). Also noch dazu kurze Stücke.


    Dass der Stammbaum nicht auflöst, verwundert da nicht. Die Arbeit wird gerne als Argument verwendet, alle Gifthäublinge zusammenzuschmeißen, aber der Argumentation kann ich nicht folgen.


    Dann zu den Begrifflichkeiten - Variationen sind Abwandlungen eines Themas, so z.B. bei Musikstücken aus der Klassik. Die taxonomische Einheit, die gemeint ist, ist die Varietät (und damit ist keine Variation gemeint, sondern ein innerhalb einer Art sich abgrenzender, eigener Genpool, also das, was bei Tieren als Rasse bezeichnet wird). Eine Form ist dann wieder etwas anderes - das ist eine andere taxonomische Rangstufe. In dem Fall wäre es eine Rangstufe, die nur eine besondere Ausprägung mit einem eigenen Namen versieht, wo es aber nicht um Rassenbildung oder einsetzende Artentstehung geht.


    Ob man nun diesen Häubling als eigene Art, als Varietät oder nur als Form ansieht, ist natürlich (wie immer) reine Interpretation. Seit dem Aufsatz von Gulden (2001) schauen m.E. nur viel weniger genau hin, weil alles zusammengeworfen wird. Ob man hier aber den Autoren folgt oder nicht, muss man selbst entscheiden. Es lohnt, dennoch genau hinszusehen. Wer weiß, vielleicht wird die Gruppe mal intensiv revidiert und dann sind es doch wieder Arten oder Varietäten? Insofern finde ich es sehr gut, dass Björn genau hinsieht und auch diesen Häubling hier vorstellt.


    Wer sich für den Komplex interssiert, dem empfehle ich, sich mit der alten Monographie von Smith & Singer auseinanderzusetzen. Hier wird Galerina unicolor als größersporig als Galerina marginata angesehen (breiter, nicht länger):


    Galerina marginata s.str. ss. Smith & Singer: Sporen 8-10 x 5-6 µm

    Galerina unicolor ss. Smith & Singer: Sporen 7-10(-13,5) x 5-7,5 µm


    Galerina unicolor wächst gern am Erdboden, zwischen Moosen (und ist nach Smith & Singer ein Synonym zu Galerina praticola ss. Orton) oder auf finalfaulem Holz, das am Zerfallen ist. Der Stiel zeigt typischerweise durchaus graue Fibrillen, ist also nicht glatt. Oberhalb des Rings hat der Stiel genau die Farbe der Lamellen, woher der Name kommt. Die Huthaut vermittle zwischen Galerina marginata s.str. und Galerina autumnalis, die sehr gelatinös ist und der Hut sei nicht bzw. nicht so stark hygrophan wie bei Galerina marginata.


    Ob man die Unterschiede jetzt als Variabilität einer Art ansieht oder sie doch als Differenzialmerkmale gewichtet, muss man natürlich selbst entscheiden. Der Ring ist ja bei beiden das Velum universale, daher auch bei Galerina marginata erst aufsteigend und später hängend, aber so deutlich stulpenartig wäre zumindest untypisch. Das Substrat als stark verrottet und mit Moosen würde für Galerina unicolor passen. Nur die Sporenmaße... Björn schreibt "laut Literatur "7,5-8,5x5-5,5 µ(m)" - welche Literatur? Jedenfalls weicht das deutlich von Singers Originalkonzept von Galerina unicolor (Fr.) Singer ab... Meine Literatur sagt da was anderes.


    Auf alle Fälle eine interessante Kollektion. Und vielleicht sind die Sporenmaße doch variabler und es gibt G. unicolor auch mit schmalen Sporen? Das wird man nur durch gutes Dokumentieren von diversen Aufsammlungen rausbekommen. Bei mir sind viele Gifthäublinge nur "cf."-Bestimmungen, insbesondere bei dem, was man als Galerina unicolor bezeichnen könnte. Irgendwann wird sich's klären, wenn es zu einer ausführlichen Revision kommt.


    Ach ja, Smith & Singer unterscheiden 12 Arten (G. atumnalis stellten sie fälschlicherweise in einen anderen Komplex) im Galerina-marginata-Komplex weltweit, dabei auch Arten, die klar erkennbar sind (Galerina wellsiae als Beispiel, die hat keine Pleurocystiden - aus Alaska... Galerina venenata, die bei einer Geschmacksprobe ein Brenenn im Hals erzeugt - wobei ich nicht gern in tödlich giftige Pilze beiße... sie ist aus Oregon beschrieben). Das aber nur nebenbei angemerkt.


    Ich würde in deinem Pilz eher Galerina autumnalis erkennen, auch wenn der Ring kräftig ist. Dafür spricht, dass die HDS gelatinös ist, dass der Stiel nur relativ wenige Fasern zeigt, also die silbrig-graue Überfaserung fehlt und dass die Sporen für G. unicolor zu schmal sind. Die Cystidenbreite ist hier nicht angegeben (im Protrait) - sie sollen etwas schmaler als bei Galerina unicolor/marginata sein. Die Sporen von Galerina autumnalis können sehr stark kalyptrat sein, deutlicher als bei Galerina marginata. Würde also auch passen...


