Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    am letzten Sonntag habe ich vormittags mal wieder eine kleine Runde im Duisburger Landschaftspark gedreht und nach Pilzen geschaut. Die ließen sich auch finden, obwohl es die Nacht über etwas Frost gegeben hat.


    1. Ich vermute hier Phragmidium potentillae auf Phragmidium argentea agg. Aber Fingerkrautbestimmung ohne Blüte ist nicht gerade einfach... EDIT: Pilz und Wirt wurden von Jule bestätigt.


    2. Keulchen an altem Pappelblatt. Die Sporen messen (7.7+-0.3) µm x (3.2+-0.2) µm, Q=2.4+-0.1 bzw. (7.0-7.9) µm x (2.9-3.6) µm, Q=2.2-2.6, Basidien sind 4-sporig, Schnallen sind abwesend, der Stiel ist glatt, aber mit kleinen Kristallkrümeln bedeckt. Wenn ich es richtig sehe, gibt es keine Sklerotien. Damit lande ich am ehesten bei Typhula/Pistillaria pusilla. Was meint ihr? EDIT: Klaus Siepe schrieb mir, daß T. setipes/pusilla/villosa ein Formenkreis ist, der nicht weiter aufgedröselt worden ist bzw. sogar alles die selbe Art ist.


    3. An gleicher Stelle wie im letzten Jahr: Peziza boltonii. Sporen (17.4+-1.0) µm x (9.0+-0.3) µm, Q=1.9+-0.1 bzw. (15.6-19.6) µm x (8.5-9.8) µm, Q=1.7-2.2


    4. Eine schnallenlose Galerina, da war der Fall schnell klar: Galerina clavata


    5. Cercospora mercurialis ex Mercurialis annua


    6. Als ich vor einiger Zeit mal bei FB einen Mehltau auf Caragana arborescens in einer Ascomyceten-Gruppe gezeigt hatte, wies Björn Wergen mich darauf hin, daß es auf Caragana auch eine Cucurbitaria caraganae gibt. Als ich dann an einem abgestorbenen Ast kleine Pyrenomyceten entdeckte, habe ich die natürlich direkt eingesteckt. Zu Hause dann die Ernüchterung: Eine Anamorphe...


    7. Pleurotus ostrreatus


    8. Galerina marginata


    9. Ein Mehltau auf Ligustrum vulgare. Leider waren nur wenige heile Asci vorhanden, so daß ich mir bei der Anzahl von Sporen nicht ganz sicher bin und mich nicht zwischen Erysiphe syringae und E. syringae-japonicae entscheiden kann.

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    10. Thedgonia ligustrina ex Ligustrum vulgare


    11. Die Kletteranlagen im Landschaftspark sind coronabedingt gerade geschlossen, aber das stört den Geröllnabeling Arrhenia rickenii nicht und er klettert munter an bemoosten Steinen hoch.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag war ich in der Nähe von Hinsbeck im NSG Krickenbecker Seen unterwegs. Dabei habe ich unter anderem diesen Pilz hier gefunden, bei dem ich nicht so richtig zum Ziel komme und Euch um Rat fragen wollte. Makroskopisch sah das auf den ersten Blick nach einem der zahlreichen weißen Rindenpilze auf der Unterseite eines am Boden liegenden Birkenstammes aus. Beim zweiten Blick fielen mir dann aber kleine gelbe Knubbel darauf auf. Nun gibt es ja einige Heterobasidiomyceten, die auf anderen Pilze parasitieren und dabei sehr unscheinbare Fruchtkörper bilden. Also hatte ich ein Stück eingepackt und zu Hause unters Mikrokop gelegt. Dort die Überraschung: Von einem normalen Rindenpilz war weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen gab es einerseits eine Anamorphe mit Unmengen an winzigen, runden Konidien. Dazwischen dann aber tatsächlich ein Heterobasidiomycet mit Auricularioiden Basidien. Interessanterweise war es nicht so, daß die gelben Knubbel dem Heterobasidiomyceten und die weißen Stellen der Anamorphe entsprachen. Es war eher so, daß die gelben Knubbel wohl hauptsächlich Konidienmasse waren, während der Parasit dann überwiegend in den weißen Partien in der Anamorphe saß. Ob Anamorphe und Teleomorphe zusammengehören oder die Teleomorphe die Anamorphe parasitiert?


