Beiträge von boccaccio

    Hallo Matthias,


    bei Ascomyceten gilt, daß man zunächst einmal in Wasser mikroskopiert um alles im lebenden Zustand beurteilen zu können, insbesondere Sporengrößen, evtl. in den Sporen vorhandene Öltröpfchen etc. Erst danach gibt man Lugol zu um den Apikalapparat auf Amyloidität zu untersuchen. Ansonsten ist es auch wichtig, daß man gute, sprich flache Präparate macht, wo man Dinge klar beurteilen kann und nicht nur einen großen Klumpen sieht, bei dem dann ein kleines Element scharf ist und alles andere außerhalb der Schärfeebene liegt. Das ist nicht immer einfach und erfordert Übung. Am besten nur eine winzige Nadelspitze des Hymeniums entnehmen und dann quetschen. Faustregel: Wenn man denkt, daß man zu wenig Material genommen hat, hat man meistens noch zu viel genommen. Oft muß man auch das Excipulum, also die Außenseite des Fruchtkörpers beurteilen, dazu kann man dann hauchdünne Schnitte eines Fruchtkörpers machen. Auch das erfordert natürlich Übung, damit die Schnitte wirklich dünn werden.


    Im konkreten Fall gehören die septierten, dunkelbraunen Sporen übrigens nicht zu dem Pilz, den du makroskopisch zeigst. Das läßt sich auch leicht überprüfen, wenn du dir die Asci anschaust, da werden nämlich hyaline und keine dunklen Sporen drin sein.


    Björn

    Hallo zusammen,


    bei der gestrigen APR-Exkursion am Hohenstein in Witten konnte ich den falschen Mehltau Peronospora chrysosplenii auf Chrysosplenium alternifolium finden. Befallene Pflanzen sind blaßgrün verfärbt, die Blütenstände verfärben dann später auch ins Bräunliche. Auf der Blattunterseite findet sich ein gräulicher Pilzrasen aus Konidienträger. Diese sind wie bei falschen Mehltauen üblich mehrfach dichotom verzweigt. Die Konidien sind gräulich, eiförmig und messen im Mittel 24 x 20 µm. In den braun verfärbten Pflanzenteilen waren auch Oosporen zu finden. Diese sind rund, hellbraun und messen 30-48 µm im Durchmesser.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Konidienrasen auf der Blattunterseite


    Konidienträger und Konidien


    Oosporen


    Björn

    Hallo Wildes_und_Buntes,


    wenn Paraphysen vorhanden sind, sieht man die eigentlich ganz gut, wenn man ein Lager mit der Klinge abkratzt. Im Zweifelsfall kann man versuchen gezielt ein ganzes Lager mit der Klinge vom Blatt zu entfernen.

    Ellis & Ellis ist mit Hinblick auf phytoparasitische Kleinpilze z.T. mit Vorsicht zu genießen. Das Buch ist ja schon etwas älter und hat stellenweise ein eher breites Artkonzept. Außerdem sind die Beschreibungen der einzelnen Arten meistens sehr knapp. Bei K. uredinis wundert mich z.B., daß sie von Aecien sprechen, dabei bildet der Pilz aber primäre und sekundäre Uredien und Telien aus. Besser geeignet ist auf jeden Fall das Buch von Julia Kruse "Faszinierende Pflanzenpilze" oder wenn man tiefer einsteigen möchte das Buch von Klenke & Scholler. Konkret ist es bei K. uredinis so, daß man gerade jetzt im Frühling Uredien an Stängeln findet. Daneben können Uredien aber durchaus auch auf den Blättern gebildet werden.


    Björn

    Hallo Wildes_und_Buntes,


    Phragmidium violaceum ist das nicht, da wär das Ornament auf den Uredosporen deutlich entfernt stehender. Bleiben also noch Phragmidium bulbosum und Kuehneola uredinis übrig. Bei Letzterer sind die Uredien ohne Paraphysen, während die Phragmidium-Arten beide Paraphysen in den Uredien haben.


    Björn

    Hallo Matze,


    was Bücher über Rindenpilze angeht, gibt es zunächst einmal die ältere Reihe der Corticiaceae of North Europe. Das sind insgesamt 8 Bände, die allerdings schon lange vergriffen sind, aber die man digitalisiert im Netz findet. Neueren Datums ist aus der Reihe Fungi Europaei Band 12 von A. Bernicchia zu Corticiaceaen. Schließlich gibt es als neuestes Werk von Larsson und Ryvarden das Buch Corticioid Fungi of Europe. Das ist auf insgesamt 3 Bände ausgelegt, bis lang ist nur Band 1 erschienen, der einen Gattungsschlüssel und die Gattungen von A bis G beinhaltet.


    Björn

    Hallo Bohan,


    bei Puccinia croci sind die Telien fest, dichtstehend und werden bis zu 2 cm lang. Bei deinem Fund sind die Telien aber klein und pustelförmig. Ich denke, du hast den Wirt falsch bestimmt und es handelt sich hier um Puccinia liliacearum auf Ornithogalum sp. Das paßt auch dazu, daß Puccinia croci nur aus Funden aus dem Schweizer Jura bekannt ist und im D-A-CH-Raum als verschollen gilt.


    Björn

    Aber Claudia, da mußt du doch keine Angst haben! Ganz im Gegenteil siehst du dann, wie gut du das in deinem Dorf in Thüringen hast, wo weder Julia Kruse noch ich jemals vorbeischauen um das Phyto-Füllhorn auszuschütten :D


    Björn

    Hallo Hannes,


    die ersten drei Bilder dürften Sarcosphaera coronaria zeigen. Der wächst auch gerne auf Kalk, reißt sternförmig auf und hat ein violett angehauchtes Hymenophor. Das letzte Bild ist irgendetwas anderes.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich bin dabei und kann von der eindrucksvollen Schneise der phytopathologischen Verwüstung zwischen Frankfurt und Wiesbaden berichten.


    Björn

    Hallo Simon,


    ich würde deine Nr. 2 auch für eine S. jurana halten. Du könntest dir natürlich auch noch die Haare an der Stielbasis anschauen, dafür mit einer spitzen Nadel eine ganz kleine Portion von Haaren rauszuppeln. Bei S. austriaca sind die Haare deutlich gewellt (lockig), während sie bei S. jurana (und S. coccinea) glatt sind.

    Zur Sporenkeimung bewahrt man den Fruchtkörper einfach eine Weile auf (in ein einer geschlossenen Plastikdose mit etwas feuchtem Küchenpapier wahlweise im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur). Nach einiger Zeit wird sich dann ein weißer Belag aus Sporenpulver auf dem Fruchtkörper, den man dann einfach in Wasser mikroskopieren kann.


    Björn

    Hallo Askger,


    Ascomyceten bitte unbedingt immer erst einmal in Wasser mikroskopieren. Gerade so Eigenschaften wie Öltröpfchen in Sporen, aber auch die Sporenmaße selber können sich deutlich ändern, wenn man mit Chemikalien wie BWB färbt und dabei die Zellen abtötet.


    Björn