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus beinand,


    ich komme seit Tagen nicht mehr auf die Cybertruffle / Cyberliber-Website. --> http://www.cybertruffle.org.uk/cyberliber/


    Weiß jemand zufällig, ob die offline sind? Meines Wissens haben sie ja gegen kein Copyright verstoßen, da die Inhalte entweder von den Coyprightinhabern (z.B. Zeitschriften) explizit an Cyberliber freigegeben wurden oder die Scans anderweitig legitimiert waren. Am Ende wird's doch wohl nicht am Brexit liegen?


    Es wäre jammerschade, da Cyberliber eine wichtige Ressource für Amateure ist/war. Ich hoffe bald wieder ist.


    Über sachdienliche Infos würde ich mich freuen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Harald,


    Oligoporus folliculocystidiatus sieht völlig anders aus und ist am Fruchtkörperrand von seiner wattigen Nebenfruchtform umgeben. Es gibt bislang nur zwei Funde, wenn ich noch auf dem aktuellen Stand bin. Einmal der Typus aus Tschechien und dann habe ich ihn im Nationalpark Bayerischer Wald nachgewiesen.


    Oligoporus luteocaesius ist ebenfalls extrem selten. Ich meinte, ihn ebenfalls im Bayerischen Wald nachgewiesen zu haben, aber Ryvarden bezweifelt da die richtige Bestimmung, kann aber auch nicht sagen, was der Fund war. Indet. folglich (er war gelb und blau am selben Fruchtkörper und die Mikros passten...).


    Tyromyces chioneus kann gut sein - da müsstest du aber in der Trama Skeletthyphen finden. Für die Gattungsbestimmung wäre ohnehin wichtig, auf den Fäulnistyp des Holzes zu achten - Oligoporus / Postia: Braunfäule und Tyromyces: Weißfäule.


    Der Parasit könnte ein junger Hypomyces aurantiacus sein, aber da habe ich gerade nicht im Kopf, wie die Nebenfruchtform genau ausschaut. Daher sage ich nur makroskopisch und könnte sein.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Hagen,


    nur nach Foto sehr schwierig! Wenn die Schneiden wirklich fertil sind und die Sporen relativ klein (die genauen Maße wären hilfreich, auch die genaue Sporenform und eine Aussage über einen Keimporus oder ob die Wand gleich dick bleibt), wären hilfreich.

    So rein makroskopisch kommt Agaricus altipes in Frage, den ich aber nur aus Wäldern kenne (im Frrühjahr) ud der ein bisserl gilben müsste, was auch nicht passt. Und auf Heuballen? Passt auch nicht zu den Wiesenegerlingen. Gut, die Gruppe rund um Agaricus chionodermus hat der Teufel gesehen, aber bist du ganz sicher, dass die Lamellenschneiden steril sind? Ich wäre eher irgendwo bei Agaricus subfloccosus, in der Ecke - auch wegen des Rötens... aber das ist nur Herumgerate meinerseits.


    Ich fürchte, ohne genauere Angaben: seeehr schwierig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    ... und dann müsste uns nur noch jemand zeigen, wo die Halbfreien wachsen. Bevorzugen die auch Auwälder mit Eschen?

    Servus Stefan,


    ich finde (oder fand) sie sowohl an ganz normalen Waldrändern außerhalb der Auwälder bei Eschen, auch im normalen Wald, wenn dort mal ne Pappel steht und im Auwald - da aber dann auch mit einer größeren ökologischen Amplitude als die Speisemorcheln i.w.S. - die Käppchenmorcheln gehen auch in die Weichholzauen, wenn Pappeln in greifbarer Nähe sind. Sie ertragen eher nasse Füße als die Speisemorcheln, die ja gerne etwas weiter oben in der Hartholzaue wachsen (wo es eben auch Käppchenmorcheln geben kann). Manchmal reicht auch nur ein kleiner Bach und eine Pappel oder eine Esche.


    Und wie man ja sieht, kann es auch mal die Kirsche sein.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Hagen,


    sollte es dazu eine Literaturstelle geben, wäre ich auch interessiert. Um das auszusagen, müsste das ja irgendwo explizit untersucht worden sein - entweder über eine "falsche" Zeitreihe (mehrere Flächen, von denen man weiß, dass jeweils vor bestimmter Zeit keine oder wenige Saftlinge auftraten, weil eine entsprechende Habitatsveränderung eingetreten ist) oder es wurden Renaturierungsflächen untersucht, bei denen man zeigen konnte, dass sie nach 40 Jahren wieder die maximale Artenzahl an Saftlingen erreicht haben.


    Mir sind solche Studien unbekannt. Ich fürchte daher, dass es eine These ist, die nicht hinreichend begründet ist. Sollte das aber experimentell gezeigt worden sein, wäre das sehr spannend.