    Sporenmaße sind (7.1+-0.4) µm x (3.8+-0.2) µm, Q=1.9+-0.2 bzw. (6.4-8.2) µm x (3.2-4.2) µm, Q=1.7-2.3. Schnallen sind vorhanden. Basidien sind 4-sporig. Ich hab versucht mit dem Schlüsseln von Phragmoproject zu arbeiten (die übrigens ganz grundsätzlich sehr zu empfehlen sind), aber habe da bislang noch keinen durchschlagenden Erfolg. Mit dem Generalschlüssel würde ich am ehesten bei Achroomyces s.l. landen, aber da lande ich dann keinen guten Treffer.



    Björn

    Hallo zusammen,


    beim Botryobasidium habe ich jetzt die vorhandenen reifen Sporen gemessen. Das ist zwar in KOH und mit Kongorot, aber sicher besser als nichts. Ergebnis: (8.8-11.4) µm x (4.4-6.2) µm, also genau so, wie es bei B. vagum sein sollte.


    Die Tomentella hatte ich in KOH mikroskopiert. Jetzt habe ich auch noch mal in Wasser reingeschaut (da ist das ganze aber deutlich zäher und zusammenhängender als in KOH). Bei einigen Basidien waren in der Tat ein paar rötliche Körnchen zu erahnen. Ich werde das Exsikkat aber mal auf den Stapel "Für Frank" legen :)



    Die Hyphoderma paßt zwar von den Sporen her gut zu H. cryptocallimon, aber da sollten die Zystiden dann zum Teil dickwandig sein. Das konnte ich nicht beobachten. Also belasse ich es einfach mal bei Hyphoderma sp.


    Björn

    Hallo Nobi,


    ist S. minimus wirklich seltener als S. citrinus? Bei Pilze-Deutschland gibt es für S. minimus sogar etwas mehr Funddaten (195 vs. 152 für S. citrinus). Wobei beide Verbreitungskarten ganz klar die Verbreitung von Dungpilzfreunden zeigen :D


    Und vielen Dank für die Bestimmung der Podospora. Irgendwie tue ich mich in der Gattung nach wie vor noch ziemlich schwer. Aber der Doveri-Schlüssel ist ja auch so unendlich lang und wenn man dann mit vergänglichen Anhängseln zu kämpfen hat, wird es halt nicht leichter.


    Björn

    Hallo zusammen,


    Nobis Hinweis auf Saccobolus minimus hat sich direkt bezahlt gemacht. Der erste Fruchtkörper, den ich heute augegabelt habe, war direkt ein Volltreffer!


    1. Saccobolus minimus mit Sporen von (12-13) µm x (5-6) µm


    2. Nochmal der Thecotheus holmskjoldii, aber nicht reif.


    3. Saccobolus citrinus war dann heute auch noch mal zu finden.


    4. Und dann war am Ende auch noch mal wieder ein Pyrenomycet dran. Die Sporen messen (29-33) µm x (17.5-20) µm und würde zu Podospora tendieren. Leider konnte ich die Caudae nicht gescheit sichtbar machen. Bei einer Spore hatte ich den Eindruck, als gäbe es oben an der Spore eine Hand voll Caudae, die quasi wie ein Wischmopp aussehen. Aber ob die Spore jetzt zum gezeigten Pilz gehört ist nicht sicher. Auffällig sind noch die Haare um das gesamte Perithecium herum. Beim Schlüsseln lande ich aber - wieder mal - im Nirgendwo. Nobi, hast Du da eine Idee zu?


    Björn

    Hallo Nobi,


    wie immer vielen Dank für dein Feedback zu meinen Funden. Es freut mich natürlich enorm, daß ich hier gleich drei mal richtig gelegen habe. Das Portrait von Matthias ist wieder einmal ganz großes Kino! Was S. minimus angeht, werde ich mal die Augen offen halten, so lange er nicht viel kleiner ist als S. citrinus....der ist ja auch schon nicht groß.


    Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, daß man in Corona-Zeiten immer einen gewissen Dungvorrat im Haus haben sollte. Man weiß ja nie, wie sich die Situation weiter entwickelt und wenn es mal zu einem strengen Lockdown kommen sollte, hat man dann immer noch eine Beschäftigung im Haus ;)


    Björn

    Hallo zusammen,


    das fällt mir jetzt auch spontan wieder der hübsche rosafarbene Schimmel ein, der sich vor ein paar Wochen regelmäßig in meinem Restmüll Tee-Resten gebildet hat. Leider habe ich da nicht näher reingeschaut, aber wenn er noch mal auftaucht, wäre das ja fast einen Versuch wert.


