Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    ich habe ja vor einiger Zeit hier schon den Schlüssel zu den diversen Phragmobasidiomyceten, den die Mykolog:innen aus den Niederlanden und Belgien erstellt haben, vorgestellt. Ein weiteres Projekt der dortigen Mykolog:innen ist das Ascomyceten Project, in dem es, wie der Name schon vermuten läßt, um Schlauchpilze geht. Für die "Becherchen" gibt es dabei knappe Schlüssel, die einen in die jeweilige Gattung bringen. Das wahre Highlight sind aber die Schlüssel zu den Pyrenomyceten. Hier wird man zunächst einmal anhand der Sporenfarbe und -septierung in einen Unterschlüssel geführt, der dann zu jeder Gattung eine Beschreibung der wesentlichen Merkmale enthält, einige Arten mit Substratvorlieben aufzählt und am Ende auch immer noch auf entsprechende Literatur verweist. Dazu gibt es bei den meisten Gattungen auch noch eine Zeichnung der makroskopischen Erscheinung und Mikromerkmale.

    Leider haben die Niederländer:innen sich auch hier wieder entschieden, die Schlüssel auf Niederländisch zu erstellen. Ich habe mir dann die Mühe gemacht, auch diese Schlüssel mit Hilfe von DeepL zu übersetzen und das Ergebnis wieder mit LaTeX optisch ansprechend gesetzt in der Hoffnung, daß das Ergebnis von Interesse oder Nutzen ist. Da das Ergebnis etwas umfangreicher ist, habe ich entsprechend länger daran gesessen und das Ergebnis ist noch nicht so aus einem Guß wie der Phragmo-Schlüssel. Insbesondere habe ich anfangs etwas zu sehr auf DeepL vertraut und die Übersetzung der Wirtspflanzennamen nicht kritisch überprüft. Da ich mich nicht systematisch von Teilschlüssel A1 zu Teilschlüssel D6 durchgearbeitet habe, kann ich leider auch nicht genau sagen, in welchen Bereichen die Wirtsangaben bereits geprüft sind und in welchen nicht. Damit aber nun genug der Vorrede, hier geht es zum übersetzten Schlüssel. Aufgrund von technischen Randbedingungen von Nextcloud ist die Freigabe leider nur bis zum 8.6.2025 gültig und mit dem Paßwort Peziza geschützt.


    Björn

    Hallo Heidrun,


    soweit ich das überblicke, ist Chaetosphaeria eine grundsätzlich sehr schwierige Gattung mit vielen Arten. Normalerweise wird die Teleomorphe von Chaetosphaeria aber auch immer von anamorphen Konidienträgern begleitet, die dann für die Bestimmung relevant sein können. Hast du so etwas beobachten können?


    Davon abgesehen würde ich empfehlen, Pyrenomyceten immer erst in Wasser zu mikroskopieren (deine Bilder sehen rosa-stichig aus, weshalb ich da eine Färbung vermute). Außerdem sollte man Sporenmaße maximal auf 0,1 µm genau angeben, mehr gibt ein Lichtmikroskop von der Auflösung her eh nicht her.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich kann heute Pilze für alle Geschmäcker zeigen: Phytoparasiten, Rötlinge, kleine bunte Becherchen, Pyrenomyceten, totes Holz...


    Björn

    Hallo Felli,


    eine Idee zu deinem Fund habe ich erstmal nicht, aber hast du schon den Schlüssel vom Phragmoprojekt ausprobiert? Wichtig wäre glaube ich erst einmal herauszuarbeiten, ob Schnallen vorhanden sind, wie viele Sterigmen die Basidien haben und ob sie wirklich gestielt sind oder ob zwischen Stiel und Basidie nicht doch eine Septe ist.


    NACHTRAG: Was bei den Gallertpilzen auch immer hilft: Den Fruchtkörper in Kongorot geben, das Kongorot komplett antrocknen lassen, einen Tropfen Wasser draufgeben und vorsichtig absuagen um das überschüssige Kongorot zu entfernen und dann in KOH mikroskopieren. Dadurch sind die Hyphen und Basidien am Ende optimal gefärbt.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich hatte gestern zufällig den Eutypella-Schlüssel des niederländischen Ascomyceten-Projekts in der Hand. Dort wird u.a. auch Peroneutypa scoparia ausgeschlüsselt. Die Abbildung dazu zeigt ebenfalls ein gemeinsames Vorkommen mit H. fasciculatum. Dort im Text wird spekuliert, daß das Harpographium eventuell ein Parasit an der Peroneutypa sein könnte.