    Ich würde da eher direkt beim Spezialisten anfragen - du kannst ja mal David Boertmann anschreiben: David Boertmann | Aarhus University, Århus | AU | Department of Bioscience, sect. Arctic Environment


    Er ist momentan zwar mehr in der Zoologie tätig, aber er ist, was die Ökologie von Saftlingen angeht, sicher Ansprechpartner Nr. 1.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Habe ich leider noch nie live gesehen.

    Ihr beliebt zu scherzen, eure Eminenz?! Ja, ich weiß, Sachsen ist fast kalkfrei. Aber Thüringen ist doch nicht soooo weit weg.


    Bei mir gehen aber die Käppchenmorcheln zurück. Ist jedenfalls mein Eindruck. Früher war das eine Allerweltsart und sogar noch häufiger als Speisemorcheln i.w.S. Jetzt freue ich mich, wenn ich mal wieder Käppchenmorcheln sehe. Vielleicht ändert sich der Eindruck, wenn es mal wieder ein normales Frühjahr gibt. Hier ist es staubtrocken und viel zu warm (schon der ganze März war mal wieder deutlich zu warm) - kein Regen, nur mal zwei Tropfen. Alles staubt.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Björn,


    die 5 sieht sehr nach Ceriporia reticulata aus.

    8 könnte eine Trechispora aus - das Mikroskop wird es zeigen.

    Nicht nur Becherlinge färben Holz rot - das machen mehrere Pilze. Das könnte z.B. auch Phanerochaete sanguinea verursachen. Aber ganz ohne Pilzfruchtkörper ist das müßig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Malone,


    dein eventueller Flämmling hat einen häutgien Ring - da ist aber irgendwie alles unscharf. Sieht nach Galerina marginata agg. aus, also irgendein Gifthäubling.

    Nett, wie sich die Käppchenmorcheln nach oben schieben.


    Liebe Grüße,

    Christoph

    Servus Armin,


    bei 123-Pilze ist - so mein Eindruck - alles essbar, was nicht nachweislich giftig ist. Früher stand sogar bei dem Duftenden Afterleistling (eine extrem seltene Art, die kaum jemand findet), sie sei ein guter Speisepilz. Das geschah wohl, weil bei 123 alle Hygrophoropsis-Arten als essbar eingeschätzt wurden (selber der häufige Falsche Pfifferling ist ja eigentlich kein Speisepilz und hat Probleme bereitet). Jetzt steht die Art in einer anderen Familie (Hygrophoraceae) und in einer eigenen Gattung. Man kann nur sagen: Speisewert völlig unbekannt.


    Man kann natürlich hin und her argumentieren... bei den meisten Pilzen müsste man sagen "Inhaltsstoffe nicht ausreichend bekannt" - andererseits werden aus Vorsicht wohl auch wirklich essbare Arten generell als ungenießbar eingestuft (z.B. bei den Milchlingen Lactarius blennius und L. camphoratus, sie man wirklich essen kann). 123 scheint hier gegen das "Vergessen von Essbarkeit" einzutreten. Der Nachteil: dann wird etwas empfohlen, was durchaus problematisch sein kann.

    Die Gyromitrin-Menge der Scheibenlorchel Gyromitra perlata ist wirklich übersichtlich gering - hier kann man durch Trocknen und Abkochen entgiften (selbst die Giftlorchel kann man entgiften, in Finnland wird sie immer noch gegessen). Nur sollten dann solche Seiten, die ja im Netz sehr präsent sind, m.E. dann doch warnen. Scheibenlorcheln sind makroskopisch nicht sicher auf Artebene bestimmbar. Wie ist der Giftgehalt anderer Scheibenlorchelarten?! So etwas als Speisepilz zu empfehlen, finde ich fahrlässig. Ich bin aber auch auf der sicheren Seite die "safety first" sagt. Hat man sicher Gyromitra perlata vor sich, kann man die auch meiner Meinung nach ungiftig machen. Beim Kochen ist allerdings der Dampf giftig - man müsste sie unter einem Abzug in einem Chemielabor kochen. Zumindest Küchenabzug an, Fenster auf und Küche verlassen, wenn sie frisch ist. Getrocknet enthält sie kaum noch Gyromitrin.

    Die Cancerogenität ist aber auch dann unklar.

    Daher ein "Speisegiftpilz" - ich hatte sie selber auch einmal probiert, aber nur einen Becher, den vorher getrocknet. Ich habe auch nichts lohnenswertes am Geschmack finden können. Vergiftet habe ich mich aber nicht. Daher wirst du in dem einen Pilzbuch finden, dass es ein essbarer Pilz sei, in anderen, er sei kein Speisepilz (usw.).


    Jetzt ist jedenfalls klar, warum du so viel gesammelt hast. Mach dir bitte keinen allzugroßen Kopf - die Pilzmyzelien haben das ganz sicher überlebt und werden auch weiterhin fruktifizieren. ;)


    Liebe Grüße,

    Christoph