    Björn

    Im Winter werden es zwar etwas weniger Pilze, aber immer noch genug, als daß Langeweile bei mir aufkommen würde :D Im Zweifelsfall stellt man sich dann nämlich einfach ein bißchen Dung auf die Fensterbank und hat jeden Abend Spannung, Spaß und Spiel ;)


    Björrn

    Hallo Beli,


    T. lascivum hat etwas größere Sporen, den würde ich also ausschließen wollen. Bliebe alternativ noch T. album, aber da sollen die Schnallen wohl sehr rar sein. Aber letztlich ist wohl der Geruch das beste Trennmerkmal - aber Beschreibungen sind immer schwierig und so bleibt nur zu hoffen, daß ich irgendwann mal die drei Arten geruchstechnisch gezeigt bekomme. Am besten direkt alle nebeneinander.


    Björn

    Hallo zusammen,


    das Schaf hat den nächsten Ascomyceten produziert, diesmal aus der Gattung Saccobolus. Zunächst habe ich nur einen winzigen Fruchtkörper gefunden. Nachdem ich ihn auf dem Objektträger hatte und das Deckgläschen aufgelegt hatte, war zwar ein sehr hübsches Präparat zu erkennen, aber leider zogen binnen Sekunden einige störende Luftblasen heran. Also einfach mal mit dem Radiergummi etwas geklopft.... das Ende vom Lied: Das schöne Präparat war Murks, weil die Sporencluster und teilweise auch die Sporen gelitten haben und alles wild zerstreut war. Zum Glück ergab genauere Nachsuche dann noch einen Fruchtkörper, der zwar ein nicht ganz so hübsches Präparat ergeben hat, aber die wichtigsten Eigenschaften sollte man trotzdem erkennen.


    Die Sporen sind jung hyalin, dann violett und am Ende braun-violett. Sie messen ca (20-22) µm x (8-9) µm, sind überwiegend feinwarzig, teilweise auch mit etwas gröberen Warzen und weisen vereinzelt auch Risse auf. Mit van Brummelen lande ich wegen der gelben Paraphysen in der Sect. Saccobolus und dort dann mit der Sporengröße bei Saccobolus citrinus. Was sagen die Experten?



    Björn

    Hallo zusammen,


    hier noch der zweite Teil meiner Tour durch die Lintorfer Mark mit den zahlreichen Fragezeichen, die blieben.


    1. An toten Stängeln, vermutlich von Solidago fanden sich diese hübschen Becher mit beeindruckenden Paraphysen, vor allem in Lugol. Hat da jemand Ideen zu?


    2. Ein weißer Ritterling.... Begleitbäume waren Fagus und Betula, wobei ich Betula für den konkreten Partner halten würde, da die Pilze immer direkt um die einzelnen Birken wuchsen. Der Geruch ist schwer zu beschreiben, teilweise eher süßlich angenehm, aber dann auch mal mit leicht unangenehmer Note. Schnallen waren in der Huthaut an einigen Stellen reichlich vorhanden und an anderen Stellen dann wieder Mangelware. Die Sporen messen (5.5+-0.3) µm x (3.7+-0.3) µm, Q=1.5+-0.1 bzw. (5.0-6.1) µm x (3.3-4.6) µm, Q=1.3-1.6. Tricholoma stiparophyllum? Oder doch was anderes?

    Huthaut


    3. Eine Tomentella hatten wir ja schon lange nicht mehr. Und ja, ich weiß, daß hier auch noch Exemplare liegen, die ich Frank zuschicken wollte. Aber sie laufen ja auch nicht weg ;) Die Sporen messen (8.0+-0.4) µm x (6.2+-0.4) µm, Q=1.3+-0.1 bzw. (7.5-8.8) µm x (5.6-7.0) µm, Q=1.1-1.4 und sind unregelmäßig geformt. Die Hyphen sind um die 5,5 µm breit. Schnallen sind vorhanden, Zystiden nicht, und das Hymenium ist nicht cyanescent. Wenn ich dann mit Franks Schlüssel arbeite, lande ich am ehesten bei T. umbrinospora, was aber farblich nicht gut paßt. Was sagen die Experten?