    Björn

    Hallo Michael,


    die Sarcoscypha-Arten sind tatsächlich nur mikroskopisch sicher zu trennen (S. jurana ist prinzipiell am Substrat erkennbar, ist aber ja auch mit Abstand der seltenste der drei Arten). Von daher denke ich, daß man hier nicht zwischen S. austriaca und S. coccinea unterscheiden kann. Zum Teil wachsen sogar beide Arten durcheinander am gleichen Standort!


    Björn

    Hallo zusammen,


    Ende Dezember war ich mit Karl im Depot und habe mir bei der Gelegenheit auch etwas Damwilddung mit nach Hause genommen. Nachdem der Dung im Döschen war, hatte ich ihn irgendwie aus den Augen verloren und erst jetzt mal wieder reingeschaut, was sich dort so tut. Zu meiner Überraschung gab es trotz der langen Lagerzeit nicht nur Pyrenomyceten, sondern auch hübsche kleine Becherchen aus der Gattung Coprotus


    1. Ein Prachtexemplar von Coprotus sexdecimsporus, der mit seinen 16 Sporen pro Ascus ja gut kenntlich ist.


    2. Daneben gab es noch diese kleineren Coprotusse, die sich einer Bestimmung noch etwas widersetzen. Die Sporen messen 5.8-7.0 µm x 3.1-3.4 µm, die Asci sind 66-80 µm x 9 µm groß. Paraphysen waren nur sehr spärlich vorhanden, scheinen aber an der Spitze nicht auffällig verdickt zu sein und sind zum Teil oben apikal umgebogen. Mit diesen Informationen lande ich im Schlüssel von Doveri problemlos bei Schritt 17. C. glaucellus sollte kürzere Asci haben und scheidet damit aus. C. marginatus hätte apikal verdickte Paraphysen und ist damit auch raus. Bleiben also C. lacteus und C. baeosporus. Von der Sporen- und Ascigröße und den Paraphysen her scheint C. baeosporus besser zu passen, dort sollten die Sporen aber überwiegend uniseriat angeordnet sein. Was meinen die Fachleute dazu?


    Björn

    Hallo Thorben,


    danke für den Hinweis! Wenn ich mit der Arbeit von Diederich und Lawrey von 2007 vergleiche, scheint Burgoa angulosa am ehesten zu passen. Die Art hat nämlich Schnallen an den Septen, bildet weiße Kügelchen und scheint auch relativ weit verbreitet zu sein (auch wenn es bei Pilze-Deutschland nur einen Fundpunkt gibt, aber so sterile Hyphenballen sind ja auch nicht jedermanns Sache).


    Björn

    Hallo Hartmut,


    da kann ich mich nur anschließen: Tolle Funde, die du wunderbar in Szene gesetzt hast. Da du Dictyoporthe bipapillata öfter zu finden scheinst (die Art fehlt mir nach wie vor noch): Kommt die eher an alleinstehenden Hainbuchen vor oder im Hainbuchenwald? An liegenden Ästen oder an solchen, die noch am Baum hängen? Und sind die Äste dann eher dünn oder dick?


    Björn

    Hallo Ingo,


    soweit ich das überblicke (bin aber ja absolut kein Flechtenkenner) unterscheidet sich G. pulverulenta von G. scripta s. str. tatsächlich vor allem über die bereiften Apothecien. Mikroskopisch tut sich da nicht viel - aber wegen der Lugolreaktion der Sporen kommt die bei mir trotzdem jedes Mal unters Mikro.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich bin zum Glück auch wieder fit und bin gespannt, wenn Karl uns zeigen wird, daß Rotkäppchen unten lockige Haare hat. Außerdem kann ich einen Pilz zeigen, der mutmaßlich neu für NRW ist und einen, der mutmaßlich neu für Deutschland ist.


    Björn