    4. Ein Botryobasidium, das im Sporenabwurf leider versagt hat, so daß ich da also keine Sporenmaße habe. Belassen wir es also bei Botryobasidium sp.


    5. Daneben war aber noch ein Rindenpilz mit auf dem Stück Holz, der deutlich absporfreundlicher war. Sporenmaße (8.5+-0.6) µm x (5.0+-0.3) µm, Q=1.7+-0.1 bzw. (7.8-9.8) µm x (4.4-5.4) µm, Q=1.6-1.9, Schnallen vorhanden, Basidien 4-sporig, dazu nicht inkrustierte, lange Zystiden. Die Basidien würde ich tendentiell für suburniform halten und dann bei Hyphoderma schlüsseln, wo ich dann bei H. obtusum lande. Was meint ihr?


    6. Eine Peziza mit glatten Sporen von (15.5+-0.6) µm x (9.6+-0.5) µm, Q=1.6+-0.1 bzw. (14.6-16.5) µm x (8.7-10.5) µm, Q=1.5-1.9 auf Holz. Die Fruchtkörper sind ziemlich groß (>5 cm Durchmesser). Also Peziza varia?


    Björn

    Hallo zusammen,


    gestern Abend habe ich mir Nr. 5 noch mal angeschaut und es sieht tatsächlich nach Ceratellopsis aus. Die Sporen messen (6.0+-0.5) µm x (3.3+-0.2) µm, Q=1.8+-0.1 bzw. (5.2-6.7) µm x (3.0-3.6) µm, Q=1.6-2.0. Wenn ich mir dann den Corner von 1950 schnappe und Rinde als Substrat berücksichtige, lande ich bei C. mucedinacea. Geht ihr da mit?



    Björn

    Genau die Arbeit meinte ich. Ich finde die Scutellinias ja hübsch. Aber eben auch sehr schwierig und mit dem Schumacher-Schlüssel werde ich nicht so recht warm. Dann lieber Phytoparasiten und ab und zu mal ein bißchen Dung ;)


    Björn

    Hallo zusammen,


    das Schaf macht weiter ;) Mit den Tintlingen habe ich zwar bis jetzt noch kein Glück gehabt, die sind entweder noch nicht aufgeschirmt oder schon hinüber, wenn ich gerade mal reinschaue. Aber es gab eine Peziza und einen Thecotheus, die ich Euch zeigen möchte.


    Schon vor ein paar Tagen hatte ich mir diese relativ Peziza angeschaut, die aber auch über Tage hinweg nicht weiter gewachsen ist. Die Sporen messen (19.8+-0.7) µm x (10.2+-0.4) µm, Q=2.0+-0.1 bzw. (18.6-21.0) µm x (9.3-10.9) µm, Q=1.8-2.1. Ich hatte die Sporen erst für glatt gehalten, aber mit Baumwollblau zeigte sich teilweise doch ein Hauch von Ornament. Bei den warzigen Pezizas lande ich mit Doveri aber keinen Treffer. Also ist das Ornament vielleicht nicht real? Dann ginge meine Tendenz zu Peziza fimeti. Was meint Ihr?


    Heute habe ich dann diesen Thecotheus erwischt. Die Sporen messen (32.4+-1.0) µm x (14.3+-0.9) µm, Q=2.3+-0.1 bzw. (30.2-34.9) µm x (12.7-15.5) µm, Q=2.1-2.5. Damit lande ich bei Thecotheus holmskjoldii. Geht ihr da mit?


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich schau mal ob die Nr. 5 noch in einem halbwegs mikroskopierfähigen Zustand ist...


    Was die Galerina marginata angeht, scheint das eine recht variable Art zu sein. Wenn man in die Literatur schaut, sind meine Sporen wohl eher am kleineren Ende und deine Sporen eher am größeren Ende.


    Björn

    Hallo Felli,


    ich hab jetzt gerade mal diesen synoptischen Schlüssel ausprobiert. Das ist im Vergleich zu einem dichotomen Schlüssel natürlich viel praktischer, weil man nur das eingeben muß, was man sicher beurteilen kann. Da bleiben dann am Ende R. subsimilis und R. britannica übrig. Die erstere Art scheint aber eher alpin zu sein und Pflanzenstängel als Substrat zu bevorzugen, während R. britannica weiter verbreitet ist und auch substrattechnisch besser paßt.


    Björn